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55. Landesposaunenfest in Zwickau vom 7.-8. Juli 2012

Ein kräftiger und würdiger Abschluss des bisherigen Zwickauer Musikfestes

Bild: Blick in die volle Stadthalle mit Bühne

An zehn Standorten in und um Zwickau trafen sich die Bläser am Sonntag zum Morgenblasen. Damit wurde die Posaunenmusik zur Ehre Gottes in die Breite getragen, nachdem am gestrigen Sonnabend der Hauptmarkt im Herzen der Stadt im Mittelpunkt des Landesposaunenfestes stand, war heute nach dem morgendlichen Bläserauftakt die Zwickauer Stadthalle von Posaunenklängen erfüllt.

Bild: Eine von vielen Bläserreihen in der Stadthalle

Zu 14:00 Uhr wurde zum großen Festgottesdienst als Abschluss des 55. Landesposaunenfestes eingeladen. Die zentrale Hallenfläche war zuvor schnell von den 1.700 Posaunenbläserinnen und –bläsern gefüllt. Sie kamen zu einer langen Probe zusammen. Kaum ein Platz am Rande war noch frei, als die Intonation unterstützt von der Hallenakustik einsetzte. Das Erlebnis wollten sich viele Gottesdienstbesucher nicht entgehen lassen, da sich die Ränge bis nach oben hin füllten. Der Festgottesdienst wurde wieder durch die Reformationsfanfare eröffnet. Es folgten Choräle und Bläserstücke im Wechsel. Ebenfalls im Wechsel agierten ein Auswahlchor unter Leitung von Landesposaunenwart Siegfried Mehlhorn von der Bühne und der große Chor, wenn sie nicht gemeinsam spielten.

Bild: Landesbischof predigte im Festgottesdienst zum Abschluss des Bläsertreffens in Zwickau

Die Liturgie sowie die Lesungen und Gebete übernahmen Christian Kollmar, Theologischer Leiter der Sächsischen Posaunenmission (SPM), und Superintendent i.R. Hartmut Rau, Vorstandsvorsitzender des SPM. Landesbischof Jochen Bohl predigte über den Text der Jahreslosung „Jesus Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“. „Das ist echt stark, dieser Sound!“, sagte er zu Beginn. Bald kam er darauf zu sprechen, dass Stärke auch verloren gehen könne. Dies gehöre in Bereichen wie Sport, der Politik und bei Unternehmen zum Alltag. „Im Erfolg steckt schon der Keim des Scheiterns“, bemerkte er. Aber trotz dieser Erkenntnis werde in diesen Zeiten die Stärke regelrecht verherrlicht, so dass man sich selbst, aber vor allem anderen solange etwas vormacht, bis es ein Bruch im Leben offenlegt.

„Wer kann zu seinen Schwächen stehen?“, fragt der Landesbischof und verweist auf die Jahreslosung, die im Grunde eine „Absage an die Funktionsweise der Leistungsgesellschaft“ darstelle. Paulus rühme seine Schwachheit, um seinen Kritikern zu entgegnen. Vieles habe sich seit dieser Zeit geändert, das Rollenverhalten, das Glück zu erzwingen, bis heute nicht. Immer stark zu sein sei ein „erbarmungsloser Kampf, der nicht gewonnen werden kann“, sagte Bohl. „Stark sein, bis man ausgebrannt ist…“

Bild: Blick in die vollbesetzte Halle

Dieses Posaunenfest zeige eine Stärke, die darin besteht, Begabungen zu entfalten. Jeder Stärke sei auch eine Schwäche dabei gestellt. Deswegen verleugnen wir nicht unsere Schwächen und verherrlichen nicht unsere Stärke. Mit den Posaunen und Trompeten geben wir nicht uns, sondern Gott die Ehre.

Wie schon am gestrigen Sonnabend bekannt gegeben wurde, wird es ein nächstes großes Posaunenfest 2016 in Dresden geben. Dies bundesweit beworbene Ereignis soll noch die Größe und den Eindruck des letzten Deutschen Evangelischen Posaunentages 2008 in Leipzig übertreffen.

Auftakt und Zwischenhoch sowie abendliche Konzerte am Sonnabend

Bild: Blick auf den Auftakt gut beschirmt am Hauptmarkt

Begonnen hatte das 55. Landesposaunenfest am Sonnabend mit einer Wassertaufe im Freien. Entgegen der Wetterprognosen suchten die Bläserinnen und Bläser auf der Auftaktveranstaltung auf dem Hauptmarkt Schutz unter den Schirmen. Geregnet hatte es anhaltend, trotzdem wurde das Programm durchgezogen. Zu hören war gleich am Anfang die Reformationsfanfare von Dieter Wendel (+1965). Der Theologische Leiter der Sächsischen Posaunenmission, Christian Kollmar, begrüßte die Bläser und Gäste und moderierte den Auftakt. „Feiern wir ein fröhliches Fest des Glaubens“ rief er den über 1.000 Bläsern zu, die sich schon am Mittag einfanden. „Wir sind nicht nur viele, sondern auch vielfältig“. So würden die angereisten Bläser die Regionen Sachsens repräsentieren, aber auch vor Ort Jugendarbeit, Musikkreis und Seniorenkreis in Einem vereinen.

Bild: Oberbürgermeisterin Dr. Pia Findeiß spricht zu den Teilnehmern.
Oberbürgermeisterin Dr. Findeiß und Landrat (r.)

Jungbläser hätten ein besonderes Gewicht, weil es auf sie ankomme, dass die Arbeit in den 454 Posaunenchören fortgeführt wird, so Kollmar.

In Zwickau waren die Jungbläser zum ersten Mal als eigenständige Gruppe eingeladen worden. Sie hatten in einem speziellen Workshop die einzige gemeinsame Probe und spielten dann zur Serenade im Wechsel mit dem großen Chor. Schon in der Auftaktveranstaltung, wo die Auftragskomposition „Gruß an Sachsen“ von Jürgen Pfiester (*1955) erklang, zeigten sie ihr Können.
Otto Guse, der Präsident der sächsischen Landessynode ging auf das Motto „Echt stark“ ein und erläuterte den Zusammenhang mit der diesjährigen Jahreslosung und zum Apostel Paulus. „Echt stark stimme nicht immer“, sagte Guse und verwies auf die körperlichen Schwächen des Paulus.

Bild: Jürgen Pfiester stellt seine Werke in der Katharinenkirche vor
Jürgen Pfiester in der Katharinenkirche stellt seine Werke vor. Er komponierte den 'Gruß nach Zwickau'.

Es gehe aber nicht nur um kräftiges Pusten und Atmen, sondern um die Freude. Paulus war auf der einen Seite schwach, aber durch den Glauben umso stärker. Das mache Mut, eigene Schwächen einzugestehen. „Echt sein, heißt stark sein“, sagte der Synodenpräsident.

Bild: Bläser fanden sich bei Sonne am Nachmittag wieder zusammen

Die Oberbürgermeisterin Dr. Pia Findeiß begrüßte die vielen Bläser besonders erfreut in der Robert-Schumann- und der Automobilstadt Zwickau, da dieses Posaunenfest einen „kräftigen und würdigen Abschluss des diesjährigen Zwickauer Musikfestes darstellt“. So erinnerte Zwickau zum Schumann-Fest mit zahlreichen Konzerten und Veranstaltungen an den Komponisten, der in diesem Jahr auch im Zusammenhang mit seiner lutherischen Prägung thematisiert wurde.
Landrat Dr. Christoph Scheurer begrüßte ebenfalls die angereisten Teilnehmer am Landesposaunenfest und wünschte den zwei Tagen einen guten und gesegneten Verlauf. Bei den Bläsern verbinde sich Lust und Kunst, wo es jetzt Gelegenheit gebe, den Glauben zu zeigen und ihn hörbar zu machen.
Nach einem Gebet sangen die Besucher und Gäste das bekannte Paul-Gerhardt-Lied „Du meine Seele singe“.

Bild: Blick in den ebenfalls vollbesetzen Raum im Clara-Wieck-Gymnasium

Nach der Auftaktveranstaltung auf dem Hauptmarkt und einem Mittagsimbiss füllten sich mit weiteren angereisten Bläsern die nachmittäglichen Workshops an unterschiedlichen Orten. Als die Teilnehmer zum Ausprobieren, Informieren und Kennlernen zusammen kamen, hörte der Regen auf und die Sonne ließ die Stadt erstrahlen. Dennoch wurde zuvor der Workshop und die Probe für die Jungbläser vom Hauptmarkt in den Dom St. Marien verlegt. Die hier ursprünglich geplante Veranstaltung „hohes Blech“ kam im Rathaussaal zusammen. Während dieser Zeit hatten auch die Zwickauer Gelegenheit, sich an Ständen über das Fest zu informieren.

Bild: Blick in den Workshop zu Musik aus Lateinamerika im alten Gasometer

Weniger als neun Arbeitsgruppenangebote hätten es nicht sein dürfen, da die Kapazitäten der Räumlichkeiten ausgelastet waren. Der Saal im alten Gasometer mit der Musikwerkstadt „Musik aus Lateinamerika“ war bis auf den letzten Platz gefüllt. Bei Tanga, Samba und Rumba hatte nur der Posaunenwart Martin Huss (Argentinien/Mecklenburg) Gelegenheit für körperliche Bewegung bei der Leitung der Veranstaltung.

Bild: Einblick in die Musikinstrumente der Reformationszeit durch Thomas Friedländer

In der Lutherkirche stellte Kantor René Michael Röder aus Waldheim „Musik der Reformationszeit“ an Beispielen von Tänzen, Madrigalen, Doppelchören der Renaissancezeit vor, während im Schloss Osterstein die „Instrumente der Reformationszeit“ durch Thomas Friedländer (Dresden) und Andreas Arend (Berlin) vorgestellt wurden.

Auch hier musste Thomas Friedländer noch ein paar Stühle dazu stellen, bevor er auf die Instrumente des 16. Jahrhunderts anhand von zeitgenössischen Zeichnungen einging. Neben der lauten Schalmei, wurden Zinken, Lauten, Flöten, Posaunen u.a. vorgestellt sowie die Orte und Anlässe, wo und wie musiziert wurde. Es war zu erfahren, dass gerade das Reformationsjahrhundert Veränderungen mit sich brachte. Neben dem ersten Notendruck in Italien bildeten sich in dieser Zeit Instrumentalgruppen heraus, die sich später als Orchester formierten.

Bild: Engagierte junge Bläser im Dom zur Vorbereitung der Serenade

Schließlich wurden die Instrumente gezeigt und erklärt, die auch am Abend in der Katharinenkirche in einer Abendmusik für Laute und Zink erklangen. Friedländer und Arend waren die Ausführenden.

Nach den Proben und Workshops trafen sich alle Teilnehmer des 55. Landesposaunenfestes zur großen sommerlichen Serenade auf dem Hauptmarkt. Das Gold der Instrumente glänzte in der Sonne als erneut zum Einstieg die Reformationsfanfare erschallte. Zahlreiche Zwickauer, die in die Stadt gelockt wurden, folgten staunend dem Klangerlebnis. Ein Posaunenfest wendet sich immer auch an die nichtkirchlichen Einwohner einer Stadt. Deshalb sind viele Veranstaltungen nicht in geschlossenen Räumen. Für die Chöre ist das Landesposaunenfest ein besonderer Höhepunkt ihrer musikalischen Arbeit und ermutigt sie für die Kleinarbeit im eigenen, oft in einem kleinen Chor zu Hause.

Bild: Ausschnitt auf das Serenadenkonzert am Nachmittag

Das Repertoire war vielfältig zwischen Klassik, Moderne und speziellen Kompositionen wie die „Zwickauer Festmusik“ von Traugott Fünfgeld (*1971). Frühzeitig aus Dresden angereist war der Ministerpräsident des Freistaates, Stanislaw Tillich, der sichtlich bewegt die über 1.500 Bläser begrüßte.
Er würdigte den Einsatz der Bläserchöre in den Gottesdiensten der Gemeinden und hob deren Vorbildcharakter für Jugendliche hervor.

Bild: Ministerpräsident Tillich und Moderator Christian Kollmar auf der Bühne

Der Ministerpräsident erlebe die Bläser bei unterschiedlichen Anlässen und Witterungsbedingungen wie u.a. beim ‚Tag der Sachsen’ oder bei der Weihnachtlichen Vesper vor der Frauenkirche in ihrem treuen Dienst. Tillich sagte Dank für den Dienst im Freistaat Sachsen und er wünschte eine gemeinsame und gute Zukunft im Selbst- und Gottvertrauen.

In fünf Abendkonzerten ab 19:30 Uhr konnte man Bläsermusik in verschiedener Weise erleben: Trompetenensemble, Trompete und Orgel, Zink und Laute, große Bläserensemble und einen Jugendposaunenchor aus Mecklenburg-Vorpommern.
Am Sonntag werden die Teilnehmer um 9:30 Uhr an zehn Stellen des Posaunentages die Zwickauer mit einem Morgenblasen grüßen und damit zum Gottesdienst einladen.

Am Sonntag beginnt um 14:00 Uhr der Festgottesdienst mit über 1.700 Bläsern in der Stadthalle. Die Predigt hält Landesbischof Jochen Bohl.(7-7.12) 


 

Bild: Blick auf den abendlichen Hauptmarkt mit erhobenen Instrumenten

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