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Aktuelles

Beginn der sächsischen Aktion in Herrnhut am 21. Februar

Diakonie und Landeskirche eröffnen 17. Aktion „Hoffnung für Osteuropa“

Bild: Pressegespräch in Dresden vor Beginn der 17. Aktion "Hoffnung für Osteuropa"
Jutta Berndt, Diakonisches Amt; OKR Friedemann Oehme; Thomas Przyluski (Herrnhut); Elona Mandro aus Tirana

„Hoffnung für Osteuropa“, die gemeinsame Aktion evangelischer Landes- und Freikirchen in Deutschland zugunsten bedürftiger Menschen in Ost- und Südosteuropa, eröffnet am 21. Februar 2010 um 9:30 Uhr im Kirchsaal der Evangelischen Brüdergemeine in Herrnhut seine 17. sächsische Aktion. Die Predigt hält Pfarrer Volker Mihan aus Cottbus.
Die bundesweite Eröffnung findet ebenfalls am Sonntag Invokavit in der Alten Kirche am Markt in Nordhorn statt. Gastgeberin ist die Evangelisch–reformierte Kirche.

In den vergangenen 16 Jahren hat „Hoffnung für Osteuropa“ mit Hilfe zahlreicher Spenden viele beispielhafte sozial-diakonische Projekte in Mittel-, Ost- und Südosteuropa initiiert und gefördert. Dennoch sind vor allem behinderte und alte Menschen, Pflegebedürftige, Kranke, Alleinerziehende, (Straßen)Kinder und Angehörige von Minderheiten von einer gerechten Teilhabe an der europäischen Gesellschaft ausgeschlossen. Sie alle brauchen auch unsere nicht nachlassende  Solidarität.

Bild: Elona Mandro stellt die Kindergartenprojekte in Albanien vor
Elona Mandro berichet von den 13 Kindern im Kindergarten Pogradec, die demnächst auch eine warme Mittagsmahlzeit bekommen sollen

Unter dem Motto „Zeichen setzen für ein gerechtes Europa“ bittet die Diakonie Sachsen in diesem Jahr um Spenden für zwei Projekte, in denen Kinder im Mittelpunkt stehen.
„Wir sind für dich da“ – dieses Versprechen lösen die Mitglieder der russisch-orthodoxen Gemeinschaft des Heiligen Ioasaf in St. Petersburger seit Jahren in vielen einzelnen Fällen ein. Sie betreuen Kinder, die an Infektionskrankheiten wie Tuberkulose und Hepatitis leiden und oft jahrelang das Krankenhaus nicht verlassen dürfen.

„Wir begleiten, unterstützen und fördern dich“ – dieses Angebot erhalten seit ein paar Monaten albanische Kinder im Kindergarten der Herrnhuter Missionshilfe in Pogradec. Für die Mädchen und Jungen, die alle aus sozial schwierigen Verhältnis-sen kommen, ist das etwas ganz Besonderes.
Die 16. Aktion 2009 erbrachte in Sachsen 23.140 Euro an freien Spenden. Das Geld kommt, wie vorgesehen, sowohl jungen Menschen im ukrainischen Wladimir-Wolinski zugute, die nach ihrem Schulabschluss das staatliche Waisenhaus verlassen müssen als auch einem mobilen Pflege- und Beratungsdienst für HIV/AIDS-Betroffene in der ukrainischen Stadt Odessa.

Spendenkonto Sachsen:
Diakonie Sachsen / „Hoffnung für Osteuropa“
Konto 100 100 444
LKG Sachsen  BLZ 850951 64

Projektbeschreibungen zu St. Petersburg und Pogradec

„Wir sind für dich da…“

Eine St. Petersburger Hilfsorganisation kümmert sich um schwer kranke Kinder aus sozial schwierigen Verhältnissen

Bild: Weihnachtsmann besucht Patienten (Foto: IOASAF)
Weihnachten im Krankenhaus - der IOASAF-Weihnachtsmann bringt selbst in die sterile Umgebung ein Gefühl von Festlichkeit

Von Jutta Berndt

Seit dem Beginn des Transformationsprozesses breiten sich in der Russischen Föderation „alte“ und „neue“ Infektionskrankheiten - wie Tuberkulose, Hepatitis und HIV/AIDS – kontinuierlich aus. Im Zusammenhang mit gesellschaftlicher Destabilisierung und als Folge von familiärer Armut und Not sind zunehmend auch Kinder betroffen. So kommen bspw. in St. Petersburg derzeit etwa siebzehn Tbc-kranke Drei- bis Sechsjährige auf 100.000 Einwohner.

Alexandra Tichaja war 13 Jahre alt, als man bei ihr Tuberkulose feststellte. Das fröhliche Mädchen aus St. Petersburg, das bis zu diesem Moment nie ernsthaft krank gewesen war, wurde ins Kinder-Infektions-Krankenhaus Nr. 3 eingeliefert und kämpfte hier fünf Jahre lang um ihr Leben. Sie besiegte die Krankheit, verlor aber einen Teil ihrer Lunge.

Im „Nr. 3“ hatte Alexandra viele Leidensgefährten – oft Kinder aus zerrütteten Familien, deren Zuhause die Straße geworden war. Aber alle kleinen Patienten vermissten gleichermaßen liebevolle Aufmerksamkeit und bedingungslose Fürsorge.
Schon vor Jahren haben sich die Mitglieder der russisch-orthodoxen Gemeinschaft des Heiligen Ioasaf der verzweifelten Kinder im St. Petersburger Infektions-Krankenhaus Nr. 3 angenommen. Seither wird mit regelmäßigen Musik- und Malkursen, Bibelstunden und Gottesdiensten versucht, die Kinder psychisch zu stabilisieren. In den landesüblichen Schulfächern gibt es Zusatzunterricht, und ausgedehnte Spaziergänge in der Umgebung dienen der Entspannung, manchmal sogar dem Aggressionsabbau.

Bild: Logo "Hoffnung für Osteuropa"

Die bedürftigsten Kinder erhalten zusätzlich gesunde Nahrung, und für sie werden auch die Kosten weiterführender Diagnostik bezahlt.
Ein Psychologe bereitet die kleinen Patienten auf Operationen und schwierige Behandlungen vor. Da die Verweildauer im Krankenhaus oft mehrere Jahre beträgt, nimmt er sich auch der schwersten Fälle von Hospitalismus an.
Sind die Familien der Kinder bekannt, so wird versucht, mit ihnen in Kontakt zu kommen und das auch zu bleiben. Eltern und Verwandte erhalten – je nach Bedarf - psychologische und/oder juristische Hilfe mit dem Ziel, ihre Kinder nach der Entlassung aus dem Krankenhaus wieder in die Gesellschaft zu integrieren.

Für Alexandra waren die Jahre im Krankenhaus und die Unterstützung durch die Gemeinschaft des Heiligen Ioasaf ausgesprochen prägend. Seit sie das Krankenhaus verlassen hat, hilft sie bei der Betreuung der Kinder – erst ehrenamtlich, inzwischen als feste Mitarbeiterin der Hilfsorganisation. „Ich gebe den Kleinen die Aufmerksamkeit und Zuwendung, die sie brauchen. Wenn die Kinder spüren, dass sie mir wichtig sind und ich Zeit für sie habe, öffnen sie sich. Und dann sind sie wirklich bereit, an ihrem Gesundwerden mitzuarbeiten.“

Neben der Arbeit studiert Alexandra Soziologie. Sie will mehr über die Ursachen erfahren, die dazu führen, dass sich „alte“ und „neue“ Infektionskrankheiten in ihrem Land so rasch ausbreiten… Und sie will Tolja, einem Waisenjungen, den sie besonders ins Herz geschlossen hat, eine gute Zukunft sichern.
Mit sächsischen Mitteln aus der 17. Aktion „Hoffnung für Osteuropa“ 2010 sollen Teile der medizinischen und psychologischen Betreuung der Kinder durch die Gemeinschaft des Heiligen Ioasaf sichergestellt werden.

„Wir begleiten, unterstützen und fördern dich…“

Die Herrnhuter Missionshilfe fördert die Gründung eines Kindergartens in Pogradec (Albanien)

Bild: Kinder im Kindergarten sitzen aufgereiht auf den Stühlen (Foto: : Herrnhuter Missionshilfe)

Von Jutta Berndt

„Miredita“ (Guten Tag) begrüßt Teuta Dragoj, die Leiterin des Kindergartens in Pogradec, ihre Schützlinge. Die Drei- bis Sechsjährigen schauen sie erwartungsvoll an. Was hat die Tetoja (Tante) heute wohl für sie vorbereitet?

Albanien ist ein kinderreiches Land, doch jedes dritte Kind lebt in Armut. Jeder fünfte Erwachsene versucht, seinen Lebensunterhalt im Ausland zu verdienen und vor allem albanische Männer emigrieren nach Italien oder Griechenland. Zurück bleiben Frauen, Kinder und alte Menschen und wer es irgendwie ermöglichen kann, zieht in den Bereich der größeren Städte. Das hat zur Folge, dass sich die traditionelle Großfamilie mehr und mehr auflöst.
Besonders prekär ist die Situation der Roma. Etwa die Hälfte der schulpflichtigen Roma-Kinder geht nicht zur Schule, nur wenige Vorschüler besuchen einen Kindergarten. Wer arm ist und aus einer stigmatisierten Minderheit stammt, für den ist individuelle, kindgerechte Förderung von Seiten des Staates nicht vorgesehen. Albanische (Roma)Kinder jeden Alters machen eher Erfahrungen wie die zehnjährigen Diellz.

“Vorigen Sommer kam ein Mann zu uns nach Hause. Er sagte, ich könnte ganz in der Nähe eine Menge Geld verdienen. Mein Vater fand das gut und ich musste mit dem Mann mitgehen. Nach vielen Stunden kamen wir in der Stadt Thessaloniki an. Dort schickte mich der Mann von morgens bis abends zum Geldverdienen auf die Straße, ich musste Süßigkeiten verkaufen oder betteln. Wenn ich ihm nicht genug Geld brachte, schlug er mich und ich bekam nichts zu essen. Dann hat mich die Polizei gefangen und eingesperrt. Aber nach ein paar Tagen haben sie mich nach Hause geschafft. Mein Vater hat geschimpft… der Mann hat uns kein Geld gegeben, weil ich so schlecht gearbeitet habe.“

Bild: Kinder im Kindergarten von Pogradec

Albaniens wechselvolle Geschichte und die vierzigjährige Diktatur Enver Hoxha’s ließen erst zu Beginn der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts wieder eine Öffnung des Landes nach außen erkennen. Die Bevölkerung erlebte freie Wahlen; immer mehr Menschen begannen, sich sowohl religiös zu orientieren als auch soziale Themen aufzunehmen. Besonders die Jugend fragt nach Werten, auf deren Grundlage sich die schwer geschädigte albanische Gesellschaft neu organisieren kann.

1992 kam es zu ersten Kontakten zwischen jungen Albanern und Mitgliedern der Herrnhuter Mission. In der Folge entstanden in der Hauptstadt Tirana ehrenamtlich geleitete „Kinderclubs“. Bedürftige Kinder wurden von der Straße geholt, mit Essen versorgt, kindgemäß beschäftigt und außerdem in Fragen des christlichen Glaubens unterwiesen. 1994 gründete sich – trotz staatlicher Beschränkungen aber mit intensiver Unterstützung der Herrnhuter - die „Christlich-Humanitäre Stiftung – ein Beitrag zur Erziehung“. Diese kirchenähnliche Organisation macht inzwischen in zehn Gemeinden konkrete Angebote für Kinder und Jugendliche. Das neueste Projekt ist der Kindergarten „Das Wunder“ in Pogradec.

Die Kinder um Tetoja Teuta sind fertig mit dem Mittagessen. Mergim strahlt über das ganze Gesicht und zappelt solange auf dem Stuhl herum, bis ihn die Erzieherin liebevoll in den Arm nimmt. Vertrauensvoll flüstert er ihr ins Ohr, Pasual (albanische Bohnensuppe) und Bogatsch (festes Brot) hätten so gut geschmeckt, dass er morgen auch seinen Bruder und die Schwestern mitbringt.
Sächsische Mittel aus der 17. Aktion „Hoffnung für Osteuropa“ 2010 sollen 12 Monate lang für die Gehälter einer Erzieherin und einer Reinigungskraft und für die Betriebskosten des Kindergartens in Pogradec verwendet werden.

Diakonie Sachsen

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