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Aktuelles

Versöhnungsgottesdienst im Meißner Dom

Reformationsgedenken mit Festakademie und Ökumenischem Gottesdienst

Bild: (l.) Landesbischof Dr. Carsten Rentzing und Bischof Heinrich Timmerevers

Zu einer Festakademie und einem Ökumenischen Gottesdienst aus Anlass des 500-jährigen Reformationsgedenkens hatten am Sonnabend, 25. März, die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens und das katholische Bistum Dresden-Meißen nach Meißen eingeladen. Für beide Kirchen ist die Domstadt nördlich von Dresden ein geschichtsträchtiger Ort, an dem 968 das alte Bistum gegründet wurde und kurz darauf der legendäre Bischof Benno (1066-1106) wirkte. Mit der Einführung der Reformation 1539 in Sachsen wurde der Dom evangelisch und als eine Hauptkirche der Lutheraner später eine der Predigtstätten der Landesbischöfe. Das Domkapitel ist die älteste Institution Sachsens.

Bild: Gespräch während der Festakademie
Prof. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkowitz; Landesbischof Dr. Rentzing und Bischof Timmerevers

Ebenfalls ein besonderer Ort in der Nähe des Dombergs ist neben der Evangelischen Akademie Meißen auf dem Gelände des ehemaligen Augustiner Klosters St. Afra das Landesgymnasium. Es geht auf die von Herzog Moritz 1543 gegründete Fürstenschule auf dem Klostergelände zurückgeht. In der Aula des heutigen sächsischen Landesgymnasiums St. Afra begann am Samstagnachmittag die Festakademie. Sie stand unter dem Titel „Zwischen Widerspruch und Wechselseitigkeit. Ökumenische Tiefensondierungen“. Es sprachen Prof. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkowitz (Erlangen), Prof. Dr. Harald Seubert (Basel) sowie Landesbischof Dr. Carsten Rentzing und Bischof Heinrich Timmerevers aus Dresden.

Initial und herausfordernde Voraussetzungen der Veranstaltung waren auf der einen Seite die anerkannten epochalen Merkmale der Reformation in der frühen Neuzeit mit dem entwickelten Individualismus, der Gedankenfreiheit, der historischen Prüfung der Glaubensquellen und der vertieften Innerlichkeit des Gottesbezuges.

Bild: Prof. Dr. Harald Seubert (Basel)
Prof. Dr. Harald Seubert (Basel)

Andererseits fanden im Bereich der "alten" Kirche große Reformen statt, so in den Bereichen der Philosophie, Theologie und Mystik, was zusammengefasst zu übergreifenden gedanklichen Innovationen in der Moderne führte. Von daher ist auch die Situation des Christentums in Deutschland zu verstehen, in ihrer konfessionellen Komplementarität und auch Polarität.

Im Rahmen der Festakademie sollte die Problematik und Fruchtbarkeit dieser Spannung durch die Freilegung eines "katholischen" und eines ""protestantischen" Denkstils aufgezeigt werden. So stellte Professorin Gerl-Falkowitz weniger das Trennende als unterschiedliche Denkstile vor. „Es gehört zur Gnade, dass sie unsere Mithilfe wünscht“, erläutert sie aus neuerer katholischer Sicht. Sie sei unerzwinglich, aber es bedarf auch der Vorbereitung des Menschen. Professor Seubert hob die Erkenntnis hervor, dass Deutschland das einzige Land oder Region in Europa sei, wo nicht nur eine Konfession bestimmend sei. Das führte zu einer gegenseitigen Befruchtung. Das protestantische Erbe trete in der deutschen Philosophie hervor. Die Verschiedenheit der Konfessionen sei wie eine „Symphonie unterschiedlicher Tonlagen“, die die Botschaft der Liebe Gottes in die Welt tragen solle.

Bild: Blick in die Aula des Landesgymnasiums zur Festakademie

Im Übergang zum Ökumenischen Abendgottesdienst wurde die Erinnerung wach, wie unter dem gemeinsamen Druck zu DDR-Zeiten die Kirchen zueinander fanden, was die Notwendigkeit auch nach Ende der Diktatur unter anderen gesellschaftspolitischen Voraussetzungen nicht minderte. Ausdruck war das  900. Jubiläum des Bischofs Benno 2006 mit einer gemeinsamen ökumenischen Andacht im Meißner Dom mit dem damaligen Bischof Joachim Reinelt (Bistum Dresden-Meißen) und Landesbischof Jochen Bohl.

Bild: Landesbischof Dr. Rentzing, Bischof Timmerevers und Superintendent Andreas Beuchel
(v.u.) Landesbischof Dr. Rentzing, Bischof Timmerevers und der Meißner Superintendent Andreas Beuchel

Der heutige Landesbischof Dr. Carsten Rentzing sagt: „Dass wir zum Reformationsgedächtnis gemeinsam einen Ökumenischen Gottesdienst feiern können, ist das große Geschenk dieses Jahres und zeigt, dass wir weiterhin in den ökumenischen Beziehungen fortgeschritten sind.“

Unter dem Thema „Gemeinsam Christus bezeugen“ stand der festliche ökumenische Gottesdienst im Dom zu Meißen. An der Feier wirkten neben Landesbischof Dr. Rentzing und Bischof Timmerevers, Superintendent Andreas Beuchel, der evangelisch-freikirchliche Pastor Christoph Döllefeld aus Aue, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Sachsen; der katholische Dekan von Meißen Ulrich Dombrowski; Bettina Westfeld, Vizepräsidentin der 27. Evangelisch-Lutherischen Landessynode Sachsens, mit. Auch das katholische Domkapitel St. Petri zu Dresden und das evangelisch-lutherische Domkapitel des Hochstiftes Meißen feierten den Gottesdienst mit.

Bild: Segen der Bschöfe
Segen der Bischöfe zur Gemeinde

Es predigte Bischof Timmerevers. Seit der Reformation war er der erste katholische Bischof, der von dieser Kanzel predigt. Aus dem Erleben der eigenen Kindheit an einer nahen „Konfessionsgrenze“ wisse er vom Trennenden in der Vergangenheit. Auf das Heute sagte er: „Wir schauen auf das, was uns gemeinsam ist“. So, wie der gemeinsame Blick auf das Gemälde „Maria bei der Verkündigung“ eines unbekannten Malers (um 1500) aus der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister der Staatlichen Kunstsammlungen.

Der 25. März, das Fest der Ankündigung des Herrn, ist in beiden Konfessionen nach wie vor eine sehr identische Gottesdienstordnung und eine hervorragende Grundlage, wesentliche Grundlagen des gemeinsamen Glaubens an Jesus Christus zu feiern und zu bezeugen. Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst von den Dresdner Kapellknaben unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Matthias Liebig sowie von Domorganist Jörg Bräunig an der Orgel. Aus Anlass des Hochfests wurde u.a. das alte Adventslied „Es kommt ein Schiff geladen“ von Gemeinde und Knabenchor gesungen.
Dieser Versöhnungsgottesdienst in Meißen griff das Anliegen des zentralen ökumenischen Buß- und Versöhnungsgottesdienst am 11. März 2017 in der Hildesheimer Michaeliskirche auf, zu dem der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland und die Deutsche Bischofskonferenz einlud.(25.3.2017)

Bild: Einzug in den Dom zu Beginn des Gottesdienstes

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