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Landeskirchenmusiktage in Chemnitz mit Chortreffen beendet

Bild: Erste Reihe der 4.000 Sängerinnen und Sänger

Der Theaterplatz voller Sänger lockte auch etliche Zuschauer herbei

Bild: Landesbischof spricht das Grußwort auf der Bühne
Landesbischof Jochen Bohl

Die 4. Landeskirchenmusiktage der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens gingen am 7. Oktober auf dem Chemnitzer Theaterplatz mit einem großen Chortreffen zu Ende. Am Nachmittag sangen auf der Abschlussveranstaltung 4.000 Sängerinnen und Sänger, die aus sächsischen Kirchenchören an diesem Sonntag nach Chemnitz angereist waren. Landesbischof Jochen Bohl, die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig und der Präsident des Verbandes Evangelischer Kirchenchöre in Deutschland, Lothar Friedrich, grüßten die Teilnehmer auf der Bühne vor der St. Petrikirche. „Musik ist ein Schlüssel für Rätselhaftes, wo Worte nicht gefunden werden“, sagte Landesbischof Jochen Bohl vor den Sängern. „Menschen werden getröstet durch den Wohlklang der Musik“. So gäbe es Lieder oder Melodien, die an freudige und traurige Erlebnisse erinnerten. Zur Chorarbeit gerichtet, hob er die dortige Gemeinschaft hervor, die zur Stärkung der Gemeinde beitrage. Das zeige, so Bohl, dass es keine „isolierte Frömmigkeit“ für uns geben könne. Für ihn sei der Gottesdienst, wo die Gemeinschaft und die Musik einfließen, „der Ort unseres Lebensklangs“.

Bild: Ob Barbara Ludwig vor der St. Petrikirchekirche
Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig

Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig gab ihre Freude zum Ausdruck, dass die Landeskirchentage in Chemnitz stattgefunden haben. Chemnitz sei die Stadt der Moderne, deshalb achte und pflege sie die Tradition. Kulturveranstaltungen seien ein Teil des „Lebensklangs in Chemnitz“. Neben anderen Kulturveranstaltungen trügen die Kirchenchöre zur „kulturellen Kraft dieser Stadt bei“, betonte Ludwig. Sie erinnerte an die frühe Industrialisierung der Stadt mit ihren sozialen Problemen, derer sich die Kirche annahm. Die Gründung des Kirchenchorwerks im Jahre 1888 in Chemnitz sei Ausdruck für das damalige „große musikpädagogische Potential“.
Die Oberbürgermeisterin wies in ihrem Grußwort auf die Restaurierungsleistung der letzten Jahre an der St. Petrikirche hin, wo sie sich auch sehr persönlich für die anstehende Orgelrestaurierung einsetzte. Sie warb für Stifterbriefe für die „Chemnitzer Königin“ unter den Orgeln.

Bild: Blick auf Teilnehmer in Richtung Bühne
Fernsicht - Kantor Jens Staude auf der Bühne

Neben den Chören aus den Kirchgemeinden der Landeskirche, sangen der Chor der Hochschule für Kirchenmusik und der Chor der sächsischen Kirchenmusikdirektoren. Dazu kamen Bläser und Instrumentalisten, die unter Leitung von Landeskirchenmusikdirektor Markus Leidenberger und dem Landesobmann des Kirchenchorwerks, Jens Staude, die zahlreichen Chorsätze begleitet haben. Für das gemeinsame Singen wurde für alle Teilnehmer vom sächsischen Kirchenchorwerk ein Chorheft unter dem Titel „Singt Lob und Dank mit freiem Klang“ mit Werken sächsischer Komponisten aus fünf Jahrhunderten herausgegeben. Somit konnten sich seit Anfang dieses Jahres die Chöre auf das kirchenmusikalische Großereignis vorbereiten. Die 4. Landeskirchenmusiktage standen unter dem Motto „Lebensklang“ und hatten am 3. Oktober mit verschiedenen Konzerten in und um Chemnitz und im Erzgebirge begonnen. Ein 44-seitiges Programmheft führte durch über 40 Veranstaltungen der darauffolgenden Tage. Die letzten Landeskirchenmusiktage hatten 1991 in Dresden stattgefunden.

Bild: Sängerinnen bei einem Konzert in der Petrikirche
MOSES - Konzert in der St. Petrikirche

Am Abschlusstag wurden zeitgleich in den Sonntagsgottesdiensten um 10:00 Uhr in zwölf Chemnitzer Kirchen von Gospel, Gregorianik über das Kurrendesingen bis zu Kantatenchorwerken jeweils eigene kirchenmusikalische Akzente gesetzt. Der Gottesdienst in der ehemaligen Klosterkirche der Benediktiner, der Schloßkirche auf dem Schloßberg, wurde von mehr als 500 Chorsängerinnen und -sänger unter der Gesamtleitung des Werdauer Kirchenmusikdirektors Diethard Bernstein musikalisch gestaltet. In dem Gottesdienst, der von MDR-Figaro live übertragen wurde, predigte Superintendent Andreas Conzendorf.
Ähnlich wie hier, prägten die angereisten Teilnehmer aus den Regionen der Landeskirche in den einzelnen Kirchen die Atmosphäre. Es gab einen Gregorianischen Gottesdienst mit dem Kirchenmusiker Stephan Seltmann aus Riesa und Pfarrer Christoph Seele aus Dresden in der Stadt- und Marktkirche St. Jakobi sowie Bläsergottesdienste in Chemnitz-Altendorf und in der Chemnitzer Lutherkirche. Die Sängerinnen und Sänger waren häufig bereits um 8:30 Uhr zu Proben in die jeweiligen Kirchen gekommen.

Bild: Uraufführung von Prof. Drudes Kantatenwerk in der Markuskirche
Kantatengottesdienst in der Markuskirche

Im Kantaten-Gottesdienst in der St. Markuskirche auf dem Sonnenberg erklang zum ersten Mal die moderne Kantate „Reich Gottes ist, wo Christus ist“ vom Komponisten Matthias Drude, Professor für Musiktheorie an der Hochschule für Kirchenmusik in Dresden. Der Hochschulchor, Chormitglieder weiterer Chöre sowie Bariton, Flöte, Streicher und Schlagzeug wurden vom Chemnitzer Kirchenmusikdirektor Siegfried Petri geleitet. Die Kantate vereint die Epistel und einen Ausschnitt des Evangeliums zum 18. Sonntag nach Trinitatis mit Texten von Dom Helder Camara und Ulrich Meyer. Der Bachexperte und Theologe Dr. Ulrich Meyer aus Hannover, der Dichtung und Choral dem jeweiligen Proprium der Sonn- und Festtage des Kirchenjahres zugeordnet hatte, kam wie der Komponist zur Uraufführung. Das Werk von Drude ist Teil des Kantatenzyklus „Auf dem Weg“, der im Zusammenhang mit dem 30. Evangelischen Kirchentag vom hannoverschen Stadtkirchenverband initiiert worden war. Im Gottesdienst predigte der Dresdner Oberlandeskirchenrat Dr. Christoph Münchow.

Bild: Gospelkonzert in der Jugendkirche
"Energiebündel" Carmen Wutzler (r.) vor Gospelchor in Aktion in der überfüllten Kirche

Die sechs Matineekonzerte um 12:15 Uhr konzentrierten noch einmal die Spannbreite der kirchenmusikalischen Landschaft in Sachsen und zeigten ein Stück Professionalität, die sich aus dem breiten Engagement Vieler ergibt. So sang die Meissner Kantorei 1961 unter Leitung von Professor Christfried Brödel Werke von Volker Bräutigam, Knut Nystedt, Wolfram Buchenberg, Henning Friedrichs und Heinrich Schütz in der Schloßkirche. In der Kreuzkirche sang der dortige Kammerchor unter Leitung von Steffen Walther Madrigale von Gesualdo di Venosa sowie Werke von William Byrd, Werner Wolf Gläser, Edward Elgar und Hugo Wolf. Im Kantatenkonzert des Zwickauer Domchores waren in der Lutherkirche Werke von Johann Gottfried Krebs und Johann Sebastian Bach unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Henk Galenkamp zu erleben. In der St. Markuskirche spannte die Capella Vocalis Leipzig, Kammerchor der Michaelis-Friedens-Kirchgemeinde Leipzig, unter Leitung von Veit-Stephan Budig den Bogen von Komponisten des 16. Jh. bis zur Gegenwart. Der 2001 gegründete St. Petri-Chor aus Bautzen unter Leitung des dortigen Kirchenmusikdirektors Matthias Pfund sang in der Petrikirche Werke von Johann Pachelbel, Johann Sebastian Bach und Samuel Scheidt. In der Jugendkirche St. Johannis leiteten Carmen und Friedemann Wutzler den Gospelchor REJOICE! mit vielen emotionalen Songs.

Bild: Kinder bei Szene vor Altar in der Markuskirche
Bewegte Geschichte mit Kindern und Noah in der Markuskirche C-Sonnenberg

Die Integration von jugendlichen Sängern in der Uraufführung von Stefan Jänkes Auftragskomposition „...und dann kommt auch der Frieden“ am Vortag in der Kreuzkirche zeigt, dass die Verbindung zum Nachwuchs nicht abreißen darf, damit Aufführungen wie in diesem Doppelkonzert möglich bleiben. Im anschließenden Konzert von Frank Martins „In terra pax“ waren 160 Sänger beteiligt.
Trotz der zurückliegenden schwachen Geburtsjahrgänge scheint die Nachwuchsförderung in die Kurrenden-, Kinder- und Jugendchöre hinein kein Problem zu sein, solange es Kantoren gibt, die dieses Interesse auffangen können. Kantorin Margret Leidenberger in Dresden hat mittlerweile 60 Kurrendesänger und die junge Kantorin Katharina Scheel aus Burgstädt bei Chemnitz ist bei unerwartet vielen Anmeldungen gleich nach den Ferien gezwungen, über „gewisse Grenzen“ nachzudenken. Dass die Integration gelingen kann, zeigen Aufführungen wie „Nach uns die Sintflut“, eine Kinderoper zur Geschichte der Arche Noah von Johannes Matthias Michel. Die szenische Geschichte wurde ebenfalls am Vortag in der St. Markuskirche unter Leitung von Martina Hergt aufgeführt. Über eine Stunde lang verfolgte das Publikum konzentriert die Verbindung der biblischen Geschichte von der Arche Noah mit einem Hochwasser in der heutigen Zeit und dessen ökologischen Ursachen und Folgen. Am Ende wurde den Kindern für ihre Leistung minutenlang applaudiert.

Bild: Eröffungskonzert im Zwickauer Dom
Musik sächsicher Komponisten in Zwickau

Anders als zum eintägigen landeskirchlichen Chortreffen im Jahre 2000 in Leipzig, an dem 4.400 Sänger auf dem Rathausplatz mitwirkten, wurden bei diesen Landeskirchenmusiktagen stärker Instrumentalisten, die Orgelmusik, Vorträge und Lehr- und Weiterbildungsveranstaltungen angeboten sowie das Veranstaltungsgebiet ausgeweitet. So gab es neben Chemnitz Konzerte in Orten benachbarter Kirchenbezirke sowie Seminare und Gesprächsgruppen und ein Podiumsgespräch zur „Bedeutung der Kirchenmusik in unserer Gesellschaft“ mit Vertretern der Kulturräume, des Sächsischen Musikrates und des Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst. Das Musikprogramm mit seinen Konzerten war „sehr breit gefächert“, so der Landeskirchenmusikdirektor Leidenberger in seinem Fazit nach den 4. Landeskirchenmusiktagen, an denen schätzungsweise insgesamt 4.500 Menschen beteiligt waren.

Bild: Blick auf Teilnehmer

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