Navigation überspringen

Aktuelles

4. Sächsischer Pfarrertag wieder in Dresden

Kirche: Lebensgestaltungskraft des Glaubens sichtbar und erlebbar machen

Bild: In der Frauenkirche begann der Tag bei Sonnenschein

Zum ersten zentralen Pfarrertag in Sachsen war am 6. September 2007 in der Dresdner Frauenkirche Bundeskanzlerin Angela Merkel als Gastrednerin in die Elbestadt gekommen. Im Abstand von zwei Jahren und nach den letzten Treffen in Leipzig und Chemnitz fand der diesjährige 4. Zentrale Pfarrertag am 11. September erneut in Dresden statt.

Bild: Sächsische Staatsministerin für Kultus Brunhild Kurth
Sächsische Staatsministerin Brunhild Kurth

Mit einer Begrüßung durch Superintendent Christian Behr (Dresden Mitte) als Kurator der Stiftung Frauenkirche sowie einer Andacht durch Oberlandeskirchenrat Burkart Pilz wurde das diesjährige Treffen der sächsischen Pfarrerschaft am frühen Vormittag in der Dresdner Frauenkirche eröffnet.
Vor den über 700 Pfarrerinnen und Pfarrern folgten die Grußworte von der Staatsministerin Brunhild Kurth (Sächsisches Staatsministerium für Kultus) und der Dresdner Oberbürgermeisterin Helma Orosz.

In beiden Grußworten wurde die historische Bedeutung der Frauenkirche und der Kreuzkirche hervorgehoben. Beide Kirchen seien Zeichen des evangelischen Glaubens in der Stadt, sagte Frau Kurth. Sie betonte die Rolle der Frauenkirche als Mahnmal für den Frieden. Bezogen auf ihr Bildungsressort verwies sie darauf, dass gute allgemeine Bildung nicht nur Wissen, sondern auch Tugenden beinhalte.

Bild: Dresdner Oberbürgermeisterin Helma Orosz
Dresdner Oberbürgermeisterin Helma Orosz

Es müsse Grundkonsens darin bestehen, jeden Menschen als einmalig und in seiner unveräußerlichen Würde anzusehen. Wie Staat und Kirche in gemeinsamer Bildungsverantwortung gegenüber der jungen Generation stehe, zeige die 20-jährige Geschichte des Religionsunterrichts in Sachsen. Die Kultusministerin dankte auch allen Pfarrerinnen und Pfarrern für ihr diesbezügliches Engagement in den Schulen.

Oberbürgermeisterin Helma Orosz erinnerte an die friedliche Revolution und die damalige „kollektiven Gehorsamsverweigerung“. Ausgangspunkt für die Veränderungen war die Kreuzkirche, von wo aus insbesondere am Gedenktag des 13. Februar der Weg zu den Trümmern der Frauenkirche führte. Schließlich sei das Aufbauwerk der Frauenkirche zwar von einer kleinen Initiative ausgegangen, erfuhr dann aber weltweite Unterstützung. Die besondere Bedeutung der Frauenkirche für die Stadt zeige sich an dem hohen Stellenwert, den der Kirchenbau und seine Symbolik unter den jährlich 10 Millionen Besuchern haben.

Bild: Prof. Dr. Christiane Tietz aus Zürich referierte in der Frauenkirche
Prof. Dr. Christiane Tietz

Den diesjährigen Gastvortrag hielt die Theologieprofessorin für Systematische Theologie und Sozialethik Dr. Christiane Tietz aus Zürich. Sie ging der thematischen Frage nach, was das „Reformatorische an der Reformation“ sei sowie die Bezüge und zur Gegenwart. Angesichts des anstehenden Reformationsjubiläums betonte sie, dass weder die Gründung einer neuen Kirche, die Trennung in Konfessionen mit ihren Konsequenzen, noch die Auswüchse reformatorischer Theologie zu feiern seien. Vielmehr stünde die Freilegung des Evangeliums von Jesus Christus durch die Reformatoren und die Rückbesinnung auf theologische Einsichten im Vordergrund, „durch die Reformationsmöglichkeiten eröffnet werden“, so Professorin Tietz.
Aus diesen Einsichten als reformatorische Grundaussagen benannte sie Impulse für das Heute.

So ermöglichte die damalige christologische Ausrichtung auf Vertrauen und Heilsgewissheit (Christusfrömmigkeit) der Kirche, auch gegenwärtig den spezifischen Glauben an Jesus Christus zur Sprache zu bringen, was zudem für die Herausforderung des interreligiösen Dialogs von Bedeutung sei.

Bild: Erste Reihe mit Landesbischof Jochen Bohl (r.)

Allein aus Gnade und gegen Werkgerechtigkeit: Dies eröffne in der Leistungsgesellschaft die Möglichkeit, die alltägliche Geschäftigkeit und erfolgsorientierte Selbstversicherung zu unterbrechen. „Der Mensch muss nichts leisten, sich und anderen nichts beweisen. So kommt der Mensch zur Ruhe“, folgert die Theologin. Das habe aber zur Voraussetzung, den Menschen das Evangelium von der Rechtfertigung durch Christus zu verkündigen und religiöse Bildungsangebote zu machen. Die Konzentration auf das Wort bedeute nicht, in der Kirche andere Sinne zu vernachlässigen, sondern ein Ort zu sein, der Menschen Zeit gibt.

Professorin Tietz hob die Bedeutung der Bibel hervor, da Christus nur in der Schrift zu finden sei. Das ermögliche kirchliche Selbstkorrektur. Die Menschen spürten beim Lesen der biblischen Texte Wahrheiten über sie selbst, die Welt und Gott, eine Wahrheit Gottes, die ihnen zum Leben helfe.

Bild: Im Innenhof des Schlosses gab es Informationsstände
Superintendentin und Pfarrerinnen vor M. Luther

Die Rechtfertigung werde nur dann für einen Menschen wirklich, wenn sie in seinem Leben ankomme. Das geschehe im Glauben und vor dem Hintergrund, dass alle Christen gleich seien, ohne grundsätzliche Unterschiede. Das erlaube, sich als Volkskirche immer wieder einladend zu gestalten. Auch wenn die Religionskritik in der Gesellschaft stärker werde, die Kirche habe die Aufgabe, „die Lebensgestaltungskraft des Glaubens sichtbar und erlebbar zu machen“, sagte die Zürcher Professorin zum Ende ihres Vortrags.

Nach einer gemeinsamen Aussprache und der Mittagspause in einem im Rohbau befindlichen Saal des Dresdner Residenzschlosses trafen sich die sächsischen Theologen um 13:30 Uhr in der Kreuzkirche, um den „Bericht zur Lage“ von Landesbischof Jochen Bohl und Mitgliedern des Landeskirchenamtes zu diskutieren.

Bild: Blick in den Verpflegungssaal im Schloss. Es gab Suppen und Obstspieße.

Landesbischof Jochen Bohl ging in der Kreuzkirche auf die vieldiskutierte ‚Orientierungshilfe‘ der EKD ein und verwies auf eine Erklärung, die der Rat der EKD am letzten Sonnabend veröffentlicht hat. Zudem verwies der Landebischof auf seinen Vortrag, den er im Rahmen einer Feier der Aktionsgemeinschaft für Familienfragen gehalten hat.

Bild: Landesbischof Jochen Bohl spricht zur Pfarrerschaft in der Kreuzkiche
In der Kreuzkirche: Landesbischof Jochen Bohl

Weiterhin gab es Informationen über die Arbeitsgruppe ‚Berufsbilder‘ und den Hinweis auf einen Werkstatttag am 19. Oktober in Chemnitz. Hier sind insbesondere ehrenamtliche Mitarbeiter aus den Kirchgemeinden eingeladen.
Oberlandeskirchenrat Dr. Peter Meis verwies auf den Gemeindethementag am 20. November (Buß- und Bettag) zu Umweltfragen. „Bewahrung der Schöpfung als Frucht unseres Glaubens“, warb Oberkirchenrat Frank del Chin um Teilnahme an diesem Tag mit Podien und Workshops in und um die Dresdner Kreuzkirche.
Oberlandeskirchenrat Dietrich Bauer wies auf den Landeskirchentag vom 27. bis 29. Juni 2014 in Leipzig hin. Vier Themenbereiche seien im Landesausschuss Kongress und Kirchentagsarbeit festgelegt worden, die in Workshops bearbeitet werden. Bauer warb um rege Teilnahme und Mitwirkung aus den Gemeinden heraus. In diesem Kirchentag soll sich die ganze Landeskirche „in all ihrem Reichtum“ darstellen, sagte er.

Bild: Blick in die Pfarrerschaft in der Kreuzkirche

Landesbischof Jochen Bohl informierte über die Wiedereröffnung bzw. die Einweihung der Dresdner Schlosskapelle am heutigen Abend. Er ging auf die historische Bedeutung dieses zweiten protestantischen Sakralraums im damaligen albertinischen Sachsen als Wirkungsstätte der Oberhofprediger ein. 1737 fand dort der letzte evangelische Gottesdienst statt.
Weiterhin dankte Bohl allen, die sich aufopferungsvoll als Helfer beim Juni-Hochwasser hervorgetan haben. Er erinnerte und dankte auch denen, die den Taufsonntag unterstützt und durchgeführt hatten.

Am Nachmittag feierten alle Pfarrerinnen und Pfarrer einen gemeinsamen Abendmahlsgottesdienst in der Kreuzkirche. Im Gottesdienst unter Mitwirkung der Dresdner Superintendenten und Dresdner Pfarrerinnen und Pfarrer predigte Landesbischof Jochen Bohl. Musikalisch ausgestaltet wurde dieser Abschluss durch den Kreuzorganisten Holger Gehring und durch den Dresdner Kreuzchor unter Leitung von Roderich Kreile.

Bild: Blick in die vollbesetzte Kreuzkirche

Der Pfarrertag ist neben den Visitationen und Einzelgesprächen die wichtigste Möglichkeit für den Landesbischof, mit den Pfarrerinnen und Pfarrern der Landeskirche in Kontakt zu kommen.
Als leitender Geistlicher ist es eine seiner wesentlichen Aufgaben, die Pfarrerschaft mit dem Wort Gottes zu leiten, deren Fortbildung zu verantworten und die Pfarrerinnen und Pfarrer in ihrem Dienst zu ermutigen.

Bild: Das Servierpersonal hatte alle Hände voll zu tun

Dem diente auch der Gottesdienst am Nachmittag, der den geistlichen Abschluss des Pfarrertages darstellte. Im gemeinsamen Abendmahl fand die Dienstgemeinschaft der Pfarrerinnen und Pfarrer ihren geistlichen Ausdruck.

Der erste nachweisliche Pfarrertag hat nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahre 1946 stattgefunden. Seit sechs Jahren finden diese Tagungen im jährlichen Wechsel als regionale und zentrale Pfarrertage statt. Derzeit stehen rund 700 Pfarrerinnen und Pfarrer aktiv im Dienst der sächsischen Landeskirche.(11.9.2013)

Allen Organisatoren und helfenden Händen ein Dankeschön!

Schriftgrösse
[A]
[A]
[A]
Link-Tipps