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Aktuelles

Stellungnahme des Landesbischofs zur Leipziger Universitätskirche

Universitätskirche - Keine Trennung von geistlicher und wissenschaftlicher Nutzung

Bild: Landesbischof Jochen Bohl (r.) und Superintendent Martin Henker
Landesbischof Jochen Bohl (r.) und Superintendent Martin Henker

Landesbischof Jochen Bohl ging am 31. März in Leipzig in einer Stellungnahme aus Anlass des bevorstehenden 40. Jahrestages der Sprengung der Universitätskirche St. Pauli am 30. Mai 2008 auf die Gründe der Zerstörung, auf das Gedenken und auf offene Gestaltungsfragen des Neubaus ein. Die damalige Universitätskirche ist seiner Ansicht nach in erster Linie wegen der religions- und kirchenfeindlichen Ideologie der SED zerstört worden, weil die Sphäre der Wissenschaft mit der des Glaubens als unvereinbar angesehen wurde. Bohl: „Für viele christliche Bürgerinnen und Bürger der DDR wurden spätestens durch den barbarischen Akt der Sprengung die wahren Ziele des sozialistischen Staates offenkundig und seine Legitimation tief erschüttert.“ In der sächsischen Landeskirche seien die Ereignisse unvergessen, zumal Repressionen und Willkür sich gegen einzelne, heute noch lebende Personen richteten. Für deren damaliges „unerschrockenes Bekenntnis weiß die Landeskirche sich unverändert zu Dank verpflichtet“, so der Landesbischof.

Bild: Baustelle auf dem Augustusplatz (Foto: Kirchenbezirk Leipzig)
Universitätsneubau - Augustusplatz

Vor dem Hintergrund des Gedenktages Ende Mai begrüße er es sehr, wenn es zu einem Einvernehmen mit der Universität in den noch offenen Gestaltungsfragen des Neubaus komme. Immerhin sei der Architektenentwurf „eine ganz ungewöhnliche Leistung“, für die Bohl der Universität und dem Freistaat Sachsen als Bauherrn und zu deren Mut für ihre Entscheidung und die Realisierung des Entwurfs gratuliere.
Allerdings könne die Landeskirche den von der Universitätsleitung gewünschten Einbau einer Glaswand zwischen dem Kirchenschiff und dem Chorraum nicht mittragen und äußert hierzu Bedenken. Diese würden verstärkt, weil eine – wenn auch gläserne – Trennwand in einem in sich stimmigen Baukörper den Eindruck erwecken könnte, als sei eine Trennung der geistlichen von der wissenschaftlichen Nutzung erforderlich. „Die eine oder andere Äußerung in dem Diskurs der vergangenen Monate“ könne so verstanden werden, als wäre gerade dies beabsichtigt.

Bild: Alte Universitätskirche (Foto: Paulinerverein e.V.)
Die 1968 gesprengte Universitätskirche (Foto: Paulinerverein e.V.)

Der Bischof weist darauf hin, dass sich die Auffassung, der christliche Glaube sei mit der wissenschaftlichen Weltsicht der Moderne unvereinbar, infolge des Gesprächs der Theologie mit den Naturwissenschaften während der letzten Jahrzehnte „weitgehend überlebt“ habe. Daher könne er auch in dieser Perspektive keine Gründe für den Einbau einer Trennwand erkennen, die letztlich die Botschaft transportieren würde, dass die Sphäre der Wissenschaft von der des Glaubens getrennt gehöre. Bohl bittet die Universität, von ihrer Forderung an den Bauherrn Abstand zu nehmen, denn ansonsten wäre es ein „fataler Rückbezug auf längst überwundene Antagonismen“.

Dies gelte auch für die historisch wertvolle Kanzel, deren Aufstellung nicht vorgesehen sei. Auch hier gelte, so Bohl, dass im lutherischen Sinn die Kanzel nicht allein der geistlichen Rede vorbehalten sei, sondern überhaupt die Bedeutung des „freien Wortes“ symbolisiere und daher auch für Vorträge genutzt werden könne.
Der Landesbischof vermag daher keinen Grund zu sehen, warum die Kanzel nicht aufgestellt werden sollte und erklärte die Bereitschaft, für die Aufbringung der damit und mit der Restaurierung verbundenen Kosten Sorge zu tragen.
Zum Ende seines Statements zum gegenwärtigen Neubau am Augustusplatz ging Bohl auf den Schmerz, der für viele Bürgerinnen und Bürger Leipzigs nach wie vor mit den Ereignissen vor 40 Jahren verbunden sei, ein. Sie würden weiterhin von der „Universitätskirche“ sprechen. Ihnen schließe er sich in der Wortwahl an.(31.3.2008)

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