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Aktuelles

"Woche für das Leben" mit Aktionstag in Dresden, 17. April

Bild: Pressegespräch im Deutschen Hygiene-Museum Dresden
Vorstellung des Aktionstages im Vorfeld. Front: Mathias Mader (l.), Frank del Chin, Eva Brackelmann

Mit einer Auftaktveranstaltung im Deutschen Hygiene-Museum Dresden am 17. April beginnt in Sachsen die „Woche für das Leben 2010“. Ab 14:00 Uhr wird es in verschiedenen Workshops und Mitmachangeboten Gelegenheit geben, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie ein lebenswertes Verhältnis zu Gesundheit und Krankheit gefunden werden kann. Der Aktionstag in Dresden steht in Anlehnung an das bundesweite Motto unter der Überschrift „Gesunde Verhältnisse – verhältnismäßig gesund“. Diese Veranstaltung wie auch andere in Sachsen und in Deutschland sind eine Initiative der evangelischen und die katholischen Kirche und finden vom 17. bis 24. April statt.

Bild: Oberkirchenrat Frank del Chin
Frank del Chin

Die ökumenische Woche für das Leben steht seit 20 Jahren für den Wert und die Würde des Lebens. Oberkirchenrat Frank del Chin erläuterte, wie viele Themen u.a. zu pränataler Diagnostik, Kindererziehung, Familie, zum Älterwerden bis hin zum Umgang mit Krankheit in den vergangenen Jahren schon angesprochen wurden. In diesem Jahr werde die Frage in den Vordergrund gestellt, wie der Umgang mit eigenen Verletzlichkeiten und Grenzen gelebt werden kann. „In welchem Rahmen sind Selbstsorge und Fürsorge möglich?“, so del Chin. Ist zudem die Gesundheit das höchste Gut? Wenn die Gesundheit zur Hauptsache erklärt wird, welche Folgen hat das dann für unseren Umgang mit Krankheit und Behinderung? Gibt es andere Zugänge zum Verständnis mit Gesundheit?
Der christliche Glaube könne helfen das Leben als Geschenk zu betrachten, so der zuständige Referent für die Woche für das Leben im Landeskirchenamt. Auch sollten soziale Netzwerke innerhalb der Kirchgemeinden stärker in Anspruch genommen werden.

Bild: Programm-Flyer

Der Dresdner Aktionstag will sich künstlerisch-kreativ mit dem Thema Gesundheit und Krankheit auseinandersetzen und es gibt verschiedene Angebote u.a. zu gesunder Ernährung, sportlicher Betätigung oder dem Miteinander der Generationen. Abschließend gehen die Vertreter von Landesregierung, Medizin, Seelsorge sowie chronisch Kranker in einer offenen Gesprächsrunde der Frage nach, was unter „gesunden Verhältnissen“ verstanden werden kann und wir dazu kommen können, „verhältnismäßig gesund“ zu leben. Als künstlerische Klammer stehen im Hygiene-Museum verschiedene Theaterspots mit dem „Schauwerk Dresden-Hellerau“ und zum Abschluss mit dem Theater der TU „die Bühne“ auf dem Programm.

Für Eva Brackelmann, Geschäftsführerin der Evangelischen Aktionsgemeinschaft für Familienfragen, sei die Veranstaltung „nicht allein als ethische Debatte über das Machbare und Bezahlbare“ zu verstehen. „Schutzbedürftige müssen verstärkt in den Blick der Öffentlichkeit gerückt und verschiedene Formen des generationsübergreifenden Zusammenlebens besser entwickelt und praktiziert werden“, sagt sie. So sei der Aktionstag für Familien offen, Kranke und Gesunde sollen ins Gespräch kommen. Die Aktionsgemeinschaft ist auch in diesem Jahr an der organisatorischen Vorbereitung und Umsetzung der Aktion befasst.

Auch für Mathias Mader, Seelsorger am St. Marienkrankenhaus in Dresden, sei im christlichen Kontext ein toleranter und verständnisvoller Umgang von kranken und gesunden Menschen wichtig. Er plädiert dafür, Krankheit als Chance zu begreifen und in die Öffentlichkeit zu rücken, wie es beispielsweise im Rahmen einer „Dokumenta“ in Kassel geschah, wo in einer Kirche Krankenhausbilder von OPs gezeigt wurden.

Bild: Logo Woche für das Leben

An diesem Tag wird es möglich sein, an einer nachmittäglichen Führung durch die neue Sonderausstellung des Deutschen Hygiene-Museums „Was ist schön?“ teilzunehmen. Durch das Ausstellungsthema mit Spannungen zwischen verführerischen Versprechen eines glücklichen Lebens und dem Problem eines unerreichbaren Wunschtraums wird das Anliegen der Woche für das Leben auf anschauliche Weise ergänzt.

An den jeweiligen Impulsen der Woche für das Leben beteiligen sich jedes Jahr Gruppen in Kirchgemeinden und Pfarreien oder es werden regionale Veranstaltungen angeboten. So findet in Chemnitz und Umgebung eine Veranstaltungsreihe in Kirchgemeinden, in Diakonie, Kliniken und an anderen Orten statt. Nach der ersten Veranstaltung im Evangelischen Forum in Chemnitz (Theaterstr. 25) am 17. April, wird am nächsten Tag zu einem Ökumenischen Gottesdienst zur Eröffnung der dortigen Woche für das Leben um 14:00 Uhr in die Kirche in Hartmannsdorf eingeladen.

Die Evangelische Akademie Meißen bietet zur Woche für das Leben vom 16. bis 17. April eine Tagung über den zukünftigen starken Anstieg von Pflegebedürftigen an. Bei der Veranstaltung „Anspruch und Wirklichkeit der Pflege im Jahr 2050“ stehen in Vorträgen und Gesprächsrunden der prognostizierte Leistungs- und Finanzierungsbedarf, Konzepte zur Ausbildung von Pflegekräften sowie Möglichkeiten pflegeentlastender Technologien im Vordergrund.
In der Orangerie auf dem Gelände der Diakonie in Großenhain steht am 22. April, 19:00 Uhr, das Thema „Demenz“ auf dem Programm.

In Leipzig-Engelsdorf (Turnhalle Neupaunsdorf) wird für den 18. April ein Ökumenischer Familiennachmittag mit Begegnung und Sport organisiert und in der katholischen Pfarrei St. Gertrud (Engelsdorfer Str. 298) ein Themenabend am 22. April, 10:30 Uhr, über häusliche Pflege.
In einem Gespräch über Sterben, Tod und existenzielle Ängste diskutieren am 19. April, 19:00 Uhr, im Dresdner Hygiene-Museum Fachleute aus Bereichen der Psychiatrie, Palliativmedizin und Hospizarbeit.

Weitere Hinweise

„Was ist schön?“

Deutsches Hygiene-Museum empfängt Besucher mit neuer Sonderausstellung

Bild: Plastiken vor Porträtaufnahmen in einem der Ausstellungsräume

Von Angelika Gütter

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land? Die Schau „Was ist schön?“ setzt sich kritisch mit Körperkult, Vergänglichkeit und Medienmacht von der Antike bis zur Gegenwart auseinander“, so Kuratorin Doris Müller-Toovey aus Berlin zur Eröffnung im Deutschen Hygienemuseum Dresden. Die Ausstellung zeige Schönheit als eine Vielfalt individueller Vorstellungen. „Trotzdem gibt es den,Goldenen Schnitt‘, gibt es Maße und Normen, anhand derer sich erklären lässt, woher unsere Vorstellung von Schönheit kommt“, sagte Kuratorin Sigrid Walther vom Deutschen Hygiene-Museum Dresden. Es gehe um kulturhistorische und soziologische Aspekte, den Einfluss von Industrie und Medien und die unterschiedlichen Facetten und Vorstellungen von Schönheit.

Gezeigt werden mehr als 300 Exponate. Darunter sind Arbeiten bekannter Film- und Bildkünstler, Videosequenzen, aber auch eine Kosmetikauswahl von den 1920er Jahren bis zur Gegenwart. Im ersten Raum, gestaltet wie eine „Bühne“, begegnen dem Betrachter an allen vier Wänden Fotos. Sind die jungen Mädchen schön, die Juergen Teller zeigt? Oder sind die liegenden Rückenakte von Fotograf Blaise Reutersward an Makellosigkeit und Schönheit nicht zu übertreffen?

Bild:

Vielleicht gehören Körperlandschaften faltig, aber würdevoll, die Fotografin Herlinde Koelbl von einer alten Dame zeigt, zu den schönsten Porträts.
Welche neurobiologischen und wahrnehmungspsychologischen Vorgänge spielen sich ab, wenn wir etwas schön finden? Die Schaltzentrale, ein beleuchtetes Gehirn, das die Abläufe sichtbar macht, wurde extra für die aktuelle Schau gebaut.

Die Ausstellung beleuchtet den „Schönheitswahn“ kritisch. Auch, dass 40 Prozent der jungen Mädchen unter 18 Jahren sich einer Schönheitsoperation unterziehen würden, wenn sie das Geld dafür hätten. Und die Kuratoren werfen einen Blick hinter die Kulissen des Geschäfts mit der Schönheit. Die Kulturgeschichte des Spiegels kommt in Kurzform mit einer Auswahl geschichtlicher Exponate nicht zu kurz. Verbindendes, dramaturgisches Element in der Ausstellung ist ein 50 Meter langer Gang, der auf einer Seite komplett verspiegelt ist. Selbstbespiegelung ist also durchaus für den Betrachter möglich, vielleicht erwünscht.

Bild: Ausstellung mit Multimedia

Im letzten Ausstellungsraum laufen Filme von Gabriele Nagel. Menschen träumen sich mit viel Fantasie ihre Arbeit schön. Die Nudelköchin, für die die „göttliche Pasta“ eine Diva ist, voller Launen und unberechenbar. Der Friedhof-Chef, der über Tod und Schönheit philosophiert. Oder der Mathematiker, für den die Zahl Pi rational, transzendent und wunderschön ist.
„Wir wollen erheitern und zum Nachdenken anregen“, sagte Doris Müller-Toovey. Das ist ein Vorzug in dieser gut gemachten Schau, die auf platte Antworten verzichtet. Neben den kulinarischen Angeboten für das Auge ist  Nachdenken unbedingt erwünscht.
Die Sonderausstellung wird bis zum 2. Januar 2011 zu sehen sein.

Deutsches Hygiene-Museum Dresden

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