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Landeskirche

Kirche ruft zu Spenden für Hochwassser-Opfer auf

05. Juni 2013

Aus einem Gespräch mit Landesbischof Jochen Bohl
Quelle: DIE WELT online


Sachsens Landesbischof Jochen Bohl hat sich ein Bild von der katastrophalen Lage gemacht. Er hofft auf finanzielle Zuwendungen wie bei der Flut 2002 – und sieht eine "extreme psychische Belastung".

Von Karsten Kammholz


Der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche Sachsens, Jochen Bohl, ruft zu Spenden für die vom Hochwasser betroffenen Menschen auf. "Wir wünschen uns, dass es auch in dieser Situation eine hohe Spendenbereitschaft geben wird", sagte Bohl der "Welt". Der Landesbischof kündigte an, dass in seiner Landeskirche am Sonntag in allen Gottesdiensten in der Kollekte für die Betroffenen des Hochwassers gesammelt werde. "Da wird sicherlich eine ordentliche Summe zusammenkommen", so Bohl.

Der Theologe erinnerte daran, dass das Diakonische Werk in Sachsen bei der Flut im Jahr 2002 rund 60 Millionen Euro an Spenden erhalten habe. Diese habe man sehr gut einsetzen können. "Mich hat damals die große Solidarität sehr überrascht. Wir werden uns als Kirche nun wieder um Spenden bemühen", sagte Bohl weiter.

Laut Bohl, der sich zuletzt selbst ein Bild von betroffenen Hochwasser-Regionen machte, will die Kirche den Opfern der Flut verstärkt seelsorgerliche Hilfe leisten. "In Grimma stehen die Pfarrer bereits als Notfallseelsorger zur Verfügung. Sie werden ihre Hilfe anbieten, vor allem dann, wenn die Bewohner in ihre teils zerstörten Wohnungen und Häuser zurückkehren", kündigte der Landesbischof an.

Das Amtszimmer eines Pfarrers ist abgesoffen

Auch die Kirche selbst leidet unter dem Hochwasser. An 20 bis 30 kirchlichen Gebäuden hätten die Fluten Schäden verursacht, auch manche Kirchen seien betroffen, schilderte der Bischof seine Eindrücke. "Allein an einem Haus haben wir bereits einen Schaden von mindestens 100.000 Euro festgestellt."

Beim Pfarrer in Grimma sei das Amtszimmer mit seiner gesamten theologischen Bibliothek abgesoffen, so Bohl. "Die Menschen in Grimma sind verzweifelt." Sie hätten vor elf Jahren enorme Anstrengungen unternommen, um ihre Stadt wieder aufzubauen. Dass nach so kurzer Zeit das Wasser wieder in der Stadt steht, sei schon eine "extreme psychische Belastung", so der Theologe. Manche würden jetzt sagen: "Wir müssen hier wegziehen." Er könne die Verzweiflung gut nachvollziehen, erklärte der Bischof.

"Gottvertrauen hilfreich"

Doch vor Schuldzuweisungen warnte Bohl. Viele der Aufbaumaßnahmen von 2002 seien noch nicht fertig gestellt worden, erklärte er. "Man kann aber niemandem vorwerfen, zu langsam gearbeitet zu haben." Man müsse jetzt einfach das Notwendige tun, den Leuten zur Seite zu stehen. "Wir sollten jetzt nicht auf die Suche nach Schuldigen gehen", mahnte Bohl.

Auch die Bibel kann den Hochwasser-Opfern in ihrer Lage Trost schenken, ist der Bischof überzeugt. Im Gespräch mit der "Welt" zitierte er Psalm 46, Vers 2: "Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben."

Das sei ein schönes Bibelwort, das Hilfe spenden könne, so Bohl. "Man kommt nicht durch ein Leben hindurch, ohne auch mal in Not zu geraten. Da ist ein Gottvertrauen hilfreich, die Zukunft anzupacken, auch wenn man für den Moment keinen Ausweg sieht."


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