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Aktuelles

Feiern und Loben – 125 Jahre Sächsisches Kirchenchorwerk

Festakt, Festkonzert und Festgottesdienst zum Jubiläum des Chorwerks

Bild: Kirchenchor aus Dresden-Briesnitz

In Chemnitz feierte am Wochenende des 27. und 28. April 2013 die sächsische Landeskirche sein Kirchenchorwerk, das in diesem Jahr auf seine 125-jährige Geschichte zurückblicken kann. Das Jubiläum fand mit Festakt, Uraufführung, Konzert und Festgottesdienst an dem Ort statt, wo am 28. November 1888 Pfarrer, Kantoren und Organisten zusammen kamen, um einen Chorverband zu gründen.

Bild: Präsident Dr. Johannes Kimme

In der Feierstunde am Sonnabend wurde mehrfach die Bedeutung der evangelischen Kirchenmusik für die Kulturgeschichte Sachsens und Mitteldeutschlands gewürdigt. In seiner Begrüßung sprach Dr. Johannes Kimme, Präsident des Landeskirchenamtes, sogar von einem Exportschlager. Er nahm damit Bezug auf die großen Komponisten, aber auch auf Kirchmusiker aus Mitteldeutschland, die in anderen Teilen Deutschlands wirkten. 125 Jahre seien eine beachtliche Zeit, aber die Landeskirche, die nächstes Jahr ihr 475. Bestehen feiere, blicke seit der Reformation auf den besonderen Stellenwert der Kirchenmusik im Gemeindegesang und im Chorgesang zurück, dessen sich die Landeskirche bewusst sei. Präsident Dr. Kimme dankte im Namen der Landeskirche allen Mitwirkenden in der kirchenmusikalischen Arbeit, insbesondere den Ausbildern und den Eltern, die ihre Kinder zum Kurrendesingen in den Kinderchören ermuntern und unterstützen.

Bild: Landesbischof Jochen Bohl spricht vor der Festgemeinde

„Lieder sind die besondere Ausdrucksform des Glaubens“, sagte Landesbischof Jochen Bohl. Er verwies auf Martin Luther als bedeutenden Liederdichter, aber auch an die anderen Lieder, die nach der Reformation entstanden sind. ‚Singt dem Herrn ein neues Lied‘ sei die Übersetzung des Psalmwortes in der Reformation, dem die Komponisten wie Heinrich Schütz, Johann Sebastian Bach und Rudolf Mauersberger folgten. Damit verbunden sei eine lange Tradition des Singens, in der viele Menschen zur Musik kamen. So auch heute, wo die Chorlandschaft in der Landeskirche stabil sei und sich auch Nichtchristen ansprechen lassen, so Bohl. Er betonte, dass die Kirchenchöre einen missionarischen Auftrag hätten und ein „unverzichtbares Element der Verkündigung“ darstellten. In diesen Tagen „schauen wir auf die Geschichte der Menschen zurück, da wir eine singende Kirche bleiben wollen“, sagte er abschließend.

Zwischen den Wortbeiträgen erklangen unterschiedliche Chorbeiträge, die einen Ausschnitt aus der Vielfalt chorischer Arbeit in der Landeskirche darstellen sollten. Klassisch oder zeitgenössisch mit ganz jungen Sängern oder mit Erwachsenen wurde ein ergreifender Spannungsbogen kirchenmusikalischer Arbeit gezogen.

Bild: Blick in die Festversammlung in Richtung Kirchenchor

So führte die Kantorei aus Dresden-Briesnitz mit ‚Cantate Domino‘ von Dietrich Buxtehude in das Festprogramm ein, dem die Kurrenden der Innenstadtgemeinden aus Chemnitz mit ‚Singt dem Herrn ein neues Lied‘ im Satz von Annegret Stier (1966-1996) und der Melodie von Herbert Glossner folgten. Von der Empore sangen die Kinder das ‚Gloria‘ aus der Gloria Messe von Johannes Matthias Michel (*1962) und von Andreas Unterguggenberger (*1969) ‚Meine Augen erheb‘ ich hoch empor‘, dem nach der Festrede noch eine Uraufführung folgte.

Bild: Dr. Britta Martini

Kirchenmusikdirektorin Dr. Britta Martini, Studienleiterin für kirchenmusikalische Aus- und Fortbildung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, ging der Frage nach, ob es heute noch stimme, dass Singen mit Anbetung und Verkündigung gleichzusetzen sei. Wie in anderen Religionen sei das auch vor der christlichen Geschichte zu bestätigen. „Wer singt, betet doppelt“, sagte Altkirchenvater Augustinus und Martin Luther dichtete 40 Kirchenlieder. In den Chören bekämen Menschen die Möglichkeit, sich auszudrücken – auch für Nichtchristen. Hier könnten neue Bereiche des Mensch-Seins erlebbar werden, was den Leitern eine hohe Verantwortung auferlege. Frau Dr. Martini sieht hier eine „notwendige diakonische Aufgabe“.

Die Verantwortung sieht sie aber auch nach innen, beispielsweise in der Gestaltung eines Gottesdienstes. Hier plädiert die Kirchenmusikdirektorin konkret für einen durchdachten Spannungsbogen, der die Predigt (Lesung) und das Lied als Einheit zusammen bindet.

Bild: Chor auf der Empore vor der großen Orgel

So beispielsweise in einer singend vorgetragenen Lesung mit einer schnellen und prägnanten Überleitung zum Chor und nicht die getrennte Ästhetik einer Form. Andererseits dem Gemeindelied mehr Zeit lassen, nicht verhackstücken, als Sprechgesang wahrnehmend. Auch solle Raum für Stille und Nachklang sein. Der Gottesdienst sei nicht nur ein liturgischer Funktionsauftrag, sondern er sollte das gewisse Etwas beinhalten, sagte Frau Martini.

Sie leitete über und verwies auf die Uraufführung des Werks von Franz Ferdinand Kaern (*1973) ‚Zu der Zeit werdet ihr sagen‘ als ein Danklied der Erlösten in Poesie und Schönheit der Sprache. Die Motette für vierstimmig gemischten Chor erklang anschließend von der Empore. Die St.-Petri-Schloß-Kantorei Chemnitz unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Petri sang dann von Kurt Hoyer (1891-1936) ‚Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit‘.

Bild: Projektchor aus Marienberg mit bewegten Songs

Für die Sächsische Staatsministerin für Kultus, Brunhild Kurth, ist „Musik die Sprache des Herzens‘ und sie zeige sich beeindruckend in den rund 25.000 Menschen in Sachsen, die in verschiedenen Kirchgemeindechören singen. „Ehrenamtliches Engagement ist so wichtig für das Land“, sagte sie und dankte für das „kulturelle Mitwirken“.

Bild: Staatsministerin Brunhild Kurth

Sie würdigte die protestantische Tradition der Kirchenmusik in Sachsen, gerade über die Komponisten Walter, Schütz, Paul Gerhardt, Bach u.a. In Sachsen sei Musik weiter lebendig, so wie sie in Lob, Bitte und Dank vorgetragen werde. Aber generell sei musikalische Bildung Menschenbildung und über den Hinweis auf die traditionelle Verbindung von Kirchenmusik und Schule wünschte die Kultusministerin weiterhin „viel wohlklingende Verbindungen“.

Landeskirchenmusikdirektor Markus Leidenberger, der auf seine anwesenden Vorgänger Gerald Stier und Joachim Schwinger verwies, dankte dem Landesobmann des Kirchenchorwerks, Jens Staude, für seine Energie, die er in die Arbeit für den Verband stecke und die Vorhaben kraftvoll vorantreibe. „Singen stärkt die Gemeinschaft und lässt Gemeinschaft mit Zusammenhalt entstehen“, sagte er und stimmte einen Kanon an „Die Liebe Gottes in uns klingt – die frohe Botschaft weiterschwingt – seid dankbar, singt“, den die Festgemeinde mit starker Stimme unterstützte.

Bild: Landesobmann Jens Staude

Anschließend sang rhythmisch bewegt der Projekt-Gospelchor des Kirchenbezirks Marienberg unter Leitung von Carsten Hauptmann und Jonathan Leistner am Klavier Songs von Sarah Kaiser (*1974), Martin S. Müller (*1973), Friedemann Wutzler (*1966) und ein arrangiertes afrikanisches Lied aus Tansania von Adrian Schmid.

Der Landesobmann des Kirchenchorwerks der Landeskirche, Kantor Jens Staude, dankte allen Ehrenamtlichen für ihr „Opfer“. Das sei nicht nur zeitlich und stimmlich gemeint, sondern auch als ein geistliches Opfer. So, das gesagt werde: „Das gemeinsame Singen hat mein Herz gestärkt und mich fröhlich gemacht“. Staude dankte der Landeskirche für die finanzielle Unterstützung der Veranstaltung und denen, die an dieser Feier und am Festgottesdienst mitwirken.

Festkonzert in der St. Petrikirche mit dem Dresdner Kammerchor

Am späten Nachmittag hatte in der St. Petrikirche am Theaterplatz ein Festkonzert aus Anlass des Jubiläums des Dresdner Kammerchores unter Leitung von Olaf Kather stattgefunden. Als Danksagung an ein „kulturelles Rückgrat unserer Region“ führte der Kammerchor bewusst verschiedenen chorische Werke von Heinrich Schütz ‚Jauchzet dem Herren, alle Welt‘, ‚Die Himmel erzählen die Ehre Gottes‘ sowie Werke von Thomas Nathan, Johann Sebastian Bach, Karlheinz Stockhausen, Felix Mendelssohn Bartholdy, Gustav Kittan, Ernst Pepping, Heinz Werner Zimmermann und F. Melius Christiansen auf. Der Dresdner Kammerchor ist einer der führenden deutschen Chöre. Seit seiner Gründung 1985 durch Hans-Christoph Rademann hat er sich zu einer festen Größe im deutschen  und europäischen Musikleben entwickelt.

Festgottesdienst am Sonntag KANTATE in der Schloßkirche

Bild: Chor auf der Empore

Dem Fest und der sonntäglichen Bestimmung angemessen, war der Gottesdienst reich kirchenmusikalisch gestaltet. Gleich mehrere Chöre führten unter musikalischer Leitung von Landesobmann Jens Staude durch den Gottesdienst. Superintendent Andreas Conzendorf führte liturgisch durch den Gottesdienst und verwies auf das Jubiläum des Chorwerks, das mit seinen 26.000 Sängerinnen und Sängern den größten Laienzusammenschluss im Freistaat Sachsen darstellt. MDR FIGARO übertrug den Höfunkgottesdienst live ab 10:00 Uhr.

Zu Beginn des Gottesdienst war von Zsolt Gàrdonyi (*1946) als Introitus ‚Er und Himmel sollen singen‘ zu hören. Es folgten als Kyrie das ‚Herr, erbarme…‘ von Arnold Mendelssohn und das Gloria von Andreas Hammerschmidt und von Karl Hoyer ‚Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit‘ nach der Lesung. Ausführende waren die Kantorei der Kreuzkirche Chemnitz unter Leitung von Steffen Walther, die St.-Petri-Schloß-Kantorei Chemnitz unter Leitung von KMD Siegfried Petri und der Kirchenchor Lößnitz unter Leitung von Jens Staude.

Bild: Material für Singegottesdienst

In seiner Predigt hob Landesbischof Jochen Bohl die Bedeutung der Musik als wunderbare Gabe hervor. So die Erinnerung an bestimmte Situationen, in der es kein Wort gab, aber eine Musik, zum Schlüssel für Unverstandenes wurde. „Nicht nur die Sprache verbindet uns mit den anderen Menschen“, sagte Bohl. Er verweist auf das Judentum und das Feiern der Feste mit Musik, an denen auch  Jesus Anteil hatte. Auch im Christentum sei der Gesang von Beginn an Bestandteil des Dankes und Lobes im Gottesdienst. Singen stiftet Gemeinschaft in einer Zeit, wo das Leben in Gemeinschaften brüchig geworden sei. Auf der einen Seite große Freiheit, auf der anderen Seite geschwächte Gemeinschaften. Die Folgen seien häufig eine große Belastung, so Bohl.

„Singend lebt die Gemeinschaft im Glauben“, sagte der Landesbischof und hob noch einmal den Schatz des Gemeindegesangs hervor, der zur Gemeinschaft führe. Isolierte Frömmigkeit gebe es im Christentum auf Dauer nicht. „Dankbar sehen wir auf die 125 Jahre, die das Kirchenchorwerk unserer Landeskirche nun besteht, zum Lobe Gottes. Wir singen, denn wir dürfen uns freuen an der Gemeinschaft mit Gott, wir gehören zur Gemeinschaft der Erlösten in Christus…“, sprach Bohl der Gottesdienstgemeinde zu. [Predigt]

Kirchenchorwerk


 

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