Navigation überspringen

Aktuelles

Eröffnung des Themenjahres „Reformation und Toleranz“ in Sachsen

Ein Materialheft gibt Impulse aus sächsischer Sicht im neuen Themenjahr

Bild: Menschen unterschiedlicher Herkunft halten sich die Hände

Mit einem Festgottesdienst in der Dresdner Frauenkirche eröffnete die sächsische Landeskirche am 27. Januar 2013 das Themenjahr „Reformation und Toleranz“. Im Rahmen der Lutherdekade, mit der sich die protestantischen Christen auf das 500. Reformationsjubiläum im Jahr 2017 vorbereiten, lenkt es den Blick auf die Bereicherungen und Herausforderungen eines toleranten Miteinanders.

Bild: Blick in den Hauptraum der Frauenkirche zu den Gottesdienstbesuchern

An diesem Sonntag wurde in vielen Kirchen Deutschlands der Opfer des Nationalsozialismus gedacht, die infolge ideologischer Intoleranz und mörderische Menschenverachtung ihr Leben ließen. Dass es bis zur Versöhnung ein langer, wenngleich lohnender Weg ist, zeigt gerade die Frauenkirche mit ihrer Geschichte von Zerstörung, Wiederaufbau und heutiger aktiver Versöhnungsarbeit.

Im Gottesdienst predigte der Marburger Theologe Prof. em. Dr. Hans-Martin Barth und Frauenkirchenpfarrer Holger Treutmann gestaltete die Liturgie. Dem Kammerchor des Kopernikus-Gymnasiums Wasseralfingen unter Leitung von Thomas Baur sowie Frauenkirchenorganist Samuel Kummer gestalteten den Gottesdienst musikalisch. Zur Festgemeinde zählten u.a. der Sächsische Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler, der Sächsische Staatsminister und Chef der Staatskanzlei, Dr. Johannes Beermann, die Staatsministerin für Kultus, Brunhild Kurth sowie der Präsident des Landeskirchenamtes, Dr. Johannes Kimme.

Bild: Prof. Dr. Barth predigt vor der Festgemeinde

Professor Hans-Martin Barth griff in seiner Predigt das Thema ‚Toleranz‘ auf und nahm Bezug auf die Geschichte Jesu und dessen Gespräch mit Zöllnern und Sündern. „War Jesus tolerant? War er zu tolerant?“, fragt Dr. Barth und er verweist auf Beispiele, wo für Jesus die Grenze der Toleranz erreicht war. Es bedürfe Kriterien, um Toleranz bestimmen zu können, sagte er. Martin Luther meinte „Die Liebe erduldet alles, aber der Glaube erduldet nichts.“ Bezüglich des Glaubens zeigte sich Luther in vielerlei Hinsicht Intolerant.

Für Dr. Barth sei ‚Barmherzigkeit‘ das Kriterium. Jesus, der den Begriff Toleranz nicht kannte, rief zur Barmherzigkeit auf. Somit ginge es darum, den Ruf nach Buße und Barmherzigkeit zu hören, was Nachfolge und Bewegung bedeute. Nicht in Toleranz zu verharren, sondern „einen Weg vor sich sehen“. „Da ist ein Ruf, der erreicht uns von außen, von den Menschen, die auf unsere Toleranz angewiesen sind, und von denen, die unsere Intoleranz herausfordern“, so Dr. Barth und er ruft dazu auf, Buße zu tun, „und lernen, anderen und schließlich auch uns selbst gegenüber barmherzig zu werden“.

Bild: OLKR Martin Lerchner geht in seinem Beitrag auf das Themenjahr ein

Anschließend eröffnete Oberlandeskirchenrat Martin Lerchner im Gottesdienst das Themenjahr. Toleranz bedeute, nicht gleichgültig zu sein und verwies auf die Apostel als Lehrer der frühen Kirche. Somit sei Toleranz ein durchaus christlicher Begriff, sagte Lerchner und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass in Auseinandersetzungen über das Bibelverständnis das Thema eine Chance für die Kirche bedeute.

Zum Abschluss des Gottesdienstes verwies Frauenkirchenpfarrer Holger Treutmann verwies auf ein Themenheft, das von der Landeskirche und der Arbeitsgemeinschaft zum Themenjahr zusammengestellt und herausgegeben worden ist. Es soll wenig später an verschiedenen landeskirchlichen Stellen und bei Projektpartnern ausliegen.

Landesbischof Jochen Bohl sagt im Vorwort der sächsischen Themen-Broschüre: „Das Themenjahr nimmt eine große Aufgabe in unserer Zeit in den Blick.

Bild: Titelseite des Materialheftes

Mühsam sind wir im Begriff, das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen zu lernen. Wie gehen wir mit denen um, die bei uns eine Heimat suchen, ohne dabei ihre eigenen Wurzeln aufgeben zu wollen und zu können?“
Auch innerkirchliche Debatten um die unterschiedlichsten Reizthemen ließen oft Toleranz vermissen, so Bohl.

Das Materialheft beinhaltet mehrere Wortbeiträge zum Toleranzbegriff, zu gegenwärtigen Entwicklungen und Herausforderungen, einen historischen Exkurs zu folgenreichen Ereignissen von Intoleranz und Toleranz als auch Anregungen zur Konfliktbewältigung und Ideen für gemeindepädagogische Projekte. Eine ausführliche Auflistung von geplanten Veranstaltungen in Regionen und Einrichtungen der Landeskirche stehen am Ende des über 20-seitigen Themenheftes. Mit seiner Auflage von 2.000 Stück soll es in den gesellschaftlichen Kontext wirken und insbesondere Kirchgemeinden und Religionslehrer erreichen und Impulse und Ansätze für die inhaltliche Beschäftigung mit dem Themenjahr geben.

Das Themenjahr „Reformation und Toleranz“ soll deutschlandweit Anregung sein, über aktuelle Fragen des Zusammenlebens und Herausforderungen im gesamtgesellschaftlichen, kirchlichen und persönlichen Bereich nachzudenken. Dabei erinnert es an die positiven Impulse, die von der Reformation ausgingen, ohne aber die dunklen Aspekte der Reformationsgeschichte zu vergessen. Durch den sächsischen Beitrag mit dem programmatischen Zusatz »Wege von Trennung und Versöhnung« erhält es eine besondere Note, die auch in verschiedenen geplanten Projekten aufgegriffen werden wird.(27.1.2013)

EKD Schwerpunkte im Themenjahr 2013

weitere Informationen zum Themenjahr unter EVLKS.de

 

Weitere THEMEN

Schriftgrösse
[A]
[A]
[A]
Link-Tipps