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Aktuelles

Stilles und würdiges Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt

Ein breites politisches und gesellschaftliches Bündnis gegen Neonazis

Bild: Blick auf die Menschenmenge auf dem Rathausvorplatz

In den Gottesdiensten der Stadt wurde am Sonntagvormittag des 13. Februar an die Bombardierung Dresdens vor 66 Jahren gedacht. Am Gottesdienst in der Dresdner Frauenkirche nahmen der Bischof von Coventry, Reverend Dr. Christopher Cocksworth sowie der Bürgermeister von Coventry, Lord Mayor Brian Kelsey teil. Kelsey erlebte den deutschen Bombenangriff auf Coventry als Achtjähriger. Das versöhnte Miteinander im Gottesdienste stünde in einer langen Tradition, sagte Frauenkirchenpfarrer Holger Treutmann. Schließlich sei die wieder aufgebaute Dresdner Frauenkirche in erster Linie ein Symbol der Überwindung von Feindschaft und eine Geste der Versöhnung. Für ihn stünde das stille Gedenken an die Opfer vor spektakulären Aktionen. Es sei wichtig, Wege zum Frieden in den heutigen Herausforderungen zu finden.

Bild: Posaunenchor vor dem Rathaus stimmte ein

Im Anschluss an den Gottesdienst reihten sich viele Christen der Stadt in die Menschenkette ein, zu der Dresdner und Dresdnerinnen sowie Vertreter aus Politik, Kultur, Wirtschaft eingeladen hatten. Treffpunkt tausender Teilnehmer war der Rathausvorplatz, wo Redner neben dem Leid in der Bombennacht auch an die Millionen Opfer des Nationalsozialismus erinnerten. Deshalb dürfe niemand diesen Tag für die Verbreitung einer menschenverachtenden und gewalttätigen Weltanschauung missbrauchen, war zu hören. Vor das Rathaus waren auch Landesbischof Jochen Bohl sowie die beiden Dresdner Superintendenten Dr. Peter Meis und Albrecht Nollau gekommen.

Bild: Es formiert sich vom Rathaus die Menschenkette auf der Kreuzstraße

Ein von der Sächsischen Posaunenmission organisierter Bläserchor blies zum Aufbruch, bevor die Teilnehmer eine lange Kette zu organisieren begannen. Nach Angaben der Stadt versammelten sich so 17.000 Menschen und bildeten ein Menschenband vom Rathaus über den Altmarkt, am Schloss vorbei zur Brühlschen Terrasse und über die Augustusbrücke zum Neustädter Ufer. Die lange Kette von Dresdnern und Gästen der Stadt war wieder eine eindrucksvolle Reaktion und ein Zeichen, an diesem denkwürdigen Tag den öffentlichen Raum nicht rechtsextremer und rassistischer Ideologie zu überlassen. Die gemeinsam mit der Stadt Dresden vorbereiteten Aktion hatte das Motto „Erinnern und Handeln“.

Bild: Kerzen werden vor der Frauenkirche entzündet und abgestellt

Wie in den vergangenen Jahren bestand am Nachmittag und Abend die Möglichkeit für ein stilles Gedenken vor der Frauenkirche. Viele Menschen stellten ihre oder vor der Frauenkirche erworbenen Kerzen vor dem Gotteshaus ab. Diese Tradition geht zurück auf die Zeit, als die Frauenkirche noch ein Trümmerhaufen war.
Das Bild einer brennenden Kerze wurde auch in diesem Jahr an die Hauptfassade der Frauenkirche projiziert. „Das Licht der Kerze hat an der Frauenkirche eine lange und bedeutsame Tradition gewonnen. Es kündet von Hoffnung und ist Botschafter für friedliche Veränderungen“, betont Frauenkirchenpfarrer Holger Treutmann die Symbolkraft der brennenden Kerzen.

Bild: Superintendent Albrecht Nollau predigt im Friedensgottesdienst
Superintendent Albrecht Nollau

Untrennbar mit dem Kerzengedenken an der Frauenkirche ist seit 1982 auch der abendliche Ökumenische Friedensgottesdienst, wo sich im jährlichen Wechsel die Menschen zum Gedenken an Krieg und Gewaltherrschaft entweder in der Kreuzkirche oder der Kathedrale versammeln. Nach dem Gottesdienst erinnert um 21:45 Uhr das Glockengeläut an den Beginn der Bombardierungen am 13. Februar 1945.
Der diesjährige Friedensgottesdienst thematisierte die Jahreslosung „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem“. In Meditationen wurden Gedanken zum schlechten und dem guten Umgang mit Steinen gespiegelt. Steine können auf Andersdenkende oder Andersaussehende geworfen werden. Steine können aber auch ein Fundament für ein neues Haus zu sein, um darauf eine bessere, neue Welt aufzubauen.

„Das Böse lässt sich nicht auf Dauer durch Böses überwinden“, sagte Superintendent Albrecht Nollau (Ev.-Luth. Kirchenbezirk Dresden Nord). Trotzdem stellte er in der Predigt die Frage, wie man auf jene „legal“ reagiert, die an diesem 13. Februar die Geschichte in Anspruch nehmen, um sie für ihre Zwecke zu verdrehen. Das Böse sei eine unheimliche Macht, die Angst mache und ratlos. Auf jeden Fall heiße es, das Böse überwinden und das böse Spiel nicht mitzuspielen, so Nollau. Es sei Gelegenheit genug, sich für die Würde eines jeden Menschen einzusetzen. Schließlich sollte Versöhnung anstelle der Rache stehen.

Bild: Blick in die Kathedrale

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