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Dieses Holz lebt - "Biblische Geschichten in Holz"

Ein Teil des Gesamtwerks von Gottfried Reichel ist als Wanderausstellung unterwegs

Jesus wird abgeführt
Szene: Jesus wird abgeführt

Im erzgebirgischen Olbernhau ist am 9. Oktober in der dortigen evangelischen Stadtkirche eine Schnitzausstellung des Pobershauer Künstlers Gottfried Reichel eröffnet worden. Im Eröffnungsgottesdienst, indem auch die örtliche Kurrende gesungen hat, war der 80-jährige Reichel selbst anwesend und sprach einführende Worte zu seiner Person und seinen Arbeiten.
40 Figuren und Figurengruppen als Teil seines Gesamtwerkes werden bis zum 20. November im Rahmen einer Wanderausstellung unter dem Titel „Biblische Geschichte in Holz“ an vier Tagen in der Woche im Altarraum der Kirche zu sehen sein. Begleitet wird diese Ausstellung durch sechs Vorträge, die mit Ausnahme des letzten Vortrages am 18. November, mittwochs um 19:00 Uhr stattfinden.
Die Vortragsreihe wurde durch den Dresdner Oberlandeskirchenrat, Dr. Christoph Münchow, am 12. Oktober mit dem Thema „Sendung und Aufbruch – Mission“ begonnen.

Bild: Der Schalksknecht
Der Schalksknecht

Die Woche darauf wird Oberlandeskirchenrat Peter Nötzold über das Thema „Kindheit und Familie Jesu“ sprechen.

Die Vorträge greifen Figuren und Geschichten des Künstlers auf, der insbesondere biblische, aber auch zeitnahe Themen in seinen Werken verarbeitet hat. Beispielsweise schuf er in den Jahren 1995 bis 1997 die Figurengruppe „Menschen im Warschauer Ghetto“, die sehr individuell gearbeitet, sein persönliches Anliegen in der Beschäftigung mit dem Holocaust zum Ausdruck bringt. Diese, wie die meisten von Reichels mittlerweile 330 Arbeiten, sind in einer Dauerausstellung in der „Hütte“ seines Heimatortes Pobershau zu sehen. Hier richtete der Ort zu Ehren des bekannten Bildhauers 1997 eine ständige Werkschau ein, die jährlich Tausende von Besuchern anzieht.

Bild: Das Urteil des Salomo
Das Urteil des Salomo

Gottfried Reichel, der sich erst zu Beginn der 50er Jahre mit biblischen Themen befasst hat, hielt die im Bibelstudium entdeckten Geschichten für zeitlos und inspirierten ihn zur Darstellung zahlreicher eindrucksvoller Figuren. 1954 entstand beispielsweise das Figurenpaar „Der verlorene Sohn kehrt heim“, das als Fotomotiv aktuell in den Materialien zur Jahreslosung 2006 durch den Evangelischen Kunstdienst in Dresden den Kirchgemeinden angeboten wird.
Reichel engagierte sich damals in der evangelischen Kirchgemeinde Pobershau, und seine im Laufe der Zeit entstandenen Figuren wurden dann, unterstützt vom Kunstdienst der sächsischen Landeskirche, ab Ende der 70er Jahre in zahlreichen Kirchen ausgestellt. Obwohl Gottfried Reichel 1925 in Pobershau geboren, in die traditionelle erzgebirgische Holzschnittkunst hineinwuchs, heben sich seine bis zu 70 Zentimeter großen Arbeiten in ihrer Technik, Individualität und Ausdrucksstärke deutlich von der gewöhnlichen Gebrauchskunst der Weihnachtsschnitzereien ab.

Bild: Aufbruch
Aufbruch

Die thematischen Bezüge sind bei ihm intensiv durch Erfahrungen aus seinem Leben und durch seine christlich-humanistische Anschauung geprägt. So gibt er offen Brüche in seinem Leben zu, wo er noch am Ende des Krieges freiwillig für Hitler in den „Endkampf“ zog, dann aber in der Gefangenschaft und danach eine gründliche innere Wandlung vollzog. Insbesondere die spätere Kenntnis über die grausame Behandlung der jüdischen Bevölkerung bis hin zum Holocaust erschütterte ihn so sehr, dass seine Werke die Dimension menschlichen Leids und sozialer Bezüge immer wieder aufgegriffen haben.

Die jetzige Ausstellung war zuvor in Zwönitz zu sehen und wandert anschließend in die erzgebirgische Gemeinde Thum bei Annaberg.

Bild: Simeon
Simeon

Das Besondere und Neue an der Ausstellung in Olbernhau sind die parallel dazu geplanten Vorträge über einzelne Themen:

12. Oktober

19:00 Uhr – OLKR Dr. Christoph Münchow, Radebeul
„Sendung und Aufbruch – Misson“

19. Oktober

19:00 Uhr – OLKR Peter Nötzold, Dresden
„Kindheit und Familie Jesu“

26. Oktober

19:00 Uhr –Studienleiter Wolfgang Lange, Moritzburg
„Gebet in der Bibel“

2. November

19:00 Uhr – Pfarrer Gerhard Stein, Neuhausen
„Jesu und die Wunder“
 
9. November

19:00 Uhr – Pfarrerin i.R. Renate Hiecke, Dresden
„Noah“

18. November (Freitag)

19:00 Uhr – Diplom-Sozialarbeiterin Vesper, Heidersdorf
„Prophetinnen und Frauen im Alten Testament“

Öffnungszeiten der Ausstellung in Olbernhau

Mittwoch – 10 -12:00 Uhr
Donnerstag – 10 – 12:00 Uhr und 15 – 17:00 Uhr
Sonnabend – 10 – 12:00 Uhr und 15 – 17:00 Uhr
Sonntag – nach dem Gottesdienst bis 12:00 Uhr


Der frühere Leiter des Kunstdienstes, Pfarrer Joachim Schöne, brachte 1999  bei der Druck- und Verlagsgesellschaft Marienberg den Bildband „Dieses Holz lebt – Das Lebenswerk des Schnitzers Gottfried Reichel“ heraus.

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