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"Bekenntniszeichen"

Ausstellung: Die Junge Gemeinde in der DDR

Bild: Besucher betrachten interessiert die Ausstellungstafeln

Die Wanderausstellung „Bekenntniszeichen – Die Junge Gemeinde in der DDR im Spannungsfeld zwischen Staat und Kirche“ wurde am Donnerstag, 20. Oktober, in der Dresdner Kreuzkirche eröffnet. Das Martin-Luther-King-Zentrum Werdau initiierte und organisierte die Ausstellung, die noch bis zum 20. November in Dresden zu sehen ist.

Zur Ausstellungseröffnung sprachen Oberlandeskirchenrat Dietrich Bauer, Oberlandeskirchenrat i. R. Harald Bretschneider und Dr. Martin Böttger, 2. Vorsitzender des Martin-Luther-King-Zentrums Werdau. Von 2001 bis 2010 war Böttger als Leiter der Chemnitzer Außenstelle der Birthler-Behörde tätig. Musikalisch ausgestaltet wurde die Vernissage von Fritz Müller. Der Liedermacher und Pastor, 1937 in Berlin geboren, prägte besonders in den 70er Jahren die evangelische Jugend mit seinen Liedern.

Bild: Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler besuchte auch die Ausstellung
Landtagspräsident Dr. Rößler in der Ausstellung

Kreuzkirchenpfarrer Joachim Zirkler begrüßte die Besucher der Ausstellung und würdigte die Bedeutung der Jungen Gemeinde in seiner Jugendzeit in Dresden-Prohlis, wo ein engagierter Jugendleiter viele Mitglieder prägte. „Die Geschichte der Jungen Gemeinde gab Impulse für die Sprachfähigkeit im Glauben, so Zirkler. Es sei aber auch eine Zeit gewesen, wo der Glaube seitens der staatlichen Ideologie „niedergemacht“ werden sollte.
Oberlandeskirchenrat i.R. Harald Bretschneider sieht in den Bedrängnissen und Beschneidungen, denen die Jugendarbeit ausgesetzt war, in der daraus folgenden bibelbezogenen und gemeindeorientierten Arbeit die Voraussetzungen für den Mut zur Zivilcourage mit Konsequenzen.

Bild: Harald Bretschneider
Harald Bretschneider in der Kreuzkirche

Zuvor erläuterte Bretschneider, der immer das Kugelkreuz trug und heute noch an allen Jacken trägt, die Geschichte des Kreuzes auf der Erdkugel, die bis in das 6. Jahrhundert reiche. Letztlich sei es ein Zeichen der Auferstehung sowie Christi Herrschaft über die Welt. Deshalb wäre es in den Zeiten der deutschen Diktaturen im 20. Jahrhundert zum Bekenntniszeichen geworden. „Ein Zeichen, das mutig getragen wurde“, sagte er.

Mit dem späteren Zeichen „Schwerter zu Pflugscharen“ wurde letztlich der Weg zur friedlichen Revolution geebnet. „Die friedliche Revolution ist nicht vom Himmel gefallen“, sondern habe eine lange Tradition, so der damalige Landesjugendpfarrer. Da das Kugelkreuz auch ein Zeichen der Buße sei, „müssen wir auch in der heutigen Zeit einer entfesselten Marktwirtschaft aufmerksam sein“, meinte Bretschneider am Schluss.

Bild: Oberlandeskirchenrat Dietrich Bauer

„Unsere Landeskirche sieht in der Ausstellung ‘Die Junge Gemeinde in der DDR im Spannungsfeld zwischen Staat und Kirche’ eine Würdigung. Eine Würdigung der Jungen Gemeinden in vielen Kirchgemeinden, die nicht nur das Leben der Kirche selbst geprägt hat, sondern auch das gesellschaftliche Leben in der DDR nachhaltig beeinflusst hat.“, sagte Bauer in seinem Grußwort seitens der Landeskirche.

Musikalisch wurde die Eröffnungsveranstaltung in der Kreuzkirche von Fritz Müller (Gitarre, Gesang), seinem Sohn (Gitarre), Toralf Schrader (Bass) und Stefan Holzhauer (Percussion) begleitet. Fritz Müller sang Lieder aus den Jahren 1968 bis 1976, wo er auf damaligen Kirchentagen in seinen Liedern die Zeit spiegelte. Einiges sei dann in der Schublade gelandet, dann wieder herausgeholt, weil sie wieder aktuell seien, so der Liedermacher.

Auf 20 Tafeln werden die Junge Gemeinde und deren Entwicklung in der DDR gezeigt. Diese geriet immer wieder in Auseinandersetzungen mit dem Staat, da sie den Jugendlichen Toleranz, freies Reden und alternatives Denken ermöglichte. Anfang der 50er Jahre nahmen die Unterdrückungen seitens des Staates gegenüber Menschen, die sich in der Jungen Gemeinde oder in anderen kirchlichen Bereichen engagierten, stark zu.

Bild: Zufrieden die Mitmacherin der Ausstellung

Die Junge Gemeinde wurde 1953 als „getarnte illegale Agenten- und Spionageorganisation“ bezeichnet. Um den Einfluss der Kirche zu schwächen wurde beispielsweise 1954 die Jugendweihe als Gegenstück zur Konfirmation eingeführt. Die Junge Gemeinde galt nicht als eigenständige christliche Jugendorganisation, da die „Freie Deutsche Jugend“ (FDJ) als einzige Jugendorganisation in der DDR zugelassen wurde. Somit war die Junge Gemeinde eine Form der Gemeindearbeit der evangelischen Kirche. Nach der Konfirmation konnten die jungen Menschen an den Veranstaltungen der Jungen Gemeinde teilnehmen und erhielten das Kugelkreuz als Bekenntniszeichen.

Gefördert wurde die Ausstellung von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Berlin, der Evangelischen Kirche Deutschlands, der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche, dem Sächsischen Landesbeauftragten für die Unterlagen der Staatssicherheit, dem Christlichen Verein junger Menschen, der Stadt Werdau und dem Landkreis Zwickau.
Weiterhin sei geplant, die Ausstellung deutschlandweit zu verleihen, so Karin Kipke, Mitarbeiterin des Martin-Luther-King-Zentrums.

In Werdau gründeten 1998 Vertreter der Friedensbewegung, der Konfliktforschung und engagierte Jugendliche das Martin-Luther-King-Zentrum für Gewaltfreiheit und Zivilcourage mit dem Archiv DDR-Bürgerbewegung. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, die DDR-Oppositionsgeschichte mittels Dokumentarmaterial aufzuarbeiten. Dazu werden dort u.a. Schriftstücke und Fotos gesammelt sowie Zeitzeugenarbeit betrieben. „Die Erfahrungen aus totalitären Verhältnissen und deren Überwindung dienen auch dazu, der jungen Generation zu helfen, Gewalt und Rechtsextremismus in der Gesellschaft entgegenzuwirken und Bürgergesellschaft zu entwickeln“, so der Verein auf seiner Homepage.  (20.10.2011)

 

Literaturtipp – Impulse Modelle Informationen (I/2003) „Junge Welt“ vom 10.04.53: Schläger und Hetzer unter religiöser Maske (Hrsg. Evangelische Jugend in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens Landesjugendpfarramt)

Martin-Luther-King-Zentrum Werdau e.V.

 

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