Navigation überspringen

Landeskirche

Junge Menschen müssen mehr Verantwortung übernehmen

Sächsische Zeitung, 09. Mai 2008

Ein evangelisches Jugendfestival (EVA) in und vor der Frauenkirche – eine konsequente Idee, denn es waren Jugendliche, die 1982 an der Ruine der Frauenkirche ihre Hoffnung zum Ausdruck brachten. Damit begann ein Prozess, der uns vor fast 3 Jahren den strahlenden Tag der Weihe erleben ließ. So ist es ein starkes Zeichen, dass über 2000 Jugendliche als Dauerteilnehmer des Festivals und weitaus mehr als Gäste zu den zahlreichen Veranstaltungen zu Pfingsten die Frauenkirche und viele umliegende Plätze und Räume mit jugendlichem Leben erfüllen werden.

Was lockt sie nach Dresden? Es ist eine scheinbar widersprüchliche Mischung, die in einem Satz auf den Plakaten zusammengefasst ist: „EVA verführt zu Verantwortung!“ Jugendliche sollen nicht ermahnt, sondern mit Hilfe eines attraktiven Programms zu eigenem Engagement herausgefordert werden. Der Impuls geht von der Frauenkirche aus. Ihr Wiederaufbau hat ein kraftvolles Zeichen für Frieden und Versöhnung gesetzt und gezeigt, dass eine Vision Wirklichkeit werden kann. Davon können sich Jugendliche ermutigen und sich zu engagiertem Einsatz für ihre Ideale „verführen“ lassen.

Dabei kommen sie mit ihren eigenen Projekten zum Zuge. Vom „Hiob Rockmusical“ bis zu den Baucamps des „Steinschleuder e.V.“ zeigen Jugendliche, wofür sie Verantwortung übernehmen. Sie werden sich gegenseitig anstecken und unterstützen. Und sie werden feiern, in der Frauenkirche selbst, auf großen und kleinen Bühnen, bei Rockkonzerten und in Gottesdiensten.

Nicht umsonst wird EVA2008 zu Pfingsten gefeiert. Es ist das Fest der von Gott geschenkten „Begeisterung“. Gute Ideen zur Weltverbesserung reichen nicht aus, Kraft, Leidenschaft und Segen müssen dazu kommen. Menschen können das Trennende überwinden und die Welt verändern. Das haben vor 2000 Jahren, beim ersten Pfingstfest in Jerusalem, tausende Menschen als Gottesgeschenk erlebt. Seitdem prägen Christinnen und Christen und ihre Kirche das Gesicht dieser Welt. Das wird die Teilnehmer von „EVA2008“ inspirieren.

Es wird spannend werden, mit Jugendlichen gerade an und in der Frauenkirche über das Thema des Festivals zu reden: „Soll ich meines Bruder Hüter sein?“ Oder anders gefragt: In welcher Form können und müssen wir heute Verantwortung übernehmen? EVA2008 wird also ein Zeichen sein, dass auch die jungen Generationen ganz bewusst als Christen versuchen, ihren Alltag zu gestalten – verantwortlich. Unsere Zeit mit allen ihren Spannungen, Verwerfungen und Konflikten braucht nichts so sehr wie junge Menschen, die bereit sind, couragiert Verantwortung zu übernehmen. Es sind starke Signale, die sich mit der Frauenkirche und mit EVA2008 verbinden!


Jochen Bohl
Landesbischof der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens

Schriftgrösse
[A]
[A]
[A]
Link-Tipps