Navigation überspringen

Aktuelles

„Typisch evangelisch - wir feiern 475. Geburtstag“

4. Mai 1539 in Annaberg – bedeutsamer Tag der Reformationsgeschichte

Bild: Ausschnitt aus der Spielgruppe auf dem Annaberger Markt

Mit einem großen Historienspiel „1539 – friedliche Revolution auf St. Annaberg“, das mit weit über 100 Schauspielern am 4. Mai auf den Annaberger Markt stattfand, rückte eines der spannendsten sächsischen Ereignisse im 16. Jahrhundert in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Im anschließenden Festgottesdienst in St. Annen am Sonntagnachmittag mit hunderten Sängern des Kantoreitreffens predigte Landesbischof Jochen Bohl.
Damalige Spannungen in der Kirche, Unruhen in der Bevölkerung, der Blick in das evangelische Buchholz, politische Verwicklungen und der Tod des Landesherrn gaben ausreichend Stoff für ein sehenswertes und inhaltsreiches Schauspiel.

Bild: Mönche ziehen über den Markt und bitten um Spenden

Vor diesem Sonntag auf dem Annaberger Markt begannen die Jubiläumstage unter dem Motto „Typisch evangelisch - wir feiern 475. Geburtstag“ vom 1. zum 4. Mai. Vier Tage lang wurde im Herzen des Erzgebirges das historische Ereignis in den Mittelpunkt gerückt, das in der beginnenden Neuzeit die kirchliche Landschaft Sachsens nachhaltig veränderte. Dank des klugen Handelns der Wettiner und des Reformators Philipp Melanchthon wurde dadurch der Frieden in den sächsischen Ländern bewahrt.

So waren die Stimmung und die Anteilnahme groß, als das WORTSPIEL mit der Theateraufführung des Annaberg-Buchholzer Eduard-von-Winterstein-Theaters mit Profis und weit mehr Laienschauspielern in Szene gesetzt wurde. Dazu fanden sich Menschen jeden Alters.

Bild: Das traute Paar fand sich schließlich doch noch in Annaberg-Buchholz wieder

Sie stellten aus der Volksgruppe der Annaberger Gewerke jeglicher Art wie Bergleute in Arbeitskleidung, Bürger, einfaches Volk und Kinder dar. Mit den Soldaten der Volksgruppe der Buchholzer gestalteten sie aus unterschiedlichen Positionen mit einzelnen und gemeinsamen Rufen sowie dem gemeinsame Choralsingen das eindrückliche Stück.

Das historische Festspiel von Annelen Hasselwander, die auch die Dramaturgie führte, inszenierte der Intendant des Eduard-von-Winterstein-Theaters, Dr. Ingolf Huhn. An fünf bis sechs Stellen mit zwei Bühnen wurden unterschiedliche Begebenheiten in der damaligen Spannungslage zwischen den evangelischen Buchholzern und den noch katholischen Annabergern lautstark von der 120-köpfigen Spielgruppe bewegt vorgetragen.

Bild: Junge Musiker spielten auf dem Markt zu Beginn der Aufführung

Sozusagen zwischen den zahlreichen Zuschauern bewegte sich das Stück hin und her, so wie die damaligen Auseinandersetzungen zwischen den Reformatoren und den Anhängern Herzog Georg dem Bärtigen vor dessen Tod. Im Zentrum stand eine Liebesgeschichte zwischen einem Pärchen, dass durch die Konfessionsgrenze getrennt war.

Der Rathausbalkon wurde einbezogen, als schließlich Philipp Melanchthon zu Frieden mahnte und zur Aussöhnung aufrief.
Auf das damalige Auftreten des Reformators, dessen Predigt und das erste Abendmahl in beiderlei Gestalt von Brot und Wein in der St. Annenkirche erinnerte Landesbischof Jochen Bohl in seiner Predigt. Damit wurde der Friede in Sachsen besiegelt und die schrittweise Einführung des reformatorischen Bekenntnisses auch im restlichen Sachsen möglich.

"typisch evangelisch - so feiern wir" - Gottesdienst in der St. Annenkirche

Bild: Einzug in die St. Annenkirche mit Kurrende, Pfarrern und Landesbischof Bohl

Bohl hob die Bedeutung der Reformation in Vergangenheit und Gegenwart hervor, denn damals sei sie ein Aufbruch zur Schrift gewesen. Das Gottesvolk wandle seitdem mit dem Gotteswort durch die Zeit. Kernaussagen hätten auch heute noch Gültigkeit: Allein auf Christus, allein aus Gnade und allein aus Glaube lässt Gott durch seinen Sohn erfahrbar werden. Die Gerechtigkeit vor Gott, ob arm oder reich, könne nicht verdient werden und durch den Glauben sehe man Gott. In der reichen Geschichte habe die Kirche gute und schlechte Zeiten erlebt, auch Irrtum und Schuld. „Nicht immer sind die Kirche und die Gläubigen dem Glauben gerecht geworden“, sagte er.

Bild: Landesbischof Bohl predigt in der vollbesetzten St. Annenkirche

Der Landesbischof erinnerte auch an segensreiche Erfolge beispielsweise in der langen und reichen Tradition der Kirchenmusik, Erweckungsbewegungen, die Arbeit der Missionswerke, und die der Innere Mission. In den 475 Jahren sei damit eine Verheißung gegeben, die Ausdruck für Christi Treue sei.

Somit sei dies ein Fest des Glaubens und schließlich ein Dankesfest, das nicht mit „antikatholischen Gesten“ begangen werden dürfe. Heute gebe es in den Grundüberzeugungen zur Rechtfertigungslehre Übereinstimmung. „Auf diesem Weg wandern wir in der Hoffnung, dass uns der Herr entgegen kommt“, so Bohl.

Er rief die Zuhörer auf, Mission neu zu beginnen und den Glauben zu bekennen. Das sei die wichtigste Aufgabe, aber sich zuvor so zu verhalten, „dass man auch von anderen danach angefragt wird“.

Bild: KMD Matthias Süß dirigiert den Chor auf der linken Seite der Empore

Landesbischof Bohl plädierte dafür, den Weg der Gerechtigkeit und Frieden zu gehen und sich den Mitmenschen zuzuwenden. Dann werden auch Glücksmomente in Hoffnung und Liebe folgen.

Der Gottesdienst war musikalisch begleitet durch den Bläserchor, aber vor allem durch das ephorale Kantoreitreffen, dass unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Matthias Süß mit hunderten von Sängerinnen und Sängern die beiden Choremporen rechts und links füllten. An dem musikalisch reich ausgestalteten Gottesdienst beteiligte sich auch der Gemeindegesang in der bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche.

Anlass, Hintergrund und Geschichte der friedlichen Revolution in Annaberg

Bild: Bergleute vor St. Annen, die auch dem Gottesdienst besuchten

Die aktuelle Geschichtsforschung zeigt, dass die Rolle Annabergs in den bisherigen Betrachtungen zur Reformation in Sachsen bisher deutlich unterschätzt wurde. Nach dem Tod Herzog Georgs, des Stadtgründers von Annaberg, stand Sachsen vor einer komplizierten Situation. Herzog Georg der Bärtige, Luthers stärkster Gegner, hatte seit 1496 seine Lieblingsstadt Annaberg mit Annenkirche, Franziskanerkloster sowie zahlreichen Reliquien zu einem religiösen Kleinod ausgebaut.

Bild: Landesbischof, Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Liturgen vor dem Abendmahlstisch

Nach der Einführung der Reformation 1524 im unmittelbar benachbarten Buchholz, das im ernestinischen Sachsen lag, gab es auch im albertinischen Annaberg das Interesse an der neuen Lehre. Obwohl sie zum Teil bespitzelt wurden, besuchten die Annaberger, u.a. Adam Ries, immer wieder protestantische Gottesdienste in Buchholz. Fünfzehn Jahre lang gab es an der Grenze beider sächsischer Länder immer wieder Glaubenskonflikte, die auch im Festspiel auf dem Markt aufgegriffen wurden.

Nach dem Tod Herzog Georgs am 17. April 1539 wollte sein Bruder Heinrich das Testament missachten und den Protestantismus auch im albertinischen Sachsen, also auch in Annaberg einführen.Um einen Religionskrieg im Land zu verhindern, trafen sich am 4. Mai 1539 beide Zweige des wettinischen Fürstenhauses mit Philipp Melanchthon als Vermittler in Annaberg.

Als gut zwei Wochen später, am Pfingstsonnabend 1539 in Leipzig die Huldigungsreise Herzog Heinrichs mit Luthers Predigt in der Thomaskirche endete, war dies die Krönung eines Baus, dessen Grundstein in Annaberg gelegt worden war. Ganz Sachsen wurde daraufhin protestantisch.(4.5.2014)

1. Mai 2014 in Annaberg – stimmungsvoller Auftakt der Festtage in St. Annen

Bild: Blick in die St. Annenkirche zu Beginn des Festgottesdienstes

In der St. Annenkirche in Annaberg-Buchholz hatten am 1. Mai mit dem abendlichen Festakt WORTKLANG die viertägige Jubiläumsfeier zu 475 Jahre Reformation in Annaberg begonnen. Bereits zuvor fanden an unterschiedlichen Orten der Stadt Kolloquien statt.

Die musikalische Eröffnung hatte nach dem Orgelvorspiel „Marche triomphale“ von Sigfrid Karg-Elert der Jugendchor der Evangelischen Schulgemeinschaft Erzgebirge und das Erzgebirgische Sinfonieorchester mit der kirchlichen Festouvertüre „Ein feste Burg ist unser Gott“ von Otto Nikolai übernommen.

Bild: Blick in die St. Annenkirche, die in letzten Tagen häufig gefüllt war

Die Begrüßung und die Moderation zu dieser Festveranstaltung übernahmen Pfarrer Karsten Loderstädt (St. Annen) und Pfarrer Dr. Carsten Rentzing aus Markneukirchen. Pfarrer Loderstädt hieß die zahlreichen Besucher und Gäste willkommen: „Sie erfüllen den Tatort Kirche mit Leben“. Das Fest dieser Tage sei ein Fest der Gnade Gottes in ökumenischer Gemeinschaft, das nicht das Trennende, sondern Gottes Verheißung betonen soll.

„Wir schauen zuerst zurück, aber es wird viel wichtiger sein, nach vorne zu schauen“, sagte Superintendent Dr. Olaf Richter mit Blick auf die thematischen Veranstaltungen der nächsten Tage. Diese Kirche sei offen für alle, denn Gastfreundschaft sei Christen wichtig. Trotzdem wies er darauf hin, dass Kirche aber nicht für „alles“ offen sei. Die Kirchenmauern hätten auch etwas schützendes, die dem Zeitgeist Grenzen setzen könne.

Beginn zu TatWort Annaberg vom 1. bis 4. Mai 2014

Schriftgrösse
[A]
[A]
[A]
Link-Tipps