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Aktuelles

Kirchen zum Tag der Deutschen Einheit in Dresden

Ministerpräsident Tillich würdigte mit seinem Besuch das »Zelt der Religionen«

Bild: Am Stand zum Reformationsjubiläum. Verweis auf Europäischen Stationenweg

Das Bürgerfest zum ‚Tag der Deutschen Einheit‘ in Dresden wurde am frühen Nachmittag des 1. Oktober vom Sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich und von Oberbürgermeister Dirk Hilbert auf der Bühne in der Prager Straße eröffnet. Sachsen präsentiert sich im 26. Jahr nach der Wiedervereinigung als Gastgeberland und Dresden als zentraler Festtagsort für den Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober unter dem Motto „miteinander/zueinander/füreinander – BRÜCKEN BAUEN“.

Bild: Blick auf die Kreuzkirche mit den Flags Landeskirche und Reformationsjubiläum

In dieser Zeit sind die Kirchen nicht nur durch ihre Kirchgebäude im Zentrum der Stadt präsent, sondern stellen sich im Bereich »Das Gastgeberland Sachsen - "Geschichte und Gegenwart"« neben der Kreuzkirche vor. Schräg gegenüber der Kirche lädt ein Stand der Landeskirche gemeinsam mit dem Reformationsjubiläum 2017 e.V. und dem Deutschen Evangelischen Kirchentag (DEKT) Berlin 2017 ein.

In diesen Tagen sind Christen in Sachsen an einem Stand im benachbarten »Zelt der Religionen« durch Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK Sachsen) vertreten. Unter dem Motto „Verschieden glauben — Gemeinsam leben“ kann beim Bürgerfest unter dem gemeinsamen Zeltdach die religiöse Vielfalt Sachsens erlebt werden. Vertreter der Religionen, darunter Bahá'í, Buddhisten, Christen, Juden, Muslime und Sikhs, wollen mit Besuchern über ihren Glauben ins Gespräch kommen.

Bild: Innenminister Markus Ulbig am Stand der ACK
Innenminister Ulbig (h.r.) mit dem gemeinsamen Wort

Die Religionsgemeinschaften zeigen damit, dass trotz unterschiedlicher Bekenntnisse und Glaubensauffassungen ein friedliches Miteinander möglich ist und bereits an vielen Stellen praktiziert wird. So war nach dem Sonntagsgottesdienst, 2. Oktober, in der Dresdner Kreuzkirche, der als  Sakramentsgottesdienst zum Erntedankfest unter musikalischer Begleitung des MDR-Kinderchores gefeiert wurde, ein gemeinsames Wort der Religionen unterzeichnet worden. Zuvor schaute der Sächsische Staatsminister des Innern, Markus Ulbig, die unterschiedlich ausgestalteten Stände an und sprach mit Vertretern der Religionsgemeinschaften.

Das »Dresdner Wort der Religionen« wurde am Sonntag um 13:00 Uhr auf der Bühne von 18 Vertretern der sechs in Sachsen beheimateten Religionen offiziell verlesen und unterzeichnet. Die sächsischen Bischöfe Dr. Carsten Rentzing, Ev.-Landeskirche Sachsens, und Heinrich Timmerevers, Bistum Dresden-Meißen, unterzeichneten den Text bereits im Vorfeld. Der Text kann im Zelt sowie im Internet von Bürgerinnen und Bürgern unterzeichnet werden.

Bild: Tanzgruppe des Buddhistischen Kulturzentrums Dresden

Eine Internetseite www.dresdner-wort.de/ ist seit der Unterzeichnung dazu freigeschaltet und das Wort kann ebenso als Faltblatt mitgenommen und verteilt werden. Zur Einstimmung führte die junge vietnamesische Volkstanzgruppe des Buddhistischen Kulturzentrums in Dresden einen Tanz auf, bevor jeweils drei Vertreter der Religionen einen Satz aus dem Dresdner Wort verlasen und ihre Unterschrift auf ein RollUp schrieben, das auf der anderen Seite stand.

Bild: Superintendent Christian Behr unterzeichnet das gemeinsames Wort
Superintendent Behr, Dresden Mitte, unterschreibt

Nach der Unterzeichnung trug ein junger vietnamesischer Sänger eigene Lieder mit der Gitarre vor.

Das RollUp wurde im Zelt der Religionen aufgestellt und eine Unterschriftenliste ausgelegt, die sich schnell durch zahlreiche Besucher füllte. Die einzelnen Stände waren ebenfalls gut besucht und man kam ins Gespräch. Der muslimische Stand informierte über den Islam und über Integrationsbemühungen der Gemeinden für Migranten. Vor dem Stand wurden irakische und syrische Datteln gereicht. Die Sikhs sorgten für das leibliche Wohl mit panierten Gemüsestückchen und Saucen sowie mit Tee. Der Stand der jüdischen Gemeinde war ebenfalls gut nachgefragt und trotz des für die Juden wichtigen Neujahrsfestes, das die Gemeinde derzeit feiert, nahmen sich deren Vertreter Zeit für Gespräche im Zelt.

Bild: Ministerpräsident am Stand der Muslime
Ministerpräsident Tillich im Gespräch mit Muslimen

Am Nachmittag besuchte auch Ministerpräsident Stanislaw Tillich die Stände an der Kreuzkirche und ließ sich im Zelt der Religionen viel Zeit für das Gespräch mit den Religionsvertretern. Alle waren sichtlich stolz, dass sie der Ministerpräsident besuchte. Begleitet wurde er im Zelt durch den Präsidenten des Landeskirchenamtes, Dr. Johannes Kimme. Immerhin war die Leiterin der Stabsstelle für Kommunikation und Koordination im Landeskirchenamt, Kirchenrätin Tabea Köbsch, maßgeblich in die Organisation des gemeinsamen Zeltes einbezogen gewesen sowie an der Koordinierung und Absprache des gemeinsamen Wortes der Religionen.

An der Fassade der Frauenkirche Dresden ruft derzeit ein Banner auf Deutsch und Englisch zu einem segensreichen Umgang miteinander auf. Es soll ermutigen, bestärken und Orientierung geben.

Bild: Frauen der Sikhs an ihrem Stand

Der Text »Du sollst ein Segen sein« ist ein Auszug aus dem Alten Testament und steht im 1. Buch Mose. „Es ist eine ebenso zeitlose wie aktuelle Botschaft, gerade in unserer von Brüchen, Konflikten und Migrationsbewegungen geprägten Zeit“, betont Frauenkirchenpfarrer Sebastian Feydt, der auch im Sonntagsgottesdienst predigte.

Bild: Blick auf die Frauenkirche am Sonntagmorgen

In dem Gottesdienst brachten Solisten, der Kammerchor der Frauenkirche und das ensemble frauenkirche Auszüge aus Joseph Haydns Theresienmesse (Hob: XXII:12) zu Gehör.

Die Frauenkirche war gerade in diesen Tagen von vielen zusätzlichen Gästen der Festtage für eine Besichtigung aufgesucht worden, was die Organisation der Führungen zwischen den Proben und Aufführungen der Konzerte (Frauenkirchen-Bachtage) und des Ökumenischen Gottesdienstes am Montag, 3. Oktober, mit den Vorbereitungen als ZDF-Fernsehgottesdienstes nicht ganz einfach machte. Schließlich fanden die Besucher den Weg in die Kirche, die in Konsequenz hinsichtlich ihrer Zerstörung und des Wiederaufbaus als internationales Symbol des Friedens und der Verständigung steht.(2:Oktober 2016)

Bild: Blick zur Bühne mit den Unterzeichnern

Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2016 in Dresden

Bild: Bischöfe, Metropolit und Frauenkirchenpfarrer Sebastian Feydt (Foto: Steffen Giersch)

Der Ökumenische Gottesdienst anlässlich des Tages der Deutschen Einheit wurde am 3. Oktober in der Dresdner Frauenkirche unter dem Motto „Wer aufbricht kann hoffen“ gefeiert. In ihm wirkten neben den beiden sächsischen Bischöfen Dr. Carsten Rentzing, Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens, und Bischof Heinrich Timmerevers, Bistum Dresden-Meißen, auch der Metropolit Augoustinos von Deutschland und Exarch von Zentraleuropa Griechisch-Orthodoxe Kirche mit.

Der Gottesdienst war live im Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) und als Bildschirm-Übertragung auf dem Dresdner Theaterplatz zu sehen. Unter musikalischer Leitung von Frauenkirchenkantor Matthias Grünert erklangen mit dem Kammerchor der Frauenkirche, dem ensemble frauenkirche und Solisten Auszüge aus Joseph Haydns Theresienmesse (Hob: XXII:12). An der Kern-Orgel (2005) spielt Frauenkirchenorganist Samuel Kummer.

Bild: Landesbischof Dr. Carsten Rentzing predigt in der Frauenkirche (Foto: Steffen Giersch)
Landesbischof Dr. Carsten Rentzing

Bischof Heinrich Timmerevers hob in seinem Wort die geschenkte Freiheit und die Veränderungen der letzten 30 Jahre hervor, von den Trümmern der Frauenkirche bis hin zum Wiederaufbau; von der friedlichen Revolution bis zu Zeiten, wenn Menschen aus anderen Ländern hier Schutz suchten. Nächstenliebe von Mensch zu Mensch ist von entscheidender Bedeutung. Die Welt solle dadurch barmherziger werden. Mit dem Zeichen des Kreuzes würde ein Zeichen für eine menschenfreundlichere Welt ausgehen.

Landeschof Dr. Carsten Rentzing sprach in seiner Festtagspredigt die unruhigen Zeiten an, die derzeit „nach uns, privat und gesellschaftlich“ greifen würden. Unruhe könne wie in der friedliche Revolution „produktiv“ sein, doch heute drohten Zerwürfnisse der Gesellschaft in Unfrieden zu münden, sogar die Gefahr, den ganzen Kontinent zu spalten. „Die Länder Europas streiten sich. Flüchtlinge irren umher. Terroristen säen mit ihren Morden Angst und Misstrauen. Hass erfüllt die sozialen Netzwerke“, sagte er.

Angesichts der Weltkriege sei der Friede keine Selbstverständlichkeit. Das Nagelkreuz der zerstörten Kathedrale von Coventry mahne in dortiger Kirche daran, dies niemals zu vergessen.  Friede bedeute mehr als Krieg, denn es umfasse auch Gerechtigkeit und Freiheit. Nach solchem Frieden sollen wir mit Eifer streben, so sage es die Bibel. Es sei gut für ein Volk an dessen Nationalfeiertag das Wort zu hören, gerade vor dem Geist des Unfriedens, so Dr. Rentzing.

Bild: Blick zur Gottesdienstgemeinde in der Frauenkirche (Foto: Steffen Giersch)

Christinnen und Christen sollten erfüllt sein vom Geist der Barmherzigkeit, der durch sie in unsere Welt einfließe. Er sagte: „Es ist diese Barmherzigkeit, die unser Land so lebenswert macht, dass es zum Hoffnungspunkt für viele in dieser Welt wird.“ Zwar könne dies zur menschlichen Überforderung führen, aber wir stünden in der Verantwortung vor Gott, die auch im Grundgesetz zu lesen sei. Landesbischof Dr. Rentzing ermutigte, zu Gott aufzuschauen. „Er lässt uns in unserem Eifer für den Frieden nicht allein“, machte der Landesbischof Mut.

Bild: Bild: Dresdner Kreuzchor bei der Live-Show "Deutschland feiert in Dresden“ mit Dirk Michaelis dessen Hit "Als ich fortging".(Film-Foto: Dresdner Kreuzchor)
Dresdner Kreuzchor bei der Live-Show

Den Gottesdienst begleiteten beim Betreten und beim Verlassen der Frauenkirche schrille Töne, die Landesbischof Dr. Carsten Rentzing nach den Veranstaltungen verurteilte: "Ich bin tief beschämt, wie die Gäste des Ökumenischen Gottesdienstes, zu dem wir heute Vormittag aus Anlass des Tages der Deutschen Einheit in die Frauenkirche eingeladen haben, vor und nach dem Gottesdienst von Demonstranten lautstark beleidigt und ausgepfiffen worden sind“, sagte Landesbischof Dr. Carsten Rentzing nach den Ereignissen an der Frauenkirche. Es sei absolut unwürdig, Menschen auf dem Weg zu einem Gottesdienst zu beleidigen und zu schmähen.

Dem Gottesdienst in der Frauenkirche schloss sich mittags für die Staats- und Ehrengäste des Tages der Festakt in der Semperoper statt. Hier beteiligte sich der Dresdner Kreuzchor am musikalischen Rahmen, nachdem der Chor bereits am Samstagabend an der Live-Show "Deutschland feiert in Dresden" auf dem Theaterplatz mitwirkte.

Bild: Blick in die Semperoper beim Festakt (©Sächsische Staatskanzlei, Foto: Matthias Rietschel)
Blick in die Semperoper während des Staatsaktes

Der Dresdner Kreuzchor trat damit bei den zentralen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit in Dresden gleich mehrfach in Aktion. Am Feiertag selbst musizierten die Kruzianer im offiziellen Festakt in der Semperoper gemeinsam mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden unter der Leitung von Christian Thielemann Auszüge aus Johann Sebastian Bachs "h-Moll-Messe" und die deutsche Nationalhymne.

Am Nachmittag lud die ‚AG 8. Oktober‘ um 17:00 Uhr zu einem Friedensgebet in die Kreuzkirche Dresden ein. Im Vordergrund standen der Dank für das Wunder der Freiheit und Einheit und zugleich die Bitte um Gesundung und Heilung des Landes durch Besinnung, Verständigung und Versöhnung.

Pfarrer i.R.Christian Wolff, Leipzig
Pfarrer i.R. Christian Wolff, Leipzig

Es predigte Pfarrer i.R. Christian Wolff aus Leipzig. Die musikalische Gestaltung übernahmen das „Junge Ensemble“ unter Leitung von Olaf Katzer und Jochen Flade an der Orgel.

Es sei ein gutes Ergebnis, dass nach der politischen Wende die Kirchen saniert oder wieder aufgebaut wurden, sagte Pfarrer Wolff. Angesichts der Geschichte sei es wichtiger, dass die Synagogen in Dresden und Leipzig errichtet werden konnte, aber auch Gotteshäuser anderer Religionen. Religion gehöre in den öffentlichen Raum. Zerstörungen und Beschädigungen seien ein „Ausdruck der Verkommenheit der Gesellschaft“. Autokraten wollten mit der Zerstörung Friedensgebete verhindern.
Mit diesem Feiertag werde an die Grundlagen von Demokratie und Freiheit erinnert. Neben der Freude zu biblischen Zeiten mit der Tempelweihe unter König Salomo und die Freude über die friedliche Revolution in der Gegenwart, stellt sich jeweils schnell die Realität ein mit den Plagen des Alltags.

Bild: Junges Ensemble in der Kreuzkirche

Bild: Kerzen am Ende des Friedengebets

„Menschen tun sich schwer, mit beiden Seiten der Realität klar zu kommen“, sagte Wolff. Eine Alternative für die von der Entwicklung Abgehängten, die in der Gefahr der stummen Verbitterung zu verbleiben, sei Demut zu üben, das Gebet und die Suche nach Gott. Er erinnerte an die Ökumenische Versammlung Ende der 1980er Jahre, die auf den Schöpfer des Himmels und der Erden aufmerksam machte. Da bedeute in Konsequenz auch Demut gegenüber allen Gedemütigten und gegenüber anderen Religionen und Lebenseinstellungen. „Es geht nicht um das Deutschsein, sondern um das Christsein“, so Wolff. Er rief in seiner Predigt zur Umkehr auf, zum Gebet, um Akteur zu sein und nicht nur als Unbeteiligter. Denn „wir sollten Ungerechtigkeit nicht nur für uns anklagen, sondern Gerechtigkeit auch für andere einfordern.(3.10.2016)

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