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Aktuelles

800 Pfarrerinnen und Pfarrer kamen zur Arbeitstagung zusammen

Welker: Es bestehe die Aufgabe interdisziplinär kleine Brücken zu bauen

Bild: Blick in die Reihen der Versammlung in der Stadthalle

Zum 3. zentralen Pfarrertag am 1. September hatte Landesbischof Jochen Bohl die Pfarrerinnen und Pfarrer der Landeskirche nach Chemnitz in die Stadthalle eingeladen. Vor den 800 Pfarrerinnen und Pfarrern, der Superintendentin und den Superintendenten hielten der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich und die Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig ihre Grußworte. Der Heidelberger Professor Michael Welker referierte über den Dialog zwischen der Theologie und den Naturwissenschaften.

Bild: Gäste mit MP und Oberbürgermeisterin

Der Chemnitzer Superintendent Andreas Conzendorf hatte als unmittelbarer Gastgeber des Pfarrertages zu Beginn des Tages um 9:30 Uhr die Pfarrerinnen und Pfarrer sowie die Gäste begrüßt, bevor Oberlandeskirchenrat Dr. Peter Meis eine Andacht hielt. Kirchenmusikdirektor Siegfried Petri hatte musikalisch die Andacht auf der Orgel der Stadthalle sowie den späteren Gottesdienst in der Petrikirche begleitet.

In seinem Grußwort hob der Ministerpräsident das gute Verhältnis zwischen Staat und Kirche in Sachsen hervor. Der Dialog zwischen Staat und Kirche müsse auch bei Meinungsverschiedenheiten im gegenseitigen Respekt erfolgen. Positiv erwähnte er besondere Ereignisse in diesem Jahr, so den Kirchentag in Dresden, die Seligsprechung Alojs Andrickis kurze Zeit danach sowie die bevorstehende Eröffnung des sächsischen Lutherweges am 6. September.

Bild: Ministerpräsident Stanislaw Tillich
Ministerpräsident Stanislaw Tillich

Das zeige, dass Sachsen „keine religionsfreie Zone“ sei, so Tillich. Vieles könne beeinflusst werden, aber jenseits von Materialismus und der Hetze durch den Tag gebe es mehr zu entdecken. Der Ministerpräsident richtete auch konkrete Botschaften an die sächsische Pfarrerinnen und Pfarrer.

So stehe keine Gebietsreform per Gesetz auf der Tagesordnung, vielmehr sollen Entscheidungsbefugnisse u.a. bei Bildung und Soziales stärker in die Kommunen gegeben werden. Die Finanzen und die derzeitigen Steuereinnahmen seien gut, aber Tillich verwies auch auf zukünftige deutliche Rückgänge beim Solidarpakt und bei EU-Mitteln, die eine nicht zu unterschätzende Herausforderung seien. Bei den Pfarrern bat er um Unterstützung, junge Menschen für das Lehramt in der Schule zu ermutigen, da in absehbarer Zeit viele Lehrer in den Ruhestand gehen werden. Insbesondere in den Naturwissenschaften – was zum Thema des Tages passe –würden qualifizierte Lehrkräfte gebraucht, sagte er.

Bild: Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig
Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig

Die Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig begrüßte die Pfarrerinnen und Pfarrer in der Chemnitzer Stadthalle und lenkte den Blick auf das Selbstverständnis der Stadt, bezogen auf Technik, Industrie und Wissenschaft. Im Jahr der Wissenschaft seien die bevorstehenden Tage der Industriekultur außerordentlich interessant, wo die Mitarbeiter von Unternehmen Besuchern Einblicke in die Produktion gewähren. Zu den Pfarrern und Pfarrerinnen sagte sie, dass die Kirche ein wichtiger Bestandteil der Stadt sei.

Im Zentrum dieses Pfarrertages stand wieder ein Gastvortrag, den in diesem Jahr der Heidelberger Theologieprofessor Dr. Dr. Dr. hc Michael Welker zum Thema „Der Dialog zwischen der Theologie und den Naturwissenschaften“ gehalten hat. Das Thema sei für hiesige Christen kein rein intellektuelles, „sondern für viele mit sehr persönlichen und nicht selten auch leidvollen Erfahrungen aus Kindheit und Jugend verbunden“, sagte Landesbischof Bohl und erinnert an die DDR-Zeit, wo in Schulen mit Nachdruck die These vertreten wurde, dass Religion ein durch moderne naturwissenschaftliche Erkenntnisse überholter Anachronismus sei.

Bild: Landesbischof Jochen Bohl
Landesbischof Jochen Bohl

Da diese Prägung fortwirke, werde das Thema im Dialog mit Menschen, die der Kirche fern stehen, immer wieder schnell aktuell, so Bohl.

In seinem Vortrag resümierte Professor Michael Welker den Dialog zwischen Theologie und Naturwissenschaften in seinem historischen und gegenwärtigen Kontext. Er erwähnte auch heutige Kritik, die diesen Dialog zwischen den einander fremd gewordenen Wissensgebieten mit der Aura des Obskuren umgebe.
Allerdings hätte diese atheistische Kritik auch etwas Fundamentalistisches an sich.
Dieser Dialog sei zugegebenermaßen dadurch erschwert, dass „kaum ein Wissenschaftler an beiden Forschungsfronten herausragend tätig sein kann“, so Welker.

Bild: Professor Michael Welker beim Vortrag
Prof. Dr. Dr. Dr. hc. Michael Welker

Der Beitrag der Theologie könne in Grundfragen liegen wie nach der Entstehung der Universums, von Raum und Zeit, aber auch im schöpferischen Wirken Gottes in der Verschränkung von kosmischen, biologischen, kulturellen und religiösen Lebensbereichen in der Erkenntnis und Spannung, dass biblisch die Welt als ‚gut’, aber nicht als paradiesisch bezeichnet wird. Welker sieht die Aufgabe, kleine Brücken zu bauen, bspw. in der Auferstehung als neue Schöpfung, aber auch in der Erschließung gemeinsamer Gegenstandsbereiche in der Anthropologie. Hier sieht Welker im Hinweis auf den Apostel Paulus und seiner Sicht auf den ambivalenten Geist des Menschen, wo er den Menschen „seiner ungeheuren Weite erfasse“.

Professor Welker, 1947 in Erlangen geboren und in Berlin und Grünstadt (Pfalz) aufgewachsen, ist ordinierter Theologe der Evangelischen Kirche der Pfalz. Nach Professuren in Tübingen und Münster lehrt er seit 1991 als Professor für Systematische Theologie an der Universität Heidelberg.

Bild: Pfarrerin z.A. Jenny Caiza Andresen lädt auch in Großenhain zum Taufsonntag ein
Pfarrerin Jenny Caiza Andresen bereítet in Großenhain den Tauffestgottesdienst mit vor

Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeit sind u.a. die Theologie im Dialog mit den Natur- und Kulturwissenschaften. So handeln seine wichtigsten Publikationen über die Schöpfungslehre sowie über die Kirche im Pluralismus und über den Protestantismus in der Kultur der Moderne. Welker ist ein Wissenschaftler mit internationalem Ruf und Lehrerfahrungen insbesondere im nordamerikanischen Raum.

Nach dem einstündigen Vortrag, der um 10:00 Uhr begann, gab es Gelegenheit für eine halbstündige Aussprache.
Landesbischof Jochen Bohl sprach im Zusammenhang mit der Konversion zweier Pfarrer zur Römisch-katholischen Kirche die herzliche Bitte aus, bei Gewissensnöten das vertrauensvolle Gespräch zu suchen. Solche Ereignisse führten immer zu einer Selbstprüfung, woran solche Gespräche nicht zustande kamen.
Oberlandeskirchenrat Dietrich Bauer sprach die 2014 anstehende Strukturanpassung an, die nach einer langen Zeit der Ruhe notwendig sei. Eine nüchterne Betrachtung bis 2040 mache alle sechs Jahre einen strukturellen Schnitt notwendig.

Bild: Blick in den Saal

Er sprach auch Differenzierungen zwischen Stadt, durchschnittlichen Gemeinden und Landgemeinden an. Parallel zu diesen Anpassungen müsse es auch andere Reaktionen im Rahmen des missionarischen Gemeindeaufbaus geben, die dem Trend entgegenwirken. Als Beispiel nannte Bauer das Jahr der Taufe 2011 als „eine Mission nach innen“. Er dankte allen, die einen Tauffestsonntag vorbereiten.

Im weiteren Verlauf der Mitteilungen wurde dringlich darum gebeten, Junge Menschen für das Theologiestudium zu ermuntern und für den Pfarrberuf zu werben. Angesichts stärkerer Jahrgänge, die in den nächsten Jahren in den Ruhestand treten werden, sei sogar an einen zusätzlichen parallelen Kurs für Vikare gedacht.
Ebenfalls für die Ausbildung von Kirchenmusikern und Gemeindepädagogen wurde geworben.
Landesbischof Jochen Bohl sprach das neue, auf EKD-Ebene mit breiter Zustimmung verabschiedete Pfarrdienstgesetz an. Hier sei ein Kompromiss „voll getragen worden“.

Bild: Pausenbild vor der Stadthalle
Pausengespräche vor der Stadthalle

Die sächsische Landeskirche strebe keine Ausführungsbestimmungen an. Zum Thema Homosexualität würden unterschiedliche Stimmen an die Kirchenleitung herangetragen und dort auch gehört. Eine Arbeitsgruppe habe zu diesem Thema einen Abschlussbericht vorgelegt, der im Oktober in der Kirchenleitung behandelt werde.
Der Landesbischof, der sich zuerst der Einheit der Landeskirche verpflichtet sieht, kritisierte manche Stimmen mit „einer aggressiven Sprache“, die Gräben aufreißen und Mitbrüder sprachlich exkommunizieren. Bohl mahnte deutlich zur Mäßigung.

Nach einem Bericht zur Lage sowie einer kurzen Aussprache, gab es in der Mittagspause vielfältige Gelegenheiten zu Gesprächen für die Pfarrerinnen und Pfarrer, bevor am Nachmittag ein Abendmahlsgottesdienst in der Chemnitzer Petrikirche (Theaterplatz) begann.

Bild: Einführung von OLKR Dr. Meis im Gottesdienst
Segnung in den Dienst von OLKR Dr. Peter Meis

In diesem Gottesdienst, in dem Landesbischof Jochen Bohl predigte, wurde auch der bisherige Dresdner Superintendent Dr. Peter Meis als Oberlandeskirchenrat eingeführt. Er ist ab 1. September im Landeskirchenamt als Dezernent für theologische Grundsatzfragen Nachfolger von Oberlandeskirchenrat Dr. Christoph Münchow, der am 25. August in Dresden in den Ruhestand verabschiedet wurde.

Hintergrund: Der Pfarrertag ist die Dienstbesprechung des Landesbischofs mit der Pfarrerschaft. Der erste nachweisliche Pfarrertag hat nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahre 1946 stattgefunden. Seit vier Jahren finden diese Tagungen im jährlichen Wechsel als regionale und zentrale Pfarrertage statt. 2007 hielt Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Dresdner Frauenkirche einen Vortrag. 2009 stand ein Referat des bekannten Tübinger Theologen Eberhard Jüngel im Mittelpunkt.

Bild: Blick in die Petrikirche

In Sachsen stehen 691 Pfarrerinnen und Pfarrer im Dienst der Landeskirche, wovon der weitaus größte Teil ausschließlich in den 776 Kirchgemeinden tätig ist. Darüber hinaus gibt es rund 100 landeskirchliche Pfarrstellen mit besonderen Beauftragungen oder Teilpfarrstellen mit geteilten Aufgaben in Gemeinde und im übergemeindlichen Dienst. Die 20 Superintendenten sind Teil der Pfarrerschaft und kommen ebenfalls zu den Dienstbesprechungen dazu.

Das derzeitige Durchschnittsalter der Pfarrerinnen und Pfarrer liegt bei knapp unter 50 Jahren. Von den rund 1.400 Geistlichen im Land liegt der Anteil der aktiven Pfarrer noch über dem Anteil der Ruheständler (684). Allerdings zeigt die zukünftige Entwicklung mit vermehrtem Ausscheiden in den Ruhestand und den notwendigen erhöhten Übernahmezahlen aus dem Nachwuchsbereich in eine andere Richtung.
Am Montag, 5. September, werden erstmals in der Dresdner Dreikönigskirche elf Vikare mit ihren Angehörigen in einem Gottesdienst zusammen kommen, die ihren zweijährigen Vorbereitungsdienst beginnen. Die Leitung hat Oberlandeskirchenrat Martin Lerchner.
Ebenfalls Anfang September treten zwölf junge Pfarrerinnen und Pfarrer zur Anstellung ihren Dienst in den Kirchgemeinden an, wo sie vom zuständigen Superintendenten ordiniert werden.

 

  • Predigt von Landesbischof Jochen Bohl zum Zentralen Pfarrertag in Chemnitz
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