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Aktuelles

Sommerempfang der Landeskirche in der Lutherdekade

2017 nicht nur die Welt zu Gast bei Freunden, sondern bei Geschwistern

Bild: Blick in den Kirchraum während des geistlichen Auftakts

Zum diesjährigen Sommerempfang der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens am Dienstagabend, 25. Juni, kamen zahlreiche Gäste aus Politik, Verwaltung, Medien und Gesellschaft sowie Mitglieder der Kirchenleitung und Vertreter kirchlicher und diakonischer Einrichtungen in die Dresdner Dreikönigskirche. Eingeladen hatten der Präsident des Landeskirchenamtes, Dr. Johannes Kimme, Landesbischof Jochen Bohl und der Präsident der Landessynode.

Bild: Landesbischof Jochen Bohl im Gespräch mit Bettina Westfeld
Landesbischof Bohl und Bettina Westfeld

Die Vizepräsidentin der Landessynode, Bettina Westfeld, überbrachte Grüße vom Synodalpräsidenten und wünschte allen einen „heiteren Abend“, aber auch mit Gedanken an jene, die erneut im Hochwasser ihr Hab und Gut verloren hätten. 600.000 Euro seien bei der Diakonie Sachsen bisher an Spenden eingegangen.

Mit einem geistlichen Wort eröffnete Landesbischof Jochen Bohl den Abend. Er kam kurz zuvor von seiner zehntägigen Tansania-Besuchsreise zurück, wo er die dortige Partnerkirche besuchte. Bohl erinnerte an den gestrigen Johannistag und an Johannes den Täufer, der Jesus den Weg bereitete. Er sei Beispiel für jene, deren irdische Bindung abnehme, damit die Bedeutung des Auferstandenen im Leben wachse. „Wir sind zur Freiheit berufen“, sagte er. Und das sei ein reiner Grund zur Freude. Auch im lutherischen Sinne seien Humor und das Lachen Gottesgaben.

Bild: Prof. Dr. Margot Käßmann nach dem Auftakt im Gespräch

In diesem Jahr hat auf Einladung der sächsischen Kirchenleitung Professorin Dr. Margot Käßmann, Botschafterin des Rates der EKD für das Reformationsjubiläum, den Vortrag in der Dreikönigskirche gehalten und verwies darauf, dass die Politik das Reformationsgeschehen nicht nur in seiner kirchlichen und kulturhistorischen Bedeutung sehe, sondern als ein Ereignis von Weltrang erkannt habe. Denn 2017 werde kein „rein deutsches Lutherjubiläum“ wie früher, vielmehr ein internationales. Für die EKD sei die Reformation „Weltbürgerin“ geworden. Zudem würde ein solch rundes Jubiläum zum ersten Mal in einer säkularisierten Gesellschaft begangen. Dr. Käßmann sieht es daher für besonders wichtig an, theologische Kernaussagen neu zu übersetzen.

Die ‚Liebe‘ sei zeitlos und aktuell und den Menschen müsse deutlich gemacht werden, dass die Liebe Gottes allen gelte, trotz ihrer Fehler und Schwächen. Neben Liebe brauchten Menschen Anerkennung. Gott erkenne die Menschen trotz ihrer Schwächen an, nicht wie in der Welt, wo die Leistung zur Anerkennung führe.

Bild: Blick in den Kirchenraum während des Vortrags von Frau Dr. Käßmann

Neben der geschulten Sprachfähigkeit im Blick auf das Reformationsjubiläum sei die ökumenische Einbindung wichtig, um kein abgrenzendes Jubiläum zu feiern. Die Römisch-katholische Kirche sei nach den Reformen nicht mehr dieselbe wie vor 500 Jahren. Zu feiern sei vielmehr das, „was wieder möglich ist in einem Klima von Toleranz, Identität und Wertschätzung“, so Dr. Margot Käßmann.

Martin Luther stehe auch für die Bejahung der Sinnlichkeit dieser Welt in Aufhebung des Zölibats. Andererseits trüge die Kirche Schuld durch seine Kritik an den Juden, woraus zu lernen war in der Christlich-Jüdischen und heute zu Fragen im Dialog der Religionen mit Muslimen führten.
Aktuelle Begriffe  wie Bildungsteilhabe und –gerechtigkeit waren Anliegen der Reformatoren und Luther setzte sich ‚Glauben‘ als „gebildeter Glaube“ ein. Denken, Nachdenken und Reflektieren schütze vor Fundamentalismus. „Fundamentalismus ist gegen Bildung“, so Professorin Käßmann. Könne die Kirche aus den Erfahrungen widerständig sein? Sie sei dankbar für die Demokratie im Lande und plädiert dafür, sich nicht abzuschotten. 2017 werde hier die Welt nicht nur zu Gast bei Freunden, sondern bei Geschwistern sein.

Bild: Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler spricht Grußwort
Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler

Denken, Nachdenken und Reflektieren schütze vor Fundamentalismus. „Fundamentalismus ist gegen Bildung“, so Professorin Käßmann. Könne die Kirche aus den Erfahrungen widerständig sein? Sie sei dankbar für die Demokratie im Lande und plädiert dafür, sich nicht abzuschotten. 2017 werde hier die Welt nicht nur zu Gast bei Freunden, sondern bei Geschwistern sein.

In seinem Grußwort seitens des Freistaates Sachsen betonte Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler, dass die Reformation mehr sei als ein „Dreh- und Angelpunkt der Geschichte und Politik“. Luther hätte Mitteldeutschland das Glaubensbekenntnis gegeben. Inhalte seien somit nicht nur Geschichte, sondern lebendige Prozesse im Sinne von ethischen Maßstäben. Damit hätte die Reformation „immerwährende Aktualität“. Christsein sei an keine Epoche gebunden, so Dr. Rößler. Für ihn sei es kein Zufall, dass die friedliche Revolution in Sachsen begann.

Bild: Bischöfin Ann Svennungsen aus den USA
Bischöfin Ann Svennungsen

Das historische Sachsen sei das Land der Reformation und der friedlichen Revolution. Dr. Rößler: „Luther hat jeder Generation neues zu sagen“. Für Europa sei die historische Dimension noch kaum zu ermessen. Das 21. Jahrhundert erhebe Anspruch auf neues Denken bezogen auf die Ereignisse mit Krieg und Atomgefahr im 20. Jahrhundert.

Weitere Gäste waren u.a. Staatsministerin Christine Clauß (Soziales),
Staatsministerin Brunhild Kurth (Kultus), die Präsidentin des Sächsischen Verfassungsgerichtshofes, Birgit Munz, die Fraktionschefs der Parteien, Landräte, Bürgermeister und Konsuln.

Bild: Präsident Dr. Johannes Kimme mit Kalender
Präsident Dr. Johannes Kimme

Die musikalische Umrahmung gestalteten der Solotrompeter Mathias Schmutzler und Frauenkirchenkantor Matthias Grünert.

Präsident Dr. Johannes Kimme lud die Gäste anschließend in den Festsaal (Haus der Kirche) zu Gesprächen ein und er verwies darauf, dass in sechs Monaten der erste Weihnachtstag gefeiert werde. Als erstes und vorzeitiges Geschenk könne der druckfrische 'Kirchenkalender' der Bank für Kirche und Diakonie LKG Sachsen dienen. Die Bank war auch Sponsor für den Empfang.

Mit dem Superintendenten Martin Henker aus Leipzig kam auch ein Siebenköpfige Partnergruppe aus dem US-amerikanischen Minnesota nach Dresden. Unter ihnen die lutherische Bischöfin Ann Svennungsen.(25.6.13)

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