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Anpfiff bei WM-Übertragung

Landesbischof Jochen Bohl: In Sachsen werden wir den Gästen gute Gastgeber sein

Bild: Ausschnitt Broschüre der EKD "Ein starkes Stück Leben"

Von den gut 800 Kirchgemeinden auf dem Gebiet der sächsischen Landeskirche haben sich 120 Gemeinden für Live-Übertragungen bei der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) registrieren lassen. Das sogenannte „Public Viewing“ ist zudem eine große Einladung an alle Nachbarn der Gemeinden vor Ort, bei freiem Eintritt gemeinsam die WM-Spiele auf Großbildleinwänden bei Superstimmung zu verfolgen. Die einzelnen Veranstaltungen wie Mehrfachübertragungen, eigene Mannschaftsturniere, Gottesdienste und Themenabende zu Kirche und Sport liegen natürlich zahlenmäßig um ein Vielfaches höher. Das Gemeinschaftsfußballgucken in Gemeinderäumen, auf dem Pfarrgelände oder unter Hilfestellung gemeinnütziger Einrichtungen wie Vereinen wird durch die stellvertretende Lizenzierung seitens der EKD von bundesweit 2.600 Gemeinden dankend in Anspruch genommen. Häufig tun sich mehrere Kirchgemeinden im Schwesterkirchverhältnis oder in einem Kirchspiel zu einer Fangemeinde zusammen. Durch mehrere WM-Spiele in Leipzig konzentrieren sich kirchliche Aktivitäten schwerpunktmäßig auf diesen Austragungsort. Landesbischof Jochen Bohl, der im jugendlichen Alter ein Vereins-Fußballer war und nach eigenen Angaben heute immer noch innerlich ein Fußballer geblieben ist, wünscht den Kirchgemeinden ein „prickelndes und gemeinschaftsstiftendes Erlebnis bei den Übertragungen“. Neben den sich daraus ergebenen Kontakten mit Menschen, die sich sonst nicht so häufig zu kirchlichen Veranstaltungen sehen lassen, ist sich Bohl sicher, dass „wir in Sachsen den Gästen gute Gastgeber sein werden“.

Bild: Freude noch zu späterer Stunde in der Dresdner Trinitatiskirchruine
Dresden zu späterer Stunde in der Trinitatiskirchruine

Nach dem Anpfiff des Eröffnungsspiels in München am 9. Juni, wo Deutschland gegen Costa Rica mit 4 zu 2 gewonnen hat, haben bereits die meisten der angemeldeten Gemeinden ihre Technik und Organisation einer ersten Belastungsprobe unterzogen. Insbesondere im Chemnitzer Umland ging man wie in Adorf, Jahnsdorf, Neukirchen und Hartmanndorf gleich von Anfang an zur Sache. Nach einer Andacht um 17:30 Uhr erfolgte im Burgstädter Kirchgemeindehaus der Anpfiff. Die Kirchgemeinde Limbach-Kändler hatte mit dem SV Limbach ins dortige Waldstadion eingeladen, während die Kirchgemeinde Limbach-Oberfrohna im Rußdorf in einem Schwimmbad die erste Übertragung anbot.
In Dresden, wo unter anderen die Kirchgemeinde Frieden und Hoffnung im Stadtteil Löbtau eingeladen hat, war vor allem die Trinitatiskirchruine der Johannstadt ein Zuschauermagnet. Hier hat der Jugendtreff der Sozialen Offenen Jugendarbeit (SOJA) in Trägerschaft der Kirchgemeinde über 400 jugendliche Besucher aus dem nahen Neubaugebiet locken können. Zwar hätte nach Aussage der Sozialarbeiterin Ines Bellmann die Helligkeit um 18:00 Uhr das sehen auf der Großleinwand erschwert, aber „die weiteren neun Spiele würden ja erst ab 21:00 Uhr übertragen“. Einige der Besucher blieben noch länger und verfolgten das Geschehen am aufgestellten Fernseher.


Chemnitz-Adelsdorf, Treffen der Fangemeinde vor der Übertragung

Beim sächsischen Landessportpfarrer Ulrich Korbel aus Chemnitz läuft es derzeit mehrfach „rund“. Als Verantwortlicher für die Koordinierung und Durchführung von Sportevents begleitet er Gemeinschaftsveranstaltungen bei sich vor Ort oder hilft mit Rat und Tat an anderer Stelle. Die Zusammenarbeit mit dem Fußballbund sei gut, so Korbel, „schließlich sind die meisten Partner der Kirchgemeinden Sportvereine, danach kommt die Feuerwehr mit ihrer Logistik“. Korbel hat nach eigenen Angaben acht gottesdienstliche Einsätze in Gemeinden. Aus seiner Kenntnis heraus, würden viele Kirchgemeinden ihr traditionelles sommerliches Gemeindefest bewusst auf den 9. Juli zum Endspiel der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft legen, um dann gleich die Übertragung mit anzubieten.
In Chemnitz-Adelsdorf, wo auch schon die Kirchgemeinde in einer Werkhalle der Firma Reifen Seifert die erste Übertragung organisierte, hatte der Landessportpfarrer zu Pfingsten an einem Auftaktgottesdienst teilgenommen. Dort werden unter dem Titel „Südkurve“21 Spiele an 13 Tagen jeweils ab 16:00 Uhr übertragen. Am 9. Juni waren schon zum Eröffnungsspiel über 130 Leute erschienen, wo sich eine tolle Stimmung verbreitet haben soll.


Eibenstock bei Aue: Einige, die kamen, hatten bisher mit Kirche nichts zu tun, so die Beobachter vor Ort

Die Lutherkirche Schönau organisiert Freundschaftsspiele und Übertragungen auf dem Sportplatz des VTB, Guerickestr./Windweg. Die Heilsarmee überträgt einen Teil der Spiele im Jugendclub "Heilse" auf dem Kaßberg und einige Topspiele in ihrem neuen Domizil im Heckert-Gebiet. Auch soll es spezielle Aktionen für Kinder, Jugendliche und Studenten geben.
Auch im Erzgebirge ist so manches Gemeindehaus oder Freigelände in den nächsten Wochen vor den Übertragungsveranstaltungen nicht sicher. So wird die Kirchgemeinde Hundshübel bei Aue 13 Vorrunden-Spiele zeigen. Im benachbarten Eibenstock hatten sich zum Auftakt 60 Besucher jedem Alters eingefunden. Der Jüngste war zwei Jahre alt. Nach einem Stimmungsvollen Auftagt sind noch vier weitere Übertragungen geplant.

Bild: Nikolaikirche innen mit Fahnen der Nationen durch Gottesdienstbesucher getragen
Leipziger Nikolaikirche, Ökumenischer Gottesdienst

Die Stadt Leipzig als Austragungsort für WM-Spiele tritt als zentraler Ort kirchlicher Aktivitäten mit Begleitangeboten für fußballbegeisterte Leipziger und deren Gäste in den Blick. Als sächsischer Auftakt ist am 10. Juni um 17:00 Uhr zu einem Ökumenischen Gottesdienst in die Nikolaikirche eingeladen und damit für Offenheit gegenüber Gästen aus aller Welt, für Freude am Spielen und für Fairness auf und neben dem Rasen geworben worden. Als besondere Begrüßung der Gäste und Fußball-Fans im Gottesdienst wurden die Fahnen der in Leipzig spielenden Länder von den hinteren Bänken über die Köpfe der Besucher nach vorn weitergereicht und schließlich an den Seitenemporen aufgehängt werden. Die Predigt im Gottesdienst hielt Reverend Reakes-Williams von der Leipzig English Church. Weiterhin gestalteten Propst Lothar Vierhock von der Propsteikirche St. Trinitatis und der evangelische Landessportpfarrer Ulrich Korbel den Gottesdienst mit. Für alle sichtbar wird in der Nikolaikirche seit diesem Gottesdienst während der gesamten Fußball-WM ein Mobile aus Fußbällen und Länderfahnen hängen.

Bild: Jubel beim Spiel Equador - Deutschland im Jugendhaus in Bautzen
Neben vielen Gemeindeprojekten offene Tür im Bautzner Jugendhaus bei WM-Übertragung

In den folgenden Tagen wird es in Leipzig Live-Übertragungen von Spielen beispielsweise in der Peterskirche oder im Ringcafé geben und Kirchen werden geöffnet sein. Es wird zum Torwandschießen und zu Konzerten eingeladen. Das evangelische Stadtjugendpfarramt gestaltet an der Heilig-Kreuz-Kirche am Neustädter Markt ein Open-Air-Projekt mit Spielübertragung und eigenem Programm.
An der Fanmeile, dem Weg vom Hauptbahnhof zum Zentralstadion, nahm der „Church Point“ in der Reformierten Kirche am Tröndlinring seine Arbeit auf. Bis zum 25. Juni bietet die Kirche täglich von 10:00 bis 24:00 Uhr für alle, die im Trubel rund um die Fußballweltmeisterschaft eine Auszeit suchen, einen „Ort der Stille“. Wenn Lärm und Menschenmassen an der Fan-Meile in der Leipziger City zu groß werden, können hier Besucher bei Meditation, leiser Musik oder einfach in der Stille des Raumes eine Auszeit nehmen. Stundengebete um 10 / 12 / 18 / 24:00 Uhr setzen geistliche Akzente. Parallel dazu wird es in der Kirche auch einen „Raum der Begegnung“ geben. Ehrenamtliche Helfer und Helferinnen empfangen hier Gäste aus aller Welt, um bei Kaffee oder erfrischenden Getränken ins Gespräch zu kommen. (www.fussball2006-leipzig-kirche.de)

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