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Leben und Glauben

Kurzandacht


Pfingsten

Pfingsten – sind diese Tage nicht wie geschaffen dazu, um zu Fuß oder per Fahrrad hinaus zu ziehen? Die grün gewordenen Wiesen und Wälder locken in die frische und duftende Natur. Birkenzweige wehen, der Wind spielt in den Blättern, erfrischt uns das Gesicht und stärkt uns, wenn wir ihn im Rücken haben. Mit Gegenwind lässt es sich weitaus schwieriger unterwegs sein.
Die Kraft des Windes nutzen die Menschen seit alter Zeit. Er bläst die Wäsche trocken, lässt Segelschiffe übers Wasser gleiten, treibt Windräder und -mühlen an, richtet Wimpel und Fahnen aus. Mit zunehmender Stärke kann er uns aber auch gefährlich werden – ab Windstärke 12 als Orkan, der Bäume umwirft und Dächer abdeckt oder als Tornado, der ganze Streifen von Verwüstung zurücklässt.
Zu Pfingsten wird der Geburtstag der Kirche gefeiert. Auch ihr tut es gut, sich darauf zu besinnen, was sie in allen Stürmen und Winden der Zeit zusammen hält. Vieles bestürmt sie von außen und innen: Finanzzwänge und Veränderungsdruck, die Sehnsucht nach Erneuerung genauso wie der Wunsch, das Wichtige festzuhalten. Im Epheserbrief der Bibel wird für die Kirche ein schönes Ziel formuliert: Sie soll so gebaut werden, dass die Menschen in ihr zur Gemeinschaft gelangen und zur Erkenntnis, „…damit wir nicht unmündig bleiben und uns nicht mehr von jedem Wind einer Lehre beirren und umhertreiben lassen“ (Eph. 4, 14)
Zur Festigung einer guten Gemeinschaft hilft es – so betont es der Verfasser des Briefes - in Liebe auf das zu sehen, was aufbaut und was der gegenseitigen Stärkung dient. Gerade für schwierige Debatten, die niemals ausbleiben, gerade für kräftezehrende Konflikte stellt der Brief die Frage: was hält uns zusammen, was lässt uns eine überzeugende Verwirklichung der von Christus gedachten Gemeinschaft sein? Mit Pfingstgeist beschenkt brauchen wir nicht oberflächlich dem Wert „Erfolg“ hinterher zu hecheln, nur um „in“ zu sein. Genauso wenig entspricht es dem Pfingstgeist, an Traditionen festzuhalten, nur weil es vermeintlich schon immer so war. Gottes Geist gibt auch Mut zu nötigen Veränderungen, näher hin zu dem, was Jesus uns vorgelebt hat.

Pfarrerin Dr. Maria Heinke-Probst, Bautzen

 


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