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Fachtag ‚Kirche und Tourismus’ in Dresden am 7. November

Bild: Verlauf des Sächsischen Lutherweges

Menschen zunehmend auf alten Wegen und im Erlebnis alter Räume

Bild: OLKR Dietrich Bauer
Dietrich Bauer

„Die sächsische Landeskirche ist allen dankbar, die im Bereich des spiritualen Tourismus einbezogen sind und sich engagieren“, sagte Oberlandeskirchenrat Dietrich Bauer in seinem Grußwort am Fachtag ‚Kirche und Tourismus’ im Haus der Kirche in Dresden am 7. November. Sinnsuche gestalte sich häufig über Strapazen, aber auch über ästhetischen Genuss von Kultur. Die neuerliche Entwicklung des gestiegenen Interesses an Pilgerwegen und spirituellen Räumen habe die Kirche „überrascht“, so Bauer. Es gehe um die Freiheit der Wahl, wo es nicht darum ginge, das touristische Interesse gegen das spirituelle auszuspielen, denn beides gehöre zusammen. „Menschen gehen auf alten Wegen und besuchen alte Räume“, sagte er. Nun sei es die kirchliche Aufgabe „Befreundungsräume“ anzubieten, wo das Interesse an Freiheit und Begegnung befriedigt werden kann.

Nach Ansicht von Ordinariatsrat Christoph Pötzsch (Bistum Dresden-Meißen) habe Sachsen mit seinen Kirchen, Klöstern und historischen Plätzen in Bezug auf spirituelle Orte ein großes Angebot zu machen.

Bild: Dagmar Schlegel (l.) am Stand der Dt. St. Jakobusgesellschaft Region Mitteldeutschland
Stand St. Jakobusgesellschaft

„Das Leben bestehe nicht nur aus dem Alltäglichen“, betont er. Allerdings hat diese Erkenntnis seit geraumer Zeit auch die Tourismusforschung erreicht, die aus wissenschaftlicher Sicht die Begrifflichkeit klären, Nachfragestrukturen im spirituellen Tourismus darstellen und in einer Studie für den sächsischen Bereich zusammenfassen will. Den Weg zu einer entsprechenden Vorstudie, deren Zielsetzung und Projektbeispiele erläuterte Prof. Dr. Walter Freyer (TU Dresden). Das Ergebnis bescheinigt ein breites Spektrum kirchlicher Angebote von hoher Attraktivität für verschiedene touristische Zielgruppen. Allerdings gebe es noch Defizite in der Koordination und Vernetzung und eine unzureichende Zusammenarbeit zwischen touristischen Leistungsträgern, Kirchen und Tourismusorganisationen.

Bild: Moderator Dr. Heiko Franke (l.) und Professor Walter Freyer
Professor Dr. Walter Freyer (r.)

Daraus ergeben sich für Prof. Freyer mit einer stärkeren Verknüpfung kirchlicher und privatwirtschaftlicher Angebote und einer Professionalisierung kirchlicher Marketingaktivitäten im Tourismus perspektivisch die Antworten für den spirituellen Tourismus in Sachsen.
Das bereits erprobte und ausgebaute Dreiländer-Projekt VIA SACRA stellte Prof. Dr. Holm Große (Marketing-Gesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien) vor. Hintergrund des regionalen Angebots unter dem Motto „Begegnungen die berühren“ ist die 1000jährige Geschichte des Kulturraums mit dessen kirchlichen, wirtschaftlichen und politischen Wurzeln. Er stellte Stationen der „Via Sacra“ im Verbund von Oberlausitz, Niederschlesien und Nordböhmen vor und verwies auf die Notwendigkeit einer Erlebnisorientierung und die Berücksichtigung von Wünschen spezieller Nachfragegruppen. Professor Große betonte ebenfalls die Notwendigkeit eines Netzwerks zur Produktentwicklung. Er kündigte für 2012 einen Reiseführer für Reisegruppen und Individualtouristen im Gesamtraum Via Sacra an.

Bild: Oberlandeskirchenrat Christoph Seele am Torgauer Stand mit Katharina von Bora (r.)
Torgau brachte Katharina von Bora mit (r.)

Für den sächsischen Regierungssprecher, Staatssekretär Johann-Adolf Cohausz, sei Sachsen entscheidend von der christlichen Kultur geprägt. Die sächsischen Landesausstellungen von Kloster Marienstern, über Torgau bis hin zur Via Regia in Görlitz hätten dies aufgegriffen und stünden dafür. Jetzt sei die Ausrichtung auf den Lutherweg bedeutend, da beispielsweise die Relation „Religion und Politik“ durchaus international, besonders in den USA mit Interesse wahrgenommen werde. Oberkirchenrat Christoph Seele betonte, dass es neben der äußeren Dimension auch eine innere gebe. Es sei der Gefahr zu begegnen, die Orte mit reformatorischen Einsichten nicht nur rein historisch, sondern als Brücke in das 21. Jahrhundert zu verstehen, sagte er in seiner Einleitung zur Vorstellung des Lutherweges.
Weiterhin wurde der Jakobsweg an der Frankenstraße hinsichtlich der Schwierigkeiten örtlicher Koordinierung und unterschiedlichen Engagements vorgestellt.

Bild: Prof. Holm Große am Stand der Via Sacra
Repräsentant der Via Sacra, Prof. Dr. Holm Große

Die Radwegekirche und deren Besucher stellte Pfarrer Michael Schleinitz anhand der Radfahrerkirche in Stadt Wehlen vor. Weitere Beispiele von Zentren zwischen Tourismus und einer besonderen kirchlichen Prägung wurden das Kloster St. Marienstern sowie die Christlichen Tagungsheime vorgestellt.

An Verknüpfungen zwischen tourismus-wirtschaftlichen und kirchlich-spirituellen Aspekten soll weiter gearbeitet werden, so das Fazit des ersten Fachtages zum Thema ‚Kirche und Tourismus’ in der Dresdner Dreikönigskirche / Haus der Kirche. Man wolle im Gespräch bleiben, denn es bringe „neue Mitspieler“ an denselben Orten zusammen, die entweder aus geistlichen, wissenschaftlichen oder finanziellen Perspektiven an gemeinsamen Projekten Interesse hätten, so Oberlandeskirchenrat Dietrich Bauer.

Bild: Blick ins Plenum der Teilnehmer an der Tagung

Er sieht zwischen dem zu entwickelnden „Produkt“, das auf Professionalität setze, und der kirchlichen Ehrenamtlichenarbeit durchaus Differenzen, die aber gleichberechtigt zusammengeführt werden müssten und sich nicht gegenseitig ausschließen dürfen.(7.11.11.)

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