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Aktuelles

Handwerker-Gottesdienst in Dresden am 4. Mai 2008

Im Wiederaufbauwerk Frauenkirche verschmolzen Kunst, Handwerk und Bau

Bild: 13 Handwerker zu Beginn des Gottesdienstes vor der Chorschranke der Frauenkirche

Zum landesweiten Handwerker-Gottesdienst am 4. Mai kamen 1.400 Handwerkerinnen und Handwerker in die Frauenkirche Dresden, bevor sich weitere Programmpunkte für die zum Teil weit angereisten Besucher an diesem Tag anschlossen. Landesbischof Jochen Bohl ging in seiner Predigt auf den Veränderungsdruck ein, dem die Wirtschaft und ihre Unternehmen unterworfen sind. So würden in vielen Bereichen bisherige Gewissheiten nicht mehr gelten. So sei Kollegialität ein „knappes Gut“ geworden und die „Billigmentalität“ setze das Wirtschaftsleben unter Druck. Ohne Beweglichkeit ginge es zwar nicht, aber wer jeder flüchtigen Mode hinterher laufe, verlaufe sich, so Bohl.

Bild: Landesbischof predigt in der Frauenkirche
Predigt des Landesbischofs

Angesichts der Schwierigkeit, das Richtige erkennen zu können, sei derjenige glücklich dran, der nicht ins Wanken gerät. Bohl nahm Bezug auf einen Spruch auf dem Handwerkszeichen der Meißner Tischlerinnung von 1839, das als Fahne vor der Chorschranke zu sehen war: „Lasset uns halten an dem Bekenntnis und nicht wanken“. In der Meisterschaft des Handwerks beim Wiederaufbau der Frauenkirche sieht der Landesbischof ein Zeichen, das aus der Kraft Gottes kam. Das könne ein Anreiz sein zu Liebe und guten Werken, um durch Gottes Güte einen festen Stand zu finden. Christenmenschen wüssten, dass trotz wirtschaftlichen Erfolgs nicht alles mit Geld bezahlt werden könne. Bohl: „Keiner ist sich selbst genug – jeder braucht Solidarität.“

Zu Beginn des Gottesdienstes zogen 13 Vertreter der Handwerkerschaft ein und legten ihre Werkzeuge vor der Chorschranke nieder. Die Ablage von Rechenschieber, Säge, Föhn, Spaten bis hin zu einem Notebook sollte den Beginn der Arbeitsruhe am Sonntag symbolisieren. Im Gottesdienst, der musikalisch von Trompeten- und Orgelmusik gestaltet wurde, wirkten Vertreter des sächsischen Arbeitskreises „Handwerk und Kirche“ mit Lesungen und Fürbitten mit.

Bild: Handwerkszeichen vor der Frauenkirche am Lutherdenkmal
Nach dem Gottesdienst vor dem Lutherdenkmal

Die am Ausgang eingesammelte Kollekte soll zur Hälfte für die Wiederherstellung der Evangelisch-Lutherischen Kathedrale St. Peter und Paul in Moskau bestimmt sein. Das 1905 geweihte Gotteshaus war unter der Sowjetherrschaft enteignet, entwidmet und schließlich in schlechtem baulichen Zustand 1992 der Gemeinde zurückgegeben worden.

Unter Bläsermusik vor dem Lutherdenkmal an der Frauenkirche zogen die Teilnehmer am Handwerker-Gottesdienst zum Kulturpalast, wo Architekt Christoph Frenzel, einer der Geschäftsführer der Stiftung Frauenkirche, einen Vortrag über den Wiederaufbau der Frauenkirche und deren Bedeutung für die Entwicklung des Handwerks hielt. Für viele Anwesende wurden Erinnerungen wach, wo sie selbst Hand an das Wiederaufbauwerk legten. Die Frauenkirche sei ein lebendiges Zeugnis der Stadt und seit dem legendären „Ruf aus Dresden“ 1992 von einem Ort der Mahnung zu einem Ort der Versöhnung geworden, resümierte der Geschäftsführer. Der Wiederaufaufbau, an dem u.a. 200 Steinmetze mitwirkten, war eine „Werkgemeinschaft im besten Sinne“, wo die Grenzen zwischen Kunst, Handwerk und Bau fließend waren, so Frenzel. Dieser Aufbau sei ein Sinnbild für Handwerk und Kirche.

Bild: Zimmerer im Eingangsbereich des Kulturpalastes
DER SONNTAG begrüßt die Zimmerer in Dresden

Nach dem Vortrag moderierte Oberlandeskirchenrat Horst Slesazeck drei weitere Berichte von Meistern der am Aufbau beteiligten Gewerke der Steinmetze, Zimmerer und Tischler, die anschaulich ihren persönlichen Einsatz erläuterten.
Für den Präsidenten der Handwerkskammer Dresden, Claus Dittrich, der Grüße von Ehrenamtsträgern und Handwerkern überbrachte, war beim Frauenkirchaufbau das Handwerk mehr als die Berufe, die daran mitgearbeitet hätten. Genauso, wie die Kirche mehr sei als die Gebäudehülle. Er sieht Handwerk und Kirche nicht nur im Zusammenhang mit dem Kirchbau eng miteinander verbunden. So sei in einer Zeit voller alltäglicher Hektik, Egoismus und zunehmender sozialer Kälte das kirchliche Engagement von Handwerkern eine „wohltuende Alternative“.

Bild: OLKR Slesazeck (l.) und Präsident Dittrich
Oberlandeskirchenrat Horst Slesazeck (l.) und Präsident der Handelskammer Claus Dittrich

Veranstalter des Großen Handwerker-Tages sind die Kirchliche Männerarbeit mit ihrem Arbeitszweig „Handwerk und Kirche“, die Stiftung Frauenkirche sowie die sächsische Landeskirche. Partner sind die Handwerkskammern Chemnitz, Dresden und Leipzig sowie der Sächsische Handwerkstag.
Handwerker-Gottesdienste haben im Freistaat seit langem eine gute Tradition, tragen jedoch zumeist regionalen Charakter und finden an wechselnden Orten Sachsens statt. Darüber hinaus organisiert der Arbeitskreis „Handwerk und Kirche“ in den Regionen zahlreiche weitere Aktivitäten, um Menschen aus Handwerk und Mittelstand zusammenzuführen und für deren Sorgen und Fragen ein offenes Ohr zu haben. Hierzu gehören zum Beispiel regelmäßige Gesprächsforen zu aktuellen wirtschaftlichen und sozialen Aspekten. Handwerk und Kirche sehen sich in einer gemeinsamen Tradition der Mitverantwortung für die gesellschaftliche Entwicklung.(4.5.08)

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