Navigation überspringen

Leben und Glauben

Kurzandacht

Blumenstrauß

„Was soll der Strauß denn kosten?“ fragt die Verkäuferin. Unschlüssig steht der Mann vor den vielen Eimern mit den Blumen. „Das ist die falsche Frage“, antwortet er bestimmt. „Wissen Sie, ich suche einen Blumenstrauß für meine Frau. Sie hat morgen Geburtstag. Er muss nicht groß sein. Aber ich möchte, dass man ihm ansieht, dass er mit Liebe ausgesucht wurde. Sie mag Hortensien, aber Rosen sollten nicht fehlen. Und dann sagen Sie mir, was sie dafür bekommen. Das ist dann in Ordnung.“

Sie schweigt und macht sich an die Arbeit. Dieser Mann hat sie aus ihrer Routine geweckt. Wie oft wird eine Summe genannt und nur überlegt, welche ungerade Zahl von Blüten sich für diesen Preis zusammenstellen lässt, inklusive Grünzeug und Verpackung. Dann flink eine Schnur herum gebunden, dem Kunden das Ergebnis zeigen, die Stiele mit der Schere kürzen, im Papier einwickeln und Kasse.

Zielsicher greift sie jetzt nach mehreren Blumen, auch solchen, die er nicht genannt hat. Es dauerte lange bis sie aus dem rückwärtigen Bereich wieder in den Verkaufsraum kommt. Ohne Worte präsentiert sie ihr Ergebnis.

„Das ist sehr gut. - Das ist ein Kunstwerk!“ sagt er beeindruckt, noch bevor er in ihren Augen die Tränen entdeckt. Er zögert einen Moment, sagt aber nichts.

Dann fragt er nach dem Preis. „30 €“ sagt sie knapp. „Das ist viel“ antwortet er und lächelt sie an. „Nicht zu viel für Ihre Frau!“ gibt sie freundlich zurück. –

 „O ja, da haben Sie Recht!“ Sie sehen sich kurz an. Dann verlässt er den Laden.

Alles, was ihr tut, das tut von Herzen, (Kol. 3, 23) heißt es in der Bibel. Und tut es so, als sei es für Gott und nicht für die Menschen.

Es gibt so viel Gleichmaß und Routine in unseren Tagesabläufen, aber man spürt sofort, wie das Leben an Qualität gewinnt, wenn ein Mensch nicht nur Dienst nach Vorschrift macht. Wer seine Vorhaben missmutig erledigt, geht an der Tiefe des Lebens vorbei. Wer aber sein Herz in die Waagschale legt, kommt dem wahren Leben auf die Spur. Er ehrt damit Gott ohne viele Worte. Das gilt für Arbeit und Schenken, für Reden und Schweigen im richtigen Moment, und sogar für das Bezahlen an der Kasse.

Pfarrer Holger Treutmann, Dresden
Rundfunkbeauftragter der Ev.-Lutherischen Landeskirche Sachsens und Senderbeauftragter der Evangelischen Kirchen beim MDR

 

 


Weitere Informationen:

Schriftgrösse
[A]
[A]
[A]
Link-Tipps