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Begrüßung der Emmauskirche in Borna

Bild: Menschenmenge am Bauzaun hinter dem Transporter

Der Reformationstag in Borna begann mit Festgottesdienst in St. Marien

Bild: Podest mit Ministerpräsident und Landesbischof beim Restverrücken der Kirche
Ministerpräsident setzt "Emma" in Bewegung

Unter den Blicken von tausenden Zuschauern, die am 31. Oktober die Innenstadt von Borna bevölkerten, fuhr der Spezial-Trailer die Emmauskirche noch einmal symbolisch 30 Zentimeter passgenau über das Fundament. Ministerpräsident Prof. Georg Milbradt hatte dazu gegen 14:30 Uhr auf einem kleinen Podest das Signal gegeben. Neben ihm stand Landesbischof Jochen Bohl, der wie Milbradt Schirmherr der Aktion ist. Das 750 Jahre alte Gotteshaus wurde in den letzten Tagen in einer einmaligen Fahrt vom zwölf Kilometer entfernten Heuersdorf auf einem Tieflader mit 40 Achsen und 160 Rädern durch die Transport-Firma Mammoet heran bewegt. Die Umsetzung wurde notwendig, weil der Ort Heuersdorf im nächsten Jahr dem vorrückenden Braunkohletagebau weichen muss. Der Landesbischof brachte vor Journalisten erneut seine Hoffnung zum Ausdruck, dass der Erhalt der Emmauskirche für die „tiefen menschlichen Verletzungen“ ein Ort des Trostes sein könne. „Wir waren an der Seite der Menschen, über die das Urteil gesprochen wurde“, sagte Bohl, und sprach damit den Heimatverlust von über 300 Heuersdorfern an. Dennoch sei für ihn die Rettung der Kirche „ein Zeichen der Hoffnung und ein Versöhnungsangebot.“

Bild: Engen Stellen bei Einfahrt in Borna
Einfahrt nach Borna

„Das wird für die Bornaer an diesem 31. Oktober ein Reformationsfest der besonderen Art“, sagte Superintendent Matthias Weismann, der mit tausenden Besuchern am Tag zuvor staunend neben der einfahrenden Kirche stand. Der Spezial-Trailer mit seinen 1.000 Tonnen hatte sich am Dienstag von der Sachsenallee in die Innenstadt gefädelt und vor die Superintendentur gestellt. Für Weismann stehe die Emmauskirche hier genau richtig, denn hier mache sie im Zentrum der Region als Gedenkort einen Sinn und sei willkommen. „Wir setzen keine Kirche hin, wo keine Gemeinde ist“, fügte Weismann hinzu, und spielte damit auf andere Standorte an, die vorher im Gespräch waren.
Der Reformationstag in Borna begann am Vormittag mit einem Festgottesdienst in der benachbarten Stadtkirche St. Marien, wo der Superintendent predigte. In der überfüllten Kirche, wo viele Besucher keinen Sitzplatz mehr bekamen, hielt der bisherige Pfarrer der Emmauskirche, Thomas Krieger, ein bewegendes Fürbittgebet. Er sprach die emotionale Belastung der Heuersdorfer an.

Bild: Kirche auf Tieflader mit vielen Rädern am Platz
Standort auf dem Fundament erreicht

Nachdem das alte Gotteshaus am frühen Nachmittag auf dem Fundament zum Stehen kam, bezeichnete Krieger die Kirche als ein „Trostpflästerchen“ für die Heuersdorfer, welches derzeit die große Wunde nicht abdecken könne. Der Anblick hier neben der Marienkirche sei für ihn „gewöhnungsbedürftig“, da die Emmauskirche noch wie eine „kleine zarte Braut“ da stünde, die sich erst an den „kraftstrotzenden Herren“ gewöhnen müsse. Diese Dorfkirche mit der Aufgabe als Gedächtnisort würde nach seiner Ansicht gleichzeitig Mahnung sein, ob um jeden Preis mit der Zerstörung von Heimat weitergemacht werden dürfe. Die Kirche sei in Heuersdorf nicht entwidmet, sondern solle mit allem Inventar am Ostermontag nächsten Jahres wieder als Gotteshaus dienen.
In den nächsten zwei Tagen wird die Emmauskirche erst einmal angehoben, um den Tieflader wegzufahren. Dann wird sie am Freitag auf ihrem Fundament ruhen, in das am letzten Sonntag der Grundstein gelegt wurde. Der bauliche Zuwachs in der Stadt erforderte noch die Vergabe einer Hausnummer.

Bild: Alle Blicke zur Emmauskirche

Die Emmauskirche stehe jetzt auf dem Martin-Luther-Platz 3 und würde als „Rohbau“ erst einmal „winterfest“ gemacht, sagt Weismann zu den weiteren Vorhaben. Der detailgetreue Ausbau beginne dann später, so dass bis Ostern 2008 alles fertig sei. Dann werde die Gemeinde das 750-jährige Kirchweihfest feiern, so Weismann.
In Heuersdorf war die „Emma“, wie sie neuerdings genannt wird, über Jahrhunderte ein Gotteshaus mit Gemeinde. Von den ursprünglichen 320 Einwohnern haben mittlerweile die meisten den Ort verlassen, der bis zum Ende nächsten Jahres vor dem Vorrücken des Tagebaus geräumt sein soll.

Bild: Alter Stich aus der Kirchengalerie Sachsens - historischer Blick auf Emmauskirche
Emmauskirche - alte Heimat ist Vergangenheit

Auch die zurückgelassene Taborkirche, eine weitere Predigtstätte im Nachbarortsteil, wird dann das Schicksal der elf anderen Kirchgebäude teilen, die bereits in der Vergangenheit der Braunkohle weichen mussten. Die beteiligten Kirchgemeinden und die Landeskirche einigten sich mit der Mibrag darauf, wenigsten die 750 Jahre alte Emmauskirche zu retten, damit den Bewohnern ein Gedächtnisort in der Region erhalten bleibt. Die Transport- und Aufbaukosten aus den Entschädigungsleistungen übernimmt die Braunkohlengesellschaft.
Der spektakuläre Kirchentransport begann am 25. Oktober mit der Ausfahrt der Kirche aus Heuersdorf. Danach mussten in nächtlichen Aktionen zwei Bahnübergänge, eine Brücke und zwei kleine Flüsse überfahren werden. Am Montag, 29. Oktober, begann der Endlauf auf 160 Rädern von Lobstädt in das vier Kilometer entfernte Borna mit der Überquerung der Wyhra.

Bild: Tausende Menschen wollen an diesem Tag die Kirche auf Rädern sehen


 

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