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Landeskirche

Landesbischof Jochen Bohl zur Verabschiedung von Dr. Eberhard Burger in den Ruhestand

Jochen Bohl: "Hingabe und Kompetenz"

DNN vom 20. Juli 2007

Fast zwei Jahre sind nun vergangen, seitdem wir die wieder aufgebaute Frauenkirche geweiht haben, und es ist für uns Bürgerinnen und Bürger ein ungebrochener Grund zur Freude, dass wir den Bau betrachten können in seiner Schönheit, in der Harmonie seiner Formen, die steinerne Glocke mit dem Kuppelkreuz gleichermaßen als Krone über der Stadt. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich auf der Carolabrücke hinübersehe zur Altstadt oder am Elbufer mit dem Fahrrad näher herankomme, wie schön sie ist. Und ebenso denke ich bei jedem Gottesdienst oder Konzert in ihr an „das Wunder Frauenkirche“ – das Wiedererstehen eines Gotteshauses im Geist der Versöhnung nach einer Geschichte von Verblendung, Hass und Krieg; ein Wunder, an das zuerst nur wenige glauben konnten, von dem sich dann aber viele ergreifen und anstiften ließen. Diese Kirche spricht von dem Bösen, das Menschen einander antun, von den Schrecken des Krieges und den Verletzungen, die sie sich zuzufügen in der Lage sind – und von der Fähigkeit, Wunden heilen zu können, wenn wir zur Versöhnung bereit sind, wenn wir nur glauben. So wurde der Wiederaufbau ein Zeichen, dass unsere Stadt lebt, dass wir das Leben nicht nur an uns vorüberziehen lassen, sondern dass wir es gestalten wollen und ja auch können: Es gibt die Kräfte und die Fähigkeit unter uns, die Aufgaben, die das Leben uns stellt, zu meistern und die Zukunft zu gewinnen, für uns und die vielen, die nach uns kommen.

Die Person Eberhard Burgers steht für dieses Geschehen in besonderer Weise. Seiner großen Aufgabe hat er sich in einer Haltung gestellt, die nur mit dem Wort Hingabe bezeichnet werden kann. Er ist zugleich mit einer Gelassenheit an das Werk gegangen, die aus langer beruflicher Erfahrung und Kompetenz kommt. Der Bau stellte eine außergewöhnliche fachliche Herausforderung dar. Unzählige Entscheidungen zur Ausführung und Gestaltung der einzelnen Elemente waren zu treffen; und in jedem Fall gab es gute Argumente auch für gegensätzliche Auffassungen. Der Baudirektor hat die Baustelle und das komplizierte Zusammenwirken der Gewerke mit ruhiger Präsenz gesteuert und in Konflikten klaren Kurs gehalten. Das war eine notwendige Bedingung für das Gelingen.
Zugleich hat er immer wieder erläutert, wie die Architektur der Frauenkirche in geistigen Wurzeln gegründet ist und seine Bewunderung für das geniale Werk George Bährs zum Ausdruck gebracht. Die Architektur der Frauenkirche ist aus der lutherischen Theologie, in der ihr Schöpfer glaubend verwurzelt war, abgeleitet und erschließt sich nur aus ihr – darum gibt sie wie kein anderes Bauwerk Auskunft über unsere Konfession. Es war ein segensreicher Umstand, dass der Baudirektor für den Glaubensaspekt stand, unaufdringlich und seinem Wesen entsprechend bescheiden, aber in klarer Eindeutigkeit für seine Glaubensüberzeugung. So blieb beides zusammengehalten, Baugeschehen und geistliches Geschehen.

Von seinen Gaben und seiner Lebenskraft hat Eberhard Burger in den vergangenen 17 Jahren sehr viel gegeben; mehr, als irgendjemand hätte verlangen können. Mit großer Dankbarkeit werden wir ihn am kommenden Sonntag aus dem kirchlichen Dienst verabschieden; zugleich freuen wir uns, dass er im Stiftungsrat der Frauenkir¬che weiter mitarbeiten wird. Sein Werk verweist auf Gott – und lobt den Meister.

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