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Aktuelles

Sächsische Initiativen unterm HIMMELSZELT in Wittenberg

Der Prozess „Frauen in Bewegung“ als Beitrag zum 500. Reformationsjubiläum

Bild: Erste Morgenandacht am 12. Juni in Verantwortung der Landeskirche (Foto: Michael Seimer)
Andacht im Himmelszelt zu Beginn der Präsentation und der Lesungen des Frauennetzwerkes am 12. Juni

Auf der Weltausstellung Reformation in Wittenberg eröffnet am 12. Juni 2017 ein internationales Team des Frauennetzwerks des Lutherischen Weltbundes (LWB) „Women in Church and Society“ (WICAS) das dreiwöchige Engagement der sächsischen Landeskirche unterm HIMMELSZELT im Luthergarten. Die Besucher erwartet zu Beginn ein umfangreiches dreitägiges Programm mit Theateraufführung, Vorträgen, Musik, Lesungen und Workshops.

Bild: (l.) Elaine-Neuenfels, Collen-Cunningham, Carola-Ritter, Kathrin-Wallrabe (Foto: WICAS)
(l.) Elaine Neuenfels, Collen Cunningham, Carola Ritter, Kathrin Wallrabe in Namibia

»Wir sind frei in allen Dingen« – so fühlten sich Frauen schon vor 500 Jahren angesprochen festgefügte Dinge infrage zu stellen. Ausgehend von reformatorisch wirksamen Frauen in der Geschichte führt der Blick zur Geschlechterdebatte. Dabei müssen gesellschaftliche Bedingungen für eine gerechte Gemeinschaft thematisiert werden. Reformation wird als weiterführender Prozess gewürdigt, der Menschen zur persönlichen Verantwortung herausfordert – durch »selber lesen, selber denken, selber handeln«.

„Diskutieren Sie mit uns Ihre Visionen und Vorstellungen von Kirche und Gesellschaft. Lassen Sie sich auf neue Perspektiven ein. Sie erleben ein internationales Team und gewinnen Einblicke in die Arbeit des Frauennetzwerkes des Lutherischen Weltbundes“, wirbt Kathrin Wallrabe, Regionalverantwortliche für WICAS in der Landeskirche, für den Besuch im HIMMELSZELT.

„Frauen in Bewegung“ über Wittenberg – Windhuk – Wittenberg

Bild: Botschaft der Frauen in der Vollversammlung in Windhuk (Foto: WICAS)
Botschaft der Frauen auf der LWB-Vollversammlung in Windhuk

Der Prozess „Frauen in Bewegung“ als Beitrag zum 500. Reformationsjubiläum startete vor zwei Jahren im Rahmen einer internationalen Arbeitsgruppe des Lutherischen Weltbundes in Wittenberg. Die Theologinnen und Kirchenleiterinnen aus den sieben LWB-Regionen waren zur damaligen Tagung in der Lutherstadt angetreten, um sich auf die 12. Vollversammlung des LWB in Windhuk (Namibia) im Mai 2017 vorzubereiten. Es ging darum einen grundlegenden Beitrag von Frauen zum lutherischen Zeugnis in Kirche und Gesellschaft zu artikulieren.

In Folge wurden vier Aktionsräume definiert: Frauen in Leitungs- und Entscheidungsfunktionen; Frauen treiben Theologie; Dokumentation der Geschichte(n) von Frauen, ihren Erfahrungen und ihrem Beitrag zur immerwährenden Reformation der Kirche sowie Überlegungen, wie das „Grundsatzpapier: Gendergerechtigkeit im LWB“ dazu beitragen kann, Kirchen in ihrer jeweiligen Realität und ihrem jeweiligen Kontext zu bevollmächtigen. Mit den Ergebnissen fuhren die Frauen aus den jeweiligen Regionen zur Vollversammlung nach Windhuk.

Bild: Cover der sächsischen Publikation 50 Jahre Frauenordination
Die Publikation "50 Jahre Frauenordination in Sachsen" und der Film "Das Hirtenamt in Frauenhand" wird auch in Wittenberg gezeigt

In Windhoek fanden Vorversammlungen der Jugend und der Frauen statt, die Botschaften für die Vollversammlung vorbereiteten. Darin wurden konkrete Arbeitsfelder für die Lutherische Gemeinschaft benannt: So die gezielten Initiativen der Kirchen, um eine vollumfängliche Leitungsverantwortung von Frauen zu ermöglichen und einer Alibipolitik entgegenzuwirken. Schon bei der theologischen Ausbildung und Arbeit sei es nötig, die Genderperspektive zu berücksichtigen. Eine Kirche, die von der Frauenordination Abstand genommen hat, wird gebeten, einen Prozess und einen Zeitplan zur Überprüfung dieser Entscheidung zu entwickeln. Gewalt gegen Frauen, auch im kirchlichen Kontext, wurde mit dem Hinweis  benannt , dass kirchenleitende Gremien dies nicht mehr länger tabuisieren, sondern sich aktiv gegen Gewalt, auch sexualisierte Gewalt, einsetzen sollten.

In der Vollversammlung wurden wesentliche Teile dieser Botschaft aufgegriffen und in der gemeinsamen Abschlusserklärung von den 309 Delegierten verabschiedet. Viele der konkreten Aufgaben wurden vom Frauennetzwerk WICAS Westeuropa im Rahmen der Reformationsdekade bearbeitet. Die Ergebnisse dieser Arbeit flossen in Windhoek ein und sollen jetzt auch bei der Weltausstellung Reformation in Wittenberg sichtbar gemacht werden. Dazu gehört die Frauengeschichte von der Reformation bis heute, die Auseinandersetzungen um Rollenbilder und Ausblicke auf die Gestaltung von Kirche und Gesellschaft als zukünftige Aufgabe.

Aktuelle Bilder aus dem HIMMELSZELT in den ersten drei Tagen

Das Team im Zelt am 2. Tag  -  Dr. Kerstin Schimmel liest  -  Dr. Simona Schellenberger

Von den Frauen der Reformation bis zu Frauen auf dem Sächsischen Lutherweg

Bild: Ein Bildmotiv aus dem Buch Frauen auf dem Lutherweg
Die Postkartenmotive stammen aus dem Buch Frauen am Lutherweg

Das Programm im HIMMELSZELT umfasst interaktive Aktionen. Am ersten Tag, 12. Juni, wird im Rahmen einer Kunstaktion, gestaltet von der Künstlerin Ju Sobing, eine szenische Lesung aus dem 176-seitigen Buch „Wir sind frei in allen Dingen  - Frauen am Lutherweg“ stattfinden. Fünf Autorinnen führen auf „weibliche Spuren“ am Lutherweg. Nonnen, Fürstinnen, Pfarrfrauen, die Kratzperin und die Teucherin aus Zwickau, ebenso wie Sophia von Taubenheim, die einem Hexenprozess zum Opfer fiel, sowie vielen andere werden vorgestellt. Umrahmt werden die Lesungen von Cembalomusik. Sechs witzig gestaltete Postkarten, mit ungewöhnlichen Fotos vom Lutherweg, konfrontieren die Besucher mit Fragestellungen. Am Abend vertieft ein Fachvortrag von Dr. Cornelia Schlarb das Wissen über Frauen der Reformation.

„Ist das gerecht?“ ist die Fragestellung am Dienstag. Diskutiert wird über Geschlechterrollen  in Familie, Beruf, Kirche und Gesellschaft. Hella Mahler stellt das Grundsatzpapier „Gendergerechtigkeit im LWB“ vor und gemeinsam mit Kathrin Wallrabe wird über die gerechte Verteilung von Ressourcen in Kirche und Gesellschaft mittels konkreter Beispiele diskutiert.

Bild: Plakat zum Theaterstück "Septem Mulieres – Eine Zeitreise"
"Septem Mulieres – Eine Zeitreise"

Her-story als Ergänzung von His-story stellt die Geschichte von Frauen weltweit in den Fokus des dritten Tages. Der Film „Das Hirtenamt in Frauenamt“ wird, wie zuvor in Windhuk, auch in Wittenberg zu sehen sein, ergänzt von dem Blick auf die Frauenordination weltweit, einem Projekt des Theologinnenkonvents in der BRD e.V..

Ein Frauenmahl mit drei Impulsen: „Frauen, Macht und Sprache“ von Karin Peschau (Italien); „Internationaler Masterstudiengang Intercultural Theology“ von Dr. Cornelia Schlab (Göttingen) und „Frauen.Macht.Reformation“ mit Hella Mahler (Hannover) runden das Programm am Nachmittag ab. Die Dokumentation der Sächsischen Frauenmahle ist kostenlos erhältlich, ebenso wie das Buch: „Wir sind frei in allen Dingen – Frauen am Lutherweg“.

Am Abend des 14. Juni wird „Septem Mulieres – Eine Zeitreise“ als Theateraufführung mit fesselnden Collagen zu erleben sein, in der sich sieben starke historische Frauen an entscheidende Episoden ihres jeweiligen interessanten Lebens erinnern.

Bild: Eine Besuchergruppe aus Südafrika macht sich im Himmelszelt breit (Foto: K. Wallrabe)
Eine Besuchergruppe aus Südafrika geriet im Himmelszelt in Bewegung

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