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Advent in Sachsen derzeit kein Markenzeichen

Der Blick auf Jesu Geburt verbindet sich mit der Hoffnung auf Gerechtigkeit

Bild: Verzerrtes Bild durch zusätzlichen Sonntagseinkauf im Advent

Das verzerrte Bild durch Weihnachtseinkäufe gerade an den Adventssonntagen

Das Weihnachtsfest steht vor der Tür. Wie jedes Jahr sorgen und bemühen sich die Menschen um die notwendigen Geschenke und gleichzeitig um Annehmlichkeiten im Advent. In Sachsen, wo Räucherkerzendüfte, Pyramiden und Schnitzkunst des Erzgebirges nicht nur Accessoires sind, sondern mit den Klängen der weihnachtlichen Musik einen festen und ehrlichen Sitz im Leben haben, wird der traditionellen Festtagskultur mit den verkaufsoffenen Adventssonntagen der Boden entzogen.

Bild: Anzeige in Leipziger Volkszeitung für Sonntagseinkauf
Einkauf unter dem Stern von Bethlehem? Handel und Wandel in der Selbstkarikatur (Anzeige auf der Titelseite, Leipziger Volkszeitung)

Wenn zu diesen besonderen Sonntagen des Jahres die Einkaufszentren den Kunden nachstellen, wird der Blick auf das Weihnachtsgeschehen unklar, wo es doch um die Geburt des Jesuskindes in einem Stall geht. Das sächsische Ladenschlussgesetz gab nüchtern die Ladenöffnungszeiten ganzjährig von Montag bis Sonnabend (8:00 bis 22:00 Uhr) frei. Dazu kam die Option für Städte und Gemeinden, an weiteren vier Sonntagen öffnen zu können. Sie entschieden sich vielfach für die Adventssonntage, die zuvor einem besonderen Feiertagsschutz unterlagen. Mit dieser Entscheidung erhofften sich die Kommunen wohl ein Wunder, das jenes von Weihnachten in den Schatten stellen soll.

Die Wirklichkeit sieht anders aus. Wie jedes Jahr haben die Menschen nur das Geld in der Tasche, was sie zuvor verdient haben. Dieser Verdienst kann nicht den erweiterten Möglichkeiten des Einkaufs entsprechen, so dass mit besonderen Lockangeboten auf den Sonntag geködert werden muss. Wird der Sonntag zum WSV-Feiertag? Schließlich wirken die Erfolgsmeldungen verklausuliert zwanghaft, und zwischen den Zeilen ist Enttäuschung herauszulesen. Es ist zu hoffen, dass der Einzelhandel den Vorjahresabschluss überhaupt erreicht. Fazit: Die vielen kleinen Einzelhändler in Randlage sind die Verlierer und wenige Großunternehmen im Zentrum Gewinner. Diese „Magnete“ entwickelten allerdings eine solche Strahlkraft, dass die veröffentlichte Meinung in den Bann gezogen und gleichgeschaltet, Arbeitsplatzverluste in der Branche dagegen unterschlagen werden.

Bild: Konzert in der Kirche, Zwota/Vogt.
Kirchenkonzerte an allen Orten

Advent ist nicht Vollzug, sondern Erwartung. Eine Hoffnung auf Gerechtigkeit, die sich mit der Geburt des Jesus von Nazareth ankündigt. Davon erzählen die Oratorien, die zeitgleich und nah zu den geöffneten Kauftempeln stattfinden. Der Advent hat somit verschiedene Gesichter.
Adventsfeiern, kirchenmusikalische Veranstaltungen und Ausstellungen tragen neben den Gottesdiensten zur Besinnung auf den richtigen Advent bei. Menschen mit vollbepackten Einkaufsbeuteln werden dafür keine Zeit finden. Der Advent ist dagegen die traditionelle Zeit der Zurückhaltung und der Einkehr in der Vorbereitung auf Weihnachten, trotz vielen Engagements. Er darf nicht im Widerspruch zum Weihnachtsfest stehen, das schließlich ungeachtet der Konfessionszugehörigkeit von allen begangen wird.

Bild: Menschen für sich unterwegs beim Einkauf
Das Weihnachtsfest setzt Menschen in Bewegung

Wie jedes Jahr sind Menschen in dieser Zeit vielfach zu Besuchen von Verwandten und Freunden unterwegs. Wer mit der Deutschen Bahn das Vogtland Richtung Franken verlässt, wird in der Stadt Hof mit Werbeplakaten für den Einkauf in Plauen konfrontiert. In der strukturschwachen Region Bayerns gibt es keine verkaufsoffenen Adventssonntage. Der dortige politische Gesetzgeber hatte die Kraft, souverän die Adventssonntage sowie andere kirchliche Feiertage von den vier sogenannten Markttagen freizuhalten. Diese Markttage müssen die Städte jeweils mit einem besonderen Anlass begründen. Offenbar bedeutet dies in Bayern keinen Supergau für den Einzelhandel. Der besondere Advent in Sachsen scheint dagegen mit der Gleichschaltung der Sonntage zu Arbeitstagen sein traditionelles Gesicht zu verlieren. Jede Behinderung zusätzlicher Ladenöffnungen wird zu einer Katastrophe hochstilisiert, nachdem das "Shoppen" zur Pilgerfahrt erhoben wurde.

Bild: Slogan mit Stern: Advent richtig feiern
Aktion der Landeskirche für und nicht gegen etwas

Dass es auch anders geht, zeigen die sparsamen Schwaben, die in Baden-Württemberg mit drei verkaufsoffenen Sonntagen auskommen. Natürlich ist auch hier keine Öffnung im Advent vorgesehen. An einer mangelnden Kaufkraft kann dies nicht liegen, denn schließlich bevölkern zusätzlich tausende von schweizer Gästen im Advent die Landeshauptstadt Stuttgart. Sie müssen an den Sonntagen mit den Weihnachtsmärkten vorlieb nehmen.
In sächsischen Städten wäre wohl in vergleichbarer Situation kein Halten mehr. Offenbar haben hier andere "Hirten" das Sagen, die die Kauf-Schäfchen dorthin treiben, wo sie schnell ihrer habhaft werden. 

Bisher hatte sich die Argumentation auf die Öffnung der Geschäfte nur auf zwei Aussagen reduziert: Ich will einkaufen wann ich will! Und: Es geht hier um unsere Umsätze! Eine solche Sichtweise ordnet alles dem kommerziellen Diktat unter und macht die Gesellschaft im Ganzen ärmer und unfrei. Damit geht ein errungener Freiraum verloren, um den Advent in seiner Bedeutung angemessen und richtig feiern zu können. Die mündigen Bürger könnten sich irgendwann hinters Licht geführt fühlen. Es ist wünschenswert, dass der Gesetzgeber zum Schutz der Bürger und des Landes für Verbesserungen und für Klarheit sorgt.(15.12.07)

Landeskirche für den Sonntagsschutz

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