10. Gemeindetag für Aussiedler
Motto: „Vertraut den neuen Wegen“
Bundes-Aussiedlerbeauftragter: Gemeindetag eine „gute Tradition“

Staatsministerin Helma Orosz, v.l.
Eine „glückliche Zukunft in einer gemeinsamen Heimat“ wünschte die sächsische Sozialministerin Helma Orosz den rund 1.000 Aussiedlern und deren Begleitern am 16. September zur Eröffnung des Gemeindetags für Aussiedler in der gefüllten Stadtkirche St. Marien in Pirna. Kurz nach 10:00 Uhr begann der Gemeindetag in der großen spätgotischen Hallenkirche, wo die Ministerin auf die zwei Millionen Spätaussiedler und deren Geschichte einging, die alleine seit den 80er Jahren nach Deutschland kamen. In allen diesen Fällen sei es eine „Zerreißprobe zwischen Altem und Neuem“, und daher käme den Kindern eine besondere „Mittlerrolle“ zwischen den Generationen und bei der Integration in die Gesellschaft zu.
Der Gemeindetag für Aussiedler stand unter dem diesjährigen Motto: „Vertraut den neuen Wegen“, an dem über 1.300 Teilnehmer aus Sachsen nach Pirna kamen.

Der Parlamentarische Staatssekretär Dr. Christoph Bergner als Aussiedlerbeauftragter des Bundes wünschte ebenfalls zu Beginn den Aussiedlern, dass sie als „Deutsche unter Deutsche gleichwertig leben können“. Immerhin würden die Millionen Menschen, die über die Jahrzehnte erfolgreich integriert wurden, dafür sprechen. Die Bundesregierung sei jedenfalls allen vom Kriegsfolgeschicksal Betroffenen weiterhin „verpflichtet“. Allerdings sei die Bereitschaft von Aussiedlern, die deutsche Sprache zu erlernen, für eine schnelle Integration unverzichtbar. Bezogen auf den mittlerweile 10. Gemeindetag für Aussiedler in der sächsischen Landeskirche, sah er hierin eine „gute Tradition“, da die Aussiedler solche Begegnungen „brauchen“ würden.
Der Pirnaer Pfarrer Dieter Rau hieß im Namen der gastgebenden Kirchgemeinde und der ehrenamtlichen Helfer die versammelten Gäste herzlich willkommen.

Gelegenheit zu Fragen an Dr. Christoph Bergner
Nach der Begrüßung teilten sich die Veranstaltungen der Erwachsenen in ein Gesprächsforum, in Beratungsangebote, einer Gebetsversammlung und in ein musikalisch begleitetes Programm zum Thema „Mit der Taufe leben“.
Im Gesprächsforum in der Klosterkirche stellten sich Politiker und Fachleute den Anliegen und Fragen von rund 100 Interessierten. Im Forum standen als Gesprächspartner Staatssekretär Dr. Bergner, Dr. Alexander Schumacher, Referent im Bundesministerium des Innern, Ministerialrat Harald Piekert aus dem sächsischen Sozialministerium, sowie von der Dresdner Agentur für Arbeit, der dortige Vorsitzende Thomas Wünsche, am Podium für Auskünfte zur Verfügung.
Im Vordergrund des Gesprächs standen Fragen zur Sprachproblematik, zu Schule und Ausbildung, zu Beruf und Rentenversorgung sowie zu Problemen der sozialen Integration und Anerkennung.

Schriftenmission vor der Kirche war nachgefragt
Neben Detailanfragen zur sprachlichen Frühintegration von Kindern vor der Grundschule, die oft zu schleppend erfolgen würde, der Nachzugsproblematik von Angehörigen und zur Anerkennung von Ausbildungsabschlüssen gab es auch grundsätzliche Anfragen. So wurde angesichts der deutlich zurückgehenden Zuzugszahlen das Wohnortzuweisungsgesetz, das die Verteilung der Aussiedler auf die Länder regelt, angefragt. Nach Dr. Bergners Einschätzung wären nach einer erneuten Analyse der Sachlage zukünftige Änderungen nicht ausgeschlossen. Seitens der Aussiedler wurde deutlich zu verstehen gegeben, dass ein sechsmonatiger Sprachkurs „unzureichend“ sei und die Anzahl der Stunden für Integrationskurse wieder erhöht werden sollten.
Einigkeit bestand in der Beobachtung, dass bezogen auf die Medienberichterstattung, die „Aussiedlerproblematik“ im Vergleich zu Ausländer-Themen hier stärker die Schwierigkeiten in den Vordergrund gespielt und damit ein schlechteres Licht auf diese Integrationsleistung geworfen würde. Vielmehr sollten auch der Erfolg, die Chancen für die Gesellschaft und die Bereicherung des wirtschaftlichen Lebens durch diese Zuwanderung zur Sprache kommen.
Persönliche Beratung und Hilfe konnten die Teilnehmer des Gemeindetages im Pfarramt gegenüber der Marienkirche erhalten.

Kalinka-Chor aus Weißwasser in der Marienkirche
Eine Gebetsversammlung im Oase-Haus an der Oberen Bergstraße, ein Kinderprogramm in der Goetheschule sowie ein Erwachsenenprogramm in der Marienkirche mit einem musikalisch begleiteten Programm zum Thema „Mit der Taufe leben“ ergänzten das Angebot bis zum Mittagessen. Danach gab es die Möglichkeit, an einer Stadtführung teilzunehmen, bis der Abschlussgottesdienst in der Marienkirche begann.
Seit den Vormittagsstunden hatte parallel zum Erwachsenenprogramm in der Pirnaer Altstadt im Berufsschulzentrum Pirna-Copitz ein Jugendtag für Aussiedler und Einheimische mit Band-Musik, Workshops, Talks und Bühnenshow stattgefunden.

Jugendpastor Jae-Min Kim beim Gebet am Jugendtag
Der Jugendtag begann mit live Musik und Kennlernprogramm. Hier konnten sich die über 300 jugendlichen Teilnehmer schon mal beschnuppern. So bekamen die Jugendlichen eine Vorstellung, von wo der Nachbar hergekommen war. Um 10:30 Uhr begann der Jugendgottesdienst mit dem Koreaner Jae-Min Kim und der Pirnaer Band „Worship“. Der Jugendpastor Kim aus Köln setzte geistliche Impulse und erzählte von seinen früheren Erlebnissen als Neuhinzugezogener in Deutschland. Landesjugendpfarrer Karl Ludwig Ihmels begrüßte die jugendlichen Gäste.
Die Workshops mittags zu Akrobatik, Volleyball, Sambo, Jonglieren, Pop- und Jazz-Tanz, Trommeln und Pantomime wurden von der Evangelischen Jugend vorbereitet. Da gab es Unterstützung vom Landesjugendpfarramt und einem Vorbereitungsteam u.a. mit dem kirchlichen Jugendmusik-Beauftragten Wolfgang Tost und Maria Kolanko vom Jugendmigrationsdienst in Pirna. Die sächsischen Diakonie-Migrationsdienste hatten auch die 9 Volleyball-Mannschaften gestellt, die dann für Bewegung sorgten.

Jugendtanzgruppe aus Pirna präsentiert sich
Am Nachmittag stellten Vertreter der Workshops ihre Ergebnisse vor. So gab es viel Lob und Siegesehrung und letztlich Selbstbestätigung für die jungen Akteure. Uli Hofmann übernahm bis zum späten Nachmittag die Moderation, wo es dann noch einmal quirlig bei der Präsentation durch die Teilnehmer wurde.
Während die Jugend in der IV-Etage des Berufsschulzentrums noch locker beisammen saßen und standen, war der Abschlussgottesdienst in der Pirnaer Marienkirche schon fast vorbei.

Landesbischof Jochen Bohl
Landesbischof Jochen Bohl predigte über Jakobs Traum und die Himmelsleiter und machte den Gottesdienstbesuchern Mut, dass auch bei der biblischen Schilderung von den Urvätern- und müttern dramatische Ereignisse in aller Verschlungenheit zu bestehen waren. Es sei damals wie heute eine „Menschengeschichte vor Gott“, dass, wer seine Heimat zurücklässt, sich diese Weg nicht ausgesucht habe, sondern einer Not folge, die dem Willen und den Plänen anderer folge. So wie Jakob die Hoffnung auf Gott setzte, taten es andere auch und schufen voller Gottvertrauen „diese wunderbare Kirche“. Bohl: „Gott wird keinen von uns allein lassen. In allen Nöten, die das Leben bringt, dürfen wir auf ihn vertrauen.“
Eingeladen wird für den nächsten Gemeindetag für Aussiedler am 15. September 2007 nach Löbau.

Vorbereiter und Helfer - Dank am Ende des Jugendtages im Berufsschulzentrum Pirna-Copitz


