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Landeskirche

Bericht vom 24. April 2010

Bild: Mittags gab es Gelegenheit zu Bewegung an der frischen Luft

Evangelische Bildung aus gutem Grund: Zum Bildungsauftrag der Evangelischen Kirche

Bild: Dr. Matthias Hahn beim Vortrag
Dr. Matthias Hahn

Zum Auftakt des Thementages stand der Vortrag von Dr. Matthias Hahn, Direktor des Pädagogisch-Theologischen Instituts Drübeck. Er verwies gleich zu Beginn im Jahr der Bildung im Rahmen der Reformationsdekade auf die Rolle von Luther und Melanchthon und das Verhältnis von Kirche und Bildung. Nach einem Ausflug in die Geschichte stellte er die Bedeutung der Evangelischen Bildung in der Gegenwart in den Zusammenhang von Orientierungshilfe in einer unübersichtlichen gewordenen Welt. Durch die Vergewisserung in der biblisch-theologischen Begründung zog er den Schluss, das das Thema Bildung biblisch geboten sei.

Nun würde sich aber evangelische Bildung nicht in einem luftleeren Raum abspielen und sei in den gesellschaftlichen Kontext eingebunden. Hahn sprach beispielsweise die Frage nach der Bildungsgerechtigkeit an, für die sich die evangelischen Schulen mit einem integrativen Schulsystem einsetzen sollten.

Bild: Nachfragen und Diskussion nach dem Vortrag
Aussprache nach dem Vortrag von Dr. Hahn

Bildungsgerechtigkeit würde aber schon im Kindergarten beginnen, wo auch die evangelische Bildungsarbeit beginne. Hier gehe es darum, Kinder in die Lebenswelt des christlichen Glaubens einzuführen.

Christlicher Glaube gebe Antworten auf Lebensperspektiven, so dass es eine wichtige Aufgabe für Diakonie, Bildung und Gemeinden sei, religiöse Bildung in die Pläne aufzunehmen. Bildung sei allerdings mehr als die „Erfüllung von Missionswünsche, die auf eine Sicherung der Institution Kirche abzielen“, so Hahn.
In der Pädagogik der Gemeinde, der Religionspädagogik in der Schule, in den Bildungseinrichtungen in evangelischer Trägerschaft und im öffentlichen Bildungsdiskurs sieht er den vierfachen Bildungsauftrag der Kirche.

Das Beispiel:

Schule

In der Arbeitsgruppe wurden stabile Verhältnisse in Sachsens Bildungslandschaft seit 1992 bescheinigt. Dennoch wolle man sich stärker machen für ein längeres gemeinsames Lernen. Aus Sicht der evangelischen Kirche gebe es aber dazu keine einheitliche Position, so Oberlandeskirchenrätin Almut Klabunde.
Christliche Schüler sollen gestärkt werden in ihrem säkularen Umfeld. Es wurde die Frage gestellt, ob der Freistaat Sachsen seiner Aufgabe des zweistündigen Religionsunterrichtes nachkommt? Neben der Zweistündigkeit wurde auch die finanzielle Gleichstellung Evangelischer Schulen gefordert sowie der Religionsunterricht in Berufsschulen angesprochen.
Religionslehrer sollten im Lehrerkollektiv der Schule integriert sein, noch andere Fächer unterrichten und kein „Sahnehäubchen-Dasein“ fristen.
Freistaat  muss mehr Stellen für Referendare schaffen. Kluges Abwägen zwischen Kirche und Freistaat was die ambivalente Situation der Finanzierung des Religionsunterrichtes angeht.

Spitzensätze aus den Themengruppen

Bild: Themengruppe zu Öffentlicher Raum
Themengruppe bei der Arbeit

Kindertagesstätte

„Bildung von Anfang an!!!“
Kindertageseinrichtungen als Bildungsorte/Bildungsinstitutionen der Landeskirche sind genauso wichtig wie Schulen! Dies muss in der Landeskirche genauso wahrgenommen und wertgeschätzt werden.

Investition in Erzieherinnenausbildung

Evangelisches Personal fällt nicht vom Himmel und wird in allen Kindergärten gebraucht.

Ressourcen erschließen, um den religionspädagogischen Auftrag der Landeskirche und die religiöse Bildung für Kinder und Familien (Kapitel 4/Bildungsplan) -  in evangelischen Kindertagesstätten wie in allen anderen - zu erfüllen!

Schule

Wir brauchen mehr Religionslehrer, besonders an beruflichen Schulen!

Die evangelische Kirche soll sich – auf Grundlage des christlichen Menschenbildes – stärker in die bildungspolitische Diskussion einmischen!

Wir fordern finanzielle Gleichstellung Evangelischer Schulen und 2-stündigen Religionsunterricht.

Wir fordern die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben zum Religionsunterricht durch den Freistaat Sachsen in Form von Einstellung von Hochschulabsolventen, Übernahme von Lehramtsanwärtern und Durchsetzung der Zweistündigkeit des Religionsunterrichts sowie ein angemessenes finanzielles Engagement der Kirche für den Religionsunterricht.

Bild: Kurrende aus Dresden-Plauen sorgte für musikalische Unterhaltung
KMD Sandro Weigert mit seiner Kurrende

Öffentlicher Raum

Evangelische Kirche hat die Aufgabe, der eigenen Millieuverengung entgegenzuwirken, um die christliche Bildung in den öffentlichen Raum zu tragen.

Der „Öffentliche Raum“ braucht christliche Bildung nach evangelischen Verständnis: für Erkennen von Glaubenszusammenhängen, Sinnfindung, ethische Positionierung, Lebensgestaltung und -bewältigung.

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.
Kirche ist Mitgestalterin im Prozess lebensbegleitenden Lernens in öffentlichen Räumen. Sie hat als lernende Kirche mehr Chancen als sie ahnt.

Wer Lernprozesse im öffentlichen Raum in Gang setzen will, muss sich positionieren.

Bild: Maskerade
Bewegung vor der Dreikönigskirche

Familie

Familie ist Ort religiöser bzw. christlicher Erziehung und Bildung im Spannungsfeld vielfältiger gesellschaftlicher Ansprüche und Wirklichkeiten. Sie benötigt vielfältige Unterstützung unserer Kirche bei ihrem Amt der Erziehung und Bildung.

Der emotionale und soziale Lernort Familie ist Grundlage für alle weitere Bildung und ist durch verschiedene Unterstützungssysteme zu fördern.
Familie braucht Orientierung und Hilfe!

Familie ist als Bildungsort alternativlos und unverzichtbar, denn in ihr wird das Leben miteinander gemeinsam gestaltet. Sie bedarf aber der Unterstützung durch Gemeinde.

Familie ist Vielfalt. Unsere Kirche will für Familien einladend und offen sein, lebensnah, glaubensfroh und weltoffen.

Kirchgemeinde

Wir brauchen niedrigschwellige Angebote, die millieuübergreifend Lernen ermöglichen – konkrete Angebote ganztägigen Lernens in der Region müssen konzeptionell im Blick der Gemeinde sein.

Lernort Kirchgemeinde heißt Raum geben um eigenen Glauben finden und leben zu können,

Gemeinde als Pilgerherberge, wo Akteure selbst Pilgernde sind – dabei werden niedrigschwellige Angebote generationsübergreifend erlebbar.

Wir brauchen als Kirchgemeinde Konzepte für „Befreundungsräume“ für „normale“ Menschen!

Bild: Projektjugendchor aus Großenhain

Zu Beginn und während der Kurzvorstellung der Ergebnisse beeindruckte ein Kinder- und Jugendchor aus dem Kirchenbezirk Großenhain mit einem umfangreichen Liedprogramm. Die jungen Stimmen sind Bestandteil eines Gemeinschaftsprojekts unter Leitung des Musikers und Komponisten Stefan Jänke.

Das Beispiel:

Lokale Bildungslandschaften - Kirche in Kooperation

Vortrag und Diskurs von Studienleiter Christian Kurzke (Ev. Akademie Meißen):
Kommunale Bildungslandschaften erhöhen Lebensqualität in einzelnen Regionen und die Möglichkeit von Netzwerken zwischen Kirche und Staat (Beispiele von Dresden, Leipzig, Görlitz aus Sicht der Akademie).
Der Focus liegt nicht nur auf Kinder und Jugendliche, sondern beim lebenslangen  Lernen für alle Altersgruppen. Wie erreiche ich bildungsferne Gruppen? Beispiel: Umfrage vor der Dreikönigskirche, was ist Synode? Mit Ideenreichtum Schnittstellen im öffentlichen Raum finden, um Kirche bei den Menschen bekannt zu machen.
Vernetzung im öffentlichen Raum zwischen Kirche und Staat bei projektbezogenen  Anlässen, wie z.B. Stadtteilfesten, Projekttagen in der Schule etc.
Erwartungen an die Arbeitsgruppe: Welche Möglichkeiten gibt es noch zur Vernetzung mit Menschen die nicht christlich geprägt sind?

Ergebnissicherung – Schlaglichter aus den Workshops

1. Aus der Gruppe Schulpolitik wird seitens der Landeskirche eine Konzeption angeregt, die den Ist-Zustand darstellt und Zielsetzungen festlegt. Dabei sollen christliche und staatliche Schulen gemeinsam in den Blick genommen werden.

2. Es wird sich für Mindeststandards bei Anstellungen christlicher Lehrer ausgesprochen. Ein wichtiger Punkt war, wie christliche Lehrer für die Schulen gewonnen werden können.

3. In einer Runde zu evangelischen Schulen wurde eine verstärkte Zusammenarbeit sowie Kontakte von Kirchgemeinden zu Schulen in der Nähe angeregt. Schulen und Träger sollten unterstützt werden.

4. Die Zahl der evangelischen Kindergärten ist von 60 (vor 1990) auf 243 stark gestiegen. Positionierung zu Krippenplätzen ab 1. Lebensjahr. Mehr Erzieher und Investitionen in Aus- und Weiterbildung sowie Überlegungen zu Neugründungen KiTA.

Bild: Es traten auch einige Solostimmen auf

5. Qualität des Religionsunterrichts soll weiterentwickelt und gesichert werden. Synodale werden gebeten, in den Kirchgemeinden das Bewusstsein zu fördern und, dass die Erteilung von RU ein genuiner Bestandteil kirchlicher Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist.

6. Die Bedeutung der Musik für die christliche Bildung wurde hervorgehoben. Zu achten ist auf ausgewogenes Verhältnis zwischen Gemeindepädagogik und Kirchenmusik. Handlungsbedarf bei Strukturierung der Aus- und Weiterbildung von neben- und ehrenamtlichen Kirchenmusikern (Arbeitshilfen, Handreichungen)

7. Kirchgemeinden sollten Börsen von Erfahrungen mit Bildungsarbeit und Schulen sein (Lokale Bildungslandschaften). Sie sollten untereinander zu dieser Thematik in lokalen Netzwerken Verbindung aufnehmen. Weiterbildungsangebote für lokale Akteure – auch andere gesellschaftliche - zusammenführen.

8. Bei der christlichen Erziehung in der Familie soll von der Kirchgemeinde Ermutigung und Begleitung von Paten ausgehen. Kirchgemeindliche Arbeit sollte familienfreundlich und offen für Menschen sein, die in verschiedenen Lebensformen von Familie leben.

9: Kirchenräume sind auch Bildungsorte und können Lernorte zur Beheimatung im Glauben sein. Bildungsorte sind Gesprächsorte. Urlauberseelsorge sollte als Chance gesehen werden.

10. Bei Ganztagsangeboten sei Kirche als verlässlicher Partner gesucht und geschätzt. Allerdings sollte diese Beziehungsarbeit noch verbessert werden. Auch Kirchgemeinde als außerschulischen Lernort der Schule anbieten. Weitergabe von Informationen.

11. Ausbildung wird als Investition in die Zukunft der Kirche angesehen und als nötig angesehen. Eine Expertengruppe soll entsprechende Berufsfelder der Kirche untersuchen und Visionen für die Zukunft entwerfen.

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