Ausstellungen im Dom zu Meißen
DOM ZU MEISSEN
Hochstift Meißen, Domplatz 7, 01662 Meißen
Telefon: 03521 452490, Telefax: 03521 453833
Öffnungszeiten: April-Oktober 9-18 Uhr · November-März 10-16 Uhr
BILDER ZUR PASSION

22. Mai – 31. Oktober 2010
Gerda Lepke, Dresden/Gera, Arbeiten auf Leinwand
Heidemarie Dreßel, Dresden, Skulptur/Installation
Eröffnung: Pfingstmontag, 24. Mai, 12 Uhr
in Anwesendheit der Künstlerinnen
Einführung: Dr. Carolin Quermann, Kunsthistorikerin, Dresden
Musikalische Umrahmung: Domkantor Jörg Bräunig, Orgel, Meißen
10.00 Uhr Festgottesdienst
Predigt: Landesbischof Jochen Bohl
Die Bach-Kantate im Gottesdienst: Kantate BWV 172 "Erschallet, ihr Lieder", Capella Misnensis, ensemble meißner dommusik
Leitung/Orgel: Jörg Bräunig
Anlässlich ihres 70. Geburtstages im vergangenen Jahr will der Kunstdienst Gerda Lepke mit dem Ausstellungsvorhaben im Dom zu Meißen ehren. Als plastisch bildende Partnerin hat sie sich für die Dresdner Künstlerin Heidemarie Dreßel entschieden. Das Thema BILDER ZUR PASSION haben sich die Künstlerinnen selbst gewählt und speziell für diesen Ort neue Werke geschaffen, die nun ab Pfingsten 2010 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Die Präsentationen neuer Kunstwerke im Dom zu Meißen sind keine Ausstellungen im herkömmlichen Sinne wie in einer Galerie, wo es allein um das Präsentieren der Kunstobjekte geht. Die gezeigten Werke wollen sich einordnen in das bedeutende sakrale Bauwerk, sie wollen in einen Dialog zu den historisch gewachsenen Kunst-werken treten und temporär als Beitrag unserer Zeit standhalten und gelten.
Für Gerda Lepke ist es seit Jahrzehnten ein innerer Auftrag, sich mit dem Thema PASSION zu beschäftigen, sich künstlerisch auseinander zu setzen. PASSION ist für sie ein inneres Geschehen, steht für Tod und Erlösung, in Konfrontation mit Hoffnung und Trost. Das Kreuzeszeichen ist für sie eine unübertroffene Metapher für Leid und steht sowohl für Wut als auch für Trost und Hoffnung. In ihren neuen Malereien auf Leinwand spürt sie den Stationen der Passionsgeschichte menschlich nach, sowohl der Ambivalenz des Jüngers/Freundes und späteren Verräters Judas als auch des gegeißelten Jesus. Was ist das: Grablegung? Was bedeutet das: Weg-gehen? Es ist ein Versuch des Erfassens von Tod. Gerda Lepke arbeitet dabei nicht gegenstandslos, bleibt sowohl in der bekannten Ikonografie als auch in Konfrontation mit schon gestalteten Bildern (z.B. Veit Stoß) und biblischen Texten.
Heidemarie Dreßel nähert sich mit den Skulpturen "Lamm Gottes", "Dornenkrone" und "Kreuz A4/V2" aus gebranntem Ton und einer Installation "Dreißig Silberlinge" im Garten des Kreuzganges auf eine andere Weise. Sie hat sich im Laufe der Auseinandersetzung der anfänglich ihr innerlich entfernten Symbolik geöffnet und einen neuen Zugang in einer für sie erweiterten Sicht gefunden: ihre BILDER ZUR PASSION sind für sie untrennbare Glaubens- wie Kunstäußerungen, sie stellen für sie keine abgeschlossene Beschreibung dar. Die "Innenwelt" der christlichen Konfession trifft auf die "Außenwelt" unserer täglichen Wirklichkeit. So sieht sie in den "Silberlingen" nicht nur Verrat, sondern auch Gier und Geldsucht und nicht ganz zufällig kann man in ihnen das allgemeine Zeichen für Geldwährung erkennen und ist das Kruzifix der heutigen Zeit vergleichbar mit einer Bombe.
Gerda Lepke, 1939 in Jena geboren. 1963–1966 Abendstudium an der Hochschule für Bildende Künste, Dresden. 1966–1971 Studium an der HfBK, Dresden, Diplom – Malerei und Graphik. Seit 1973 zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland. 1989 begründet sie mit 21 Künstlerinnen die Dresdner Sezession, die sich aktiv in den lokalen und überregionalen Kunstbetrieb einschaltet. Es geht um die Sichtbarmachung der Kunst von Frauen. 1991 Lehrauftrag an der Sommerakademie Paderborn, 1992 Teilnahme am Deutsch-Brasilianischen Künstler-Workshop in Maceio/Brasilien. 1997 Ernennung zum Gründungsmitglied der Sächs. Akademie der Künste in Dresden. 1998 Bezug des Künstlerhauses in Gera, lebt in Dresden und Gera. 1979 Grafikpreis, Biella/ltalien, 1988 Grafikpreis, Hundert ausgewählte Grafiken, DDR, 1990-1991 Kunstförderpreis der Sparkasse Bonn, 1993 1. Kunstpreis der Stadt Dresden.
Heidemarie Dreßel, 1943 in Dresden geboren, 1964–1969 Architekturstudium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, bis 1980 Arbeit als Architektin, ab 1980 freischaffende Plastikerin in Dresden. Beschäftigung mit keramischer Skulptur sowie Arbeit mit Holz, Metall, Textil. Seit 1986 zahlreiche Ausstellungen und -beteiligungen,
1989 Mitbegründerin der Dresdner Sezession 89, seit 1994 maßgebliche Konzeption und Organisation der MNEMOSYNE WasserKunstAktionen der Dresdner Sezession 89 sowie des MNEMOSYNE WasserKunstWeges, Dresden. Seit 1984 plastische Arbeiten, Aktionen, Installationen im öffentlichen Innen- und Außenraum.
RELIQUIE MENSCH

16. Mai 2009 – 16. Mai 2010
Michael Morgner, Malerei
Ausstellungseröffnung: Sonntag, 17. Mai, 13 Uhr
im Anschluss an den Gottesdienst, der 12 Uhr beginnt
Einführung: Matthias Flügge, Kunsthistoriker, Berlin
Musikalische Umrahmung: Carmen Wutzler, Orgel, Weinböhla
In Michael Morgners Arbeiten verschmelzen die Techniken und Gattungen miteinander: seine Grafik erreicht Dichte und Mehrschichtigkeit durch die Nähe zu plastischen Verfahren wie zum Beispiel dem Relief, die vielen Schichten seiner Malerei rufen haptische Wirkungen hervor, seine Bildhauerei kann an die linienhafte Struktur von Zeichnungen erinnern. Michael Morgners Kunstanschauung ist konsequent am Menschen und seinen existentiellen Konflikten ausgerichtet. Er begreift menschliches Dasein von der Wurzel des Todes her, deshalb konzentriert er sich in seinen Arbeiten immer wieder auf die Passionsgeschichte, auf den gekreuzigten Christus. (aus dem Katalog „Existenz“, Dr. Beatrice Lavarini)
1942 in Chemnitz geboren. 1961-1966 Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig, Diplom. Seit 1966 freischaffend. 1969 Ablehnung des konventionellen, am sogenannten „Sozialistischen Realismus“ orientierten Lehrstoffes. 1977 Mitbegründer der Künstlergruppe „CLARA MOSCH“. Die Produzentengalerie wird zu einem überregionalen Forum für Aktionen oppositioneller Künstler. Schwere persönliche Erkrankungen und Sterbefälle in der Familie führen zur Auseinandersetzung mit dem Thema Tod. 1988 nimmt Morgner nicht an der X. Kunstausstellung teil, sowie Austritt aus dem VBK.
Nach der Wende1989 große Ausstellungen im In- und Ausland (u.a. Martin-Gropius-Bau, Berlin; Oslo). Gründungsmitglied der Sächsischen Akademie der Künste Dresden und der Freien Akademie Leipzig. Immer konsequenterer Umgang mit der Bildfläche. Ab 1996 Arbeit an erster Großskulptur aus Stahl.
2004 Fertigstellung des Radierzyklus „Narben“, der u. a. neben neuen großformatigen Arbeiten im Dom zu Meißen gezeigt wird. 2008 gestaltete Morgner die Fenster der katholischen St.Josephskirche in Dresden-Pieschen (Ausstattung Friedrich Press).
In seinen Arbeiten wird für Michael Morgner immer wieder die Leidensgeschichte Christi zur existentiellen Metapher.

>Auferstehung<
3. September – 31. Oktober 2009
Batuz und Michael Morgner
Kunstgespräch: Sonntag, 13. September 2009, 13 Uhr
im Anschluss an den Gottesdienst, der 12 Uhr beginnt
Impulsvortrag: Pfarrer Christhard-Georg Neubert, Berlin, Direktor der Stiftung St. Matthäus, Kulturstiftung der Ev. Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz,
Anschließendes Gespräch mit beiden Künstlern
An der Orgel: Jörg Bräuning, Domorganist Meißen
Die >Kreuzigung< gibt es in vielfältigen Darstellungen, befindet sich doch in jeder Kirche (mindestens) ein Kruzifixus oder ein solches Altarbild. So steht sie neben dem Kreuzestod, der eine zentrale Aussage in der Theologie des Christentums darstellt als Notwendigkeit für die Heilsgeschichte, aber auch für das Leid und die Not der Menschheit und Kreatur insgesamt.
Dagegen wird das Thema >Auferstehung< in der bildenden Kunst eher selten dargestellt. Die >Auferstehung< ist das zentrale Glaubenszeugnis der Christen und eigentlich nicht darstellbar. Trotzdem versuchen Künstlerinnen und Künstler zu allen Zeiten diese zentrale Aussage in Bildern auszudrücken.
In der derzeitigen Ausstellung RELIQUIE MENSCH zeigt Michael Morgner (s)eine >Auferstehungs-Darstellung< in dem 4. großformatigen Bild der Folge >Golgatha<. Bei einem Besuch mit seinem Künstlerfreund Batuz im Dom zu Meißen sind sie von der enormen emotionalen Kraft der Fürstenkapelle inspiriert worden, dort ein Bild der
>Auferstehung< dazuzustellen. Beide sind nun dabei, zusammen ein Bildwerk zu schaffen, dem der ehemalige Eingang, der dem Westportal gegenüber liegt, als Rahmen dient und dort temporär zur Aufstellung gelangt und somit einen starken Kontrast bildet, quasi in einen Dialog tritt zu den liegenden Grabplatten, die den Tod bildhaft verkörpern.
Batuz, 1933 in Ungarn geboren, ist Weltbürger. Die Darstellung und Überwindung von Grenzen ist das zentrale Thema in seinem künstlerischen Werk. Durch das eigene Erleben von Krieg, Flucht und mehrfacher Migration - immer auch die Überwindung von physischen Grenzen - erhielt dieses Leitmotiv seine besondere Authentizität und so hat sich im Laufe der Jahre in vielen kleinen, folgerichtigen und zielorientierten Schritten eine Lebensaufgabe entwickelt, der sich der „praktische Philosoph“ Batuz mit all seiner Kraft stellt: die Überwindung von Grenzen in allen ihren möglichen Formen.
Seine Werke befinden sich in allen wichtigen Museen der Welt u. a. National Gallery of Art, Washinton/USA; Guggenheim Museum, New-York/USA; Hara Museum, Tokyo/Japan, Nationalgalerie, Berlin; Wallraf-Richartz-Museum und Museum Ludwig, Köln.

BEGEGNUNGEN
6. August – 22. November 2006
Malerei – Wolfram Hänsch, Meißen
Skulptur – Frank Maasdorf, Dresden
BEGEGNUNGEN - so der Titel der Ausstellung – zwischen den Kunstgenres Malerei und Bildhauerei, zwischen den Kunstwerken zweier befreundeter Künstler sowie zwischen zeitgenössischer, zum Teil vordergründig nicht religiöser Kunst neben Epitaphien und kirchlichen Ausstattungsgegenständen im sakralen gotischen Dom.
Die Ausstellung bestehend aus Malereien und Radierungen von Wolfram Hänsch und Skulpturen aus Sandstein und Bronze von Frank Maasdorf will aber vor allem auch BEGEGNUNG der verschiedenen Kunstwerke mit jedem einzelnen Besucher und jeder Betrachterin sein und im Gesamteindruck des lichtdurchfluteten ehrwürdigen Gotteshauses wirken.
WOLFRAM HÄNSCHS Entdeckungen des Nahen und Greifbaren in dem Motiv der Innentreppen mit Innenräumen und Geländern hat eine unerhört tiefgehende Wirkung. Es wird dadurch das Einfache, uns allen Bekannte und Vertraute förmlich zur Ikone des Alltäglichen gemacht – so charakterisiert Helmut Heinze seine Malereien. Was er ins Bild setzt, - so Wulf Kirsten - strahlt Ruhe aus. Die wenigen, mit Sorgfalt gewählten Details sind einfach Gegenstände, die ganz für sich selbst stehen und sprechen, eben die sinnlich konkrete Sprache der uns umgebenden Dinge.
Neben den Malereien beidseitig im Langhaus des Domes wird auch im Nordwest-Turm ein Blatt Radierungen mit den 14 Kreuzwegstationen von Wolfram Hänsch gezeigt.
Im Dialog zu den Malereien sind im strengen Rhythmus dazu die Skulpturen von FRANK MAASDORF geordnet. Sie fügen sich wie selbstverständlich in das architektonische Gefüge zwischen Fenster- und Pfeilergliederung und Epitaphien ein. Strenge Bildhauerei von Frank Maasdorf, die ohne Schnörkel eine prägnante Aussage macht.
In der Malerei der zwar von Menschen geprägte, jedoch menschenleere Raum. In der Skulptur meist die menschliche Figur und deren körperliche Sinnlichkeit. Auf diese stille Weise entsteht ein tiefes, vielfältiges Netzwerk der Beziehungen dieser beider Künstler.
FRANK MAASDORFS Werke sind ganz der klassischen Bildhauerei seit Michelangelo verbunden, von außen nach innen gearbeitet, aus dem Blockvolumen heraus ge-dacht und entwickelt. Manchmal fast unfertig wirkend – das „Non finito“, das Nichtvollendete, Fragmentarische meint man zu spüren. Frank Maasdorf wählt sehr oft den Torso als sein Ausdrucksmittel.
In ihm bringt er alles unter: tiefste Menschlichkeit und Verinnerlichung, Gedankentiefe, die Gestalt des Menschen - nicht als Abbild, sondern das Elementare des menschlichen Lebens zu veranschaulichen, den bloßen Menschen in seiner Seinsform, ganz auf sich gestellt, ganz in sich, archaisch verharrend zu zeigen und seine künstlerischen Ideen – das Bestreben, die plastische Form zu verknappen, zu abstrahieren.
So wird der Torso im 20. und beginnenden 21. Jh. zum Sinnbild des Menschen und stellt einen Zustand dar, in dem das Geistige auf den Körper übertragen und durch ihn ausgedrückt wird.






















