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Aktuelles

Ausstellung zu Luthers Liedern in Dresden eröffnet

Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek zeigt seinen Schatz an handschriftlichen und gedruckten Schriften zur Reformation

Bild: Musikalische Einstimmung durch den Dresdner Bachchor und der Neustädter Kantorei

„Luther hat die Welt verändert“, so die zusammenfassende Aussage des Generaldirektors der SLUB Dresden, Prof. Dr. Thomas Bürger, der in seiner Begrüßung auf der Eröffnungsveranstaltung zur Ausstellung „Luthers Lieder“ den „Kosmos“ Luther ansprach. Luther prägte das Zeitalter der Moderne in Theologie, Politik, Musikkultur, Sprache und Kunst.

Bild: Professor Dr. Thomas Bürger begrüßt die Gäste im Festsaal der SLUB
Dr. Thomas Bürger

Dr. Bürger verschwieg nicht, dass gerade von Dresden dem Reformator zunächst bissige Kritik entgegenschlug. Neben den Auseinandersetzungen jener Zeit, stünde das Verdienst Luthers in den verschiedenen Ausstellungsebenen der SLUB im Vordergrund der gezeigten Objekte. Wertvolle Handschriften wie der erste Psalmkommentar Luthers lägen digital zur Ansicht im Internet vor. Neben dieser Ausstellung zum Themenjahr 2012 „Reformation und Musik“ zu Luthers historischer Bedeutung für die Bildung und die musikalischen Neugestaltung des Gottesdienstes und des Gemeindegesangs, kündigte der Generaldirektor weitere Begleitung bis zum Zielpunkt des Reformationsjubiläums 2017 an.

Landesbischof Jochen Bohl zitierte Luther „Musik ist eine Gabe und ein Geschenk Gottes…“ und hob damit die Rolle des Reformators als bedeutenden Lieddichter hervor, was Luther schließlich den Spitznamen „Wittenbergs Nachtigall“ eintrug.

Bild: Landesbischof Jochen Bohl besuchte die Ausstellung im Anschluss an die Eröffnung
Jochen Bohl im Gegenüber mit Martin Luther

Jetzt zur Halbzeit der Dekade gewinne das Gedenken an „Dynamik, so dass wir das Jubiläum gebührend feiern werden“, ist Bohl überzeugt. Er hob Dresden als wichtige Station der Reformation hervor, so auch die Rolle der Oberhofprediger, die von hier aus wirksam waren. Zudem sei gerade die Landeshauptstadt „ein passender Ort im Rahmen von ‚Reformation und Musik’. „Luthers außerordentliche Sprachgewalt schlägt sich gerade in den Liedtexten nieder“, sagte der Landesbischof. Somit sei er in seinem Glauben ein Zeuge in der Wahrheit um Jesus Christi, was beispielsweise in dem Lied „Nun freut euch, lieben Christen g’mein“ zum Ausdruck käme.
Der Dresdner Bachchor an der Martin-Luther-Kirche unter der Leitung von Landeskirchenmusikdirektor Markus Leidenberger trug diesen Choral vor sowie an diesem Eröffnungsabend am 22. September noch weitere Lieder und Texte von Martin Luther in Vertonungen aus mehreren Jahrhunderten.

Bild: Einführung in Wirken und Wirkungen von Martin Luther als Gegenstand der Ausstellung

Die von den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen, Kerstin Hagemeyer und Katrin Nitzschke, vorbereitete Sonderausstellung und deren Katalog zeichnet den Bildungsweg Luthers vom Bergmannssohn zum Professor der Theologie nach, wobei die Musik seit seiner Kurrendezeit in Eisenach und Erfurt immer sein ständiger Begleiter gewesen sei, so Frau Hagemeyer in der Erläuterung der Stationen seiner musikalischen Entwicklung.

Bild: Dr. Christoph Münchow während seines Vortrags
Dr. Christoph Münchow

So spielte Luther Laute und verfügte über fundierte musiktheoretische und -praktische Kenntnisse. Die Ausstellung würdige die Verdienste Martin Luthers um die Neugestaltung des evangelischen Gottesdienstes und um die Einführung des Gemeindegesangs, so die Ausstellungsmacher.
Als 1523 zwei Augustinermönche im Zuge der reformatorischen Bewegung in Brüssel auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden, schrieb Luther tief erschüttert seine ersten Liedverse: „Ein neues Lied wir heben an“. Danach schuf er zahlreiche geistliche Lieder, die in ihrer klaren und urwüchsigen Ausdruckskraft für die Ausbreitung des Evangeliums sorgten.

Das griff Dr. Christoph Münchows anschließender Vortrag auf, in dem er Beispiele brachte, wie Luthers Lieder über Flugschriften und von Mund zu Mund im Volk kursierten. „Die Gesänge wurden zu Selbstläufern“ und „das gemeinsame Singen ein Markenzeichen der Reformation“, so der frühere Oberlandeskirchenrat, der die Ausstellungsvorbereitungen begleitet hat.

Bild: Führung durch die Sammlungen

Dr. Münchow hob neben der anfänglichen nationalen Verbreitung von Luthers Liedgut und seiner Texte auch die Bedeutung der Übersetzungen als frühen kulturellen Austausch hervor. U.a. das Lied „Eine feste Burg ist unser Gott“ wurde als Beispiel angeführt, wie es in die nationale Selbstbestrebung von Völkern einbezogen war. Selbst ins Tamilische Gesangbuch hielten Lutherlieder Einzug. So werde in der Ausstellung die große Verbreitung von Luthers Liedern von seinen Lebzeiten bis heute vor Augen geführt. Seine Choräle erfreuten sich so großer Beliebtheit, dass sie auch in die ersten katholischen Gesangbücher aufgenommen wurden. „Die Lieder entstanden in einer konfliktreichen Zeit und heute sind alle gemeinsam gefordert, Glaubensüberzeugungen weiterzugeben und den Kern des christlichen Glaubens neu zu übersetzen“, sagt Dr. Münchow. In den geplanten Vortragsreihen im Kathedralforum sehe er ein „Hoffnungszeichen für das ökumenische Miteinander“. In Luthers Liedern gebe es ein „geistiges und geistliches Kraftpotential“.(23.9.12)

Bild: Exponate hinter Glas

Ausstellungskatalog

Die Sonderausstellung beginnt im Buchmuseum mit der Präsentation kostbarer Erst- und Frühdrucke von Liedern, Gesangbüchern und Gottesdienstordnungen und endet in der Galerie am Lesesaal mit einer Auswahl moderner Lieder- und Gesangbücher in verschiedensten Sprachen sowie Tondokumenten aus allen Teilen der Welt.
In der Schatzkammer sind herausragende Handschriften Luthers zu sehen, darunter seine in kleiner Schrift verfasste Kommentierung der Psalmen aus vorreformatorischer Zeit.
Die Ausstellung wurde in Kooperation mit der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens vorbereitet.

23. September 2012 bis 8. Januar 2013, täglich 10:00 -18:00 Uhr
öffentliche Führungen durch die Ausstellung: SLUB Dresden, Zellescher Weg 18;
9.10., 15.11. und 4.12. 2012 jeweils 17:00 Uhr

Der Eintritt und die Führungen sind kostenfrei.

Anmeldungen zu Führungen: tour@slub-dresden.de
Die Buslinie 61 hält vor der Tür.
Am 27. September sowie am 1. und 25. Oktober 2012, jeweils 20:00 Uhr, finden unter dem Motto „Luthers Lieder ökumenisch“ drei Vorträge im Kathedralforum Dresden statt (www.ka-dd.de).

SLUB Dresden

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