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Aktuelles

TV-Sendung "Ein Dorf wird gewinnen" für nächstes Jahr geplant

Fernsehshow mobilisiert Dorfgemeinschaften zur Rettung ihrer Kirchen

Bild: St. Peterskirche in Lenz
Feuchtigkeitsschäden an der Kirche auch von Ferne erkennbar

DRESDEN – Bei einer zweiten Auflage der Fernsehsendung „Ein Dorf wird gewinnen“ sollten am 14. September auch die Bewohner im Ortsteil Lenz in der Gemeinde Priestewitz bei Großenhain um die Gunst der Fernsehzuschauer werben. Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR-FERNSEHEN) wollte die erfolgreiche Unterhaltungssendung zur Rettung von Kirchen ab 20:15 Uhr live aus vier Orten ausstrahlen. Einer hätte nach Zuschauervotum diesmal den Hauptpreis von 400.000 Euro für die Sanierung seiner Dorfkirche gewinnen können. Die Mittelvergabe sowie die organisatorische und fachliche Begleitung der Aktion würde durch die bundesweite „Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler“ (KiBa) erfolgen. Der Sendetermin ist nun auf nächsten Jahr verschoben, um die Beteiligung des Westdeutschen Rundfunks an dieser Sendung zu ermöglichen.

Neben Kirchen im thüringischen Lohma im Altenburger Land, in der Gemeinde Neuengeseke bei Bad Sassendorf in Nordrhein- Westfalen sowie der Kirche in Plötzkau, Sachsen-Anhalt, weist auch die barocke evangelische Peterskirche in Lenz einen umfangreichen und dringlichen Sanierungsbedarf auf. An der Kirche liegt es gleich beim Turm, dem Dach und dem Mauerwerk im Argen. Hier gehe es nicht um Verschönerung, sondern um Substanzsicherung unserer Gemeindekirche, bewertet der zuständige Pfarrer Fritz-Rainer Neumann die Lage. Äußeres Zeichen ist die wegen Schäden angehaltene Kirchturmuhr. Sie steht bezeichnender Weise auf  Dreiviertelzwölf.

Bild: Das über 200 Jahre alte Pfarrhaus mit Fachwerkobergeschoss
Pfarrhaus mit Kanzlei, Archiv und Gemeinderäumen im Erdgeschoss. Gegenüber befindet sich ein Wirtschaftsgebäude, das in die Mitte des 17. Jahrhunderts datiert wird.

Vor einem Jahr holten die Bewohner von Walddorf (Eibau) mit ihrem Einfallsreichtum den Hauptpreis in die Oberlausitz. Derzeit wird mit Mitteln des Gewinns und mit Fördermitteln von Landeskirche und Freistaat kräftig gebaut. Wie Walddorf wäre die Kirchgemeinde Lenz mit 400 Gemeindegliedern alleine nicht in der Lage, die notwendigen Mittel für die anstehende Sanierung zusammen zu bekommen. Lenz gehört zum Kirchspiel Großenhainer Land und die benachbarten Kirchorte sind Wantewitz und Skassa-Strießen.

Die Fernsehmacher wollen mit der Sendung einen lebendigen Einblick in eine funktionierende Dorfgemeinschaft geben. Menschen, nicht Mauersteine, sollen Sympathieträger für einen unterhaltsamen Fernsehabend sein, an dem ihr solidarisches Verhalten für ein gemeinsames Ziel erlebbar wird.
In Lenz und Umgebung brachte die Botschaft über den unverhofften Fernsehauftritt einiges in Bewegung. Nicole Albering, Gemeindehelferin und dreifache Mutter, sah sich plötzlich in der Rolle einer „Event-Managerin“ und ist jetzt „viel unterwegs“. So hätte es zwei größere Info-Veranstaltungen in der Kirche gegeben und u.a. wären bereits kirchlicher Frauendienst, Feuerwehr, Kindergärten und Musikschule bei der Programmgestaltung mit dabei. Jetzt würden regionale Sponsoren für das Programm gesucht, über das noch nicht viel verraten wird.

Bild: Pfarrer Neumann an den hölzernen Dachträgern
Der Dachboden ist vom Schwamm befallen und die dicken Bohlen fühlen sich an wie Pappe

Aufgrund des Medienrummels wird es nicht beim örtlichen Rahmen bleiben. Eckhard Klabunde, Superintendent in Großenhain, der die Kirche vor Ort inspizierte und mit „offenen Augen durch die Kirche gegangen ist“, nahm es aufgrund seines Eindrucks sehr persönlich. So verliefen die Vorbereitungen auf das Ereignis am 14. September auch auf dieser Ebene konsequent und der Superintendent sehe bei der Unterstützung von Lenz „den Kirchenbezirk in einem Boot“. Durch einen Künstler wurde inzwischen ein Plakatbild zur Kirche entworfen, das zur Werbung um den Erhalt dieser Kirche dienen wird.

Die an einer Straßenkreuzung gelegene, zwischen 1700-10 aus Bruchsteinen erbaute und verputzte Saalkirche mit Westturm, weist extreme Baufälligkeit am Turm und im Dachbereich auf. Das Orkantief Kyrill im Januar 2007 gab dem Dach den Rest, das nur notdürftig repariert werden konnte. Die Dachkonstruktion ist vom Schwamm befallen, der die Holzständer und -balken zersetzt. Feuchtigkeitsschäden im Mauerbau, die zu Schimmelbildung im Innenraum führen, sind ein ernstes Problem für die Nutzung. Altar und Kanzel (um 1600) stammen aus der Lausitz. Neben zahlreichen Epitaphien besitzt die Kirche eine Orgel von Karl Eduard Jehmlich, 1856.(13.7.08)

Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler

Walddorf in der Oberlausitz gewann 2007

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