Navigation überspringen

Aktuelles

Begegnungstag für Aussiedler 2012 in Coswig

Ein nächstes Wiedersehen in Torgau am 14. September nächsten Jahres

Bild: Vorne in der Kirche (l.) Thomas Grum, Referent Sozialministerium; Staatsministerin Christine Clauß
Staatsministerin Christine Clauß begrüßte die Teilnehmenden in der Peter-Pauls-Kirche

In Coswig begrüßte ein Posaunenchor vor der Peter-Pauls-Kirche die am Sonnabendmorgen eingetroffenen Teilnehmer des diesjährigen Begegnungstages für Aussiedler. Diese füllten nach und nach die Kirche bevor um 10:00 Uhr die Morgenandacht begann. Anschließend hieß Oberbürgermeister Frank Neupold und Superintendent Andreas Stempel die Besucher in Coswig willkommen.

Bild: Superintendent Andreas Stempel vor den Besuchern

Neupold ist überzeugt, dass die Gesellschaft bewirke, dass weitere Fortschritte in der Integration gemacht werden können. Dazu trage auch dieser von der Landeskirche durchgeführte Aussiedlertag bei. Superintendent Stempel ging in seiner Andacht auch auf Lebenskrisen ein. „Es ist nicht selbstverständlich, dass wir uns auf festen Boden befinden“, sagte er und er machte Mut, auf Gott zu vertrauen und im Glauben den nötigen Halt zu finden. Allen Teilnehmern wünschte er an diesem Tag eine „offene und herzliche Begegnung“.

Zu einem unterschiedlichen und abwechslungsreichen Veranstaltungsprogramm unter dem Motto „Aufsteh’n – aufeinander zugeh’n waren aus Sachsen alle Altersgruppen aus dem Kreis der Spätaussiedler sowie Bürger und Kirchgemeindeglieder aus Coswig eingeladen.

Bild: Dr. Christoph Bergner vor den Aussiedler

Die Wortbeiträge in den Veranstaltungen wurden ins Russische übersetzt und viele Dinge am Tag in dieser Sprache von Dolmetschern erläutert.

Die Sächsischen Staatsministerin Christine Clauß (Soziales und Verbraucherschutz) hieß ebenfalls die Spätaussiedlergemeinde willkommen und erinnerte an Tugenden der Menschen, die in der Vergangenheit in Russland so viel aufgebaut haben, und es nach der Übersiedlung nach Deutschland ebenfalls taten und tun. „Integration ist mehr als ein nettes nebeneinander“, sagte die Staatsministerin und betonte den Respekt und die Anerkennung, die jedem entgegengebracht werden müsse. Der „wichtigste Wert“ im Grundgesetz sei die Menschenwürde, so Clauß. Sie wünschte allen an diesem Tag Freude, Kraft und Segen.

Bild: Superintendent, Staatsministerin und Oberbürgermeister von Coswig

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium und Aussiedlerbeauftragte des Bundes, Dr. Christoph Bergner dankte in seinem Grußwort der sächsischen Landeskirche, dass sie immer zum Aussiedlertag einladen und ihn zusammen mit dem Freistaat ausrichten. Immerhin seien mit 134.000 Menschen die Aussiedler in den letzten 20 Jahren die größte Einwanderungsgruppe in Sachsen.

Die Geschichte der Russlanddeutschen sei ein Teil der deutschen Geschichte, weil ihre Tragödie während und nach dem Krieg mit dem Faschismus und dem von Hitler initiierten Krieg zusammenhänge. In der Geschichtsaufarbeitung müsse den Russlanddeutschen eine besondere Solidarität widerfahren, so Dr. Bergner. „Für diese Menschen haben wir eine besondere Verantwortung“, sagte er.
Nach der Auftaktveranstaltung schloss sich in der Kirche ein Erwachsenenprogramm mit musikalischen und szenischen Darbietungen an.

Bild: Bühnenprogramm mit der Gruppe Kalinka aus Weißwasser

Auf dem Wettinplatz war ein Bühnenprogamm zu erleben als auch die Angebote auf dem ‚Markt der Möglichkeiten’ von Aussiedlervereinen und kirchlichen Werken, mit Beratung und Büchertischen. Die Diakonie und die Caritas hatten einen gemeinsamen Pavillon. Ein Zelt zeigte Geschichte und Geschichten um den Jakobsweg, der durch diese Region führt und Ost und West verbindet.
Zur gleichen Zeit diente die Alte Kirche als Raum der Stille, wo mittags meditative Orgelmusik erklang.
Obwohl gut verpflegt, erfreuten sich Piroggi, Fleischspieße und andere kulinarische Spezialitäten großer Nachfrage. Auf der Bühne traten Gesangsgruppen auf und sorgten mit ihren russischen oder deutschsprachigen Heimatliedern für großes Interesse. Viele Zuschauer waren sichtlich begeistert.

Über hundert Teilnehmer besuchten das Gesprächs-Forum, wo Vertreter von Behörden und Einrichtungen, die mit den Problemlagen der Aussiedler befasst sind, sich den Anliegen und Fragen der Neuhinzugezogenen stellten.

Bild: Besucher im Gesprächs-Forum

In den Gemeindesaal des Evangelischen Gemeindezentrums (Ravensburger Platz 6) kamen auch der Beauftragte der Bundesregierung und der kirchliche Beauftragte und beantworteten in der zweisprachigen Veranstaltung grundsätzliche sowie persönliche Fragen der Aussiedler. Im Mittelpunkt der Fragen standen Probleme der Familienzusammenführung und der Anerkennung von Diplomen sowie der Integration.

Bild: Helge Klassohn (r.) im Gespräch nach dem Forum

Seit 2005 haben sich die Zuzüge infolge der notwendigen Sprachtests in Russland und anderen Staaten stark verringert, was die Familienzusammenführung erschwert. Derzeit liegen 9.000 Anträge vor.

Dr. Bergner fiel es schwer, die Regelung zu verteidigen, aber er verwies auch auf 400 Begegnungszentren in den Herkunftsländern, wo die deutsche Sprache gepflegt und gefördert werden könne. Die evangelische Kirche sei „nicht zufrieden“ mit der Lage, so Klassohn, da die Härtefälle zunehmen. Während früher organisatorische Fragen mit Aussiedlerheimen im Vordergrund standen, stehe heute Beratung und Seelsorge im Vordergrund, bestätigt auch Gerlinde Franke von der Migrationsberatung der Diakonie Riesa-Großenhain.

Bild: Landtagspräsident Dr. Rößler am Stand der Stadt Coswig

Geringe Zuzugszahlen dürften nicht dazu führen, dass Anstrengungen um die Integration und für die Hilfe für Spätaussiedler bei Kirche und Staat zurückgefahren werden. ‚Aufeinander zugehen’ bedeute auch, dass Kirchgemeinden auf Aussiedler zugehen und wiederum Aussiedler sich an kirchgemeindlichen Angeboten beteiligen, so Stimmen aus dem Plenum und dem Podium.
Als Zuhörer besuchte auch der sächsische Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler das Forum und mischte sich anschließend unter die Besucher des Kulturprogramm auf dem Markt und nahm am Abschlussgottesdienst teil.

Bild: Zwei Mädchen zeigen, was sie im Trommel-Workshop gelernt haben

Mit Beginn des Begegnungstages am 15. September trafen sich die Jugendlichen zu einem Parallelprogramm mit Band-Musik, Workshops, Talk, Tanz, Sport auf dem Gelände des Gymnasiums Coswig erst einmal zum Begrüßungsimbiss. Der anschließende Gottesdienst stand ebenfalls in Verbindung mit dem Thema „Aufstehn – zugehn“. Das Motto war im Übrigen vom gleichnamigen Lied des Liedermachers Clemens Bittlinger abgeleitet. Auf einer Abschlussveranstaltung mit einer Präsentation wurden die Ergebnisse der Workshops und einstudierte Tänze vorgestellt sowie noch einmal viel Musik gemacht.(15.9.12)
Zum Kinderprogramm wurde am späten Vormittag in das Haus des CVJM eingeladen.

Im Abschlussgottesdienst in der Peter-Pauls-Kirche unter ökumenischer Beteiligung predigte Kirchenpräsident i.R. Helge Klassohn und sprach auch Familien an, die durch Trennungen belastet seien.

Bild: Helge Klassohn predigt im Abschlussgottesdienst

Er erinnerte an das Schicksal der Russlanddeutschen. Vielfach täten sich nach der Übersiedlung nach Deutschland andere Schwierigkeiten auf, die wegen mangelnder Kenntnisse der Geschichte auf Missverständnissen beruhen. Dann komme es zu fehlender Anerkennung und Gleichberechtigung. „Gott wolle es aber anders“, sagte Klassohn. Die Gleichberechtigung könne im Glauben gefunden werden, weil es „im Hause Gottes keine Mitbürger 2. Klasse gibt“. Er machte den Gottesdienstbesuchern Mut, auf die Gemeinden zuzugehen und in ihnen eine neue Heimat zu finden.

Der von der sächsischen Landeskirche initiierte Aussiedlertag ist das größte Treffen und die einzige landesweite Veranstaltung speziell für diese Personengruppe. So kamen auch Teilnehmer aus Görlitz und Torgau. Der Freistaat Sachsen unterstützt und fördert die Aussiedlertreffen und die Große Kreisstadt Coswig wirkte in diesem Jahr als Gastgeberin an der Organisation dieses Begegnungstages entscheidend mit.

Bild: Stand mit Schaschliks

In den letzten zwei Jahrzehnten kamen zwei Millionen Spätaussiedler, meist aus den ehemaligen GUS-Staaten, nach Deutschland, darunter fast 130.000 nach Sachsen.
Im letzten Jahr sind nur 110 Spätaussiedler und ihre Familienangehörigen nach Sachsen gezogen. Damit hat sich der Zuzug weiter verringert. Wenn bis Ende Juni dieses Jahres nur 42 Spätaussiedler über das Zugangsverfahren in Sachsen aufgenommen wurden, wird die Aufnahmezahl in diesem Jahr ähnlich niedrig sein. Im Vergleich: vor zehn Jahren waren 6.000 Personen im Jahr aufgenommen worden.

Im letzten Jahr war der Aussiedlertag in den Deutschen Evangelischen Kirchentag 2011 in Dresden integriert. Der diesjährige Begegnungstag für Aussiedler findet wieder in gewohnter Form statt. Ziel dieser Veranstaltung ist es auch, die Zugezogenen zu ermutigen sowie eine breite Öffentlichkeit in Kirche und Gesellschaft über die aktuellen Aufgaben der Eingliederung in Sachsen zu informieren. Der nächste Gemeindetag für Aussiedler findet am 14. September 2013 in Torgau statt.

Weitere THEMEN

Bild: Beifall für den Tag

Schriftgrösse
[A]
[A]
[A]
Link-Tipps