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Aktuelles

Ausstellung mit Lebensgeschichten in der Kreuzkirche

Desmond Tutu, Friedensnobelpreisträger (1984), ist Schirmherr der Ausstellung

Bild: Blicke in die Ausstellung in der Kreuzkirche

Am Holocaustgedenktag (27. Januar) wurde in der Dresdner Kreuzkirche am Altmarkt eine Ausstellung mit verschiedenen Versöhnungsgeschichten unter dem Titel "The Forgiveness Project" eröffnet. Die vier Dresdner Nagelkreuzzentren (Kreuzkirchgemeinde, Diakonissenanstalt, Schifferkirche "Maria am Wasser", Frauenkirche) unterstützen die Ausstellung und flankieren sie mit eigenen Angeboten in der Kreuzkirche.

Bild: Desmont Tutu (Foto: (c) The Forgiveness Project)
Bischof Desmond Tutu

Die Ausstellung erzählt Lebensgeschichten über den Umgang mit seelischen Verletzungen und Leid. Sie ist weltanschaulich neutral und die Lebensgeschichten kommen aus verschiedenen kulturellen Hintergründen. Opfer des Terrorismus, des Holocaust, von Amokläufen und von Vergewaltigung und Missbrauch berichten wie sie diese Erfahrungen in ihrem Leben aufgearbeitet haben. Aber nicht nur Opfer, sondern auch Täter kommen zu Wort.

Die Geschichten ermöglichen dem Besucher, über eigene Erfahrungen ins Nachdenken zu kommen und Lösungswege aus persönlichen Krisen zu finden.
Desmond Tutu, Friedensnobelpreisträger von 1984 und Schirmherr der Ausstellung, meint: "Das Forgiveness-Project zeigt, dass Vergebung oft schwer ist, schmerzhaft und anstrengend, aber Vergebung bietet die Möglichkeit zur Veränderung."

Bild: Salimata Badji-Knight (Senegal) (Foto: (c) The Forgiveness Project)

Durch authentische und bewegende Lebensgeschichten in Wort und Bild ermöglicht das Forgiveness Project den Betrachtern, über die Bereitschaft zur Vergebung zu reflektieren. Alternativen zu Rache und Vergeltung im Leben einer Jüdin, die als Kind die medizinischen Versuche des Arztes Josef Mengele in Auschwitz überlebte, im Leben von sexuell missbrauchten Menschen in England, von Kindersoldaten in Uganda, von Opfern des 11. Septembers 2001 in New York und vielen anderen werden sichtbar.

Wir erfahren zum Beispiel die Geschichten von Ghazi Briegeith und Rami Elanan. Der kleine Bruder des palästinensischen Elektrikers Ghazi Briegeith wurde im Jahr 2000 an einer israelitischen Straßenkontrolle getötet. Heute arbeitet Ghazi ehrenamtlich in einer Gruppe von hinterbliebenen Familien mit, die sich für Versöhnung und Frieden einsetzen.

Bild:Rosayln Boyce (England) (Foto: (c) The Forgiveness Project)

Dort ist er auch in Kontakt gekommen mit dem israelischen Grafikdesigner Rami Elanan, dessen 14jährige Tochter 1997 einem Selbstmordattentat in Jerusalem zum Opfer fiel. Beide haben so den frühen Tod geliebter Familienmitglieder erlebt. Sie beschuldigen nicht das andere Volk, sondern suchen bei aller Klage einen persönlichen Weg der Versöhnung. Rami sagt: „Wenn Ghazi und ich reden und zueinander stehen können, nachdem wir den höchstmöglichen Preis gezahlt haben, dann kann das jeder.“

Oder wir lesen uns fest in der Geschichte von Isabel Maude in England: Sie war drei Jahre alt, als sie im April 1999 in Lebensgefahr geriet. Die Ärzte erkannten nicht die Ursachen ihres vielfachen Organversagens und eines Herzstillstandes. Es waren die Symptome einer lebensbedrohlichen bakteriellen Infektion.

Bild: Ausstellungsbesucher

Dass Isabel mit einer großen Wunde überlebte, ist ein Wunder. Heute sagen ihre Eltern: „Vor Gericht zu klagen, hätte nur dazu geführt, den Ärzten die Medizin zu verleiden. Es schien uns irgendwie rachsüchtig“. So werden viele Aspekte von Versöhnung heute erfahrbar, und ermutigen uns, auch solche Geschichten zu sammeln.

Die Wanderausstellung wurde von der britischen Journalistin Marina Cantacuzino konzipiert und erstmals im Jahr 2004 in London veröffentlicht. Seitdem gastierte sie an über 300 Orten weltweit in Kirchen, öffentlichen Gebäuden, Gefängnissen und Schulen. Seit 2. Oktober 2010 geht die Wanderausstellung erstmals in deutscher Sprache auch durch Deutschland. In Dresden ist sie in der Kreuzkirche bis zum 13. Februar zu sehen.

Weitere Begleitveranstaltungen in der Dresdner Kreuzkirche
  • Freitag, 28. Januar 2011, 12:00 Uhr:  Versöhnungsgebet mit der Litanei von Coventry Claudia Karg, Kreuzkirche, und Frank Roth, Dacia/Rumänien
  • Freitag, 4. Februar 2011, 12:00 Uhr:  Versöhnungsgebet mit der Litanei von Coventry Rektor Klaus Kaden, Diakonissenhaus, und Team
  • Donnerstag, 10. Februar 2011, 18:00 Uhr:  "Schritte zum Frieden - Gesten der Versöhnung" Ein literarisch-musikalisches Programm mit Ulrich Thiem, Cello, Claudia Karg, Texte, und anderen
  • Freitag, 11. Februar 2011, 12:00 Uhr:  Versöhnungsgebet mit der Litanei von Coventry Pfarrer Joachim Zirkler, Kreuzkirche, Pfarrerin Ulrike Birkner-Kettenacker, Schifferkirche "Maria am Wasser" www.koogito.de (zum Hintergrund der Ausstellung)

www.nagelkreuzgemeinschaft.de

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