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Aktuelles

Veranstaltungsreihe zum 475. Reformationsjubiläum

Zuerst geht der Blick zurück, aber der Blick nach vorne wird wichtiger sein

Bild: Blick in die St. Annenkirche während des Vortrags von Erzbischof Vanags

In der St. Annenkirche in Annaberg-Buchholz begann am 1. Mai mit dem abendlichen Festakt „Wortklang“ die viertägige Jubiläumsfeier zu 475 Jahre Reformation in Annaberg. Bereits am Nachmittag fanden an unterschiedlichen Orten der Stadt Kolloquien statt.

Die musikalische Eröffnung übernahm nach dem Orgelvorspiel „Marche triomphale“ von Sigfrid Karg-Elert der Jugendchor der Evangelischen Schulgemeinschaft Erzgebirge und das Erzgebirgische Sinfonieorchester mit der kirchlichen Festouvertüre „Ein feste Burg ist unser Gott“ von Otto Nikolai.

Bild: Jugendchor der Ev. Schulgemeinschaft Erzgebirge und Erzgebirgsphilharmonie

Die Begrüßung und die Moderation zu dieser Festveranstaltung übernahmen Pfarrer Karsten Loderstädt (St. Annen) und Pfarrer Dr. Carsten Rentzing aus Markneukirchen. Pfarrer Loderstädt hieß die zahlreichen Besucher und Gäste willkommen: „Sie erfüllen den Tatort Kirche mit Leben“. Das Fest dieser Tage sei ein Fest der Gnade Gottes in ökumenischer Gemeinschaft, das nicht das Trennende, sondern Gottes Verheißung betonen soll.

„Wir schauen zuerst zurück, aber es wird viel wichtiger sein, nach vorne zu schauen“, sagte Superintendent Dr. Olaf Richter mit Blick auf die thematischen Veranstaltungen der nächsten Tage. Diese Kirche sei offen für alle, denn Gastfreundschaft sei Christen wichtig. Trotzdem wies er darauf hin, dass Kirche aber nicht für „alles“ offen sei. Die Kirchenmauern hätten auch etwas schützendes, die dem Zeitgeist Grenzen setzen könne. Dr. Richter wünschte den weiteren Veranstaltungen „offene Türen und ein dichtes Dach“.

Bild: Blick in den Chorraum der St. Annenkirche während des Festakts

Verschiedene Grußworte des Abends, so auch von Landrat Frank Vogel aus Annaberg-Buchholz und Landrat i.R. Christian Otto, Beauftragter des Freistaates Sachsen für das Reformationsjubiläum, enthielten Thesen unter der Überschrift „typisch evangelisch“, die, wie andere Eingaben auch, auf eine Stoffbahn geschrieben und ausgelegt wurden. Oberlandeskirchenrat Burkart Pilz aus Dresden sah den evangelischen Typus schon im wechselseitigen Gespräch und in der Tröstung grundgelegt. So sei innerhalb der Kirche die „Rede- und Trostgemeinschaft mehr als harmonische Selbstbestätigung“.

Vor dem Festvortrag führten der Chor der Schulgemeinschaft mit dem Orchester das bewegende englischsprachige Stück „A mighty fortress is our god“ von Mark Hayes auf, durch das Luthers Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“ ein beeindruckendes Neuarrangement erfuhr. Pfarrer Dr. Rentzing verwies anschließend auf die Reformation als ein „Weltereignis“ und kündigte den Hauptredner des Abends, den lettischen Erzbischof Janis Vanags, an. Die Ev.-Lutherische Kirche Lettlands ist Partnerkirche der sächsischen.

Bild: Erzbischof Vanags

Bischof Vanags hob in seinem Vortrag „Kurswechsel – lutherisches Erbe in heutiger Zeit und Gesellschaft“ hervor, die Menschen dort zu treffen, wo sie eigene Erfahrungen machen. Christen sollten Begleiter der Menschen sein in einer Zeit, wo die Kirche keine Autorität wie früher darstelle. Die meisten Veränderungen finden in den Köpfen statt. Wo könne Gott erlebbar werden, dass Menschen persönlich angesprochen werden. Trotz aller Veränderungen in Kirche und Gesellschaft, die Bischof Vanags in Lettland und anderen Ländern anführte. Früher war die Kirche die „geistliche Großmacht“ und Kathedrale stand im Mittelpunkt der Stadt, heute sei es der Markt mit seinen Gesetzen. Die Zeit sei von raschen Veränderungen geprägt. „Alte Ziele verschwinden, und Autoritäten sind nicht mehr erkannt. Unglauben ist eine Realität geworden, sagte Vanags. Wichtiger denn je sei persönliche Glaubenszeugnis und die geistliche Begleitung.

Der lettische Erzbischof sprach aber auch die Bedeutung der Kirche für jeden Glaubenden an. Die Kirche sei keine Anstalt und keine Organisation. Die Kirche sei die Gemeinde der Gläubigen und sie stelle den Leib Christi dar. Gottes Sohn kam auf die Welt und in ihm lebt die Kirche weiter. „Aus der Kirche auszutreten, bedeutet aus Christus auszutreten“, sagte er deutlich und betonte auch, das jede Spaltung der Kirche eine Teilung des Leibes Christi sei. Zum Ende plädierte er dafür das lange Erbe und den Reichtum der Kirche zu wertschätzen und es besser zu nutzen.

Bild: Lutherdenkmal vor der Annenkirche

Nach weiteren Lesungen, die an diesem Abend den biblischen Psalm 46 zum Inhalt hatten und von verschiedenen Stellen von der Empore verlesen wurden, sang die versammelte Gemeinde das Lutherlied „Ein feste Burg ist unser Gott“ in der St. Annenkirche. Zum Schluss erklang durch den Schulchor von Felix Mendelssohn Bartholdy „Nicht aber ihm allein, sondern allen, die seine Erscheinung lieben“.

Die Landeskirche, die evangelisch-lutherische Kirchgemeinde, die Stadt Annaberg-Buchholz und weitere Partner erinnern mit diesem Fest vom 1. bis 4. Mai an die bedeutsamen Ereignisse vor 475 Jahren. Sie eröffnen damit die Geburtstagsfeierlichkeiten der sächsischen Landeskirche, die mit dem Landeskirchentag in Leipzig Ende Juni 2014 ihren Höhepunkt finden.
Gleichzeitig knüpft das Jubiläum an die Reformationsdekade „Am Anfang war das Wort“ an, die zum 500. Jahrestag des Thesenanschlags von Luther im Jahr 2017 abgeschlossen wird.

Bild: Annaberger Markt mit Rathaus und Bühne davor

Zum wissenschaftlichen Kolloquium im Haus des Gastes Erzhammer referieren u. a. Dr. Christian Winter, Generalsekretär der Sächsischen Akademie der Wissenschaften, Prof. Enno Bünz, Direktor des Institutes für Sächsische Geschichte und Volkskunde, Dr. Armin Kohnle, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Sächsische Kirchengeschichte, Prof. Dr. Petr Hlavácek von der Karlsuniversität Prag sowie der lettische Erzbischof Janis Vanags. Themen sind z. B. die Reformation in Sachsen und Böhmen, Herzog Georg, Humanismus und Luthertum sowie die Bedeutung von Annaberg und Buchholz in der Kirchengeschichte.(1.5.2014)

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Der Jugendgottesdienst „Face to Face“ ludt am 2. Mai von 17:00 bis 21:00 Uhr auf den Annaberger Markt ein, der dann aber wegen des kalten Regenwetters in die St. Annenkirche verlegt wurde. Unter anderem waren in einer stimmungsvoll beleuchteten Kirche Frank Döhler und die Band „Staryend“ aus Reutlingen sowie Songwriter und Künstler zu erleben.
Mit dem Festgottesdienst am 4. Mai ab 14:30 in der Annenkirche fanden die Annaberg-Buchholzer Feierlichkeiten zum 475. Reformationsjubiläum in Sachsen ihren Abschluss. Landesbischof Jochen Bohl ging dabei u.a. auf die generelle Bedeutung der Reformation in Vergangenheit und Gegenwart ein.

Bild: Banner der Veranstaltung und Link zur Programmseite

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