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Aktuelles

175. Jubiläum einer sächsischen Missionsgesellschaft

Landesbischof Jochen Bohl: Mission ist keine Einbahnstraße

Bild: Festgäste im Saal der Dreikönigskirche (Haus der Kirche)

Von Antje Queck

Das Leipziger Missionswerk fand seine Anfänge mit der Gründung der Evangelisch-Lutherischen Missionsgesellschaft zu Dresden am 17. August 1836. Mit einem Festakt im Haus der Kirche wurde daran erinnert. Ehrengäste waren Bischof Jochen Bohl und Bürgermeister Dr. Ralf Lunau sowie Aborigines und Vertreter der Lutherischen Kirche aus Australien, wo einst die Missionsarbeit begann.

Bild: Kulturbürgermeister Dr. Ralf Lunau vor der Festgemeinde
Dr. Ralf Lunau mit Dresdner Grußwort

Die Jubiläumsfeier begann – angelehnt an das Gründungsjahr – pünktlich um 18.36 Uhr. Landesbischof Jochen Bohl betonte in seinem Grußwort, wie wichtig der Partnerschaftsgedanke in der heutigen Missionsarbeit sei. Ein gutes Beispiel, dass "Mission keine Einbahnstraße" ist, sei das LMW-Programm "Mission to the North".

Auch der Dresdner Kulturbürgermeister Dr. Ralf Lunau reihte sich bei den Gratulanten ein. Er erinnerte daran, dass die Feier eines solches Jubiläums die Chance biete, dass auch Nicht-Christen auf das weltweite missionarische Wirken aufmerksam werden: "Gerade in einer Stadt, in der rund 80 Prozent der Bevölkerung keiner christlichen Kirche angehören, ist es notwendig, dass die Kirchen kraftvoll ihre Stimme erheben und uns immer wieder daran erinnern: der Mensch lebt nicht vom Brot allein."

Bild: Dr. Münchow mit Präsenten eines Wörterbuchs, Liederbuches und eines Opossumfells
Dr. Münchow mit Gastgeschenken

Als Vertreter der Lutherischen Kirche Australiens richtete Dr. Greg Lockwood Grüße und Glückwünsche aus. Als direkter Nachkomme von Missionar Clamor Schürmann betonte er, dass die Arbeit der sogenannten Dresdner 4, kurz D4, keineswegs ein Misserfolg war, wie es in manchen Geschichtsbüchern geschrieben steht. Die Arbeit der Lutherischen Kirche in Australien geht maßgeblich auf sie zurück.

Oberlandeskirchenrat Dr. Christoph Münchow beleuchtete als Missionsausschussvorsitzender die Gründungsgeschichte in Deutschland. Er erinnerte an die Anfänge als Missionsverein (1819) und die Gründung der ersten Missionsvorschule 1832 in Grünberg bei Ottendorf-Okrilla. 1836 war die Zeit reif für eine eigene Missionsgesellschaft.

Der zweite Schwerpunkt des Abends lag auf dem Wirken dieser ersten von Dresden ausgesendeten Missionare. 1838 reisten Christian Gottlob Teichelmann und Clamor Wilhelm Schürmann aus, zwei Jahre später August Eduard Meyer und Samuel Gottlieb Klose.

Bild: Linguist Dr. Robert Amery und die Vertreterinnen zweier Aborigines-Gemeinschaften Dr. Alitya Rigney (Kaurna)
Dr. Alitya Rigney (Kaurna) und Dr. Robert Amery

Diese vier Missionare lebten, lehrten und lernten mit den Aborigines 15 Jahre gemeinsam in der Gegend um Adelaide in Südaustralien. Bereits 1846 wurde die Mission eingestellt, da die ursprüngliche Bevölkerung von der englischen Kolonialmacht immer weiter zurückgedrängt wurde und keine „Missionserfolge“ zu verzeichnen waren.

Was bei uns seitdem jedoch in Vergessenheit geraten ist: Die Missionare haben unter anderem Wörterbücher verschiedener einheimischer Sprache erstellt sowie Alltagsgegenstände gesammelt und beschrieben. Damit haben sie einen äußerst bedeutsamen Beitrag zur Erhaltung der Kultur geliefert.

Wie engagiert die „Dresdener 4“ sich um das Erlernen der Sprache der Aborigines bemüht haben und welche nachhaltigen Erfolge dieses Bemühen bis in unsere Zeit hinein hat, davon berichteten der Linguist Dr. Robert Amery und die Vertreterinnen zweier Aborigines-Gemeinschaften Dr. Alitya Rigney (Kaurna) und Verna Koolmatrie (Ngarrindjeri).

Mit der Grammatik, dem Wörterbuch und anderen Schriftstücken der Missionare wurde in den letzten 20 Jahren unter anderem die Sprache „Kaurna“ wieder zu neuem Leben erweckt.

Verna Koolmatrie hofft, dass in den kommenden Jahren auch die Namen ihrer Vorfahren gewürdigt werden können. Schließlich waren sie es, die die Missionare freundschaftlich aufgenommen und ihnen ihre Sprache und Kultur erklärt hatten. Leider sind bisher nur wenige namentlich bekannt. Die Aufarbeitung der vielen erhalten Briefe etc., die heute als Depositum im Archiv der Franckeschen Stiftungen in Halle liegen, ist für die Aborigines von großer Bedeutung.(LMW 18.8.2011)

Leipziger Missionswerk

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