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5. Zentraler sächsischer Pfarrertag in Leipzig

Bild: Superintendent Martin Henker begrüßt die Pfarrerinnen und Pfarrer (Foto: evlks, OK)

Ein Abendmahlsgottesdienst in der Leipziger Thomaskirche beschloss am Donnerstagnachmittag den 5. Zentralen Pfarrertag. Mit Begrüßungen begann der Tag in der Nikolaikirche, wo auch der Sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich ein Grußwort an die rund 700 Pfarrerinnen und Pfarrer richtete. Die anschließenden Vorträge thematisierten „Das politische Mandat der Kirche“. In der Mittagszeit gab es Gelegenheit zu gemeinsamen Gesprächen.

Bild: Geistliches Wort von OLKR Dietrich Bauer (Foto: evlks, OK)
Oberlandeskirchenrat Dietrich Bauer

Um 10:00 Uhr begann der Tag in der Nikolaikirche mit der Begrüßung von Superintendent Martin Henker (Leipzig) und einem geistlichen Wort von Oberlandeskirchenrat Dietrich Bauer (Dresden), der Bezug nahm auf den heutigen Herrnhuter Losungstext. Danach sprach Ministerpräsident Stanislaw Tillich in seinem Grußwort zum Thema „Das Politische Mandat der Kirche - wie politisch soll, darf und kann Kirche heute (noch) sein?“.

Der Ministerpräsident machte in seinen Ausführungen deutlich, dass im juristischen Sinn die Kirche kein politisches Mandat habe, da sie keine Partei sei. Darüber hinaus gebe es die Meinung, dass sich Kirche auf das Karitative, die Seelsorge und auf den gottesdienstlichen Vollzug beschränken solle. Dass dies aber nicht so zu trennen sei, zeigen die Nikolaikirche mit ihrer Geschichte und das Einstehen der Kirche für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. „Damit stärkt die Kirche die Gesellschaft“, so Tillich. Er erinnerte auch an viele Vertreter der Kirche, die in den 1990er Jahren in der Politik Verantwortung übernahmen.

Bild: Ministerpräsident Stanislaw Tillich spricht vor den Pfarrern (Foto: evlks, OK)
Ministerpräsident Stanislaw Tillich

Allerdings gab er zu bedenken, wenn Kirche heute Partei ergreife, dann müsse sie sich auch der Kritik stellen. Wenn sie in ihrer Leitung zum Ausdruck bringe, dass ihre Aussagen von weiten Teilen ihrer Christen geteilt würden, dann sei zu prüfen, ob es wirklich die Mehrheitsmeinung widerspiegele. Ansonsten gäbe der Streit in der Kirche kein gutes Bild ab und verringere die Glaubwürdigkeit. Der Ministerpräsident gab auch zu bedenken, dass der weltanschaulich neutrale Staat alle gleich behandeln müsse. Eine besondere Toleranz beispielsweise beim „Kirchenasyl“ sei hinsichtlich moralischer Debatten nicht unumstritten.

Dagegen bestünde die besondere Legitimation der Kirche im sozialen Bereich, dass sich Kirche und Diakonie um Schwache einsetze. Er nannte mehrere Sozialeinrichtungen aus eigener Kenntnis und verwies auf das Jubiläum 150 Jahre Diakonie in Sachsen.
Nach Aussage des Ministerpräsidenten wollte er „nicht nur freundlich sein, sondern auch zur Diskussion anregen“.  Er gestand aber auch der Kirche zu, „Stachel im Fleisch der Politik“ zu sein. Die Politik wiederum täte gut daran, darauf zu hören, sagte Tillich.

Bild: 'Antje Hermenau hält ihren Vortrag (Foto: evlks OK)
Antje Hermenau

Zunächst thematisierten In ihren Vorträgen Antje Hermenau, Politikberaterin und Unternehmerin, und Professor Dr. Christian Schwarke, Institut für Ev. Theologie (TU Dresden) ebenfalls „Das politische Mandat der Kirche“.
Frau Hermenau ging recht zügig auf die derzeitige politische Lage ein, die sich wandelt. So müsse die „Linke“ ihre Sicht im 21. Jahrhundert ändern, wo es nicht mehr um innerbetrieblichen Klassenkampf ginge, sondern um Gesamtverantwortung. „Wir werden in schwieriges Fahrwasser geraten“, sagte sie und meinte das Verhältnis der Generationen. Der „Kindesverzicht“ bei gutem Verdienst lasse bei den Betroffenen im Wohlstand auch den Anspruch auf eine hohe Rente erwarten, was aber unsicher scheint.

Es läge grundsätzlich eine „neue Diskussion über neue soziale Fragen auf dem Tisch“. So auch, wie man die vielen Menschen erreicht, die nicht sehen, dass sich für sie etwas ändert. Hier müsse den Menschen die Würde gegeben werden, um sie aus der Opferrolle heraus zu holen. Da liege die Rolle der Kirche in der Moderation, jene zu ermutigen. Nach ihrer Ansicht müsse ein neues ‚Soziales Wort der Kirchen‘ erarbeitet werden. Seelsorge müsse mit Moderation verbunden werden.

Bild: Professor Dr. Schwarke spricht vor den Pfarrern
Professor Dr. Christian Schwarke spricht zu den Pfarrerinnen und Pfarrer in der Nikolaikirche

Die Rolle des Staates sieht sie in drei Punkten: Das Staatsvolk zu schützen, die Staatsgewalt im Recht zu gewähren und die Staatsgrenze zu sichern. Frau Hermenau hinterfragt, inwieweit hier die Grundaufgabe des Staates verletzt worden sei. Das Grundvertrauen des Bürgers gegenüber dem Staat müsse erhalten bleiben.

Professor Dr. Schwarke hob hervor, dass das politische Mandat der Kirche umstritten sei. Eigentlich hätte die Kirche kein politisches Mandat, denn das Mandat käme von Gott. Aber von Anbeginn konnte sich die Kirche nicht der politischen Wahrnehmung entziehen.

Bild: Blick von oben nach vorne (Foto: evlks OK)

Die Gesellschaft sei wiederum auf Transzendentes angewiesen, das Gesellschaft legitimiert, sozusagen unverfügbar über der Gesellschaft steht. Dies gelte auch für die Politik. Kirchliche Stimmen in der Politik seien umstritten, so auch die Wahrnehmung eines politischen Mandats. Es bleibe die Grundspannung zwischen dem Diesseits und dem Jenseits, dass nicht auflösbar sei, so der Theologe. Trotzdem sei die Beschäftigung mit der Sachebene unverzichtbar und Hauptaufgabe der Kirche sei die Beschreibung. Bei Gesprächen müsse klar sein, dass politische Fragen bei der Politik blieben. In Zeiten des Pluralismus gebe es keinen Gegensatz zwischen Kirche und Staat, denn Kirche sollte die Ganzheit sehen. Kirche selbst habe eine politische Struktur und es ginge darum, Kompromisse zu suchen.

In der anschließenden Diskussion betonte Oberbürgermeister Burkhard Jung ebenfalls die Moderatorenrolle der Kirche, aber neben der Moderation müsse es auch eine Haltung geben.

Bild: Diskussionsrunde (evlks, OK)
OB Jung, Dr. Rentzing, Prof. Schwarke, Antje Hermenau

In dem Zusammenhang sprach er die am Abend zu erwartende Legida-Demonstration an, der man mit Haltung entgegen treten müsse. Für ihn sei und bleibe Kirche auch Anwalt für Verfolgte und die Schwächsten.
Für Antje Hermenau verlange Moderation mehr Kraft als die eigene Haltung. Sie kritisierte, dass die Politisierung in der Kirche häufig übertrieben werde. Wenn der Zeitgeist sich ändere, dann müssen das Miteinander gestärkt und das gemeinsame Gespräch intensiviert werden. Für Landesbischof Dr. Carsten Rentzing müsse Kirche „Raum der praktischen Vernunft“ sein und sie sollte sich den Blick für das Ganze bewahren. Er sehe keine Instrumentalisierung von Kirche. Die kleinere Zahl der Christen in diesem Land und deren Prägekraft sei vielfach höher als in Ländern mit einem deutlich höheren Anteil von Christen. So würdigte er die Arbeit und Barmherzigkeit vor Ort in moderierenden Gesprächen und der Seelsorge. Der Landesbischof sehe allerdings auch die Haltung von Kirche kritisch, wenn sie scheinbar „mit höheren Weihen daherkomme und parate Lösungen suggeriere“. Er halte es mit der Zwei-Reiche-Lehre Martin Luthers.

Bild: Blick auf den Nikolaikirchhof, wo es Suppen gab (Foto evlks, OK)
Vom Ernst der Veranstaltung in den Wartestand auf dem Nikolaikirchhof zum Suppenzelt

Professor Schwarke plädierte für praktisches Handeln und den Einsatz im Bildungsbereich, insbesondere für Investitionen in Kindergärten und Schulen. „Wir haben vor Ort gehandelt, erwiderte der Landesbischof. Mit Blick auf die unmittelbar bevorstehende Bundestagswahl sehe er die Herausforderungen für die Kirchen in ihrem sozialpolitischen Engagement nicht kleiner werden.

Nach dieser gemeinsamen Aussprache und der Mittagspause auf dem Nikolaikirchhof ging der Pfarrertag um 14:30 Uhr mit einem Sakramentsgottesdienst in der Leipziger Thomaskirche zu Ende.

Bild: Landesbischof Dr. Rentzing predigt (evlks OK)
Landesbischof Dr. Carsten Rentzing

Als leitender Geistlicher ist es eine seiner wesentlichen Aufgaben, die Pfarrerschaft mit dem Wort Gottes zu leiten, deren Fortbildung zu verantworten und die Pfarrerinnen und Pfarrer in ihrem Dienst zu ermutigen. Dem diente auch der Gottesdienst am Nachmittag, der einen geistlichen Abschluss des Pfarrertages darstellte. Dr. Rentzing predigte über die „Heilung der zehn Aussätzigen“ nach Lukas im 17. Kapitel. „In Jesus Christus begegnet uns das Heil Gottes. Dieses Heil Gottes verbindet Diesseits und Jenseits miteinander. In diesem Sinn gehören die Rettung der Seele und die Rettung des Leibes zueinander. Auf diese Weise ist die Verkündigung der Kirche auch politisch relevant,“ sagte der Landesbischof. Im gemeinsamen Abendmahl fand auch die Dienstgemeinschaft der Pfarrerinnen und Pfarrer ihren geistlichen Ausdruck.

Die Teilnahme am Pfarrertag ist für alle amtierenden Pfarrerinnen und Pfarrer verpflichtend, auch für jene, die nicht in Gemeindepfarrstellen  Dienst tun.

Bild: Blick in die Thomaskirche (Foto: evlks OK)
Blick in die Thomaskirche

Der Pfarrertag ist neben den Visitationen und Einzelgesprächen die wichtigste Möglichkeit für den Landesbischof, mit den Pfarrerinnen und Pfarrern der Landeskirche in Kontakt zu kommen.
Der erste nachweisliche Pfarrertag hat nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahre 1946 stattgefunden. Seit zehn Jahren finden diese Tagungen im jährlichen Wechsel als regionale und zentrale Pfarrertage statt. Zum ersten zentralen Pfarrertag in Sachsen vor zehn Jahren kam Bundeskanzlerin Angela Merkel als Gastrednerin in die Dresdner Frauenkirche. Nach den letzten Treffen in Chemnitz und Dresden war nun wieder der Pfarrertag in Leipzig zu Gast. Zu dieser großen „Dienstbesprechung“ lädt der Landesbischof ein. Derzeit stehen 640 Pfarrerinnen und Pfarrer aktiv im Dienst der sächsischen Landeskirche.

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