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Aktuelles

Abschluss der Christlichen Begegnungstage 2016

Sonnabend – es geht weiter und es wird voller und thematisch breiter

Bild: Der Posaunenchor der Leipziger Nikolaikirchgemeinde während der Bibelarbeit

Die gewählten Texte der Bibelarbeiten knüpften an das in der Losung enthaltene Thema an. Dieses Thema erscheint den Boten Gottes wie folgt: Die Rolle des Salzes bedeute Erneuerung (Reformation); Erhaltung und Sendung der Minderheit; Die Wirkung der Minderheit auf die Mehrheit; Gedanken zur Toleranz und zur Abgrenzung.

Bild: Das Auffüllen des Glaskörpers mit dem Salz dieser Erde
Salz der Erde in einen Glaskasten gefüllt

Ein weiterer Aspekt war es, Texte sowohl aus dem Alten als auch aus dem Neuen Testament zu wählen, in denen das Salz als Symbol erwähnt wird, in Geschichten, lehrenden Texten und Worten meditativen Charakters. Diese sind Botschaften von bleibender Bedeutung für viele Christen in den europäischen Kirchen in Minderheitssituationen. Sie suchen den Kontakt zueinander. Sie kämpfen gegen Entfremdung und Zeitgeist und wollen mit ihrer Botschaft als Jüngerinnen und Jünger Jesu ihre Sendung in einem erneuerungsbedürftigen Europa erfüllen.

Parallel zu anderen Bibelarbeiten griff Oberkirchenrat Friedemann Oehme aus Dresden den Text aus dem Propheten Zephanja im 3. Kapitel an mehreren Stellen auf. Hier geht es um die „Übriggebliebenen“ im kleinen Juda, die Wegführung der Eliten nach Babylon und der Neuanfang des Volkes Israel.

Bild: Ökumene-Referent OKR Friedemann Oehme aus Dresden
OKR Friedemann Oehme

Zephanja habe das Gericht angekündigt, aber auch jenseits des Bedrohlichen einen Hoffnungsschimmer gegeben. Es seien Worte mit der angekündigten Rettung, die die Hörer aus der Angst rissen, die zur Hoffnung, ja zur Freude anstecken würden, so der sächsische Ökumenebeauftragte. „Wie leben wir als Christen, wie leben wir als Kirche in unseren Ländern, in unseren jeweiligen Kontexten? Wer sind wir selbst in dieser Zeit?“, fragte er und erwähnte die internationale Partnerschaftstagung in Meißen vor vier Wochen.

Er erzählte von Berichten der Minderheitenkirchen in Russland, Frankreich und von der Situation im Osten Deutschlands sowie von einer ganz anderen Situation in wachsenden Gemeinden Tansanias. Auch dem Rest, den Übriggebliebenen gelte die Verheißung und der Auftrag die gute Nachricht weiterzutragen, weiterzusagen, allen Völkern. So werde es angesichts der Geflüchteten Menschen „schneller ganz konkret als uns auf den ersten Blick lieb ist“, sagte Oehme.

Bild: Chor Haevenly Voices aus Berlin-Stahnsdorf
Chor Haevenly Voices aus Berlin-Stahnsdorf

Er berichtete von ermutigenden Erfahrungen und Erfolgen als Christen auf Fremde zuzugehen. „Auch wenn wir mit Menschen anderer Religionen zu tun haben, reden wir von unserem Glauben.“ In anderen Kontexten plädierte er dafür, die eigene Identität nicht zu leugnen, sondern „mit unserem Salz nicht sparen. Und manchmal wird unser Salz auch gebraucht, um Eis aufzutauen… Es greift an gegen die Vereisung, gegen die Kälte der Herzen“, sagte er zum Ende der Bibelarbeit. Musikalisch wurde die Bibelarbeit vom Chor Haevenly Voices unter der Leitung von Holger Pätzeldt aus Berlin-Stahnsdorf begleitet.

In einem Gebäude auf dem Budapester Universitätsgelände schräg gegenüber des Vorplatzes der Dornhalle fanden in den Vorlesungsräumen bereits zahlreiche Veranstaltungen statt, so auch an diesem Tag und Vormittag. Mit Annemarie Müller und Elisabeth Naendorf organisierten zwei Vertreter des Ökumenischen Informationszentrums Dresden ein Forum zum internationalen „Christlichen Sozialengagement als Salz der Erde“.

Bild: Gespräch über christliches Sozialengagement
Christliches Sozialengagement als Salz der Erde

Es wurden Erfahrungen aus Ungarn, Rumänien und Serbien ausgetauscht. Die ungarische Vertreterin war selbst mal Geflüchtete in Österreich und sie sah, dass praktische Flüchtlingshilfe geleistet werden müsse. Salz zu sein bedeute, zu helfen, aber aus einer persönlichen Beziehung heraus, sagte sie. In Rumänien habe sich der ursprüngliche Ansatz aus dem ökumenischen Dialog zum Aufbau einer sozialen Infrastruktur gewandelt, so der rumänische Chefkoordinator, über den ein Netzwerk mit 2.500 Projekten der Familienarbeit, der Gewaltprävention und der Flüchtlingsarbeit begleitet und gefördert wurden. Eine serbische Superintendentin der Methodistischen Kirche erläuterte die konkrete Hilfe für Suchtabhängige in der Nähe ihrer Gemeinde in Novi Sad über ökumenische Kontakte.
Für alle Engagierten stünde der Mensch im Mittelpunkt und die Initiativen gingen häufig aus den protestantischen Kirchen hervor, die Anerkennung fanden. Allerdings sei die unmittelbare politische Einflussnahme beschränkt, da die Kontinuität und die Verlässlichkeit fehlen.
Die Kirchenleitungen seien hier nicht unmittelbar initiativ, so dass die Befürchtung ausgesprochen wurde, dass die Kirchen langsamer seien als die wachsenden Bedürfnisse.

Bild: Dr. Martin Luther und Dr. Karlstadt im Disput
Martin Luther und sein Weggefährte Karlstad'

Eine andere Veranstaltung als Gemeinschaftsprojekt ging auf Spurensuche nach den reformatorischen Anfängen in den einzelnen Ländern. Seitens der Böhmischen Brüder in Tschechien wurde Jan Hus in dessen zeitlichen Kontext gestellt. Mit Hus kam die erste fundamentale Kritik an der Kirche auf, die nicht zur Selbstreflexion fähig gewesen sei. Zum ersten Mal sei Systemkritik geübt worden und die Hoffnung fokussierte auf die weltlichen Herrscher.

Die Vorstellung der beiden deutschen Reformatoren Martin Luther und dessen Freund Andreas Rudolf Bodenstein, genannt Karlstadt, griff das Reformationsthema im Rückblick so auf, dass sich heutige Bezüge zum religiösen Schwärmertum aufzwängten. So kritisierte Luther in acht Predigten Karstadt wegen dessen Bilderstürmerei in der Idealvorstellung von der „Kirche zum Tempel der Wahrheit“.

Johannes a Lasco (r.)
Johannes a Lasco (r.)

Luther dagegen sah die darstellende Kunst als pädagogisches Mittel an, die Bibel zu erklären.
Für Polen wurde Johannes a Lasco vorgestellt, der erst im westlichen Europa an unterschiedlichen Orten wirkte und auch ein Treffen mit Erasmus von Rotterdam hatte. Er kam mit verschiedenen protestantischen Strömungen in Verbindung, die in ihm den Wunsch wachsen ließ, mit den reformatorischen Lehren das Polen zurückzukehren. Das versuchte er trotz ausbleibender Unterstützung des neuen Königs Zygmunt II. 1555 und wirkte aber erfolgreich in Polen. Er schloss die dortigen Protestanten zusammen und die Gemeinden wuchsen.

Bild: Elisabeth Kallas als Anna Vasa

Es waren aber nicht nur Männer, die die Reformation vorantrieben. Für die polnische Kultur des Luthertums ragt die Person der Prinzessin Anna Vasa aus Schweden hervor, die durch ihren breiten Wirkungskreis in der Zeit der Gegenreformation und der späteren Konfessionalisierung in Polen zur bedeutendsten Förderin des lutherischen Glaubens und der Wissenschaften wurde. Sie wirkte in Thorn und ließ Schulen und Kirchen bauen. Nach einer deutschen Einführung rezitierte bühnenreif die Elisabeth Kallas Worte aus dem Leben der Reformatorin in Polnisch.

Die Dramatik setzte sich fort, als österreichische Jugendliche mit ihrer Pfarrerin in Spielszenen das historische Gosautal am Dachstein nach der Gegenreformation vorstellten. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts trat die Glaubensheldin Brigitte Wallner hervor, die Bibeln und Glaubensschriften aus Deutschland schmuggelte und mehrfach bestraft wurde. Heimliche Bibellese in den Häusern wurde von der Spielgruppe dargestellt und schließlich siegte die Glaubensfestigkeit der Talbewohner, als das Toleranzedikt des Kaisers die private Konfessionsausübung erlaubte.

Bild: Die jungen österreichischen Spieler auf der Bühne

Nach der Mittagspause, in der mehr Teilnehmende verköstigt werden mussten, wurden die Programmpunkte facettenreicher.
In der Dornhalle gab es einen Themenschwerpunkt Migration mit einem Podiumsgespräch u.a. Pfarrer Dr. Martin Junge, Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes über Flüchtlinge aus dem Blickwinkel von Kirchenleitern und Experten der europäischen Kirchen.

Bild: Podien zu gesellschaftspolitischen Fragen

Dem schloss sich ein Dialogvortrag zu Reformation und die Zukunft der Kirche in Mittelosteuropa mit Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, EKD-Ratsvorsitzender und dem Minister für Humane Ressourcen Zoltán Balog an.

Viele Teilnehmer zog es auch zur Kostprobe von den schönsten Tänzen des Karpatenbogens mit dem János-Bihari-Tanzensemble unter Begleitung von Zoltán Samu und seinem Orchester.
Von diesem kulturellen Beitrag ging es vom Tanz in einem anderen Saal über zum Laufen im Sinne „Spiritueller Wege“.

Neben den verschiedenen Veranstaltungen im Bereich der Räume in der Dornhalle, im Jugendzelt und den Räumen der Universität, war durchgehend der Gebäudekomplex des nahen des Ökumenischen Rates der Kirchen in Ungarn (MEÖT) Anlaufpunkt für unterschiedliche Formate.

Bild: Blick in die Dornhalle mit großem Orchester und großem Chor

So gab es hier games als lustiges Teambuilding in der MEÖT Kapelle, im Diakonischen Zelt auf dem Gelände stellte sich die Diakonie vor, bevor es in der Kapelle mit einer slowakischen Jugendband weiterging. Ihre Spezialität sind Gospel-Musik, aber auch Rock.

Auch an diesem Abend bestimmte die Musik das Programmgeschehen. Eingefasst in die unterschiedlichen Formate war der Hauptgottesdienst in der Dornhalle, zu dem alle Teilnehmenden eingeladen wurden. Das musikalische Vorprogramm des Gottesdienstes wurde um 19:00 Uhr ausgestaltet vom beeindruckenden Gesamtchor der internationalen Chöre mit der Leitung des Chores ‚Luterania‘ sowie Solisten unter dem Dirigenten Dr. Salamon Kamp.
Dem Gottesdienst und der Gala schloss sich das Kerzenschwimmen am nahen Kopaszi-Damm an, bevor um 21:30 Uhr abendliche Konzerte folgten.

Bild: Blick auf das Orchester und die Gottesdienste davor

In der Dornhalle setzte das Programm das Bohém Ragtime Jazz Band-Konzert fort, während in den Randbereichen der Halle ungarischer Volkstanz für Stimmung sorgte und im Jugendzelt mit dem ‚PaperClip-Konzert‘ Popmusik aus dem Erzgebirge zur Donau gelangte. Als Christen will die Jugendband ermutigen und die Hoffnung weitergeben, dass jeder Mensch wertvoll und von Gott geliebt ist.

Sonntag – Gottesdienst auf dem Weg nach Hause und Reisesegen

Bild: Landesbischof Dr. Carsten Rentzing und Bischof Dr. Tamás Fabiny übersetzte
Dr. Carsten Rentzing - Bischof Dr. Tamás Fabiny (r.) übersetzte

Zwölf Kirchen der Stadt luden am Sonntagvormittag zu Aussendegottesdiensten ein, die in unterschiedlichen Sprachen die Teilnehmenden der Christlichen Begegnungstage 2016 in Budapest in den Alltag ihrer Länder und Regionen verabschiedeten. „In diesen Tagen wurde für jeden einzelnen Teilnehmer deutlich, dass uns der christliche Glaube in eine Gemeinschaft ruft, die an Landes- und Sprachgrenzen nicht Halt macht“, sagte Landesbischof Dr. Carsten Rentzing (Sachsen) in seiner Predigt in der lutherischen Burggemeinde (Táncsics Mihály u. 28).

Kulturelle Unterschiede verlören ihren trennenden Charakter, wenn sie umwoben würden vom gemeinsamen Bekenntnis zum Heiland und Erlöser. Dies sei als gelebte Praxis des Glaubens in den letzten Tagen erlebbar gewesen. Im Gegensatz dazu würden Spaltungen in den Gesellschaften und in Europa zunehmen. Entgegengesetzte Interessen ließen Unfrieden aufkommen, trotz einer über 70-jährigen Friedensepoche. „Eigentlich sollte uns alle dies beunruhigen“, sagte. Dr. Rentzing. Umso mehr müsse die integrative Kraft des Glaubens hörbar und sichtbar gemacht werden.

Bild: Vorbereitung auf das Abendmahl mit Pfarrer Imre Bence, Landesbischof Dr. Rentzing und Bischof Dr. Fabiny
Vorbereitung auf das Abendmahl

Den Christen sei es kein Geheimnis, dass den Fremdlingen in der Überlieferung der Heiligen Schrift ein besonderes Augenmerk zukomme. Das Volk Israel werde immer wieder aus eigener Erfahrung ermahnt, den Fremdling nicht zu unterdrücken.
„Als Kirche Jesu Christi können wir deshalb gar nicht anders als allen Hilfsbedürftigen und Fremden mit dem Geist der Barmherzigkeit zu begegnen“, ermahnte der Landesbischof. Es sei ihnen ein Angebot im Glauben an Jesus Christus in der Gemeinschaft heimisch zu werden und Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen zu sein.

Nach diesen Gottesdiensten in der Donaustadt gilt allen Organisatoren und ehrenamtlich Mitwirkenden der Dank für die Einladung und für das Angebot des vielseitigen Programms, das erneut Vertreter so vieler Länder und Sprachen in eine Gemeinschaft bringen konnten.
Eine Einladung für das nächste mittel- und osteuropäische Treffen erfolgte während der Begegnungstage durch die Evangelische Kirche A.B. in Österreich, die 2020 in Graz stattfinden sollen.(10.7.2016)

 

Bild: Abend der Begegnung am Lutherbier-Stand
Abend der Begegnung vor der Halle beim Luther-Bier-Stand in warmer Atmosphäre

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