Navigation überspringen

Aktuelles

2. Sächsischer Kirchenvorstandstag in Chemnitz

„VONWEGEN“: Kirchenvorsteherinnen- und Kirchvorsteher-Treffen in Chemnitz

Bild: Blick in die vollbesetzten unteren Sitzbereich der Chemnitzer Stadthalle

Zum 2. Sächsischen Kirchenvorstandstag lud die Landeskirche am 13. Juni Kirchvorsteherinnen und Kirchvorsteher aus den 713 Kirchgemeinden nach Chemnitz ein. Vor sechs Jahren fand der erste Kirchenvorstandstag in Dresden statt, der großen Anklang gefunden hatte. Auch bei diesem Treffen nahmen 1.500 Teilnehmer und Mitwirkende teil. Nach den zurückliegenden Kirchenvorstandswahlen im letzten Jahr wurde insbesondere den Neugewählten der insgesamt rund 8.000 Kirchenvorstehern ein praxisorientiertes Programm mit Werkstätten und Diskussionsforen geboten.

Bild: Synodalpräsident Otto Guse begrüßt die Teilnehmenden am Kircenvorstandstag 2015
Synodalpräsident Otto Guse

In der Chemnitzer Stadthalle begrüßte am Vormittag Synodalpräsident Otto Guse die angereisten Kirchenvorsteherinnen- und Kirchvorsteher sowie Staatsminister Dr. Fritz Jaeckel, den Chemnitzer Bürgermeister Miko Runkel, Landesbischof Jochen Bohl und den Präsidenten des Landeskirchenamtes, Dr. Johannes Kimme, in der zentralen Auftaktveranstaltung. Guse freue sich „außerordentlich heute bei ihnen zu sein“, sagte er und ging auf das Motto ein. „‘von Wegen‘ lasst uns künden. Von Wegen zum Ziel.“ Er wünschte allen an diesem Tag eine gesegnete Zeit der Begegnung, des Austausches, der neuen Erkenntnisse und der gegenseitigen Ermutigung.

Landesbischof Jochen Bohl begrüßte die Kirchvorsteher mit einer persönlichen Anekdote, als er als junger Pfarrer bei Dienstbeginn zu hören bekam: „Pfarrer kommen und gehen, die Gemeinde aber bleibt…“. Damals habe er es nicht so einordnen können, wie es gemeint war, aber in den Jahren sei die Achtung gewachsen, weil sich letztlich die Kirche aus den Wurzeln aufbaue, so Bohl.

Bild: Landesbischof Jochen Bohl zu den Kirchvorsteherinnen und Kirchvorstehern in der Stadthalle
Landesbischof Jochen Bohl

Die Kirche sei kein Ausdruck von Anstaltsdenken, sondern sie sei geprägt aus dem Wort und der Tat. „Wie gut ist es, dass wir in Freiheit den Glauben leben können“, zeigt sich der Landesbischof dankbar, aber die Aufgabe bleibe dringender denn je, die Gemeinschaft zu stärken.

Für den Kirchenvorstandstag war es eine besondere Ehre, dass der Chef der Staatskanzlei, Dr. Fritz Jaeckel, die Grüße von Ministerpräsident Stanislaw Tillich und der Staatsregierung aus Dresden überbrachte. Trotz Trennung von Staat und Kirche seien bei beiden ähnliche Themen wichtig. In den gemeinsamen Aufgaben stehe das Ziel des sozialen Zusammenhalts. So würdigte er den kirchlichen Einsatz in den nachgefragten christlichen Kindergärten, der Begleitung Alter und Kranker in der Hospizbetreuung sowie in der Begleitung von Flüchtlingen. Dr. Jaeckel warb für eine „Verantwortungsgemeinschaft, die sich noch neu finden muss“. Die Komplexität heutiger Probleme mache vielen Menschen Sorge und es gebe viele Wege zum Ziel, die durchaus anerkennend seien. Die Staatsregierung zeige sich offen, und er finde es daher wichtig im Gespräch zu bleiben.

Bild: Staatsminister Dr. Fritz Jaeckel spricht sein Grußwort
Staatsminister Dr. Fritz Jaeckel

Der Chemnitzer Bürgermeister Miko Runkel überbrachte Willkommensgrüße von der erkrankten Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig und er begrüßte die Teilnehmer in Chemnitz, das vor 25 Jahren noch Karl-Marx-Stadt hieß. Es sei bisher einzigartig, dass eine Rückbenennung durch Volksbefragung möglich wurde. Damals sei die Kirche ein wichtiger Begleiter und ein „mutiger Ort“ gewesen. Der Wandel in der Stadt könne heute nicht übersehen werden, aber es gelte wie damals „miteinander zu streiten, sich zu einigen und füreinander da zu sein“, sagte der Bürgermeister und wünschte allen einen schönes Aufenthalt in Chemnitz.

Im Anschluss setzte der Geigenbaumeister Martin Schleske aus dem oberbayerischen Gauting klangvoll und leidenschaftlich eigene Akzente. Er gab Einblicke in seine Werkstattarbeit und zeigte überraschende Verbindungen zwischen dem alten Handwerk und geistlichem dem Leben auf. Schleske, auch als Buchautor bekannt, ist ein gefragter Referent in Kunstfragen, beschreibt Klangwelten und spricht die Praxis des „hörenden Herzens“ an.

Bild: Der Geigenbauer Martin Schleske aus Oberbayern
Martin Schleske

In einem kurzweiligen Vortrag stellte er den Zuhörern in der Stadthalle vier Wege der Erkenntnis vor, die mit persönlichen Lebenserfahrungen erläutert wurden. So gebe es den Weg des rationalen Denkens, den Geist der Welt und der Natur, wo es um Formeln gehe.

Der zweite Weg führe vom Kopf weiter in den Körper zur Empirie, von der Theorie zum Experiment. Der dritte Weg, die Intuition sei das Baugefühl mit einem gesunden Selbstvertrauen, um auf die „eigene Stimmigkeit“ hinzuarbeiten. Die Inspiration als vierter Weg habe das Herz als Metapher. Hier werde nicht aus dem Eigenen geschöpft, sondern aus dem Unverfügbaren. Wie die Liebe, so könne Gnade nur empfangen werden. Schleske machte aber auch klar, dass alle Wege, wie die Körperteile, zueinander gehörten und keiner den anderen „geringschätzen“ dürfe.
Dennoch legte er noch einmal den Schwerpunkt auf die Inspiration mit Lebenserfahrungen mit der ruhigen begleitenden Gnade und der rettenden Gnade. „Die Gnade Gottes ist eine Wirkungsmacht Gottes“, so der Geigenbauer Schleske. Um sie zu erleben bedarf es der inspirierenden Sehnsucht, um eine Herzenssehnsucht zu entwickeln. Gott warte auf die Sehnsucht des Herzen beim Menschen.

Bild: Musiker der Chemnitzer Band voicepoint mit Schleske, der Geige spielt

Nach seinem lebendigen Vortrag auf der Bühne ging er in einem der drei Foren in den Sitzungsräumen des benachbarten Hotel Mercur auf das Thema „Das hörende Herz – oder: Von der vielfältigen Inspirierbarkeit des Menschen“ ein und lenkte im Gespräch den Blick auf alltägliche Erfahrungen von Gottes Reden zu den Menschen.
Im „Tropenhaus“ des Hotel Mercur war es allerdings frischer als im schwülwarmen Außenbereich.

Die anderen Foren beschäftigten sich mit Fragen, wie sich die Gemeinde Menschen an den „Rändern“ von Kirche besser öffnen und mit ihnen in Kontakt treten kann sowie die Vorstellung von neuen Formaten in der Durchführung von Gottesdiensten.
Die drei Foren im Themenzentrum „Gottesdienst und Gemeindeleben“ wurden durch fünf Werkstattangebote ergänzt, welche Zweige der Gemeindearbeit Menschen einladen und begleiten können.

Bild: Blick in eine lebenige Diskussion in einer der Foren und Werkstätten

Die jeweilige Leitung der Werkstätten brachte entsprechende Erfahrungen in das gemeinsame Gespräch mit ein. So auch in den Werkstätten im Themenzentrum „Gemeinde entwickeln und geistlich leiten“ in den Räumen der St.-Pauli-Kreuz-Kirchgemeinde, wo es um Veränderungen in der Gemeindestruktur und um Umbrüche ging, auf die es zu reagieren gilt.

Bild: Wegweisung zu den Themenzentren
Wegweisung zu den Themenzentren

Die beiden Gesprächsforen in diesem Zentrum gingen daher auf komplexe Herausforderungen ein. Landesbischof Jochen Bohl sprach in einem Forum über die Leitungsverantwortung der Kirchenvorstände vor dem Hintergrund der Spannung von Identität und Wandel.

Das Themenzentrum „Gemeinsam Verantwortung übernehmen“ in der (kath.) Propstei St. Johannes Nepomuk (Hohe Straße 1) und der Jugendherberge Chemnitz „eins“ (Getreidemarkt 1) ging es um praktische Vollzüge in der Gemeindeleitung. Die zwei Foren griffen kirchgemeindliche Öffentlichkeitsarbeit sowie Übergangsprozesse von „Schwester, Kirchspiel oder vereinigter Gemeinde – von der Koexistenz zur Kooperation“ auf. Die sechs Werkstätten befassten sich mit komplizierten Detailfragen von der Organisation von KV-Sitzungen, der Friedhofsverwaltung, „Arbeitgeber KV“, Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie empfundene Doppelbelastung.

Bild: Stand zur Reformationsdekade mit Michael Seimer (l.)
Michael Seimer am Reformationsdekaden-Stand

Dass die Themen aber nicht nur nach innen orientiert sind, zeigte das Themenzentrum „Bildung und gesellschaftliche Teilhabe“ im Kulturkaufhaus ‚dasTIETZ‘: Die beiden Foren thematisierten die Vereinbarkeit von Christsein und Politik mit dem EKD-Beauftragten Prälat Dr. Martin Dutzmann (Berlin) sowie die Bildungskonzeption der Landeskirche als Hilfestellung für Generationsübergreifendes und lebensbegleitendes Lernen.
Die sechs Werkstätten widmeten sich u.a. Fragen über Fördermöglichkeiten von Bildungsangeboten, Kooperationen zwischen Kirchgemeinde und Evangelischer Schule, die Positionierung von Kirchgemeinden gegen Rassismus und Ausgrenzung von Menschen, der christlich-islamische Dialog und über „Familienbilder im Wandel“. Der im Atrium des Hauses befindliche „Steinwald“ aus der feuchtwarmen Vergangenheit hätte sich wohl mehr außerhalb im regenwarmen Wetter wohlgefühlt.

Bild: "Auf dem Weg" - Eine Matinèe in sechs Stationen in der St. Jakobikirche
"Auf dem Weg" - Matinèe in sechs Stationen

Die Stadt- und Marktkirche St. Jakobi richteten sich Angebote an eine breite Öffentlichkeit, an Freunde und Angehörige von Teilnehmern des KV-Tages. Vormittags wurde zu einer meditativen Orgematinée mit Musik zwischen Deutschland und Italien mit Texten zu Wegen eingeladen. Es erklangen Werke des 17. Jahrhunderts, gesungen und gespielt von Christiane Wiese (Sopran) und Sebastian Schilling (Orgel). Die Lesungen übernahmen die Ortspfarrerin Dorothee Lücke und Pfarrer Holger Treutmann von der Dresdner Frauenkirche. Es war eine Matinée in sechs Stationen, die jeweils einen literarischen Impuls, ein Bibelwort, ein Angebot und einen musikalischen Beitrag leisteten. Den Impuls setzten Auszüge aus Hape Kerkelings Pilger-Tagebuch „Ich bin dann mal weg“.

Am frühen Nachmittag (14:30 Uhr) wurde zu einem prominent besetzten Podium in die Jakobikirche eingeladen, das die Herausforderungen für Kirche und Gesellschaft bei der Annahme und Integration von Asylsuchenden und Flüchtlingen in Sachsen ansprach.

Bild: Blick in die Jakobikirche zum Podium über Flüchtlingsfragen
Podium in der St. Jakobikirche

Verschiedene Perspektiven kamen durch Michaela Schoffer, Koordinatorin kirchlicher Projekte in Dresden, dem Dresdner Pfarrer Cipiran Matefy mit dem Projekt „Johannstädter Netz“, Reinhard Boos, Referatsleiter im Sächsischen Staatsministerium des Innern, Ali Moradi (Dresden) vom Sächsischen Flüchtlingsrat und Holger Simmat, Ökumenische Flüchtlingshilfe Leipzig, zur Sprache. Moderiert wurde das Gespräch vom landeskirchlichen Ausländerbeauftragten, Albrecht Engelmann.

Nach der Mittagspause mit weiteren Gelegenheiten zum gegenseitigen Austausch wurden ebenfalls um 14:30 Uhr in den vier Themenzentren jeweils zwei bis drei Gesprächsforen und entsprechende Werkstätten angeboten. Im Zentrum 1 (Gemeinde entwickeln und geistlich leiten) wurde beispielsweise die Zukunft von Kirche auf dem Land thematisiert und im Zentrum 2 (Gottesdienst und Gemeindeleben) wurden in den Foren und Werkstätten verschiedene Altersgruppen (Evangelische Jugend, Kinder, Konfirmanden) in Blick genommen. In diesen Bereich fielen aber auch Infos über Beteiligungsmöglichkeiten auf dem Weg zum Reformationsjubiläum 2017.

Bild: Das Mittagessen musste auch organisiert sein. Hier in der Stadthalle
Bei den Mittagessen in den Themenzentren ergaben sich viele vertiefende Gespräche

Im Zentrum 3 (Bildung und gesellschaftliche Teilhabe) ging es in Foren und Werkstätten um Chancen der Ökumene, die diakonische Verantwortung sowie um den Umgang mit Ressourcen, um die Ansprache von „Randsiedlern“ über Veranstaltungsformat von ‚Frauenmahl‘ bis ‚Männerstammtisch‘.

Bild: Männer und Frauen auf "Randsuche" in der entsprechenden Werkstatt
Frauenmahl bis Männerstammtisch im 'dasTIETZ'

Das Zentrum 4 (Praxis Gemeindeleitung – gemeinsam Verantwortung übernehmen) wurden strukturelle Übersichten zu Verwaltung, Berufsbilder und das Ehrenamt sowie erneut konkrete Aufgabenstellungen für Kirchenvorstände besprochen.

Von den gut 60 Veranstaltungen in den Themenzentren und den öffentlichen Angeboten an diesem Tag führte der Weg zum Theaterplatz und dann aber in die St. Petrikirche, weil sich inzwischen Gewitter ankündigte und der erste Regen fiel.
Ein Chemnitzer Bläserkreis begrüßte die Besucher und begleitete den Gottesdienst musikalisch die Band voicepoint, Mitgliedern der Kantorei und Kurrende-Sängern übernommen wurde. Ausgestaltet wurde der Gottesdienst u.a. von Landesbischof Jochen Bohl und dem Chemnitzer Superintendenten Andreas Conzendorf. Zudem kam Pfarrer Dr. Carsten Rentzing (des. Landesbischof) zum Abschlussgottesdienst und las das Evangelium, nachdem er zuvor in Annaberg eine lange zugesagte Trauung zu vollziehen hatte.

Bild: Landesbischof Bohl predigt in der Petrikirche
Landesbischof Bohl predigt in St.Petri

In seiner Predigt sprach Landesbischof Jochen Bohl die Kirchenvorstände als für die Leitung Berufene an. In dieser Verantwortung ginge die Zeit des Wandels nicht an der Kirche vorbei. Sie bleibe nicht unberührt davon und viele Christen machten sich Sorgen um den Weg der Kirche. Bohl ging auf den Bibeltext (Evangelium) ein, als die Jünger nach dem Tod Jesu in Trauer, Enttäuschung und Resignation auf dem Weg von Jerusalem nach Emmaus waren. „Warum konnte es nicht so bleiben, wie es war?“, ließ Bohl die Jünger fragen. Dann wurde aber alles anders als der Auferstandene erschien. Es sei zur Umkehr und mit dem Blick nach vorn gekommen.

 

Bild:Sängerinnen der Band aus Chemnitz
Voicepoint-Band im Gottesdienst

„Auch heute ist Christus gegenwärtig und unter uns“, bezeugt Bohl. Der Hoffnungsglaube sei in der Auferstehung begründet und wer in der Kirche Verantwortung trage, sehe nicht nur die Welt, sondern auf die Auferstehung. Die gute Nachricht überwiege, obwohl auch die Christen und die Kirche nicht von den Stürmen der Zeit unberührt blieben.

Die Kollekte im Gottesdienst wurde für die Chemnitzer Bahnhofsmission gesammelt, die mit dem Geld besondere Projekte und Weiterbildungen für die ehrenamtlichen Mitarbeiter unterstützen möchte. Im Chemnitzer Bahnhof bringen sich insgesamt 30 Ehrenamtliche in die Arbeit ein.(13.6.2015)

Ehrenamtsakademie

Bild: Am Ende des Gottesdienstes Blick auf Landesbischof Bohl und Pfarrer Dr. Carsten Rentzing

Ergänzende Impressionen vom Kirchenvorstandstag in Chemnitz
Schriftgrösse
[A]
[A]
[A]
Link-Tipps