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Reformationstag auf dem Meißner Schlossberg

Das Wesentliche im Leben ist ein Geschenk, es bedeutet aber nicht Untätigkeit

Bild: Blick in den Dom zur Gemeinde und Domkurrende

In seiner Predigt am Reformationstag, 31. Oktober, im Dom zu Meißen ging Landesbischof Dr. Carsten Rentzing auf den besonderen Tag und das Reformationsgedächtnis ein. Das „allein durch Glauben“ bringe zum Ausdruck, dass die „wesentlichen Dinge im Leben geschenkt sind“. Sie könne man sich nicht durch Fleiß und Erfolg erarbeiten oder erkaufen. Der Friede in der Welt müsse ausgehandelt und erarbeitet sein. Der innere Friede ist hingegen ein Geschenk, das als Gottes Gnade anzunehmen und zu bewahren ist,“ so Dr. Rentzing. In den derzeit spürbaren Auseinandersetzungen werde nach dem Grundsatz verfahren „ich mache mir die Welt, so wie sie mir gefällt“.

Bild: Landesbischof Dr. Carsten Rentzing predigt
Landesbischof Dr. Carsten Rentzing

Mit „Lautstärke und Penetranz“ wollten Menschen ihre Ideologie durchsetzen. Der Zweck heilige die Mittel. Das sei aber ein „Menschheitsirrtum“, woraus viel Unheil entstünde, mahnte der Landesbischof.

Auch wenn das Wesentliche im Leben ein Geschenk sei, bedeute dies nicht untätig zu sein. So seien in der Kirche viele Menschen beschäftigt und gingen ihrem „Handwerk“ nach, Gottes Botschaft zu verkündigen und Projekte voranzutreiben. Aber auch hier dürfe nicht vergessen werden, dass am Ende das Gottesgeschenk der Gnade über das Tun entscheide. Häufig werde die Glaubenslosigkeit in dieser Zeit beklagt und auf den Rückgang der Gemeindegliederzahlen geschaut. Trotz des Drucks müsse die eigentliche Aufgabe im Blick sein, „die Kanäle der Gnade Gottes in die Welt offen zu halten“, sagte er. „Allein aus Gnade“ - die Kirche sei heute nicht mehr für alles zuständig. Nicht mehr für die „politische Großwetterlage“ verantwortlich zu sein, entlaste auch. „Wir und die ganze Kirche sind Empfangende“, denn der Glaube sei kein Menschenwerk. In dieser Öffnung müsse wieder begonnen werden zu hoffen, damit Kirche ein Ort der Beständigkeit bleibe, so Dr. Rentzing. 

Bild: Domherren kommen vom Gottesdienst
Domherren treten aus dem Dom

Unmittelbar im Anschluss an den Festgottesdienst traf sich Dr. Rentzing vor dem Dom mit der historischen Gestalt der Katharina Waldklingerin, Witwe des ehemaligen Meißner Bürgermeisters zur Zeit der Reformation (verkörpert durch Walfriede Hartmann, Stadtführerin in Meißen). Beide verteilten an die Gottesdienstbesucher und Passanten Reformationsbrötchen und kamen kurz ins Gespräch. Für die Kinder gab es Lutherbonbons.

Die kleine feierliche Begegnung in historischer Kulisse zwischen Dom und  Dompropstei war als Übergang zur Fortsetzung des diesjährigen Herbstkapiteltages des Hochstifts Meißen gedacht. Das Hochstift Meißen ist mit seiner Gründung im Jahre 968 die älteste Institution in Sachsen. Es wurde nach Einführung der Reformation in Sachsen (1539) im Jahr 1581 evangelisch-lutherisch und ist heute ein Stift der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Aus Anlass des Reformationsgedenkens und des Herbstkapiteltages feierten die evangelischen Kirchgemeinden Meißens an diesem Tag im Dom gemeinsam Gottesdienst.

Bild: Verteilung der Brötchen

Die liturgische Leitung hatte Superintendent Andreas Beuchel, der zugleich Dompfarrer ist. Die musikalische Ausgestaltung übernahmen der Domchor Meißen, die Domkurrende und der Bläserkreis St. Afra / Dom mit Werken von Heinrich Schütz, Arvo Pärt und Randall Thompson unter der Leitung von Domkantor Jörg Bräunig.

Hintergrund zu Katharina Waldklingerin (1500 - 1564): Die damals jung verwitwete Tuchmachermeisterstochter Katharina heiratete den 34 Jahre älteren Zunftmeister und Bürgermeister Georg Waldklinger und sie nahm regen Anteil am reformatorischen Geschehen seit dem Wittenberger Thesenanschlag von 1517 und der Einführung der Reformation im Albertinischen Sachsen 1539. So erlebt sie Auseinandersetzung zwischen dem Meißner Bürgertum und den katholischen Domherren sowie den ersten lutherischen Superintendenten an der Meißner Stadt-Kirche Unser Lieben Frauen (Frauenkirche).

Bild: Griff ins Körbchen

Sie wusste in dieser Zeit vom religiösen Wankelmut des Kurfürst Moritz von Sachsen, der auf Wiederstand der protestantischen Bürgerschaft stieß.

In den Mauern des Augustinerchorherrenstiftes St. Afra wurde die Kurfürstliche Landesschule gegründet, von der die Reformierung des sächsischen Schulwesens ausging. Die Waldklingerin ist neben ihrem verstorbenen Gemahl als Witwe des damaligen Bürgermeisters auf einem Epitaph in der Meißner Frauenkirche zu erkennen.

Über das Leben und die spannende Zeit des Glaubensstreits, sozialer Unruhen, aber auch des Aufblühens der Geisteswissenschaften erzählt die Stadtführerin in Gestalt der Waldklingerin den vielen Gästen der Stadt. Seit zehn Jahren verkörpert Frau Hartmann die historische Frauengestalt.
 

Bild: Blick auf den Vorplatz

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