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Landeskirche

Sachsens Bischöfe

Im Folgenden ein Beitrag der Zeitschrift "DER SONNTAG", Wochenzeitung der Evangelisch-Lutherischen-Landeskirche Sachsens, erschienen anlässlich der Einführung des neuen Landesbischofs im Juni 2004:

Sachsens Bischöfe

Der bevorstehende Wechsel im Amt ist Anlass für einen Rückblick

DER SONNTAG, Nr. 13/2004 - Text: Dieter Auerbach

Das evangelische Bischofsamt ist nach dem Ende der Staatskirche neu konstituiert worden. Bis dahin war der Oberhofprediger der leitende Geistliche im Königreich. Die Landeskirche gab sich eine neue Verfassung, die nach langen Überlegungen am 29. Mai 1922 von der Landessynode beschlossen wurde.

Bild: Ludwig Heinrich Ihmels
Ludwig Heinrich Ihmels war Landesbischof von 1922 bis 1933. Das Gemälde hängt im Landeskirchenamt und ist Teil einer Porträtreihe, die auf die Oberhofprediger zurückgeht. (Repro: Steffen Giersch/DER SONNTAG)

Am 29. September 1922 nahm der 75-jährige Oberhofprediger D. Dr. Franz Dibelius seinen Abschied und am 30. September wurde der Leipziger Theologieprofessor D. Ludwig Ihmels im Sitzungssaal des Landeskonsistoriums als erster sächsischer Landesbischof verpflichtet.

Seit 1902 lehrte er in Leipzig Systematische Theologie und war als Universitätsprediger bei Studenten und vielen Bürgern hoch geschätzt. Seine theologische Weisheit und lebensnahe Verkündigung kam nun den Kirchgemeinden und Pfarrern bei seinen Besuchen zugute. Seine Predigtstätte war die Sophienkirche in Dresden, die »Domkirche«. Am 7. Juni 1933 starb er an einem Krebsleiden.
Die Vakanz benutzte der Innenminister Dr. Fritsch, um in einem Gewaltstreich am 30. Juni 1933 die Befugnisse sämtlicher kirchenleitender Organe (Landesbischof, Landeskonsistorium, ständiger Synodalausschuss) auf den Führer der Arbeitsgemeinschaft nationalsozialistischer Pfarrer, Friedrich Coch, zu übertragen. Die Geheimräte im Landeskonsistorium wurden beurlaubt, desgleichen sieben Superintendenten und 14 Pfarrer. Der Kirchenkampf hatte begonnen. Am 7. Dezember sammelten sich die Pfarrer des »Notbundes«, aus dem die »Bekennende Kirche« hervorging, in der Zionskirche, sprachen Friedrich Coch als Irrlehrer die geistliche Führung ab.

Bild: D. Carl Hugo Hahn
D. Carl Hugo Hahn war Landesbischof von 1947 bis 1953. Mit seinem Bild wurde die Porträtreihe abgebrochen. (Repro: Steffen Giersch/DER SONNTAG)

Im zerstörten Dresden und dem durch die Besatzungsmächte geteilten Land war ein neuer Anfang schwer. Geheimrat D. Erich Kotte beauftragte D. Franz Lau als Landessuperintendent mit der geistlichen Leitung. Mit einem landeskirchlichen Beirat konnte die innere und äußere Einheit der Landeskirche wiederhergestellt werden. Neue Superintendenten wurden berufen, Pfarrer, die sich dem NS-Regime gebeugt hatten, wurden versetzt. Schließlich gestattete die Sowjetische Militäradministration dem 1938 ausgewiesenen Superintendenten Hugo Hahn die Rückkehr aus Württemberg nach Sachsen. Am 21. Oktober 1947 führte ihn der württembergische Landesbischof D. Theophil Wurm im Dom zu Meißen als Landesbischof ein. Gern hörten wir ihm zu, wenn er zu den Himmelfahrtstreffen der Jungen Gemeinde nach Taucha und Sehlis kam. Freudig wurde er begrüßt, wenn er Gemeinden besuchte.

Nach sechs Jahren übergab er am 21. Oktober 1953 im Dom zu Meißen das Bischofskreuz an Oberlandeskirchenrat D. Gottfried Noth. Die Auseinandersetzungen mit dem atheistischen Staat blieben langwierig und hart. Die kirchliche Jugendarbeit wurde bedroht, die Jugendweihe eingeführt, die Christenlehre aus den Schulräumen verbannt und die Existenz der Kirche in der Öffentlichkeit in Frage gestellt. Gottfried Noth half den Gemeinden und Pfarrern durch seine entschiedene Haltung und theologische Klarheit. Von Ostern bis Pfingsten führte er Jahr für Jahr die Generalvisitation in einem
Kirchenbezirk durch. Auch um die »Bausoldaten« kümmerte er sich. Es gelang ihm sogar einmal, durch ein offenes Lagertor in Schneeberg vorzudringen, um mit ihnen zu sprechen und dort eine Andacht zu halten. Unerwartet früh starb Gottfried Noth am 9. Mai 1971 im Dresdner Diakonissenhaus, wo er 1931 seinen Dienst als Hilfsgeistlicher begonnen hatte.

Bild: Johannes Hempel
Johannes Hempel war Landesbischof von 1972 bis 1994. Sein Porträt malte erst kürzlich Christoph Wetzel, der auch die Dresdner Frauenkirche ausmalt. Damit wurde die Reihe der Bischöfe »in Öl« wieder aufgenommen. (Repro: Steffen Giersch/DER SONNTAG)

Am 15. Januar 1972 wurde Dr. Johannes Hempel in der Kreuzkirche in sein Amt eingeführt. Er war Studentenpfarrer in Leipzig und Direktor des Predigerkollegs gewesen. Viele damalige Studenten erinnern sich noch an seine Bibelarbeiten. Ein partnerschaftlicher Leitungsstil prägte seine Amtszeit. Sein Wort wird bis heute in der ökumenischen Bewegung geschätzt. 1983 wurde er zu einem der sieben Präsidenten des Ökumenischen Rates gewählt. Von 1982 bis 1986 war er Vorsitzender der Konferenz der Kirchenleitungen in der DDR. Die Ansprache Bischof Hempels beim »Forum Frieden« am 13. Februar 1982 in der überfüllten Kreuzkirche bleibt für alle, die den Tag in der spannungsgeladenen Situation miterlebten, unvergessen.

Nach 22-jähriger Amtszeit übergab er am 9. April 1994 das Bischofskreuz an Oberlandeskirchenrat Volker Kreß, der vor neuen, unerwarteten Herausforderungen stand. Galt es doch, die vielen neuen Möglichkeiten der Seelsorge, etwa in Krankenhäusern, Justizvollzugsanstalten und Kasernen zu nutzen, andererseits die Finanzierung kirchlicher Arbeit zu sichern. Durch seine Besuchs- und Predigttätigkeit hat Bischof Kreß unter neuen Verhältnissen das Vertrauen bei Pfarrern und Gemeinden festigen können. Nun
wachsen die Spannungen in der Gesellschaft und die Landeskirche hat teil an den sozialen Problemen. Eine neue Generation übernimmt die Leitung unserer Kirche. Unsere Gebete werden auch den neuen Landesbischof in seinem Amt begleiten.

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