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Aktuelles

Reise nach Israel und Palästina mit sorgenvollem Auftakt

Evangelische Lehrer aus Sachsen und Schneeberg zu Gast im Heiligen Land

Bild: Blick in einen Höhlengang von Herodion
Besichtigung unterirdischer Gänge. Die Tunnelanlagen in Herodion dienten der Vorratshaltung

Von Birgit Hofmann und Pfarrer Frank Meinel

Das Kinderspiel, bei dem immer ein Stuhl zu wenig da ist, fällt einem unweigerlich ein, wenn man sich auf eine Reise in das Heilige Land, also nach Israel und Palästina, vorbereitet. Obwohl der Ursprung des Spiels wohl nicht mehr genau zu klären ist, erscheint es mir sinnbildlich nicht nur für Israel, sondern für den ganzen Nahen Osten. Ich habe bei dem Spiel bei Kindergeburtstagen immer verloren; das Leben oder mein Zuhause hat es mich nicht gekostet. Aber wenn das Spiel im richtigen Leben gespielt wird, ein Spiel um Wasser, um Land und um Menschen - wer findet dann eine Lösung, wenn er den fehlenden Stuhl nicht aus dem Nichts heraufbeschwören kann?

Bild: Blick auf die archäologische Ausgrabungsstätte von Herodion
Herodion

So reisten denn am vergangenen Sonnabend, 10. Oktober 2015,  28 Teilnehmer - alles Lehrer Evangelischer Schulen und Vertreter der Schulstiftung der Evangelischen Schulen in Sachsen unter der Leitung von Pfarrer Frank Meinel aus Schneeberg - durchaus mit gemischten Gefühlen nach Prag, an den Startpunkt unserer Reise: Voller Vorfreude auf unvergessliche Erlebnisse, voller Sorge wegen der angespannten Verhältnisse, die uns alle in den letzten Tagen erreichten. Die Auswirkungen der Sicherheitslage bekamen wir am ersten Tag bereits zu spüren: auf den Besuch in Hebron musste verzichtet werden, weil dort in der vergangenen Nacht wieder Menschen ums Leben kamen.
 
Das touristische Programm am Sonntag war trotzdem angefüllt mit Eindrücken und Erkenntnissen. Wir begannen am Herodion. Von weitem wirkt der ursprünglich von König Herodes dem Großen zwischen 24 und 15 v.Chr. errichtete Palast wie ein das Land überragender Vulkan.

Bild: Blick auf das Wüstenfelsmassiv mit den Höhlen von Qumran
Qumran

Erklimmt man seine Höhe, wird man zuerst überwältigt von einem beeindruckenden Ausblick auf die biblische Landschaft, und es bedarf wenig Phantasie, um sich Abraham mit den Seinen, die Israeliten auf ihrer Wanderung aus dem Sinai oder umherziehende Eselkarawanen vorzustellen. Man spekuliert sogar, dass sich Herodes hier mit den Weisen aus dem Morgenland getroffen hat, bevor diese sich auf den Weg nach Bethlehem machten. Ebenso beeindruckend sind die Tunnelanlagen, die einst neben der Wehrhaftigkeit der Anlagen auch der Vorratshaltung dienten.
 
Unser Weg führte uns nun nach Qumran, dem Ort, an dem ein Beduinenjunge 1948 zahlreiche durch die dort lebenden Essener erstellte Abschriften des Alten Testaments, darunter eine Jesaja-Abschrift, fand, die heute als die ältesten erhaltenen Bibelhandschriften gelten. Ihre Bedeutung für die Bibelforschung ist unermesslich. 

Bild: Auf der historischen Fundstelle von Qumran mit Pfarrer Meinel (l.)
Auf dem historischen Fundort in Qumran

Im Grunde wäre das schon genug der Eindrücke für einen Tag gewesen. Als letzter Höhepunkt des Tages wartete dann aber noch ein erster Eindruck von Jerusalem auf uns. Hier treffen die Welten des Heiligen Landes mit aller Wucht aufeinander: Ein Blick auf den Ölberg mit dem Garten Gethsemane und der christlichen Kirche der Nationen, einer auf die moslemische Al-Aksa-Moschee und ein ehrfürchtiger Besuch an der Klagemauer, dem höchsten Heiligtum der Juden. "Alle Völker sind dazu verurteilt, entweder zusammen zu leben oder zusammen zu sterben", steht in meinem Reiseführer. Zumindest die drei monotheistischen Weltreligionen hätten in Jerusalem alle Chance dazu, sich zu ihren gemeinsamen Wurzeln, gemeinsamen Werten zu bekennen, sich anzuerkennen und zu respektieren. Dass sie stattdessen in diesem Heiligen Land seit Jahrzehnten "Die Reise nach Jerusalem" spielen, ein mörderisches und gnadenloses Spiel, bei dem es letztendlich nur Verlierer geben kann, macht traurig, trotz der vielen erfüllenden Eindrücke am ersten Tag.(11.10.2015)

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