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Aktuelles

Internationale Partnerschaftstagung in Meißen

Bibelarbeiten, Vorträge, Workshops und Projektvorstellungen im Tagesablauf

Bild: Tagungsteilnehmer am Begrüßungsabend

Die Teilnehmenden des ersten großen Partnerschaftstreffens der sächsischen Landeskirche trafen am Donnerstag, 9. Juni, auf dem alten Klostergelände der  Evangelischen Akademie Meißen  ein. Nach einer ersten abendlichen Begrüßungsrunde im Propsteisaal mit Landesbischof Dr. Carsten Rentzing und dem gemeinsamen Abendgebet in der Barbarakapelle im Kreuzgang am Klosterhof, kam es zu ersten Gesprächen unter den 100 Gästen aus der weltweiten Ökumene. Landesbischof Dr. Rentzing hob die Bedeutung der internationalen Beziehungen für die Landeskirche hervor, die eine erweiterte Weltsicht ermöglichten und die Gemeinschaft im Glauben vertiefe.  Er dankte ausdrücklich den Vertretern der sächsischen Partnerschaftsarbeit für ihr langjähriges Engagement über alle Grenzen und Schwierigkeiten hinweg.

Bild: Landesbischof Dr. Carsten Rentzing begrüßt die Teilnehmer
Landesbischof Dr. Carsten Rentzing

Das sechstägige Treffen der internationalen Partnerschaften (9. bis 14. Juni) in Meißen war ein Beitrag der sächsischen Landeskirche im Themenjahr 2016 „Reformation und die Eine Welt“ der Lutherdekade zum Reformationsjubiläum. Auf verschiedenen Ebenen der Landeskirche sind in der Vergangenheit Kontakte zu Partnern der lutherischen Weltgemeinschaft in anderen Ländern geknüpft worden. Dreierteams von zwei ausländischen Partnern und einem sächsischen Vertreter repräsentieren auf der Tagung in Meißen 26 Partnerschaften auf fünf Kontinenten.

Von Afrika, Nordamerika über zahlreiche Länder Europas bis ins ferne Indien und nach Papua-Neuguinea reichen die Beziehungen aus Sachsen von Kirchgemeinden, Kirchenbezirken, Einrichtungen und die der Landeskirche. Anwesend waren auch Repräsentanten anderer Kirchen, so u.a. aus Russland, den USA, Tansania und Papua-Neuguinea. Mit Bibelarbeiten, Vorträgen, Gruppenarbeiten waren die Tage Schwerpunktthemen zugewiesen.

Bild: Bischöfin Ann Svennungsen (USA) und Pröpstin Elena Bondarenko aus Moskau
Bischöfin Ann Svennungsen (USA) und Pröpstin Elena Bondarenko aus Moskau

Am Freitag standen die Weltbewegung der Christenheit im Fokus der Veranstaltungen. So waren beispielsweise Veränderungen im Gespräch, die durch die Reformation in Europa, Amerika, Afrika und Asien hervorgerufen wurden.

In der Bibelarbeit ging Bischöfin Ann Svennungsen (USA) auf die kleiner werdenden Gemeinden auch in Minneapolis ein, was aber auch ein guter Moment zum Nachdenken sei, „um deutlicher zu schauen, was Gott von möchte“. „Wir sind aufgerufen, die gute Botschaft weiterzutragen“, so Svennungsen. Früher seien die Menschen zu uns gekommen, heute müssten wir zu den Menschen gehen. Die Christen und damit die Kirche sollten an einer lebendigen Gemeinschaft und an einem gerechten Umfeld mitwirken. Ihre Synode (Kirche) habe vier Aufgabenbereiche herausgestellt. So möchte sie in den Bereichen Wirtschaft (Gerechtigkeit), Rassismus, Frauen und Umwelt besonders aktiv sein.

Bild: OKR Friedemann Oehme und Ina-Maria Vetter verschenken St. Afra-Sterne
OKR Friedemann Oehme und Ina-Maria Vetter verschenken St. Afra-Sterne

So sprach sie u.a. die größer werdende Lücke zwischen arm und reich und damit die Gerechtigkeitsfrage an. Frauen müssten stärker in den Gottesdiensten einbezogen und auf eine gemeinsame Sprache solle geachtet werden, damit Gott in vollständiger Weise dargestellt werde.
Die Pröpstin Elena Bondarenko aus Moskau wies anschließend auf eine „100-jährige Geschichte von Verlusten“ ihrer Kirche durch Kriege und Diktaturen hin, die zu Deportationen der Lutheraner führten. Auch in Russland habe man die Sünde der Vergangenheit „nicht gebeichtet“. In der Situation der Vereinzelung im großen Land „fühlen wir uns manchmal wie blinde Menschen“, sagte die Pröpstin. Gottes Wort gebe in blinden Momenten Trost in der Dunkelheit und Begrenztheit. Unterschiedliche Berufungen könnten die Begrenzungen sprengen. Dafür brauchten wir Vergebung und Versöhnung sowie die Einsicht in die Tiefe der Dinge, um sich nicht in der Vielfalt zu verlieren.

Bild: Prof. Dr. Elisabeth Parmentier aus der Schweiz
Prof. Dr. Elisabeth Parmentier aus Straßburg, derzeit in der Schweiz

Danach referierten Prof. Dr. Elisabeth Parmentier aus der Schweiz und Bischof Dr. Alex Malasusa aus Tansania. Damit folgten der Dimension der Ost-West-Ausweitung mit den Vorträgen die der Ausweitung von Nord nach Süd.
Die Theologieprofessorin, die derzeit in Straßburg lehrt, war bis 2016 längere Zeit Präsidentin der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE). Im Gegensatz zu Tansania sei Europa die Region der schwindenden Kirchen und Angst vor Veränderung mache sich breit. Das habe gegensätzliche Auffassungen zur Folge, so gebe es eine Identität mit der weltweiten Ökumene, aber andererseits auch der Wunsch nach der Nische für Gleichgesinnte, so Dr. Parmentier. Sie verwies aber auch auf die Erfolge der ökumenischen Bewegung nach dem 2. Weltkrieg, die gemeinsame Basis der versöhnten Verschiedenheit mit dem Ergebnis u.a. der Leuenberger Konkordie (1973).

Bild: OKR Oehme (l.) und Bischof Dr. Alex Malasusa aus Tansania
OKR Oehme (l.) und Bischof Dr. Alex Malasusa aus Tansania

Daraus könne man eine Pädagogik gegen die Angst entwickeln. Sie verweist auf die bisherigen Erfahrungen, die sich in fünf Schritte zusammenfassen lassen: So müssten zuerst die Konflikte der Vergangenheit aufgearbeitet, Platz für Vielfalt geschaffen werden, gegenseitige Anerkennung und gemeinsames Zeugnis in der Gesellschaft folgen sowie in einer geweiteten ökumenischen Ausrichtung bis hin zum interreligiösen Dialog führen.
Frankreich sei für Professsorin Parmentier entchristianisiert und der französische Laizismus verhärte sich derzeit in der islamkritischen Situation dahingehend, dass Religion als Unruhestifter generell in Verdacht gerate und aus dem öffentlichen Raum fern gehalten werden solle. Junge Leute interessierten sich aber für den Glauben und für Antworten auf ihre Fragen, die sie häufig im Internet zu Sondergemeinschaften führten. Eine neue Ausprägung von Kirchen sei zukünftig zu erwarten.

Bild: Auf dem Weg durch Meißen zu kirchlichen Angeboten
Weg durch Meißen zu kirchlichen Angeboten

Bischof Dr. Alex Malasusa aus Tansania sprach von seiner jungen Kirche in Afrika, die erst 150 Jahre alt sei. Die Reformation schaue auf 500 Jahre zurück. Die Reformation habe dem Christentum neue Anstöße gegeben, schließlich auch dem afrikanischen Christentum. Die Mission fuße auf der pietistischen Bewegungen des 18. und 19. Jahrhunderts, die selbst eine Auflehnung gegen das Feudalsystem gewesen sei. Trotzdem war die Scheidung nach der Aufteilung des Kontinents 1888 in koloniale Einflussbereiche zwischen der Kolonialmacht und der Missionsarbeit unscharf. Diese Vermischung werde gerade auch von islamischer Seite häufig vorgeworfen. Trotzdem bleibe der Dank für die Mission, die Schulen baute und durch die Bibelübersetzung könnten die evangelischen Christen die Bibel selbst in der Hand halten und lesen, hob Bischof Dr. Malasusa hervor. Er ist Bischof im Osten an der Küste Tansanias in Bereich Daressalam und Sansibar.

Bild: Besuch im KAFF unter Führung von Sozialpädagogin Brita Hanschmann (l.)
Besuch im KAFF unter Führung von Sozialpädagogin Brita Hanschmann (l.)

Evangelisation sei wichtig und er berichtete über 7 Millionen Gottesdienstbesucher in Tansania. Bei Besuchen in England und Deutschland habe er sich gewundert, dass es nicht üblich sei, in der Öffentlichkeit über den Glauben zu reden. In Afrika sei dies anders.

Nach dem Mittagessen machten sich drei Gruppen auf, um verschiedene Angebote kirchlicher Arbeit in Meißen und Umgebung kennen zu lernen. Darunter waren „Buntes Meißen – Bündnis Zivilcourage e.V.“ und dessen Flüchtlingsarbeit, das Kinder- und Jugendhaus KAFF in der Martin-Luther-Kirche sowie die Stiftung Leben und Arbeit im Rittergut Limbach.
In den Akademie-Gebäuden folgte die Gruppenarbeit über Modelle der Partnerschaft. So beschäftigte sich vier Gruppen mit Partnerschaftsverträgen sowie mit Chancen und Herausforderungen der Partnerschaftsarbeit auf unterschiedlichen Ebenen.

Bild: Präsentation der Partnerschaft Bautzen-Kamenz zu Meru durch Claudia Mickel-Fabian
Claudia Mickel-Fabian zu Partnerschaft Bautzen und Meru

Am Abend folgte die Vorstellung der Partnerschaften nach Afrika und Amerika. Beispielhaft dafür präsentierten sich unterschiedliche Initiativen, wie das Leipziger Missionswerk, über das der Freiwilligendienst junger Christen organisiert wird. Jeweils eine junge Frau aus Afrika und eine aus Indien sowie zwei junge Männer aus Afrika und ein junger Mann aus Indien stellten sich und ihre Einsatzorte vor. Sie sangen gemeinsam auf Deutsch, Suaheli und Tamil das bekannte Lied „Gott ist die Liebe“.

Danach folgte die Vorstellung der Partnerschaft zwischen dem heutigen Kirchenbezirk Bautzen-Kamenz und Meru in der Norddiözese Tansanias, die bereits ins zwanzigste Jahr geht. Diese Partnerschaft sorgte für die Erneuerung von 44 Kirchendächern, die Umsetzung sozialer und medizinischer Projekte bis hin zur populären Rucksackaktion (Schulranzen) für Schülerinnen und Schüler.
Weiterhin folgten u.a. die Vorstellung von Partnerschaften zwischen dem heutigen Kirchenbezirk Marienberg nach Tansania, zwischen dem Kirchenbezirk Pirna nach Südafrika im Verbund mit der niedersächsischen Partnergemeinde in Melle bei Osnabrück und die bereits ebenfalls langjährige Partnerschaft zwischen dem Kirchenbezirk Leipzig und dem US-amerikanischen Minneapolis.(10.6.2016)

Bild: Gesprächsrunde am Nachmittag
Eine der Gesprächsrunden am Nachmittag in den Räumen der Akademie Meißen

Bild: Rundgang mit Blick auf die Stadt

Am Sonnabend lag der Schwerpunkt auf dem Thema „Reformation und Gerechtigkeit“. Den Impuls dazu gaben in der Bibelarbeit zum Propheten Amos im 5. Kapitel Dean Kennedy Kisanga aus Tansania und Pfarrer Jens Kristian Kristiansen aus Dänemark.
Der Rektor des Tamil Theological Seminary (TTS), Dr. David Rajendran aus Maduraj/Indien, hielt zum Tagesthema den Vortrag.

In Gesprächsrunden wurde am Nachmittag der Frage nach dem Verhältnis von „Partnerschaft und Gerechtigkeit“ nachgegangen. In sieben Gruppen sollten die besonderen Anliegen im gemeinsamen Engagement für den Dienst in der Welt angesprochen werden.
Vor den Gruppenarbeiten gab es noch das Angebot von Stadtführungen in Meißen, wo parallel an zahlreichen Leseorten der Stadt das derzeitige Literaturfest zu Heiterem und Besinnlichem einlud.

Bild: Abendveranstaltung

Im Abendprogramm wurden die Partnerschaften innerhalb Europas und nach Asien angesprochen und präsentiert. Immerhin gehen die Verbindungen und Kontakte, die auf dieser Tagung vertreten sind, nach Dänemark, Lettland, den Niederlanden, nach Bulgarien durch das Gustav Adolf Werk in Sachsen, nach Russland, Litauen, Polen und in das benachbarte Tschechien. Auf langjährige Partnerschaften in Asien wurde auf die im südöstlichen Indien (Tamil Nadu) und auf die in Papua-Neuguinea hingewiesen.

 

 

Bild: Liturgen am Altar zu Beginn des Gottesdienstes

Neben den Gesprächsmöglichkeiten am Rande der Tagung war am 12. Juni ein Begegnungsfest geplant. Der Sonntag begann mit einem Gottesdienst im Dom um 11:00 Uhr, in dem Landesbischof Dr. Carsten Rentzing über den Guten Hirten predigte. „Die Geschichte beginnt mit Sünde und Verlogenheit und endet mit Buße und Reue“, so Dr. Rentzing. Ein Schaf geht verloren, Menschen gehen verloren. Das Schaf brauche den Schutz der Herde, und dem Menschen wende sich Gott in Jesu zu. Jesus mache sich wie der Eigentümer auf den Weg, damit keiner verloren gehen, sagte der Landesbischof. 

Musikalisch wurde der Gottesdienst ausgestaltet vom Domchor Meißen und dem Bläserkreis St. Afra / Dom unter Leitung von Domkantor Jörg Bräunig. Neben den Bläserstücken sang der Chor die Bach-Kantate „Wohl mir, dass ich Jesum habe“ und von Jan Sandström (*1954) das „Sanctus“ für Chor zu vier Stimmen.

Bild: Landesbischof Dr. Carsten Rentzing mit einigen Tagungsgästen im Klosterhof
Landesbischof Dr. Carsten Rentzing mit einigen Tagungsgästen im Klosterhof

Die Kollekte war für die weltweite humanitäre Arbeit der lutherischen Kirchengemeinschaft bestimmt. Der Lutherische Weltbund (LMW) unterstützt syrische Flüchtlinge in Jordanien. Sie kommen oft nur mit der Kleidung, die sie am Leib tragen, und den Sachen, die sie tragen können, in Jordanien an. Der LMW hilft ihnen mit Lebensmitteln, Unterkunft, Kleidung, Haushaltsgegenständen und vielen weiteren Sachen.

Nach dem Mittagessen im Klosterhof der Evangelischen Akademie fand das Fest im Innenhof des benachbarten St. Afra Gymnasium statt. Ein Bühnenprogramm sollt Bürgerinnen und Bürger aus Meißen sowie weitere Interessierte locken, mit den Tagungsgästen aus nah und fern ins Gespräch zu kommen. Stände von kirchlichen Eine-Welt-Initiativen, dem Leipziger Missionswerk und dem Gustav Adolf Werk informierten über die Partnerschaftsarbeit.

Bild: Tänzerin aus Indien

Für den musikalischen Auftakt sorgte der beachtliche Bläserchor Wilsdruff-Weistropp, der das Nachmittagsprogramm weiter begleitete.
Jan Witza vom Landesjugendpfarramt übernahm die Moderation durch das Programm, das die jungen indischen Teilnehmerinnen des Freiwilligenprojekts des LMW mit Gesang und Tanz eröffneten. Sie kommen aus der indischen Partnerkirche TELC. Anschließend wurde durch den Südafrikaner Alfred Xaba ein Song und ein Gedicht vorgetragen. Er steht für die Partnerschaft zwischen dem Kirchenbezirk Pirna und Südafrika.
Mit einem kleinen Theaterstück zum Thema Gemeindeentwicklung mit dem Versuch, gemeinsam eine Suppe zu kochen, stellten die Partner aus Neukirch (Lausitz) mit ihrem Kirchenbezirk Bautzen-Kamenz ihre langjährige Verbindung zum Kilimandscharo-Gebiet in Tansania vor.

Bild: Auch Kuba grüßt mit Gesang

Mrs. Hofago Kaia-Hauth aus der Evangelical-Lutheran-Church of Papua New Guinea (ELCPNG) sang ein stimmungsvolles Lied, bevor die Partnerarbeit zwischen Marienberg und der Norddiözese in Tansania ein musikalisches und bildliches Quiz initiierte und sich danach die Partnerschaft zwischen der Kirchgemeinde Kemnitz bei Sohland und Pennsylvania vorstellte.

Aufgrund eines starken Regens, der auch den Außenbereich des St. Afra-Gymnasiums erreichte, wurde das weitere bunte Programm in den Kreuzgangbereich verlegt. Die Arbeitsstelle Eine Welt in Leipzig blickt auf langjährige Kontakte nach Kuba zurück. Mit Interview und einem gemeinsamen Gitarrenlied kam karibische Stimmung auf.
Aus Meißen berichtete der Verein „Buntes Meißen – Bündnis Zivilcourage“ über die Projekte im Rahmen der Flüchtlingsarbeit und der Beteiligung von Asylbewerbern daran.
Mit Lied und Tanz stellte sich die Partnerschaftsarbeit sächsischer Kirchgemeinden  mit lettischen Gemeinden vor.

Bild: Abendmahlsfeier in St. Afra


Am späteren Sonntagnachmittag wurden alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Abendmahlsfeier in die St. Afra Kirche eingeladen. In der vollbesetzten Kirche begrüßte Oberkirchenrat Friedemann Oehme, der die Tagung seitens der Landeskirche vorbereitet hatte, die Gäste an der Eucharistiefeier.

Bild: Blick zum Altar

Mit mehreren Liturgen wurde gemeinsam gesungen und dann Wein und Brot ausgeteilt. Am Ende wurden schon einige Teilnehmer verabschiedet, die vor Abschluss der Tagung abreisen mussten.

Für Tagungsgäste wurde am späten Abend noch eine Domführung durch Akademiedirektor Johannes Bilz angeboten. Die Kirche war nur mit Kerzenschein ein wenig erhellt und zum Schluss wurde der Abendsegen gesprochen.

Ganz zum Ende des Tages hatten die Tagungsteilnehmer noch Gelegenheit zu Gespräch- und Meinungsaustausch.(12.6.2016) 

Bild: Mr Alfred M. Xaba aus Südafrika
Mr. Alfred M. Xaba aus Südafrika

Der Montag, 13. Juni, spiegelt die Reformation im Lichte anderer Kulturen in der Bibelarbeit mit Mr. Alfred M. Xaba (Südafrika) und Oberlandeskirchenrat Dr. Peter Meis aus Dresden sowie durch den Vortrag vom LWB-Generalsekretär Dr. Junge.

In der Bibelarbeit von Mr. Xaba ging es um Visionen des Paulus, in denen sich Gott offenbarte. Der südafrikanische Grundschullehrer appellierte, auch heute offen sein für Visionen. Jeder sei, so wie Paulus damals, aufgerufen, das Evangelium zu predigen. „Komm herüber nach Mazedonien“, wurde Paulus gerufen. Menschen in Europa fühlten sich auch gerufen und sie gingen als Missionare nach Südafrika. Mr. Xaba dankte diesen Missionaren, die selbst nicht wussten, was sie erwarten würde. Sie bauten Kirchen, Schulen und betrieben Krankenstationen, in die die Menschen kamen. Manchmal bekamen sie als Christen innerhalb eines Stammes Schwierigkeiten mit dem neuen Glauben, aber sie bekannten ihn.

Bild: Oberlandeskirchenrat Dr. Peter Meis
Oberlandeskirchenrat Dr. Peter Meis

Heute stehe die Einheit der Christen im Vordergrund, gerade im Zusammenhang mit dem Reformationsjubiläum. Alfred M. Xaba wies am Ende auch auf die derzeitige Dürre im südlichen Afrika hin und bat, im Gebet in Fürbitte an die Menschen zu denken.

Für Oberlandeskirchenrat Dr. Peter Meis aus Dresden ist der Text über die Reise des Paulus nach Mazedonien ein Schwellentext. Er weitet nicht nur den Raum, sondern bedeutet den damaligen Beginn der Christianisierung Europas. Paulus möchte Brücken schlagen, weil er in Kleinasien mit seiner Arbeit nicht weiter gekommen war. Auch im Hier und Heute gibt es Enttäuschungen, ob über die Kirche oder die Gesellschaft. So hätten wir häufig den Eindruck, trotz Engagement auf der Stelle zu treten, meinte Dr. Meis. Die Kirche scheine den Europäern immer fremder zu werden.

Bild: Landesbischof Dr. Carsten Rentzing (l.) spricht mit Pfarrer Michael Tetzner aus Freiberg
Landesbischof Dr. Carsten Rentzing (l.)

Er vermutet eine Art „Inkubationsphase“, aus der sich neues Leben entwickeln könne. „Aber, bewähren sich unsere Träume?“, fragte er. Frühere Zeiten seien keine Vorbilder, denn die Lust auf Macht habe die Kirche häufig dunkel gehalten. Ganz am Anfang hatte Paulus die Zeichen gesehen und ernstgenommen, was zur Taufe der Lydia als erste europäische Christin führte. Sie habe im entscheidenden Moment die Initiative übernommen. Nicht Paulus oder der Kirche folgte sie, sondern Gottes Geheiß und Stimme. Dr. Meis plädierte in Glaubensfragen offen und zugänglich zu sein, aber er kritisierte mündliche Überredungsversuche, wie sie auch heute gerne angewandt würden.

Bild: Pfarrer Dr. h.c. Martin Junge hält den Hauptvortrag

Der Vortrag des Generalsekretärs des Lutherischen Weltbundes (LWB), Pfarrer Dr. h.c. Martin Junge stand unter der Überschrift „Reformation und unsere Verantwortung für die Eine Welt“. Zu Beginn seiner Ausführungen ging er auf veränderte Beziehungen zur UNO ein. Obwohl seit Entstehen des LWB eine gute Netzwerkarbeit mit dem UN-Flüchtlingskommissariat bestand, sei jetzt angesichts der weltweiten Flüchtlingsströme und der neuen Weltlage ein Hilfeaufruf an den LWB ergangen.

Bild: Vortrag von Pfarrer Dr. Junge
LBW-Generalsekretär Dr. Junge

Unter den Stichworten „Glaube und Schutz“ würden die Glaubensgemeinschaften als wichtige Akteure angesehen, um in den Weltthemen Klimagerechtigkeit, Krieg und Frieden, Flüchtlinge sowie bei weiteren nachhaltigen Entwicklungszielen mitzuwirken. Das habe es so vorher in der säkular ausgeprägten Einstellung dieser Gremien nicht gegeben, so Dr. Junge.

Das käme dem Wirken der Kirchen eigentlich entgegen, denn Glaube ist auf Begegnung angewiesen und Glaube dringe derzeit in die Öffentlichkeit. Allerdings werde dies nicht immer positiv wahrgenommen. Da stelle sich für die lutherische Kirche die Frage, wofür sie eigentlich da sei? Man habe das Konzept der ganzheitlichen Mission favorisiert, die Verkündigung, Diakonie und Anwaltschaft beinhalte. Nach Martin Luthers Zwei-Reiche-Lehre käme bei der Umsetzung ein theokratischer politisierter Ansatz im Sinne von religiösem Anspruch im öffentlichen Raum [Gottesstaat] nicht in Frage.

Bild: Martin Luther im Klosterhof der Akademie Meißen soll die Gäste inspirieren

Daher seien Luthers Anliegen so modern wie nie, sagte der LWB-Generalsekretär. Kirche in der Begegnung müsse sich sprachfähig in der Umsetzung der universellen Erklärung der Menschenrechte zeigen.
Sprachfähigkeit im öffentlichen Raum sollte geprägt sein in der wechselnden Spirale von Seelsorge, Diakonie und Theologie u.s.w.
Der vorreformatorische Ablasshandel gab den Ausschlag für Luthers Aufbegehren gegen die Ausbeutung. Damit sei Theologie mit der Maxime „Befreit durch Gottes Gnade“ öffentlich geworden.
Drei Losungen sollen das Anliegen und das Programm verdeutlichen: „Erlösung -  für Geld nicht zu haben“. „Der Mensch – für Geld nicht zu haben“. „Gottes Schöpfung – für Geld nicht zu haben“. Durch Gnade befreit bedeute, hiermit ein Wertesystem vorzugeben, um klar und entschieden gegen den Menschenhandel einzutreten, sich für Flüchtlinge und gegen Ressourcenraub einzusetzen. Generalsekretär Dr. h.c. Martin Junge ermutigte die sächsische Landeskirche gerade „in Zeiten der Polarisierung und Fragmentierung“ in einer „zerrissenen Welt“ die internationale Partnerschaftsarbeit fortzusetzen, um an den Aufgaben weiterzuarbeiten und die Gemeinschaft in Christus zu stärken, die keine Grenzen kenne.

Bild: Gesamtaufnahme der Tagungsteilnehmenden (Foto: Bahrmann)
Gruppenaufnahme der Teilnehmer in der St. Afrakirche in Meißen (Foto: Daniel Bahrmann)

Zum Abschluss der Partnerschaftstagung fahren die Teilnehmenden am 14. Juni in die Lutherstadt Wittenberg, um dort am Pilgerweg des Lutherischen Weltbundes teilnehmen zu können.(13. Juni 2016)

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