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Aktuelles

Kirche im ländlichen Raum mit Profil


Kirche als Bezugspunkt für Menschen, die für Heimat und Herkunft steht

Eine vermehrte Anzahl von Initiativen, Veranstaltungen und Projekten in der sächsischen Landeskirche deuten auf eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen den Kirchgemeinden und deren Mitgestaltungswillen im ländlichen Raum hin. Entgegen dem Trend einer abnehmenden Bevölkerungszahl im ländlichen Raum und der damit verbundenen Verringerung der Gemeindegliederzahl bleibt die Kirche im Dorf lebendig. So wird nach der „Nacht der offenen Dorfkirchen“, die am 7. Juli in 37 Kirchen des Muldentales bei Grimma viele Besucher anlockte, im Dresdner Norden ebenfalls zum ersten Mal ein Dorfkirchen-Tag durchgeführt. Hier lädt am 23. September der Kirchenbezirk Dresden Nord unter dem Motto „Wandern – Ankommen – Endecken“ dazu ein, auf verschiedenen Routen zu Fuß oder mit dem Fahrrad die schöne Landschaft zwischen Dresdner Heide, Medingen und dem Seifersdorfer Tal zu erleben und in Kirchen Station zu machen.
Der vielerorts zufrieden stellende bauliche Zustand der Kirchen, in denen derzeit zahlreiche Sommermusiken für Urlauber und Daheimgebliebene stattfinden, ist Ausdruck eines hohen gemeinschaftlichen Engagements. Darüber hinaus sind verstärkt Anstrengungen der Gemeinden zu beobachten, kirchliches Leben nach außen zu tragen.

Bild: Kinder am Wasserbecken in der Pfarrscheune
Klein-Kinderfest in der Luppaer Scheune (Foto: Thomas Barth)

So soll ein Gemeinde-Projekt wie in Dahlen und Großböhla im Kirchenbezirk Leisnig-Oschatz mit „Kirche – Kunst – Kultur“ nachhaltiges den ländlichen Raum beleben. Zentrum im Gemeindeverbund ist der kleine Ort Luppa mit dem leerstehenden Pfarrhaus, dem Pfarrhof mit dazugehöriger Pfarrscheune. Seit dem Projektstart im Mai dieses Jahres haben Kinderfeste stattgefunden, sowie zahlreiche Ausbauaktionen, um aus dem Pfarrhof ein Ortszentrum für Musik, Theater, Ausstellungen und andere kirchliche Veranstaltungen zu machen. Demnächst stehen Kinoabende in der Pfarrscheune, ein Sommerfest, ein Orgelkonzert mit Führung in der Kirche und anderes auf dem Programm. So soll das Erntedankfest auf dem Pfarrgelände am 2. September gleichzeitig ein Familiengottesdienst zum Schuljahresbeginn sein. Nachmittags spielt die Folkgruppe "Kraut & Rüben". Die Initiative in Luppa bei Dahlen ist typisch für Regionen, wo sich Gemeinden im Verbund eines Kirchspiels oder eines Schwesterkirchverhältnisses gemeinsamer Projekte annehmen. Wenn Pfarrer oder Pfarrerinnen für mehrere Gemeinden zuständig sind, bekommt die ehrenamtliche Arbeit vor Ort eine erhöhte Bedeutung. Neben der direkten Unterstützung von Gemeindeaufbau-Projekten durch die Landeskirche bietet die Ehrenamtsakademie in Meißen ein begleitendes Weiterbildungsprogramm für Ehrenamtliche an, das an verschiedenen Orten umgesetzt wird.

Bild: Hofanlage und Gebäude der Heimvolkshochschule in Kohren-Sahlis
Kohren Sahlis - Evangelische Heimvolkshochschule

Eine der sie tragenden Leiteinrichtungen ist in Kohren-Sahlis die Familien- und Erwachsenenbildungsstätte im ländlichen Raum, die als Evangelische Heimvolkshochschule u.a. Kurse für Kirchenkuratoren anbietet. Diese Kuratoren als Verwalter und Pfleger sind verantwortlich für die jeweilige Kirche an ihrem Wohnort. Sie betreuen die Kirchen, öffnen die Türen und empfangen Gäste. Im Kirchenbezirk Borna wird derzeit das neue Ehrenamt eingeführt.
In der Evangelischen Heimvolkshochschule wurde auf dem Kohrener „Land-Tag“, der erstmals Ende März dieses Jahres stattfand, die kirchliche Situation im ländlichen Raum vor dem Hintergrund struktureller, demografischer und kultureller Wandlungsprozesse diskutiert. Die Teilnehmer der Tagung waren sich darin einig, dass sich die Kirche und die Kirchgemeinden mit ihren Ideen in diesen Gesamtprozess mit einbringen sollten. Der Sächsische Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft, Stanislaw Tillich, hatte schon im Vorfeld des Land-Tages betont, dass die Kirchen im ländlichen Raum mit ihrem vielfältigen sozialen, kulturellen und bildungspolitischen Engagement einen unverzichtbaren Dienst an der Gesellschaft leisten. Die Kirche stelle einen Bezugspunkt für die Menschen dar und stehe für Heimat und Herkunft.

Bild: Kirche in Cunewalde bei Bautzen
"Dorfkirche" in Cunewalde mit 2.632 Sitzplätzen

Immerhin leben zwei Drittel der rund 834.000 evangelischen Gemeindeglieder auf dem Gebiet der Landeskirche im ländlichen Raum und der gleiche Anteil der 1.220 gottesdienstlich genutzten Kirchen prägen das Ortsbild von Dörfern und kleinen Städten. Neben Regionen wie das Kirchspiel Radeberger Land, Rochlitzer Land und Kreischa-Seifersdorf mit um die 4.000 Gemeindegliedern gibt es auch zahlreiche einzelne Kirchgemeinden mit nur bis zu 300 Gemeindegliedern, vor allem in den Kirchenbezirken Grimma und Leisnig-Oschatz. Kirchweihfeste in Dörfern sind meist Feste des gesamten Ortes, da die Kirchengeschichte untrennbar mit der Ortsgeschichte verbunden ist.
Eine gute Gelegenheit, um sich zahlreiche Kirche auch im ländlichen Raum anschauen zu können, bietet der bevorstehende „Tag des offenen Denkmals“ am 9. September unter dem Motto „Orte der Einkehr und des Gebets – Historische Sakralbauten“. So ist im Westen Sachsens die älteste noch erhaltene und von der Gemeinde durchgehend genutzte 900-jährige romanische Basilika St. Kilian in Bad Lausick genau so zu besichtigen, wie im ostsächsischen Cunewalde bei Bautzen die größte evangelische Dorfkirche Deutschlands. 

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