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Begegnungstag für Aussiedler in Zwickau am 11. September

Bild: Viele Menschen vor dem Domplatz

Bild: Blick in den vollbesetzten Dom am Vormittag

In Zwickau trafen sich am 11. September über 1.500 Aussiedler, Begleiter und andere interessierte Besucher zum Begegnungstag. Im Gesprächsforum wurden Hürden beim Zuzug, Schwierigkeiten des Neuanfangs sowie Versorgungsfragen und Verständigungsprobleme angesprochen. Es sei gut, an einem Tag wie diesen in den Worten der Heiligen Schrift Hoffnung, Orientierung und Hilfe empfangen zu können, sagte Landesbischof Jochen Bohl in seiner Predigt im Abschlussgottesdienst. Parallel zum Erwachsenenprogramm trafen sich im Peter-Breuer-Gymnasium Jugendliche zu Band-Musik, Workshops, Talk, Tanz und Sport.

Nach einer Sternfahrt aus ganz Sachsen wurden die Teilnehmer am Gemeindetag um 10:00 Uhr im Dom St. Marien mit einer Morgenandacht, Grußworten und weiteren Informationen zum Tag begrüßt. Der Zwickauer Superintendent Eberhard Dittrich hieß die Gemeinde, die von den Wurzeln her, aus ganz Europa zusammen gekommen sei, herzlich willkommen. „Es ist so wichtig, dass wir die eigenen Wurzeln nicht vergessen“, sagte der Projektverantwortliche und Ökumene-Beauftragte der Landeskirche, Oberkirchenrat Friedemann Oehme.

Bild: Dr. Christoph Bergner begüßt im Dom die Teilnehmer

Er sprach das Motto des Tages, „Wurzeln und Flügel“, an. Flügel stünden für Neuanfänge, ob in Russland oder Deutschland. Mit Gott zu leben bedeute Kraft zu bekommen und neue Herausforderungen zu bestehen. „Der Tag soll uns helfen unser Leben in den Blick zu nehmen“, so Oehme.

Auch Landrat Dr. Christoph Scheurer (Landkreis Zwickau) begrüßte die Aussiedler in der Robert-Schumann-Stadt und wünschte den Gästen gute Gespräche. Der Parlamentarische Staatssekretär und Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Dr. Christoph Bergner dankte der sächsischen Landeskirche dafür, dass sie Jahr für Jahr zu diesem Begegnungstag einlade. Er betonte die Verantwortung der Bundesregierung für die Geschichte und damit auch für das Schicksal der Russland-Deutschen. „Aussiedler sind Deutsche, weil sie als Deutsche gelitten haben, so Dr. Bergner. Deshalb seien sie aufgenommen, akzeptiert und in die Gesellschaft eingeführt worden. Der heute und hier gelebte Glaube, könne ein Band sein, das von hier bis nach Kasachstan reiche, sagte er.

Bild: Tanzgruppen-Vorstellung beim Jugendtag
Aerobic Tänzerinnen aus Plauen

Nach der Begrüßung im Dom gab an diesem Sonnentag wieder Möglichkeiten zur Unterhaltung, Information und Beratung. Das Erwachsenenprogramm im Dom bot viel Musik und Unterhaltung. Im benachbarten Domhof konnten sich die Aussiedler zu Integrationsfragen beraten lassen und die Kinder hatten ihr eigenes Programm im Domgemeindesaal gegenüber der Kirche. Die Jugend traf sich am frühen Vormittag im Peter-Breuer-Gymnasium zu einem Begrüßungsimbiss mit Blick auf den Markt der Möglichkeiten. Danach wurden die Sportgruppen und Workshops vorgestellt. Neben Origami-Angeboten, Tanz- und Rap-Gruppen, Trommeln und Volleyball in der Turnhalle, waren auch einige Segeln.

Bild: Besucher des Gesprächsforum in der Aula der Westsächsichen Hochschule

Zeitgleich zum aufgefächerten Programm begann in der Aula der Westsächsischen Hochschule das Forum mit Vertretern von Behörden und Einrichtungen, die mit den Problemlagen der Aussiedler befasst sind.

Bild: Einzelgespräche nach dem Forum mit Dr. Bergner und Herrn Bey (vorne sitzend)

Auch in diesem Jahr war das zentrale Angebot mit fast 200 Teilnehmern gut besucht und die Podiumsgäste stellten sich den Anliegen und Fragen der Neuhinzugezogenen. Dr. Christoph Bergner war hinsichtlich des fehlenden Nationalitätenmerkmals in den neuen Pässen der GUS-Nachfolgestaaten angefragt. Das würde den Nachweis nach dem Bekenntnis erschweren. Er bestätigte die neue Sachlage, die zur Folge hätte, dass gleichwertige Urkunden benötigt und berücksichtigt würden. Hinsichtlich der bisherigen zugewiesenen Wohnortbindung für die ersten zwei Jahre wusste Dr. Bergner Neues zu berichten. Aufgrund der stark zurückgegangenen Zuzüge würden seit Jahresbeginn beim Wechsel vom zugewiesenen Ort die Sozialleistungen nicht entfallen.

Bild: Weiterer Gesprächsbedarf nach dem Forum mit Frau Bebenburg-Jungbluth (r.)

Ministerialrat Karl Bey vom sächsischen Sozialministerium wurden Fragen hinsichtlich der Anrechnung von Fremdrenten bei Sozialleistungen gestellt. Er und Dr. Bergner machten deutlich, dass die im Herkunftsland erbrachte Lebensleistung auch dort als Rente beantragt werden müsse. Um aufwendige Reisen zu vermeiden, bestünde über die hiesigen russischen Konsulate die Möglichkeit, Anträge an die dortigen Rentenfonds zu stellen. Susanne von Bebenburg-Jungbluth vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Außenstelle) Chemnitz erläuterte Integrationshilfen bezüglich der Sprachkurse. So böten in Sachsen drei große Bildungsträger berufsbezogene Sprachkurse an, die durch die abgeschlossene Zertifizierung anstrebten, bessere Berufschancen zu eröffnen. Sie bezeichnete dies als Erfolgsmodell. Die Integrationssprachkurse für Menschen allen Alters seien so stark angefragt, dass hier finanziell aufgestockt werden musste.

Bild: Jakob Fischer inmitten vieler Zuhörer

Nach anderen mittäglichen Angeboten mit meditativem Tanz in der Katharinenkirche sowie Dom- und Stadtführungen in russischer Sprache fand bereits fast ganztägig als Angebot der Stadt Zwickau ein historisches Markttreiben wie zu Robert Schumanns Zeiten am Dom statt. Das Markttreiben war schlichtweg ein parallel stattfindendes großes Stadtfest, wo viele Besucher überrascht waren, das von und vor einer Bühne am Dom russische Worte zu hören waren. Diese Bühne mit einem erweiterten Kulturprogramm war dicht umlagert, wo der für die Deutsche Volksmusik in Russland bekannte Sänger und Entertainer Jakob Fischer das Interesse auf sich zog. In russischer und deutscher Sprache gesungene Lieder, Tanzeinlagen und Interviews mit „alten Bekannten“ brachten die Zuschauer in Stimmung. Im Dom war eine Ausstellung auf mehreren Tafeln zu sehen, die über die „Geschichte und Gegenwart der Deutschen in Russland“ Auskunft gab.

Bild: Abschlussgottesdienst am Nachmittag mit Landesbischof Bohl

Anschließend fand ein Abschlussgottesdienst mit Landesbischof Jochen Bohl im Dom St. Marien statt, der musikalisch von der dortigen Zwickauer Kantorei unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Henk Galenkamp begleitet wurde.

Bild: Trommler auf dem Jugendtag auf der dortigen Abschlussveranstaltung

In der vollbesetzten Kirche ging der Landesbischof auf die Situation der Aussiedler ein, die es vielfach schwer hätten, aus Russland kommend in Deutschland anzukommen, wo das Vertraute und Gewohntes nicht mehr gelte. „Da ist es gut, dass wir in der Gemeinschaft unserer Kirche an einem Tag wie diesem auf die Worte der Heiligen Schrift hören können in der Hoffnung, Orientierung und Hilfe zu empfangen“, sagte er.

Bohl: „Wir glauben: unser Herr wird für uns sorgen, wenn wir nur mit unseren Sorgen zu ihm kommen. Dann wird es auch gelingen, dass Menschen im eigenen Land Wurzeln schlagen – wenn es auch fremd geworden ist, dass sie eine neue Heimat finden und der Baum des Lebens wächst. In den Kirchgemeinden Sachsens und von der Diakonie unserer Kirche gibt es dazu viele Hilfen, und Begegnungen mit Schwestern und Brüder lassen Schwierigkeiten überwinden.“(11./12.09.2010)

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