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Ehrung zum 200. Geburtstag von Constantin von Tischendorf

Das vogtländische Lengenfeld eröffnet am 8. Februar eine Sonderausstellung

Bild: Blatt aus dem Codex Sinaiticus (Foto: A. Schick mit freundlicher Genehmigung des Katahrinenklosters)
Blatt aus dem Codex Sinaiticus (Foto: A. Schick mit freundlicher Genehmigung des Katharinenklosters)

Für das 19. Jahrhundert mit seinen grundlegenden Erkenntnissen und Impulsen für die moderne Wissenschaft u.a. in der Geschichte, Theologie und Archäologie sowie dem neuerlichen Aufbruch in die Welt stehen auch Forscher aus Sachsen. Der Theologe Constantin von Tischendorf (1815-1874) gehörte zu ihnen. Im Vogtland aufgewachsen, studierte und forschte er in Leipzig, besuchte als junger Gelehrter die Bibliotheken Europas und wertete alte Handschriften aus.

Bild: Constantin von Tischendorf -1815-1874- (Foto: © Archiv Alexander Schick / www.bibelausstellung.de)
Constantin von Tischendorf (Archiv A. Schick)

Die exzellente Vorarbeit, gepaart mit abenteuerlichem Forscherdrang, führte ihn mehrmals nach Ägypten auf die Sinaihalbinsel, wo er im Katharinenkloster eine der bedeutendsten Entdeckungen für die Bibelforschung machte.

Dieser Bibelkenner mit Weltruf wurde im vogtländischen Lengenfeld am 18. Januar 1815 geboren und wechselte 1829 an das Gymnasium in Plauen. Mit Ehrungen, Ausstellungen und Vorträgen wird aus Anlass seines 200. Geburtsjahres auf das bedeutsame Werk des sächsischen Theologen und Forschers in seiner Geburtsstadt hingewiesen. Sein weltweiter Ruhm ist vor allem mit der Entdeckung des Codex Sinaiticus, der ältesten vollständigen griechischen Bibelhandschrift aus dem 4. Jh. n.Chr., verbunden, die er 1844 und 1859 in der Bibliothek des Katharinenklosters entdeckte.

Tischendorf war insgesamt neun Jahre auf wissenschaftlichen Reisen, um alte Bibelhandschriften aufzuspüren und abzuschreiben, denn es gab noch keine Fotografie oder Kopiergeräte.

Bild: Führung durch die Tischendorf-Bibelausstellung durch Alexander Schick (Foto: © doerfel.fotograf.de)
Alexander Schick (r.) führt durch die Ausstellung (Foto: Doerfel Lengenfeld)

Er schrieb ungefähr 50-mal die ganze Bibel in Latein oder griechisch ab und nutzte sie für seine griechischen Texteditionen. 27 Ausgaben des griechischen Neuen Testaments hat er herausgebracht, dessen unglaubliche Arbeit von anderen fortgeführt wurde. Für seine wissenschaftlichen Verdienste wurde er vom russischen Zaren geadelt.

Die Stadt Lengenfeld hatte zum 200. Geburtstag ein großes Festprogramm erstellt und als Hauptredner den Bibelexperten Alexander Schick (Sylt) eingeladen, der es verstand, bei seinen Vorträgen und Führungen durch die Tischendorf-Bibelausstellung die Menschen in den Bann zu ziehen. Schick besitzt neben der Tischendorf-Familie die größte Privatsammlung zum Wirken des Forschers und stellte diese in einer Festausstellung der Stadt Lengenfeld zur Verfügung. Neben Originalbriefen und Drucken Tischendorfs konnte auch sein Adelswappen und sein Siegelring bewundert werden, sowie der berühmte Codex Sinaiticus im Faksimile.

Bild: Ansturm Vortrag Schick (Foto: © Archiv Alexander Schick / www.bibelausstellung.de)
Vorträge im gefüllten Tischendorf-Gemeindehaus (Archiv A Schick)

In die „Qumran- & Bibelausstellung“ im Lengenfelder Rathaus kamen zwischen dem 9. und 24. Januar über 2.600 Besucher. Es folgten die Multimedia-Abendvorträge am 17. und 18. Januar im Tischendorf-Gemeindehaus mit jeweils 250 Zuhörern. Der Abschlussgottesdienst zum Ende der Allianz-Gebetswoche am Geburtstag von Tischendorf (18. Januar) in der Aegidiuskirche widmete sich ebenfalls dem Sohn der Stadt.

Gedenktafel am Geburtshaus Tischendorfs (Foto: © doerfel.fotograf.de)
Neuangebrachte Gedenktafel (Archiv A Schick)

Tags zuvor wurde am Standort des Geburtshauses von Tischendorf vom Lengenfelder Bürgermeister Volker Bachmann zusammen mit der extra aus London angereisten Ur-urenkelin Tischendorfs, Annegret Siebert, eine Gedenktafel enthüllt. Mit großer Begeisterung wurde die Idee des Bürgermeisters aufgenommen, den Ort in "Tischendorfstadt Lengenfeld" umzubenennen. Die Biografie des Leipziger Professors mit dem Titel "Tischendorf und die älteste Bibel der Welt", die Alexander Schick mit bisher unbekannten historischen Dokumenten aus dem Nachlass der Familie und der Universitätsbibliothek Leipzig erstellte, war in kürzester Zeit vergriffen und liegt inzwischen in 3. Auflage vor. Mit neu aufgefunden Dokumenten belegt Alexander Schick, dass alle Vorwürfe, Tischendorf habe die Handschrift aus dem Kloster gestohlen, falsch sind.

So hatten die Mönche auf dem Sinai 1869 die Bibel dem russischen Zaren geschenkt, die 1933 wiederum Josef Stalin nach England verkaufte. 1975 und 2009 wurden weitere Blätter der Sinaibibel im Katharinenkloster entdeckt.

Bild: Katharinenkloster im Sinai, Fundort des Codex Sinaiticus (Foto: © Archiv Alexander Schick / www.bibelausstellung.de)
Katharinenkloster auf dem Sinai (Archiv A Schick)

Heute wird die unbezahlbare Bibel in Leipzig (43 Blätter), St. Petersburg (8 Blätter), London (347 Blätter) und im Katharinenkloster (18 Blätter) aufbewahrt. Seit 2009 ist der Codex im Internet veröffentlicht: www.codexsinaiticus.org/de/

Die im Rathaus gezeigte Qumran- & Bibelausstellung „Von der Keilschrift bis zur Computerbibel – Constantin von Tischendorf und der Bibelschatz aus dem Wüstenkloster“ kann als Wanderausstellung auch für andere Orte beim Kustos und Autor Alexander Schick gebucht werden: http://www.bibelausstellung.de/
Info-Roll ups und ein Faksimile des Codex Sinaiticus überließ er der Stadt Lengenfeld.

Ab 8. Februar ist im Heimatmuseum Lengenfeld die Sonderausstellung „Constantin von Tischendorf und seine Vaterstadt Lengenfeld“ mit Bibeln von Lengenfelder Bürgern und über den Lebensweg des Bibelforschers zu sehen. Einen weiteren Einblick in das Thema bietet ein Beitrag von Friedrich Machold im Lengenfelder Anzeiger (Nr. 287, Seite 13 f.).[28.1.2015]

Lengenfelder Anzeiger

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