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Leben und Glauben

Kurzandacht

Passionszeit

Omnibus – das heißt „für alle“

Bild: Installation
Installation vor der Frauenkirche

Omnibus – das heißt „für alle“
Drei Omnibusse stehen Kopf vor der Dresdner Frauenkirche auf dem Neumarkt.
Es ist eine Installation des deutsch-syrischen Künstlers Manaf Halbouni.
Sie erinnert an ein Bild aus Aleppo, wo drei im Krieg zerstörte Busse hochkant nebeneinander gestellt wurden, um einen Schutzschild gegen Geschosse zu bilden. Diese Szene aus den Ruinen der zerstörten Stadt in Syrien inspirierte den Künstler. Drei ausrangierte Busse installierte er in ähnlicher Weise und stellte sie hochkant  auf den Dresdner Neumarkt.

Omnibus – das heißt „für alle“
Omnibusse sind zur Beförderung von Menschen gemacht.
Sie bringen zur Arbeit und wieder nach Haus.
Sie fahren den Einkauf in der Tasche, geben Raum für Fahrrad oder Rollator, sind Transportmittel für Menschen mit Monatskarte und Einzelfahrschein. Sie sind Ruhepole im Alltagsstress für alle.
Wenn ein Omnibus Kopf steht, dann ist die Welt aus den Fugen.
Zusammenleben funktioniert nicht mehr.
Wege sind versperrt. Sicherheiten verloren. Ziele unerreichbar.
Wenn der Bus zum Schutzschild wird, dann ist gemeinschaftliches Leben am Ende. Querschläger. Angreifer von allen Seiten. Freund und Feind nicht mehr zu unterscheiden.
Omnibus. Barrikade für alle in der Not.

Omnibus – das heißt „für alle“
Nicht alle sind einverstanden mit den drei Bussen vor der Frauenkirche.
Manche empfinden den Kontrast zu scharf zwischen barocker Altstadt und Kriegssymbol. Einige nennen die Installation Schrott. Sie stören sich an Namen und Herkunft des Künstlers. Für sie ist das Werk nur Symbol einer verfehlten Flüchtlingspolitik in Deutschland.

Andere sagen, das Kunstwerk sei zu plakativ.
Sind es nicht auch unsere Waffen, die anderswo töten?
In sicheren Zeiten ist es leicht, das Leid der Fremden im Krieg zu bedauern.
Darf solche Not in Syrien hier bei uns  ästhetisch überhöht werden?

Mich erinnert das Bild von den drei hochkant gestellten Bussen auch an die drei Kreuze von Golgatha. In der Mitte Jesu Kreuz und rechts und links von ihm die Kreuze zweier Leidensgenossen.
Sie leiden gemeinsam. Er geht mit ihnen durch den Tod und trägt wie ein Joch den Balken mit Leid und Schuld der Menschen zur Rechten und zur Linken.
Im Johannesevangelium heißt es:
Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. (Joh. 3, 14f)

Omnibus heißt „für alle“
Drei Busse aufgerichtet und sichtbar für alle.
Drei Menschen am Kreuz aufgerichtet und sichtbar für alle.
Leid und Schuld zur Rechten und zur Linken
Und mittendrin im Streit der Welt Gott, im Sohn Jesus Christus.

Es heißt, unsere Gesellschaft spaltet sich.
In Deutschland, in Europa, in Amerika.
Demokratien, deren Wurzeln ins Christentum reichen, spalten sich.
Am Kunstwerk vor der Frauenkirche scheiden sich die Geister.
Ob Dresden Opfer oder Täter ist, darum wird nach wie vor heftig gestritten.
Die beiden Verbrecher am Kreuz links und rechts neben Jesus streiten über
ihre Schuld und Leid. Der eine bekennt seine Schuld. Der andere beklagt sein Leid und pocht auf sein Recht auf Leben. „Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein“ Das ist der Hoffnungssatz, an dem beide sich festhalten können.

Nach Gottes Willen soll niemand verloren sein.
Denn diese Welt ist für alle.
Omnibus.
 

Pfarrer Holger Treutmann, Dresden
Rundfunkbeauftragter der Ev.-Lutherischen Landeskirche Sachsens und Senderbeauftragter der Evangelischen Kirchen beim MDR


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