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Aktuelles

Im Land der Gegensätze

Gemeindemitglieder in Indien unterwegs

Auf den Spuren des Pulsnitzer Missionars Bartholomäus Ziegenbalg

Bild: Reisegruppe zusammen mit Christen in Tranquebar
Reisegruppe mit Mitgliedern des Kirchenvorstandes im Spiritual Center Tranquebar

Von Antje Queck aus Tranquebar (Südindien)

„Ich hätte es mir irgendwie schlimmer vorgestellt“, ist die erste Reaktion von Harald Rönsch auf die Frage nach seinem ersten Eindruck von Indien, „In der Realität ist es doch ganz anders als in den Reiseführern.“ Seit dem 9. Januar ist die sechsköpfige Gruppe aus Pulsnitz nun auf den Spuren des Pulsnitzer Missionars Bartholomäus Ziegenbalg unterwegs und besucht aktuelle Projekte des Leipziger Missionswerkes und seiner indischen Partner.

Bild: Wilde Fahrt auf dem Motorrad
Oft drei oder vier Leute auf einem Krad. Frauen mit ihren Saris sitzen seitlich im Damensitz

Gleich am ersten Tag wurde deutlich: In Indien ist vieles anders. Inder schütteln, wenn sie etwas bejahen, mit dem Kopf. Der Geräuschpegel ist gleichmäßig hoch. Jedes, der für deutsche Verhältnisse riskante, Überholmanöver wird durch entschie-denes Hupen angekündigt. Jeder fährt, wann und wo er denkt. Rote Ampeln werden ignoriert und aus eigentlich drei werden auch mal fünf Spuren. Da wird eine Rikscha-fahrt wirklich zu einem „echten Erlebnis“, wie Barbara Rönsch meint. Indien erscheint als Land der Gegensätze. „Überall liegt Müll in den Straßen, aber die Menschen sind sauber und ordentlich gekleidet.“, ist Birgit Schöbel aufgefallen.

Bild: Straße mit Häusern für Tsunamie-Betroffene
Kaddampakan - 167 Häuser für vom Tsunamie betroffene Fischfamilien aus dem Projekt des LMW

In einigen Teilen des Landes gibt es zwar keinen Strom, dafür sieht man viele Inder auch in den Dörfern mit Handys telefonieren. Obwohl der Tagesverdienst einer Bäue-rin 60 Rupies (etwa 1 Euro) beträgt, ist eine Stadt wie Chennai mit riesigen Werbe-wänden übersät. „Ich weiß noch nicht so recht, wie ich das alles zu Hause beschrei-ben soll.“, sagt Pfarrer Heinz Heidig.
Nach vier Tagen in Chennai (früher Madras) und etlichen Gesprächen mit Mitarbei-tern der Partnerkirche und dem Besuch von Projekten, unter anderem in einer Medi-kamentenfabrik, einem Ausbildungszentrum, aber auch einer Frauenselbsthilfegrup-pe in einem der zahlreichen Elendsvierteln der Stadt, ist die Gruppe nun in Tranque-bar angekommen.

Bild: Geräte in einer Medikamentenfabrik
Medikamentenfabrik der kirchlichen Entwicklungsorganisation ICSA in Chennai für Aids-Medikamente

In diesem Küstenort landete Ziegenbalg im Juli 1706. An zahlreichen Stellen finden sich sein Name und Konterfei sowie der Hinweis auf seine Geburtsstadt Pulsnitz. „Sie kommen aus der Stadt, wo Ziegenbalg geboren wurde. Hier ist der Ort, wo er seinen Dienst getan hat.“, begrüßt Pfarrer Gunalan die Gäste aus Deutschland.
Schon seit einigen Jahren bestehen Kontakte zur lutherischen Gemeinde von Tranquebar. Gern würde der  Kirchenvorstand der Pulsnitzer Gemeinde diese zu einer offiziellen Kirchgemeindepartnerschaft ausbauen. Dessen Vorsitzende Christine Kelm ist zuversichtlich, dass sich die Beziehung nach dem jetzigen Besuch weiter vertiefen wird: „Der Vorsitzende des Kirchenvorstandes in Tranquebar hat sich sehr über unsere Anfrage gefreut. Er wird jetzt mit seinem Vorstand darüber sprechen – genauso wie wir mit unserem.“

Bild: Kinder freuen sich über Besuch
Kinder im Elendsviertel in Chennai freuten sich über den Besuch der ausländischen Gäste

Erfolgreich vorangegangen ist eine achtköpfige Jugendgruppe des Kirchenkreises Kamenz, die im Februar letzten Jahres eine ähnliche Reise unternahm. Zu den Gastfamilien, bei denen sie eine Woche lebten, hat sich schnell ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt. Gespannt warten beide Seiten nun auf einen Gegenbesuch der indischen Jugendlichen im Mai 2007 in Pulsnitz. Im Gespräch wird deutlich, wie  neugierig die acht jungen Frauen und Männer auf die Reise sind, aber auch ihre Besorgnis, ob sie sich in der fremden Kultur zurechtfinden werden.
Ute Penzel, die Indien-Referentin des Leipziger Missionswerkes, die die Reise organisiert und begleitet, freut sich über die Offenheit der Pulsnitzer: „Ich bin begeistert, wie sie sich auf das Land einlassen und vieles ausprobieren.“ In der verbleibenden Zeit bis zur Abreise am 28. Januar wird die Gruppe ihre Rundreise fortsetzen und unter anderem  den Bischof der Tamilischen Evangelisch-Lutherischen Kirche besuchen.

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