Navigation überspringen

Landeskirche

Sächsische Zeitung vom 12.07.2007

Landesbischof Jochen Bohl zur Erklärung des Vatikans zu einigen Aspekten der Lehre über die Kirche

Neues bringt die jüngste Erklärung aus Rom nicht, leider. Denn bereits durch die Erklärung „Dominus Jesus“ aus dem Jahr 2000 hatte der Vatikan klargestellt, dass die Kirchen der Reformation nach seiner Auffassung nicht „Kirchen im eigentlichen Sinn“ sind. Schon damals hatten die evangelischen Christen diese Aussage wegen der Abwertung, die darin liegt, als Brüskierung aufgefasst. Auch viele ökumenisch gesonnene katholische Christen hatten mit Unverständnis reagiert, denn in ihrer Wahrnehmung, die sich im alltäglichen Miteinander der Konfessionen bildet, sind die evangelischen Gemeinden selbstverständlich Kirche Jesu Christi. Im theologischen Gespräch waren seitdem konstruktive Vorschläge erörtert worden, die Rom aber offensichtlich nicht weiter verfolgen will. Mit dem gestrigen Tag haben insofern die Hoffnungen auf eine weitere positive Entwicklung der Ökumene einen Rückschlag hinnehmen müssen. Das bedaure ich sehr.

Zugleich sehe ich aber eine Selbstisolation der römischen Theologie, der jedes Gespür für die Begrenztheit der eigenen Position abgeht. Man fixiert sich auf das eigene Verständnis vom Kirche - Sein und dabei insbesondere auf die Aspekte, die gegen dasjenige des ökumenischen Partners gerichtet sind. Auf diesem Weg wird man nicht weiterkommen. Vielmehr muss es im ökumenischen Gespräch ja immer darum gehen, ein vertieftes Verständnis des christlichen Glaubens in seinen unterschiedlichen Ausprägungen zu gewinnen und deshalb die Aspekte zu würdigen, die dem jeweils anderen wichtig und zu Eigen sind.

Die lutherischen Kirchen jedenfalls werden nicht anders können - und wollen - als immer wieder zu betonen, dass ihr Verständnis von Wesen und Aufgabe der Kirche an dem strengen Maßstab der Bibel gewonnen wird. Dazu gehört die Einsicht, dass es kein unfehlbares Lehramt geben kann. Jeder Christ ist urteilsfähig in Fragen des Glaubens, wozu ein an der Bibel geschärftes Gewissen hilft. Auch entscheidet sich für die Kirchen der Reformation das Kirche – Sein vor allem anderen an der Treue zur Botschaft der Bibel und weniger an äußeren Zeichen. Weil Gott keinen Unterschied im Ansehen der Person macht, können Frauen und Männer gleichermaßen in die Ämter der Kirche berufen werden und Kirchenvorstände verantwortlich die Gemeinden leiten. Die Pfarrer und Pfarrerinnen haben einen unverzichtbaren Auftrag, sind aber nicht durch eine besondere Weihe von den Gemeindegliedern unterschieden.

Im vergangenen Jahr haben Bischof Joachim Reinelt und ich im Meißner Dom gemeinsam eine ökumenische Andacht zum 900. Jubiläum des Bischofs Benno gehalten. Das war eine Geste, die noch vor wenigen Jahrzehnten für ganz unvorstellbar gehalten worden wäre, und viele Christen im Land Sachsen haben sich über das gute und herzliche Miteinander ihrer Kirchen gefreut, das darin zum Ausdruck kam. Wir wollen an dem festhalten, was in den letzten Jahren an Gemeinsamkeit gewachsen ist.

Schriftgrösse
[A]
[A]
[A]
Link-Tipps