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Christen in Sachsen feiern Johannistag gemeinsam

Einmal anders: Johannistag in Neubauvierteln der Stadt

Bild: Gemeinde versammelt sich um den späteren Feuerplatz im Freien

An zahlreichen Orte Sachsens loderten am späteren Abend die Johannisfeuer nahe den Kirchen, in Pfarrgärten oder auf Friedhöfen. Der Johannestag am 24. Juni wird in Sachsen in evangelischer Tradition meist gegen 18:00 Uhr mit Andachten oder Gottesdiensten begangen. Dabei trafen sich viele Gemeinden auf den Friedhöfen oder in Friedhofskapellen, um der Geburt Johannes des Täufers zu gedenken, der später als Bußprediger am Jordan auch Jesus getauft hat. Zur Sommersonnenwende auf der Höhe des Naturjahres erinnert das Johannisfest zugleich an die Vergänglichkeit des Lebens und an das Sterben, da von diesem Datum die Tage wieder kürzer werden. Zugleich weist das Johannisfest auf Jesus als Überwinder des Todes hin. Nach den gottesdienstlichen Feiern trafen sich die Gemeindeglieder, um im Freien noch den langen hellen Abend bei Gesprächen und gemeinsamen Essen zu genießen. Als es am Sommerabend dunkler wurde, saß man noch gemütlich am prasselnden Feuer zusammen.

An die Geburt Johannes des Täufers, aber auch an seinen späteren gewaltsamen Tod durch Befehl des damaligen Königs Herodes, wies der frühere Oberlandeskirchenrat Dieter Auerbach anlässlich des Weihegedenkens an die Dresdner Sophienkirche hin. Die 1962/1963 auf Geheiß der SED-Führung enteignete und abgetragene Sophienkirche wurde am Johannistag 1602 als evangelische Kirche geweiht. Auerbach hob während der Gedenkfeier im Hauptdurchgang des Advanta-Gebäudes in seinem Vortrag die besondere Bedeutung der späteren (ab 1737) evangelischen Hofkirche als geistig-geistliches und kulturelles Zentrum für Dresden hervor. Zudem wies er auch auf die Gründungsgeschichte als Klosterkirche für einen Orden der Armen sowie auf die Rolle der Sophienkirche und ihrer Domprediger während der Nazi-Herrschaft hin. So gingen von hier deutliche Zeichen gegen die Diktatur und für die Christen im Notbund und der Bekennenden Kirche aus.

Bild: Teilnehmer an der Gedenkfeier für die Weihe der Sophienkirche
Eckhart Pätzold aus Königsstein spielt am Orgelpositiv Stücke vom Sophienkantor Christian Petzold (1709-1733)

Bild: Übergabe des Briefs mit dem gezahlten Zuschuss von der Landeskirche
Reinhard Kersten übergibt Dr. Schumann den Brief

Im Krieg stark beschädigt, wurde die Kirche schließlich abgerissen, „weil sie nicht ins Bild der neuen Stadt und in das Bild der herrschenden Ideologie passte“, so Auerbach. Für ihn grenze es daher an ein Wunder und sei eine außerordentliche Freude, dass sich jetzt der geplante Aufbau der Busmannkapelle abzeichne, nachdem es bereits 1995 eine Ausschreibung für einen Architektenwettbewerb gab. Besonders freute sich auch der Vorsitzende der Gesellschaft zur Förderung einer Gedenkstätte für die Sophienkirche, Dr. Peter Schumann, der aus den Händen von Oberlandeskirchenrat Reinhard Kersten (Finanzdezernent) die –bereits eingelöste- Zusage eines 30.000-Euro-Zuschusses entgegennahm. Ebenfalls seitens der Landeskirche dankte zuvor Oberlandeskirchenrat Dr. Christoph Münchow allen, die sich bisher für das Projekt einsetzten, so dass die Umsetzung „in greifbare Nähe“ rücke. Der Bau mit seinen historischen Bezügen könne im „Kontext zweckrationaler Gebäude in der Bauflucht bei Touristen Fragen aufwerfen“, so Münchow. Durch die Busmannkapelle als Erinnerungsort für Zerstörungen, aber auch an aufrichtige Menschen, sieht er für die Stadt eine „gute und orientierende Perspektive für die Zukunft“

Bild: Pfarrer und Pfarrerin vor der versammelten Gemeinde
U.a. Geistliche der Gemeinden im "Außendienst"

Obwohl an diesem Johannisabend viele Kirchgemeinden ihre eigenen Feiern auf Friedhöfen und in den Kirchen abhielten, verbrachten Christen wie im Dresdner Süden gemeinsam den Abend. Im Kirchgemeindezentrum Dresden-Prohlis begann um 19:00 Uhr ein Ökumenischer Gottesdienst mit dem Prohliser Gospelchor. Mehrere Pfarrer und eine Pfarrerin begleiteten den Abend in der vollbesetzten Kirche sowie anschließend auf dem Kirchengrundstück beim geselligen Zusammensein. Die Predigt warf die Frage auf, was Prophetie eigentlich sei und spiegelte sie anhand von biblischen Personen und Menschen der heutigen Zeitgeschichte. So sei es das Eine, prophetisch zu reden, das Andere, prophetisch zu sein und zu leben. Der zweite Teil der Predigt war eine Vorstellung von christlichen Projekten und gemeindlichen Initiativen, die sich meist in der Fortführung des Prozesses von Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung sehen. So informierten und warben einzelne Vertreter für die Arbeit des Ökumenischen Informationszentrums, den Weltgebetstag der Frauen, die Obdachlosen-Cafés, für Pilgerwege und für die Teilnahme am Ökumenischen Kirchentag 2010 in München.

Bild: Feuer

Die Kollekte wurde anschließend für das ÖIZ in Dresden gesammelt. Dann zog die Gemeinde hinter dem singenden Gospelchor hinterher nach draußen und versammelte sich singend und betend um die spätere Feuerstelle. Der Posaunenchor sorgte für die musikalische Begleitung beim anschließenden Anstehen nach Grillwürstchen und Getränken.
In den vielen Kirchgemeinden wird sich so manches Gespräch um die letzten Planungen für die jetzt bevorstehenden Sommer-Gemeindefeste gedreht haben. Sie finden mit buntem Programm jeweils an den Wochenenden kurz vor den großen Ferien statt.(24.6.08)

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