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Aktuelles

Weihe der Frauenkirche Dresden

Nach dem Weihegottesdienst begann das „Fest der ersten drei Tage“

Vorprogramm auf dem Neumarkt rund um die Frauenkirche

Bild: Pfarrer Fritz spricht zu Beginn des Gottesdienste auf der Bühne
Pfarrer Stephan Fritz

Schon in den frühen Morgenstunden des 30. Oktober sind tausende Besucher an die Frauenkirche auf den Dresdner Neumarkt geströmt, um bei dem großen Ereignis der Wiedereinweihung dieser einzigartigen Kirche dabei zu sein. Als die Sächsische Posaunenmission mit ihren 650 Bläsern um 9:00 Uhr das akustische Startzeichen für den Festtag gab, waren Plätze, Straßen und das alte Zentrum der Stadt unübersehbar mit Menschen gefüllt. Nach Beendigung des Vorprogramms begrüßt Frauenkirchpfarrer Stephan Fritz die Menschen auf dem Platz. Ebenfalls auf der Bühne sind die früheren sächsischen Bischöfe Johannes Hempel, Volker Kreß sowie der Ratsvorsitzende der EKD, Bischof Wolfgang Huber und der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, Landesbischof Johannes Friedrich.
Die unüberschaubare Menschenmenge schaut ruhig und gespannt auf das bevorstehende Ereignis der Weihe, die über große Bildschirmwände aus der Kirche übertragen wird.

Bild: Schülerinnen tragen Taufschale und Taufkanne in die Kirche
Taufschale und Taufkanne werden in die Kirche gebracht

Unter dem Geläut aller acht Glocken der Frauenkirche beginnt um 10:00 Uhr auf der Open-Air-Bühne am Neumarkt der feierliche Weihegottesdienst. Die Mitwirkenden des Gottesdienstes, darunter Ministerpräsident Dr. Georg Milbradt und der Dresdner Oberbürgermeister Ingolf Rossberg, ziehen zusammen mit den Bischöfen in einer Prozession in Begleitung von Schülerinnen und Schülern der Internationalen Schule Dresden in die Kirche ein. Die Schüler tragen Gegenstände des zukünftigen gottesdienstlichen Gebrauchs, wie das Altarkreuz (Nagelkreuz), Leuchter, die Bibel, Abendmahlkelch und Brotschale sowie die Taufschale mit Taufkanne in die Kirche.

1.700 Besucher erleben in der Kirche Weihe und Festakt unmittelbar mit

Bild: Menschen auf Neumarkt in Richtung Kulturpalast und Schloss
Die Zuschauer sangen und beteten mit, ansonsten wurde der Gottesdienst in gespannter Ruhe verfolgt

In der Kirche erhebt sich die Festgemeinde beim Einzug und es erschallt nach dem ersten Gemeindelied das Blechbläserensemble unter Leitung von Professor Ludwig Güttler. Mit Lesung und Vaterunser sowie dem Einweihungsgebet durch Baudirektor Eberhard Burger weiht Landesbischof Jochen Bohl die Kirche. Im Wechsel von Gesang des Frauenkirchchores und des Dresdner Kreuzchores sowie Gebeten, Gemeindegesängen, Lesungen und Orgelimprovisationen werden nacheinander die Kanzel, der Taufstein, der Altar und die Orgel von dem jetzigen Landesbischof und den früheren Landesbischöfen Dr. Johannes Hempel und Volker Kreß geweiht. Nach der abschließenden Widmung der Kirche beginnt mit der Lesung des Evangeliums durch den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, der Verkündigungsteil.

Bild: Zum Abschluss der Segen des Landesbischof (epd-Bild)
Bild: Zum Abschluss der Segen des Landesbischof (epd-Bild)

Landesbischof Jochen Bohl predigt über den neutestamentlichen Text aus dem Evangelisten Markus im Kapitel 4 über das Gleichnis vom Senfkorn, das klein gesät wird, dann aber aufgeht, größer wird, Zweige treibt und den Vögeln Wohnung bietet. Bohl geht am Anfang mit Dankbarkeit und Freude auf diesen Tag ein und nimmt Bezug auf das Gleichnis und damit auf die Dimension wachsenden Glaubens. Ein gleiches Hoffnungszeichen sieht er in dem Bemühen vor 15 Jahren, das Gotteshaus in Versöhnung und bekennender Schuld wieder aufzubauen. Bohl: „An diesem Tag ihrer Weihe ruft die Frauenkirche zum Frieden. Jeder soll diese Botschaft hören. Sie wird kraftvoll und in leuchtender Schönheit in die Welt gesprochen.“

Bild: Bischöfe kommen nach dem Gottesdienst aus der Kirche
v. Landesbischof Jochen Bohl nach dem Weihegottesdienst vor der Kirche

Im nachfolgenden Teil des Gottesdienstes zu Bekenntnis und Bitte wird das Glaubensbekenntnis gesungen und das Fürbittgebet durch Repräsentanten der Landeskirche und der Stifter gesprochen. Nach Sendung und Segen beginnt der Festakt mit der Ansprache von Bundespräsident Horst Köhler, musikalischen Begleitstücken und einem Dankeswort von Landesbischof Jochen Bohl.
Unter Glockengeläut verlassen die Mitwirkenden bei sonnigem Frauenkirchwetter die Kirche, wo über 60.000 Menschen den Gottesdienst auf den Video-Leinwänden und Lautsprechern sowie per Übertragung auch in der Kreuzkirche verfolgen. Um 12:30 Uhr beginnt auf der Bühne auf dem Neumarkt das „Fest der Freude“ unter anderem mit Gospel-Musik, einer Aktion zum Mitmachen, mit „Grüßen der Freude“ von Freunden und Gästen der Frauenkirche und mit Lesungen des Dresdner Bühnenschauspielers Friedrich-Wilhelm Junge.

 

Bühnenprogramm als „Fest der Freude“ mit Rückblicken und Ausblicken

Bild: Gospel-Band "coloured rain" in Aktion auf der Bühne
Gospel-Musik mit "coloured rain" eröffnet das Open-Air-Programm

Thomas Bille, MDR-Moderator vom Hörfunkkanal Figaro und der TV-Sendung „Artour“, moderiert das Bühnenprogramm, wo nach der Gospelband „Coloured Rain“ und Junges Lesungen, sich der Stiftungsratsvorsitzende Bernhard Walter (Dresdner Bank), Baudirektor Eberhard Burger und Pfarrer Stephan Fritz vorstellen und ihre Eindrücke zur erfolgten Fertigstellung des Gotteshauses schildern.
Der Dresdner Entertainer Gunter Emmerlich, die „Semper-House-Band“ sowie der Chor der Frauenkirche sorgen für das unterhaltsame Begleitprogramm, bevor Freunde, Nachbarn und Gäste der Frauenkirche zum Mitmachen angeregt werden. Schließlich singen die Zuschauer und Besucher das Motto des Weihetages (Friede sei mit Euch!) im Kanon.

Bild: Moderator Thomas Bille r. im Gespräch mit Walter, Burger und Fritz
Thomas Bille r. im Gespräch mit Pfarrer Fritz, Baudirektor Burger und Stifungsratsvorsitzenden Walter (l. nach r.)

Ab 14:00 bis 17:30 Uhr moderiert Bille mit der MDR-Moderatorin Angela Elis den Programmpunkt „Rückblicke und Ausblicke“ mit Ausschnitten aus Filmen über die Frauenkirche. Als Gast ist der frühere Landesbischof Dr. Johannes Hempel, der sich bei der sächsischen Landessynode (1991) für den Wiederaufbau der Frauenkirche ausgesprochen hatte und zu der ersten weihnachtlichen Feier vor der Frauenkirche 1993 einlud, gekommen. Weiterhin sind die Initiatoren des Wiederaufbaus, Pfarrer i.R. Dr. Karl-Ludwig Hoch und Professor Ludwig Güttler mit persönlichen Erinnerungen auf der Bühne. Dabei werden Filmsequenzen von der Ruine von dem MDR-Filmemachers Ernst Hirsch gezeigt.
Mit Landesbischof i.R. Volker Kreß verbinden sich die verschiedenen Stationen des Aufbaus, wie die Weihe der Unterkirche, die fortgesetzte Tradition der weihnachtlichen Vespern und die Weihe der sieben neuen Glocken. So wird in diesen Momenten die Erinnerung an den versöhnenden Auftrag dieser Kirche, dem Dank an die Förderer des Aufbauwerks bis hin zum sichtbaren und hörbaren Klang des Wunders von Dresden für die Anwesenden erklärbar.

Bild: Buntes Treiben auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche
Besucher von Stadt und Fest sind herzlich willkommen

Den ganzen Nachmittag sind zahllose Menschen auf dem Neumarkt rund um die Frauenkirche unterwegs. Eine lange Schlange von Menschen wartet geduldig auf eine der Führungen durch die geöffnete Frauenkirche. Das reichhaltige und informative Nachmittagsprogramm verfolgen hunderte Zuschauer direkt vor der Bühne.
Am Abend des Weihetages hat um 18:00 Uhr ein Ökumenischer Gottesdienst mit zahlreichen ökumenischen Gästen des In- und Auslandes begonnen.

Den programmatischen Abschluss des Tages bildet um 22:00 Uhr das erste Konzert an der geweihten Frauenkirchorgel mit dem Frauenkirchorganist Samuel Kummer.
Danach besteht ab 23:30 Uhr die Möglichkeit an "gestalteten Besichtigungen" in der Kirche teilnehmen zu können. Die Frauenkirche wird dann die Nacht hindurch bis 5:00 Uhr morgens des 31. Oktober zur Besichtigung mit Führungen geöffnet. 

Ökumenischer Gottesdienst in der Frauenkirche

Bild: Bischof Bennetts aus Coventry vor der Frauenkirche
Bischof Colin Bennetts aus Coventry predigte abends im Ökumenischen Gottesdienst

Am Abend des Weihetages hat um 18:00 Uhr ein Ökumenischer Gottesdienst mit zahlreichen ökumenischen Gästen des In- und Auslandes stattgefunden. So hielt Bischof Colin Bennetts aus dem englischen Coventry die Predigt, wo er sich in eindrücklicher Weise für ein ökumenisches Miteinander aussprach. Zugleich ging er auf die aktuelle Bedeutung der Religionen ein. Für ihn sei es verhängnisvoll, wenn sich Religion und Nationalsozialismus vereinen. Kirche sei hier berufen, so Bennetts, ein Zeichen des Widerspruchs zu setzen. Er erinnerte auch an Zerstörung und Krieg, insbesondere in Beziehung zu Coventry und Dresden, wo die Menschen „Opfer des Wahnsinns“ wurden. Bennetts zeigte Verständnis für den Wiederaufbauwillen, der sich an der Frauenkirche festmache, auch die Londoner hätten, so seine Vermutung, bei völliger Zerstörung der St.-Paul’s-Kathedrale, diese wieder aufgebaut.

Bischof Joachim Reinelt, der schon am Vormittag mit dem Vorsitzenden der katholischen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, am Weihegottesdienst teilnahm, übernahm die Schriftlesung und richtete zudem ein persönliches Wort an die Gemeinde. Er setzte die gute und enge Nachbarschaft von Kathedrale und Frauenkirche in Beziehung zur gegenseitigen Hilfe. Nach seiner Beobachtung hatten viele Evangelische den früheren Aufbau der Kathedrale unterstützt, so wie jetzt katholische Gemeindeglieder auch beim Aufbau der Frauenkirche halfen. Reinelt gratulierte herzlich für die gelungenen Wiederherstellung dieser Kirche.
Im Gottesdienst brachte eine Abordnung des englischen Dresden Trusts ein Geschenk mit. Landesbischof Jochen Bohl wurde ein Abendmahlskelch und eine Patene (Hostienteller) für die Abendmahlfeiern in der Frauenkirche überreicht.
Pfarrer Stephan Fritz gab im Kollektenhinweis bekannt, dass bei der vormittäglichen Kollekte in der Kirche und auf dem Neumarkt zusammen über 30.000 Euro für die Versöhnungsarbeit an der Kathedrale in Coventry zusammenkamen. Im abendlichen Ökumenischen Gottesdienst wurde für die Aktion Zivilcourage im Landkreis Sächsische Schweiz gesammelt, die sich gegen Extremismus wendet und für demokratischen Bürgersinn wirbt und arbeitet.

Medienberichte zum Fest der Weihe

Bild: Landesbischof Jochen Bohl während der Predigt
Foto aus MDR-Filmberichterstattung vom 30.10.05

Anschauliche Berichterstattung über die Frauenkirchweihe bei

MDR.DE Special - "Wunder der Frauenkirche",
SZ-online (Sächsische Zeitung) Sonderberichterstattung, 
Dresdner Neueste Nachrichten bzw. Leipziger Volkszeitung  mit aktueller Berichterstattung.

 

 

Reformationstag mit Festgottesdienst und weiterem Bühnenprogramm

Bild: Kirchenfahne in luftiger Höhe lädt Menschen zum Gottesdienst

Tausende Menschen waren auch am zweiten Tag des Weihefestes an der Dresdner Frauenkirche unterwegs. Das Reformationsfest bot als arbeitsfreier Feiertag genug Zeit, den Versuch zu unternehmen, mit einer besonderen Führung in die Kirche zu kommen.
Zu Beginn dieses Tages hatte sich die Frauenkirche zum feierlichen Festgottesdienst gefüllt, der am Reformationstag zum ersten mal wieder im Hauptraum dieser Kirche stattfand. Pfarrer Fritz predigte und leitete den Abendmahlsgottesdienst, zu dem vielen Menschen kamen, die in der alten Frauenkirchen vor 1945 getauft, konfirmiert oder getraut worden waren. Nach dem Ende des Gottesdienstes läuteten alle acht Glocken der Frauenkirche und das Fest der Freude begann um 12:00 Uhr auf dem Neumarkt vor der Kirche. Das in Sichtweite gelegene Stadtmuseum profitierte vom Besucheransturm und vermeldete reges Interesse an der dortigen Sonderausstellung zur Geschichte der Frauenkirche.

Bild: Bildwand und Bühne
Posaunenchor Dresden-Loschwitz auf der Bühne

Unter dem Motto „Rückblicke und Ausblicke“ beinhaltete das Bühnenprogramm auf dem Neumarkt erneut Gespräche zu Personen und Begebenheiten um den Wiederaufbau der Frauenkirche. Auf der Bühne erschienen Baudirektor Eberhard Burger, Frauenkirchpfarrer Stephan Fritz, der englische Geistliche aus Coventry, Dr. Paul Oestreicher, Oberbürgermeister Ingolf Rossberg und andere. Filmsequenzen auf der Großleinwand illustrierten dazu jeweilige Begebenheiten des Wiederaufbaus und Engagements. Musikalisch traten u.a. verschiedene Dresdner Bläserchöre, der Chor der Frauenkirche und der Jazzchor des St.-Benno-Gymnasiums in Aktion.
Eine lange Schlange von wartenden Menschen deutete auf das ungebrochene Interesse vieler Besucher hin, die Kirche mal mit einer Führung besuchen zu können. Allerdings mussten sich die Wartenden dafür mindestens anderthalb Stunden in Geduld üben, um in den Eingang der Frauenkirche zu gelangen.

Um den Interessenten entgegen zu kommen, wurden die „gestalteten Besichtigungen“ bis 20:00 Uhr angeboten. Das zweite Orgelkonzert zur Weihe der Kirche und der Orgel beginnt wie gestern um 22:00 Uhr.
Am 1. November, dem dritten Frauenkirchfesttag, wird um 10:00 Uhr in einem Gottesdienst der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Dr. Wolfgang Huber, predigen. Danach steht bis 15:30 Uhr die Kirche für Besuche offen. Am Abend gibt es dann um 20:00 Uhr ein extra Konzert für die am Wiederaufbau beteiligten Bauleute.

Predigt von Bischof Dr. Wolgang Huber in der Dresdner Frauenkirche am 1. November 2005

 

Bild: Menschen warten geduldig auf eine Führung
Für eine Besichtigung müssen anderthalb Stunden Wartezeit eingeplant werden

Frauenkirchweihe  - Friede sei mit Euch!

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