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Aktuelles

Christliche Begegnungstage 2016

Sage nicht: „Ich bin zu jung, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende

Bild: Einzug in den Eröffnungsgottesdienst in der Dornhalle

In der ungarischen Hauptstadt Budapest begannen am Donnerstag, 7. Juli, die Christlichen Begegnungstage 2016 unter dem Motto „Salz der Erde“. Den Teilnehmenden, die zeitig angereist waren, wurden am frühen Nachmittag Stadtbesichtigungen in Sprachgruppen angeboten. So gab es thematische Touren mit Kirchenführungen, auf Donauschiffen, zur städtischen Architektur um 1900, zur Reformation oder einfach über selbstgewählte Wege durch die Donaumetropole. Viele Gäste besuchten die Kirchen, die über die lutherische und reformierte Konfession hinaus in der Geschichte Ungarns eine wichtige Rolle gespielt haben. Ihr kunstgeschichtlicher Wert ist bedeutsam, darunter auch einzigartige, charakteristische Orgeln.

Bild: Dach der Dornhalle und Uhrenturm von 2014

Ausgangspunkt für die Gruppen war die Dornhalle (Tüskecsarnok), die den Begegnungstagen der protestantischen Kirchen Mittel- und Osteuropas vom 7. bis 10. Juli auf dem Universitätsgelände auf der Budaer Seite die Mitte gab und die Großveranstaltungen bestimmte. Hier präsentierten sich auf dem Markt der Möglichkeiten zahlreiche Initiativen aus den Teilnehmerkirchen. Aus Sachsen reisten u.a. drei Vertreter aus dem Landeskirchenamt mit einem Transporter an, um an einem Stand Ausblicke auf das Reformationsjubiläum 2017 in Mitteldeutschland zu geben und die sächsische Landeskirche vorzustellen, die immerhin im elfköpfigen Vorbereitungskreis der Begegnungstage vertreten war.

Bild: Bühne während des Eröffnungsgottesdienstes

Zurück vom städtischen Besichtigungsprogramm oder gerade erst angekommen, begann für die Teilnehmer am Abend um 19:00 Uhr der feierliche Eröffnungsgottesdienst im Hauptsaal der Dornhalle. Landesbischof Dr. Carsten Rentzing, der gemeinsam mit seiner Familie kam, übernahm im Gottesdienst die Psalmlesung. Die Predigt hielt der gastgebende Leitende Bischof Péter Gáncs, der im Vorfeld die Einladung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Ungarn ausgesprochen hatte. Im Namen seiner Kirche wünschte er eine gesegnete, inhaltsreiche und freudvolle Begegnung. Bischof Gáncs verband zudem die Hoffnung, dass die Teilnehmenden als Boten des gemeinsamen Herrn, trotz unterschiedlicher Sprachen, die gemeinsame gute Nachricht tragen und sie miteinander teilen mögen.

Bild: Blick in die Halle

Ziel des Treffens sei es, „dass wir in Aufmerksamkeit auf unseren Herrn und in der Bereitschaft, voneinander zu lernen, gestärkt werden, damit wir unsere gemeinsame Sendung erfüllen. Beten wir, dass wir wirklich zum Salz der Erde, oder wenigstens des manchmal schon seinen Geschmack verlorenen Kontinents Europas werden können. Wir möchten zu Gemeinschaften gestaltet werden, die für andere leben, die, wie das Salz, vom Verderben bewahren und den feinen Geschmack des christlichen Lebens der Welt schenken“, so der ungarische Bischof.

Auf der hinteren Terrasse an der Dornhalle lud das warme kontinentale Sommerklima zum Abend der Begegnung zu Flammkuchen (Langosch), Baumkuchen und Weinprobe ein. Das KÖZEL Ensemble begleitete musikalisch beim gemeinsamen Singen den Abend.

Bild: Weinprobe

In der MEÖT Kapelle hieß es „Church goes Jazz“ mit einer österreichischen Band. Aufgrund des Halbfinales der Fußball-Europamannschaft, in dem sich Deutschland gegen den Gastgeber Frankreich behaupten musste, wurde für alle Fans der Spiele eine Direktübertragung in die Dornhalle ermöglicht.

Sage nicht: „Ich bin zu jung, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. (Jeremia 1,7) - Dieses Bibelwort stand in den Herrnhuter Losungen für den ersten Tag der Christlichen Begegnungstage am 7. Juli 2016. Das Wort erinnere daran, dass Gott allen Vertretern von mittel- und osteuropäischen Kirchen seit der Gründung der Christlichen Begegnungstage geholfen habe, sich alle drei Jahre zu treffen, erinnerte die Vorbereitungsgruppe im Vorfeld der Begegnungstage.

Bild: Junge Musikgruppe sorgte für schönen Klang am Abend

„Wir dürfen uns freuen an einer lebendigen Gemeinschaft, an den Gottesdiensten und an der Musik, sowie an einer Vielfalt von Veranstaltungen mit kirchlichen und gesellschaftlichen Themen“, so die Einladenden.

Das Projekt begann im Jahre 1991 mit dem Namen ‚Christliche Begegnungstage‘ in Görlitz, Oberlausitz. Das Treffen von Christen fand zunächst in der Grenzregion Tschechiens, Polens und Sachsens statt, dann 2005 in Prag, 2008 in Bratislava/Pressburg, 2011 in Dresden und schließlich 2014 in Wroclaw/Breslau. Der Beginn kurz nach den politischen Ereignissen 1989/90 hatte im Zeichen der Versöhnung nach dem Kalten Krieg stattgefunden. Seitdem ist ein Viertel Jahrhundert vergangen und viele wichtige Themen wurden im Rahmen der Begegnungen angesprochen und diskutiert.

Freitag - Bibelarbeiten, Markt der Möglichkeiten, Kinder- und Kulturprogramm

Die Begegnungstage in Budapest mit ihren vielfältigen Veranstaltungen stehen unter der Losung „Ihr seid das Salz der Erde“. Dieses Bibelwort kann auf vielerlei Weise interpretiert werden, so auch mit Blick auf das 500-jährige Reformationsjubiläum im nächsten Jahr. Die Lehren der Reformation starteten im Kleinen, doch hatten sie die Welt verändert. Das Bibelwort nimmt auch Bezug auf die Minderheits- bzw. Diasporasituation der Kirchen Mittel- und Osteuropas. Trotz früherer Unterdrückung und Gesetzesbeugung durch die Diktaturen sowie der einhergehenden Säkularisierung vertrauen die Kirchen darauf, Salz in Gottes Händen zu sein.

Bild: Blick entlang der Donau zum Zentrum von Buda und Pest - Budapest halt...

Zu Beginn der Veranstaltungen während der Christlichen Begegnungstage am Freitag und Sonnabend standen Bibelarbeiten auf dem Programm, so auch die Bibelarbeit, die Landesbischof Dr. Carsten Rentzing auf der Hauptbühne der Dornhalle zum Bibeltext in Daniel 1-2 hielt. So bedeutet die Geschichte des jungen Daniel und seiner Gefährten im Zentrum des Babylonischen Reiches auch eine Minderheitensituation. Eine ganz fremde Kultur und religiöse Mentalität versuchte sie umzuformen.

Bild: Bibelarbeit mit Landesbischof Dr. Carsten Rentzing in der Dornhalle
Landesbischofs Bibelarbeit

Sich zu integrieren und nicht aufzufallen scheine die einzige Möglichkeit zu sein, um am Leben zu bleiben. Doch David hält an seinen eigenen Glaubenstraditionen fest, als auch an dessen Beziehung zu Gott. Es führt zu einem verblüffenden Ende der beiden Kapitel, dass er nicht nur seine Glaubensidentität und Gottesfürchtigkeit bewahrt, sondern auch mit seinen Prophetien den König Nebukadnezar beeinflusste.
Dr. Rentzing erinnerte daran, dass Gott der Inbegriff von Stärke und Weisheit sei. Menschen, gerade die Mächtigen maßen sich dies hin und wieder an und würden sich an ihrer Herrschaft klammern. Die gemeinsame Erfahrung von der friedlichen Revolution zeige, dass die Macht alleine von Gott komme. Für Christen sei die Davidsgeschichte wichtig, weil der Prophet Beispiel gebe für die Bewährung des Glaubens und die Bewahrung der Gläubigen.

Bild: Landesbischof und Fraun Rentzing halfen am Landeskirchenstand aus
Dr. Rentzing (l.) im Gespräch mit Michael Seimer

Insgesamt wurden am Vormittag weitere sechs Bibelarbeiten von Theologen aus Ungarn (2x), Tschechien, Polen, Österreich sowie von einem Amerikanischen Freiwilligen (Mission of Christ Network) in jeweils ihrer Sprache mit Übersetzungen gehalten.

Am Markt der Möglichkeiten boten 23 Stände ihre „Waren“ an. Die Stände befanden sich einerseits gegenüber dem Haupteingang der Dornhalle und an der Rückseite des Gebäudes, anderseits im inneren Korridor der Halle. Im Angebot der internationalen Stände waren unter den leiblich-geistigen Nahrungen, Auge und Seele verzaubernde Produkte, Bücher, handwerklicher Schmuck, Gemälde, Lavendelprodukte, gravierte Gläser mit dem Logo des Salzes der Erde und für die Begegnungstage hergestellte individuelle Salzstreuer zu finden. Die teilnehmenden Kirchen und verschiedene Organisationen waren am Markt der Möglichkeiten vertreten. Sie stellen ihre Aktivitäten und damit auch ihre Rolle im jeweiligen Land und der Gesellschaft vor.

Bild: Kinderprogramm
Kinderprogramm

Zum Stand der sächsischen Landeskirche mit Zusatzinformationen zum Reformationsjubiläum 2017 kam auch Landesbischof Dr. Rentzing und erkundigte sich über die Stimmung und die Eindrücke bei den Vorbeikommenden. Er selbst war zu einigen Themen angefragt worden, die auch später in den Bischofsforen eine Rolle spielen sollten.

Zuvor startete das zu den Haupt- und Nebenveranstaltungen parallele Kinderprogramm. Das Team für Kinderprogramme, das aus Mitgliedern der internationalen Vorbereitungskommission und aus ungarischen Freiwilligen bestand, erwartete die Kinder und ihre Eltern in den Räumen Energy und Harmony in der Dornhalle. Die Interessenten wurden mit Zeichnen, Malen und mit zahlreichen spannenden Geschichten unterhalten.

Der Kirchentag evangelischer Slowaken, zum ersten Mal außerhalb der Slowakei, begann am 6. Juli in der ungarischen Stadt Békéscsaba, rund 200 Kilometer südöstlich von Budapest. Das Thema war „Reformation und das nationale Bewusstsein“. Die evangelischen Christen aus der Slowakei, aus Kroatien, Rumänien, Serbien, Tschechien und Ungarn fuhren nach der Morgenandacht am 8. Juli nach Budapest und beteiligten sich in erweiterter Gemeinschaft der über 3.000 Teilnehmenden an den X. Christlichen Begegnungstagen.

Bild: Am Stand der Ev.-Luth. Kirche der Slowakai
Schöner Besuch aus der Slowakei traf ein

Bevor die Gesprächsforen am Nachmittag begannen, verteilten sich unterhaltsame als auch nachdenkliche Programme über verschiedene Veranstaltungsorte. Im World-Café wurde über afrikanische, indische, amerikanische und andere Missionen gesprochen und zu „Bibel und Tanz – für alle, die sich gern von Gottes Wort bewegen lassen und Freude an Bewegung und Gesprächen haben, lud Gabriele Oehme in eine Sporthalle ein.

Das erste internationale Forum traf sich unter der Frage „Halten nur die Kirchen Europas noch zusammen?“ Für diese GAW-Podiumsdiskussion kamen Propst Dr. Johann Schneider, Regionalbischof Halle und Wittenberg; Prälatin Gabriele Wulz aus Württemberg; Bischof Reinhard Guib, Ev. Kirche A.B. in Rumänien; der Leitende Bischof Péter Gáncs, Ev.Luth. Kirche in Ungarn in Moderation von Enno Haaks, Generalsekretär des Gustav-Adolf-Werkes (Leipzig).
Hier wurde der Frage nachgegangen, wie die Kirchen auf die aktuelle Flüchtlingssituation reagieren. Hier wurde die besondere Situation der Minderheits- bzw. Diasporakirchen bei Fragen der Migration angesprochen.

Bild: Bischofsforum I
Bischofsforum I am Freitagnachmittag, am Samstagnachmittag folgt das II. Forum

Beim ersten Bischofsforum in der Dornhalle ging es um die Lage und Rolle der Kirchen in Ostmitteleuropa. Wie hat sich die Situation der Kirchen nach der Wende verändert? Was sich ereignet und wie geschieht heute die ständige innere Erneuerung der Kirchen? Wohin gehen sie, und was sind ihre Freuden und Sorgen heute im Jahre 2016?

Bild: Dr. Rentzing auf der Übertragungswand
Bischofsforum I am Freitagnachmittag

Zu Beginn des Forums stellten die Bischöfe anhand von jeweils drei Bildern ihre Kirche mit den Arbeitsschwerpunkten sowie mit ihren Besonderheiten vor. Bischof Dr. Markus Dröge, Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, berichtet, dass neben der Metropole Berlin, sich die Kirche über unterschiedliche Räume und Prägungen erstreckt.  Landesbischof Dr. Carsten Rentzing führte die christliche Tradition in Sachsen über den Dom in Meißen an, betonte über das Bild von vielen Jugendlichen aus aller Welt vor der Dresdner Frauenkirche den Auftrag der Kirche in der Friedensarbeit und der Zuwendung zur Gegenwart. Er verwies auch auf die Prägung und den Glaubensgrund im Erzgebirge mit seinen großen Kirchen.
Zur Frage, wozu die Menschen heute noch die (evangelische) Kirche brauchten, äußerte sich Dr. Rentzing über den wahrnehmbaren Spannungsbogen vom Bedarf an Orientierung, aber auch Erwartungen, die schwer zu bedienen seien.

Bild: Zuschauer im Plenum der Halle

Der Berliner Bischof ergänzt, dass konkrete Hilfe von Kirche in Politik und Gesellschaft erwartet werde, so in der Migrantenfrage. Ernüchternd stellte der Synodalpräsident Daniel Zenaty, Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder, fest, dass weniger Erwartung als Misstrauen der Kirche gegenüber bestünde. Wenn die Regierenden in der Politik nicht mehr den christlichen Beitrag einbezögen, dann sei dies schlecht. Für Bischof Dezső Zoltán Adorjáni, Evangelisch-Lutherische Kirche in Rumänien, solle die Kirche in Diakonie und Kultur im gesellschaftlichen Kontakt bleiben.
Angesprochen auf den modernen medialen Gleichschritt waren sich alle einig, diesen zu nutzen, aber der Leitende Bischof Péter Gáncs, Evangelisch-Lutherische Kirche in Ungarn, verwies darauf, dass dadurch der persönliche Kontakt von Angesicht zu Angesicht nicht ersetzt werden könne. „Liebe könne auch nicht nur durch den Einsatz der Tastatur ersetzt werden.

Bild: Band auf der Jugendbühne

Im Jugendzelt war am Nachmittag u.a. das Szélrózsa Band-Konzert angesagt.Die Band wurde gerade vor dem 2008 Szélrózsa-Treffen (Windrose, zweitjährliches Jugendtreffen der ELKU) in Kőszeg (Güns) gegründet. Ihr Hauptprofil war die Musik während der Andachten. Nach dem Festival wurde auch die erste CD angefertigt. Sie treten sowohl zu zivilen als auch zu kirchlichen Veranstaltungen auf. Auch beim christlichen Festivals im Ausland (Kirchentag, EVA, Ich warte auf den Herrn) sowie an stillen Tagen zum Schulbeginn sind sie dabei. Sie verarbeiten vor allem christliche Jugendlieder, sie können aber auch auf eigene Lieder verweisen.
‚Hoffnung Orchester‘ aus Szádelő (Zádiel), ein Reformiertes Jugendorchester aus der Slowakei folgte mit einer eklektischen Musik.

Bild: Auswahlchor aus Dresden unter LKMD Markus Leidenberger in der Reformierten Kirche

Singen gehört zum Alltag im Leben eines Christenmenschen. Im Rahmen der Begegnungstage stellten sich am Abend Chöre aus Ungarn und den anderen Ländern in zwölf Kirchen in Budapest vor. In der Reformierten Kirche am Kálvin Platz musizierte ein Vokalkreis aus Dresden unter Landeskirchenmusikdirektor Markus Leidenberger. Zuvor waren eine kleine Vokalgruppe von jungen Frauen aus Schweden zu hören, drei junge Geigerinnen aus dem russischen Kasan bezauberten das Publikum genauso wie der evangelische Traditionschor aus Polen, den die Chorleiterin zu einem Klangkörper mit breitem Repertoire entwickelt. Der Budapester Chor der reformierten Kirche beschloss das Programm.
Der Bläserchor der Leipziger St. Nikolaikirche hatte in einer lutherischen Kirche seinen Auftritt.

Am späteren Abend gab es noch das Angebot einer Bootsfahrt auf der Donau. Andere schauten sich an diesem warmen Sommerabend die belebten Plätze an. Darüber hinaus bleibt so manches im Dunkeln, was noch so passierte...

Bild: Abendstimmung über der Donau zur Budaer Seite

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